Magic Callboy

Kapitel 1

Samstag

Die Anweisung klingt, wie aus einem Sexspiel kopiert. Ob Reinhard extra eines dieser Sets mit erotischen Aufgaben gekauft hat? Er ist nicht der Typ Mann, der Einladungen in blumige Worte fasst oder ein Date überhaupt vorbereitet. Weshalb diese Mühe? Unser Jahrestag steht erst im Winter an. Keiner von uns feiert in nächster Zeit Geburtstag. Das hier muss ihm dennoch wichtig sein. Aber warum?

Zieh dir was Schönes an, lass die Unterwäsche weg und komm um sechs zu Marcos. Ich werde dich dort sehnsüchtig erwarten.

Steigt mir da sogar der Duft eines Parfums in die Nase? Damit hat er wirklich übertrieben. Weshalb hat er die Nachricht überhaupt notiert, statt mir die Worte einfach ins Gesicht zu sagen?

Ich lege das dicke Papier im Postkartenformat, auf dem mit Reinhards geradliniger Schrift zwei Sätze notiert sind, ungläubig auf den Küchentisch neben meinen Frühstücksteller. Im Augenblick entdecke ich nur seine von ersten grauen Strähnen durchzogenen Schläfen und das dunkle Haar hinter der Zeitung. „Diese Einladung ist wirklich sehr nett von dir“, beginne ich. „Gibt es etwas zu feiern?“

„Muss es einen Anlass geben, damit du mit mir ausgehst?“ Er legt mit gerunzelter Stirn die Zeitung weg.

„Nein, natürlich nicht. Tut mir leid, falls es so geklungen hat. Ich freue mich sehr auf unsere Verabredung. Wirklich.“

Er nickt. „Schön. Dann kannst du den Rest des Tages nutzen, dich darauf vorzubereiten.“

In meinem Magen beginnt es zu kribbeln. Reinhards kühl berechnender Tonfall gefällt mir nicht. So redet er nur, wenn er alles unter Kontrolle haben will. Das kann leider ausarten. „Was meinst du?“

„Ich habe dir ein Päckchen ins Badezimmer gestellt. Du wirst es schon herausfinden.“

Neuerlich dieses Kribbeln in meinem Bauch. „Ich verstehe nicht, warum du dir solche Mühe machst.“

„Wie bitte?!“ Die Kaffeetasse, aus der er gerade einen Schluck genommen hat, zittert in seiner Hand. Er stellt sie mit einem Klirren ab.

Oh nein, das habe ich völlig falsch formuliert. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Es ist furchtbar nett von dir, dich so ins Zeug zu legen …“

„Warum hinterfragst du dann meine Handlung?“ Sein Gesichtsausdruck wird wütend.

„Deine Einladung hat mich überrascht. Ich danke dir dafür, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast. Es ist nur …“

„Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, dir immer wieder zeigen zu wollen, wie wichtig du mir bist?“ Er steht auf und sieht mich beleidigt an.

Ich lächle beruhigend. Anscheinend versucht er, etwas vor mir zu verbergen. Sonst würde er wegen meiner Frage nicht so überreagieren. „Es tut mir leid. Du hast das eindeutig seit Langem geplant. Ich freue mich auf heute Abend.“

„Du solltest auch voller Vorfreude sein. Nach dem Abendessen werde ich dich verführen. Heute Abend wirst du deinen Orgasmus nicht vortäuschen müssen.“

Fassungslos starre ich ihn an. Die Zufriedenheit steht in sein Gesicht geschrieben. Dann wird ihm klar, was er da gerade gesagt hat. Sein Lächeln verschwindet.

„Wie kommst du auf die Idee, ich würde dir etwas vorspielen?“ Tja, leider bleibt mir meist nichts anderes übrig, weil Reinhard sich nicht gerade geschickt dabei anstellt, mich zum Höhepunkt zu bringen. Trotzdem würde mich interessieren, woher seine Erkenntnis plötzlich kommt, nachdem er sich all die Jahre für einen großartigen Liebhaber gehalten hat.

„Denkst du nicht, ich merke, wenn du mich belügst?“ Abweisend verschränkt er die Arme vor der Brust.

„Lüge ist so ein starkes Wort …“

„Es ist beleidigend, wenn du mir gegenüber nicht ehrlich bist.“

Ich unterdrücke ein Seufzen. Manchmal benimmt er sich wie ein trotziges Kind. Dann ist er mit seinen bald vierzig Jahren unvernünftiger als ich, obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin. Wenn das nur das einzige Problem in unserer Beziehung wäre! Trotzdem steht eines außer Frage. „Ich liebe dich. Das ist alles, was zählt. Ich möchte für immer mit dir zusammen sein.“

„Trotzdem bin ich anscheinend nicht in der Lage, dich zu befriedigen. Zumindest behauptet das Jessica.“

Mit einem Mal wird mir schwindlig. Das kann nicht sein. Meine beste Freundin würde mir niemals derart in den Rücken fallen. Ich spüre, wie das Blut aus meinem Gesicht weicht. „Was soll das heißen?“

„Ich habe mich letztes Wochenende mit Manfred unterhalten. Er hat so etwas angedeutet.“

Gott, wie peinlich! Das wird ja immer schlimmer. Jessica weiß genau, dass ich Manfred nicht leiden kann. Hat sie dennoch weitererzählt, was ich ihr im Vertrauen gesagt habe? Hat sie ihrem Mann gegenüber tatsächlich ausgeplaudert, dass ich sexuell frustriert bin? Das werde ich ihr nicht verzeihen! Wut steigt in mir hoch.

„Warum redet ihr über mich?“, erkundige ich mich mit heißem Gesicht. „War das Fußballmatch so langweilig?“

„Jetzt werde nicht pampig! Ich bin froh, endlich die Wahrheit erfahren zu haben. Dank dir bin ich eine Lachnummer in unserem Freundeskreis. Aber das wird sich ändern. Du wirst keinen Grund mehr haben, dich zu beschweren.“

„Ich habe mich nicht beschwert.“ Trotz meiner Wut auf Jessica versuche ich, Reinhard zur Vernunft zu bringen. „Wir sind glücklich. Es fehlt uns an nichts.“

„Außer an Höhepunkten.“

In seinen Augen lese ich, wie verletzt er ist. Der erfolgreiche, selbstbewusste Architekt zweifelt wegen mir an sich. Ich stehe auf und schmiege mich an seine große, breite Brust. „So stimmt das nicht.“

„Das Gespräch mit Manfred hat mir etwas klargemacht. Wir sind zu bequem geworden. Wir haben unser Feuer verloren. Aber noch ist es nicht zu spät. Wir werden an unserer Beziehung arbeiten. Heute Abend beginnen wir damit.“

Ich gebe ihm recht. Doch der Sex ist nicht unser Hauptproblem. Wir unternehmen viel zu wenig gemeinsam. Im Laufe der Jahre haben sich unsere Prioritäten geändert. Manfred will eine Familie. Er drängt mich schon seit Langem, endlich mit ihm an einem Kind zu basteln und dann daheimzubleiben. Aber das ist nicht, was ich will. Ich will noch etwas erleben, meine Freiheit genießen, abenteuerlustig sein. Ob ich diesbezüglich heute auf meine Kosten kommen werde? „Einverstanden“, stimme ich zu. „Ein romantisches Abendessen, anregende Gespräche, …“

„… heißer Sex. Ich will, dass du die ganze Zeit daran denkst“, flüstert er mir ins Ohr. Seine Hände streichen über meinen Rücken, wärmen mich, wecken meine Sehnsucht nach Nähe. „Gleich nach dem Dessert fahren wir nach Hause, und ich gebe dir, was du brauchst.“

„Zu Hause? Wie wäre es, wenn du schon im Auto über mich herfällst?“

„Das ist es, was du dir wünschst?“, fragt er ungläubig, vielleicht sogar ein wenig erfreut.

Ich hebe den Kopf und sehe ihn an. „Ein wenig Abwechslung wird uns nicht schaden.“

„In Ordnung. Darüber werde ich mir Gedanken machen. Bestimmt fällt mir etwas ein. Notfalls recherchiere ich auch.“

Sein Eifer entlockt mir ein Lächeln. Er ist offensichtlich auf der Mission, Schwung in unsere Beziehung zu bringen. Und das wird er genauso korrekt und gewissenhaft durchziehen wie seinen Job im Architekturbüro. „Ich freue mich darauf.“

„Sehr schön.“ Er küsst mich auf die Nasenspitze. „Dann mache ich mich jetzt auf den Weg zur Arbeit. Wir treffen uns direkt im Restaurant. Viel Spaß bei den Vorbereitungen.“

Sein aufgeregtes Grinsen scheint mir übertrieben. Ich begleite ihn zur Wohnungstür und winke ihm nach. Schade, dass er heute an einem Samstag arbeiten muss. Ich selbst bin später noch mit einer Freundin verabredet. Jetzt gehe ich aber erst mal ins Badezimmer. Die Neugierde lässt mir keine Ruhe.

Das geheimnisvolle Päckchen, das er erwähnt hat, entpuppt sich als Geschenk im Schuhkartonformat. Es ist in rotes Seidenpapier gehüllt, das ich vorsichtig entferne. Das Knistern des Papiers klingt verheißungsvoll. Dann hebe ich neugierig den Deckel der Schachtel an.

Mir stockt der Atem. Ein teuer aussehendes Parfumfläschchen liegt darin. Doch das ist nicht, was meine Aufmerksamkeit fesselt. Auf der Tubenverpackung daneben steht Intimenthaarungscreme. Ich halte überrascht die Luft an. So etwas habe ich noch nie benutzt. Allein die Vorstellung fühlt sich befremdlich an. Bislang habe ich mich aufs Stutzen und Trimmen beschränkt. Handelt es sich um eine Fantasie von Reinhard, mich untenrum haarlos zu sehen? Soll ich es wirklich wagen?

Ich denke an die letzten Jahre. Die Langeweile, die Routine. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Und möglicherweise komme ich dann auch auf meine Kosten.

„Gefällt es dir hier?“, fragt Reinhard einige Stunden später.

Ich zupfe am Saum meines schwarzen Kleides und versuche, es tiefer zu schieben. Wie von ihm gewünscht, habe ich die Unterwäsche weggelassen. Nach kurzem Zögern habe ich heute Morgen auch den Beipackzettel der Enthaarungscreme gelesen und sie dann angewendet. Ich komme mir verwegen und sehr sexy vor. Trotzdem sind meine Beine überschlagen, damit ich nicht versehentlich zu viel zeige. Ich bin froh über die langen Tischtücher in dem edlen, italienischen Restaurant, die auf meinen Schoß reichen und unter denen ich meine Füße verstecken kann.

„Es ist toll hier“, antworte ich. Als ich auf meinem Stuhl etwas nach vorne rutsche, reiben meine Oberschenkel übereinander. Mir wird deutlich bewusst, dass ich keinen Slip trage. Mein Herzschlag beschleunigt sich, als Erregung in mir hochwallt. Mein Mund ist mit einem Mal ganz trocken.

„Hast du dich schon entschieden, was du essen willst?“

Die Karte halte ich schon seit mehreren Minuten in meiner Hand. Doch ich habe noch keinen Blick darauf geworfen. „Tut mir leid. Ich kann mich nicht konzentrieren“, gestehe ich leise.

Reinhard lacht auf. Seine braunen Augen strahlen. Er zwinkert mir zu. „Das höre ich gerne. Ich werde die Bestellung für dich übernehmen. Du kannst dich gerne weiter mit dem neuen Gefühl anfreunden.“

Wie stolz er wirkt, wie zufrieden. So habe ich ihn lange nicht mehr gesehen. Mein Blick wandert über sein Gesicht. Ich kenne jede Falte um seine Augen, die kleine, nahezu unsichtbare Narbe über seiner Oberlippe, die hellen Sommersprossen, die sich jetzt im Sommer auf seinen Wangen zeigen. Reinhard ist kein Mann, dessen Attraktivität einem den Atem raubt. Er ist gutaussehend, gepflegt und achtet auf seine Erscheinung. Sein schwarzes Haar hat er korrekt frisiert. Der Anzug sitzt perfekt. Der leichte Bauchansatz, den er sich vor ein paar Monaten zugelegt hat, stört das Gesamtbild nicht. Alles an ihm strahlt Zielstrebigkeit und Geradlinigkeit aus. Ich könnte es auch Langeweile nennen.

Der Kellner tritt an unseren Tisch. Ich bringe kein Wort heraus, als er nach meinen Wünschen fragt. Dabei weiß ich genau, was ich gerne hätte. Mein Körper hat sich erhitzt. In meinem Magen kribbelt es voller Vorfreude. Ich presse meine Oberschenkel zusammen, um sie am Zittern zu hindern. Ich will, dass Reinhard mich packt, mir gleich hier am Tisch das Kleid vom Körper reißt und meinen Körper mit Küssen bedeckt. Wie es sich wohl anfühlen wird, wenn seine Zunge über meinen jetzt haarlosen Venushügel leckt? Ich zerschmelze vor Begehren, kann mich kaum gedulden, dabei haben wir noch nicht einmal mit dem Essen begonnen.

Während Reinhard unsere Bestellung aufgibt, hänge ich meinen Gedanken nach. In der letzten Zeit habe ich meinen Freund nicht mehr als meinen Lover, sondern als einen Kumpel gesehen. Wir haben aneinander vorbeigelebt. Aber ich liebe ihn immer noch, weil er mir Sicherheit gibt. Am Anfang unserer Beziehung hat er mich oft in vornehme Läden ausgeführt, mit mir alle romantischen Ausflugsziele Wiens besucht. Ich fühlte mich von seinem weltmännischen, selbstsicheren Auftreten angezogen. Erst später habe ich bemerkt, dass seine Stärke und sein Selbstbewusstsein grenzenlos sind. Er ist der Meinung, jeder müsste sich seinen Wünschen unterordnen. Meine Sicht auf ihn hat sich dadurch verändert. Welche Frau lässt sich schon auf Dauer gerne sagen, was sie tun darf und was nicht? Ich möchte nicht dominiert werden. Aber diese Idee, die er mir heute präsentiert hat, so verrückt sie mir im ersten Moment auch erschienen ist, könnte unsere Beziehung neu definieren.

Erleichtert registriere ich, dass Reinhard auf eine Vorspeise verzichtet hat, als der Kellner einen Teller vor mir abstellt. Pasta mit Meeresfrüchten. Die habe ich früher wirklich gerne gegessen. Aber jetzt hätte ich lieber auf alles verzichtet. Trotzdem beginne ich zu essen.

Ich lächle und lasse es mir schmecken. Während Reinhard seine Lasagne in kleinen Bissen in seinen Mund steckt, beobachtet er mich. Schließlich tupft er sich mit der Serviette den Mund ab.

„Spreiz die Beine“, verlangt er mit rauer Stimme.

„Wie bitte?“ Ich verschlucke mich an einer Muschel.

Er hält meinen Blick fest und lässt die Serviette fallen. „Spreiz die Beine für mich.“

Mein Herz macht einen Sprung, während sich meine Wangen röten. Durch meinen Magen schießt ein Hitzepfeil. Ich kann die Augen nicht von seinem Gesicht abwenden. Dennoch bin ich mir der anderen Menschen im Raum überdeutlich bewusst. „Das geht doch nicht.“

„Heute Abend sage ich dir, was du zu tun hast.“

Dieser strenge Tonfall in seiner Stimme zieht mich in seinen Bann. So direkt ist er beim Thema Sex noch nie gewesen. Diese überraschende unbekannte Seite von ihm macht mich an. Gebannt umklammere ich das Besteck und lege meine Handballen auf der Tischplatte ab.

Langsam, ganz langsam stelle ich die Beine nebeneinander und öffne dann meine Schenkel. Es ist ein fremdes Gefühl. Nackt. Schutzlos. Gleichzeitig unglaublich aufregend. Erregend.

Reinhards Pupillen weiten sich. Dann beugt er sich nach unten, um seine Serviette aufzuheben. Er lässt sich verdammt viel Zeit, sie nach oben zu holen.

Meine Gedanken beginnen zu rasen. Meine Sinne spielen verrückt. Hat er die Tischdecke schon angehoben? Kann er überhaupt etwas erkennen? – Ist da ein Luftzug? War da ein Finger an meinem Knie? Sehnsüchtig öffne ich meine Beine noch weiter.

Das lange Tischtuch verhindert, dass die anderen Gäste in dem Restaurant mir unter das Kleid sehen können. Vermutlich zieht allerdings jeder den richtigen Schluss, wenn er zufällig zu uns herüberschaut. Dass ich meine Beine gespreizt habe, ist nicht zu übersehen. Es überrascht mich, wie sehr diese Tatsache mich anturnt.

Endlich erscheint Reinhards Kopf über der Tischplatte. Sein Gesicht ist gerötet. Seine Hände zittern, als er die Serviette neben sich legt. Während unsere Blicke sich treffen, kann ich sehen, dass seine Atmung sich beschleunigt hat.

„Bist du zufrieden?“, erkundige ich mich. Das Blut pulsiert spürbar in meinem Schoß. Ich will von Reinhard berührt werden.

„Ich wäre es, wenn ich mich nicht fast nur auf meine Vorstellungskraft beschränken müsste. Wenn wir das nächste Mal essen gehen, werde ich um Beleuchtung unter dem Tisch bitten. Aber ich bin mir sicher, du hast mein Geschenk angewendet“, sagt er und lässt eine Augenbraue hüpfen. Trotzdem wirkt er nicht wirklich, als wäre ihm zum Scherzen zumute.

„Oder du bringst eine Taschenlampe mit“, witzle ich.

Schweigend sieht er mich an. Sein Blick wandert von meinem Gesicht tiefer, heftet sich auf mein Dekolleté. Mein Brustkorb hebt und senkt sich schnell. Meine Brüste kribbeln. Ich glaube, seine Finger auf meiner Haut zu spüren, die sich in meinen Ausschnitt schieben. Das ist es, was ich will. Das ist, was ich brauche. Ahnt Reinhard, was in mir vorgeht?

Er leckt sich über die Lippen und meine Brustwarzen werden hart. Dort möchte ich seine Zunge fühlen. Ich bekomme fast keine Luft, so schmerzhaft pocht das Verlangen in mir.

Statt meinen unausgesprochenen Wunsch zu erfüllen, greift er nach dem Besteck und konzentriert sich wieder auf seinen Teller. Was zur Hölle …?

„Iss! Du willst deine Pasta doch nicht kalt werden lassen.“

Ich spieße mit meiner Gabel eine Muschel auf und stecke sie mir in den Mund, bevor mir klar wird, was ich da eigentlich tue. Will Reinhard heute tatsächlich seine neue Rolle durchziehen? Ich verzehre mich hier vor Sehnsucht und ihn lässt mein sexy Aufzug unbeeindruckt? Kommt nicht infrage!

„Da mir ohnehin furchtbar heiß ist, kann das Essen ruhig auskühlen. Ich fühle mich richtig erhitzt, obwohl ich so wenig anhabe.“ Meine leise Stimme macht hoffentlich keine Tischnachbarn neugierig. Ich lecke mir betont langsam über die Lippen und registriere zufrieden, dass Reinhards Blick der Bewegung meiner Zunge folgt. „Mir war nicht klar, dass ich nach der Anwendung deines Geschenks jeden Luftzug dermaßen intensiv spüren würde.“

Reinhard schluckt. Seine Pupillen weiten sich.

„Vorhin, als du die Serviette aufgehoben hast, dachte ich sogar erst, ich hätte eine Berührung gefühlt“, berichte ich weiter. „Das Streicheln eines Fingers von meinem Knie aufwärts, meinen Schenkel entlang, unter den Saum meines Kleides und dann …“

„Ja?“, fragt er nach, als ich verstumme.

Ich lache. „Und dann habe ich bemerkt, dass nur Luft meine erhitzte Haut entlanggestrichen ist. Das war richtig scharf. Aber lieber hätte ich deine Hand zwischen meinen Schenkeln gehabt.“

„Das wirst du heute noch. Gott, wenn du so weitermachst, dauert es nicht mehr lange.“

Mein Blick zeigt ihm hoffentlich, wie erregt ich bin. „Das hoffe ich doch sehr.“

Er scheint zu überlegen. Dann schiebt er seinen halbleeren Teller zur Seite. „Hast du noch Hunger?“, will er wissen.

Ich schüttle den Kopf. „Nicht auf etwas, das auf der Karte steht.“

Ein Muskel an seinem Kiefer zuckt. Sein Adamsapfel hüpft. Er findet meine Anspielungen eindeutig anregend.

Meine Schenkel reiben aneinander. Ich beschließe, noch einen draufzusetzen. „Aber ich weiß, woran ich gerne lecken würde.“ Um seine Fantasie weiter anzuregen, lasse ich meine Zungenspitze über meine Unterlippe gleiten.

Reinhard hebt den Arm, um den Kellner zu uns zu rufen. „Wir möchten zahlen“, meint er zu dem jungen Mann.

„Hat es Ihnen nicht geschmeckt?“, erkundigt der Kellner sich besorgt nach einem Blick auf unsere Teller. „Ich bringe Ihnen gern eine Alternative.“

„Nein. Es hat vorzüglich geschmeckt. Wir sind einfach nicht sonderlich hungrig.“

„Ganz wie Sie wünschen.“ Der arme Kerl scheint verwirrt. Er nimmt unser Geschirr und verschwindet kurz, um mit der Rechnung zurückzukehren.

Reinhard bezahlt, gibt ein für seine Begriffe großzügiges Trinkgeld und steht dann auf. Gentlemanlike bietet er mir seinen Arm.

Lächelnd hänge ich mich bei ihm ein. Wann hat Reinhard mich das letzte Mal so zuvorkommend behandelt? Genau das ist es, was ich in unserer Beziehung vermisst habe. Vielleicht machen wir heute den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Auf dem Weg zum Parkhaus, in dem Reinhards Wagen steht, drücke ich mich an ihn. Schon nach wenigen Metern hält er an, und küsst mich hungrig. Seine Zunge gleitet zwischen meine Lippen, erobert meine Mundhöhle. Augenblicklich lösen sich die Knochen in meinem Körper in Nichts auf, und ich muss mich an ihm festklammern. Unter seinem Kuss werde ich zu einem willenlosen, zitternden Bündel. Immer wenn er mich küsst, wirkt er diesen magischen Zauber. Jetzt könnte man mir eine Hochschaubahn für Gartenzwerge in Italien verkaufen.

Als seine Hand zu meinem Po wandert und mit festem Druck darüberstreicht, keuche ich auf. Ich spüre auf meinem Oberschenkel seine Finger, die den Saum meines Kleides hochschieben. Gott, wie sehr ich mich danach sehne. Aber nicht so.

„Nicht mitten auf der Straße“, keuche ich, muss meine ganze Willenskraft aufbieten, um ihn zu stoppen und ihn vorwärts zu ziehen.

An diesem Abend bin ich mehr als ungeduldig. Reinhard muss sich nicht sonderlich anstrengen, damit es vor Verlangen zwischen meinen Schenkeln pocht. Die ganze Situation macht mich richtig heiß. Die Unterwäsche lasse ich sonst niemals weg. Bei jedem Schritt werde ich daran erinnert, wie wenig ich anhabe. Obwohl es nicht kalt ist, zeichnen sich meine harten Brustwarzen unter dem Kleid ab.

Ganz offensichtlich entdeckt Reinhard diese Tatsache auch, als wir die Garage betreten. Nachdem er das Parkticket bezahlt hat, dreht er sich zu mir um, küsst mich und lässt seinen Daumen über die empfindlichen Knospen reiben. Dann lässt er seine Hand in meinem Ausschnitt verschwinden. Seine Finger umfassen meine Brust.

Ich beiße mir auf die Lippe, um niemanden auf uns aufmerksam zu machen. Neuerlich entziehe ich mich ihm. „Wenn uns jemand beobachtet!“

„Du siehst so scharf aus heute Abend. Jeder Mann hat sich sofort gefragt, was sich unter deiner Kleidung verbirgt. Doch du hast nichts versteckt. Jeder weiß, was du zu bieten hast.“

Dieses Kompliment löst eine Vielzahl von Gefühlen in mir aus. Auch wenn ich mich geschmeichelt fühle, ist es mir unangenehm, dass Reinhard recht haben könnte.

Er zieht mich näher, zwirbelt meine Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. „Denk nicht darüber nach. Ich halte es nicht länger aus. Bis nach Hause schaffe ich es nicht mehr. Ich will dich. Jetzt. Hier. Ich will wissen, wie du dich anfühlst, so ganz unten ohne.“

„Dann lass uns zum Auto gehen.“ Schließlich kann ich seine Eile nachvollziehen. Ich will seine Hand auf mir spüren und herausfinden, ob sich etwas an meinen Empfindungen geändert hat.

Reinhard greift nach meiner Hand. Wir laufen den Gang zwischen den Autos entlang. Er hat seinen Wagen in einer Ecke geparkt. Die Rückbank ist nicht sonderlich gemütlich. Aber im Augenblick spielt das gar keine Rolle für mich.

Der Wagen auf dem Nebenparkplatz hat sich verdammt nahe an uns gestellt. Ich gehe um die Motorhaube unseres Autos herum, damit ich die hintere Tür öffnen kann.

Meine Hand liegt bereits auf dem Griff, doch Reinhard drängt mich vorwärts. Ich muss mich mit den Händen abstützen, damit ich nicht gegen die Mauer knalle. Erschrocken beginnt mein Herz zu rasen. „Was …?“

Er presst sich an meinen Rücken, legt seine Hände von hinten auf meine Brüste. „Nicht im Auto“, murmelt er an meinem Ohr. „Hier draußen.“

Ängstlich sehe ich mich um. Die Ecke, in der wir parken, befindet sich im Halbdunkel. Die nächste Kamera in der Garage ist etwas von uns weggedreht und erfasst uns bestimmt nicht. Das Autodach versteckt den größten Teil von uns. Trotzdem können wir jederzeit entdeckt werden.

Bevor ich ihm meine Zweifel mitteilen kann, spüre ich seine Lippen an meinem Nacken. Oh, das ist unfair. Er weiß genau, dass er mich damit verrückt machen kann.

Seine Zähne kratzen über meine Haut. Dann beginnt er, daran zu saugen. Seine Zunge streicht anschließend mit festem Druck über die Stelle. Währenddessen zieht er am Ausschnitt meines Kleides, bis meine Brüste bloßliegen und er sie massieren kann.

Ich drücke mich gegen die Wand, weil ich mich so schwach fühle. Als er seine harte Männlichkeit an meinem Po reibt, wimmere ich sehnsüchtig auf. Sein Saugen wird beinahe schmerzhaft intensiv.

Seine Lippen wandern und berühren mein Ohrläppchen. „Zeit für den Nachtisch. Du wolltest doch an etwas lecken.“

„Hier? Aber …“

„Niemand kann dich hinter dem Auto sehen.“ Er lässt mich los. „Also mach schon.“

Schwer atmend und mit zitternden Beinen drehe ich mich um. Reinhard öffnet bereits seine Hose. Ich gehe in die Hocke, streiche mit den Händen über die Beule in seinen Boxershorts.

Mit einem Stöhnen schiebt Reinhard seine Hose mitsamt seinen Shorts ein Stück nach unten, bis mir sein Schaft entgegenspringt. Ich lecke mir über die Lippen und beuge mich dann nach vorne, um ihn in den Mund zu nehmen. In mir wächst er weiter an.

Reinhards Stöhnen wird lauter. Ich sauge an ihm, entlasse ihn aus meinem Mund und schließe dann wieder meine Lippen um ihn. Als ich meine Zunge an die Unterseite seines Schaftes drücke, krallt er seine Hände in mein Haar. Zuerst hält er mich auf diese Art nur fest, doch je lauter er stöhnt, je stärker er zittert, umso schmerzhafter zieht er an meinen Haaren. Tränen treten in meine Augen.

Ich lasse von ihm ab, als es wirklich wehtut. „Du bist zu grob“, beschwere ich mich. Die hockende Position ist auch furchtbar unangenehm.

„Tut mir leid.“ Er greift nach meinen Oberarmen und zieht mich hoch. „Viel länger hätte ich es ohnehin nicht mehr ausgehalten. Du kannst das verdammt gut.“

Das Kompliment besänftigt mich etwas.

Während er mir das Kleid langsam hochschiebt, beugt er den Kopf und saugt an meinen Brüsten. Das Begehren sammelt sich in meiner Mitte. Das Kleid ist jetzt an meiner Hüfte gerafft. Ich spüre einen leichten Lufthauch an der Stelle, an der ich zu gerne berührt werden möchte. Wann erlöst Reinhard mich endlich?

Noch einmal leckt der mit der Zunge über die harten Knospen meiner Brustwarzen. Dann macht er einen Schritt zurück, um mich anzusehen.

Errötend erwarte ich sein Urteil.

Sein Gesichtsausdruck wird gierig. Als das Kleid nach unten zu rutschen droht, schüttelt er den Kopf. „Schieb es weiter nach oben, und halt es fest“, befiehlt er. „Stell dich ein wenig breitbeiniger hin.“

Ein kurzer Kontrollblick, ob sich jemand auf diesem Parkdeck aufhält. Ich mag diese Kälte in Reinhards Stimme nicht. Aber ich will endlich von ihm berührt werden. Also raffe ich das Kleid an meiner Taille und biete mich seinen Blicken dar.

„Lehn dich gegen das Auto.“ Neuerlich dieser unpersönliche Befehlston.

Und wieder folge ich seiner Aufforderung. Die Karosserie des Wagens fühlt sich kühl an meinem Hinterteil an. Meine Atmung geht schnell. Das Verlangen ist in meinem Inneren eingeschlossen, sucht nach einem Ventil. Ich zittere. Jede Faser meines Körpers sehnt sich nach mehr.

Reinhard tritt vor mich. Er drückt meinen Oberkörper zurück, bis ich unbequem auf dem Kofferraumdeckel liege. Sein Mund findet zu meinen Brüsten. Seine Zähne graben sich in die empfindlichen Knospen. Ich kann den Aufschrei nicht verhindern.

Endlich spüre ich seine Hand an meinem Oberschenkel. Er fasst mir zwischen die Beine. Reibt mich dort, wo ich seine Berührung schon die ganze Zeit ersehne. Ohne Vorwarnung stößt er mit einem Finger in mich.

„Da hat es wohl jemand nötig“, murmelt er zufrieden und richtet sich auf. „Du brauchst es offensichtlich ordentlich besorgt.“

Mein Mund ist trocken. Ich nicke. Ob er mich jetzt mit zärtlichen, geschickten Bewegungen zum Höhepunkt bringen wird? Zeigt er mir endlich, wie sehr ich ihm gefalle?

Reinhard zieht seinen Finger zurück. Er atmet schwer, keucht in mein Ohr. Plötzlich drängt sich seine Männlichkeit in mich. Ich bin so erregt, dass er keine Schwierigkeiten hat, zur Gänze in mich zu stoßen.

Nicht ganz das, was ich erhofft habe, aber auch nicht schlecht. Meine Scham fühlt sich empfindlicher an als sonst. Aber vielleicht hat mich das Warten auf diesen Moment einfach viel zu sehr angeheizt.

Reinhards Finger krallen sich in meine Taille, halten mich fest, damit er sein Tempo erhöhen kann. Ich schließe die Augen, um die Umgebung auszublenden und konzentriere mich ganz auf die wundervolle Reibung.

„Das gefällt dir, nicht wahr? Lass mich hören, wie sehr es dich scharf macht.“

Ich bin gerne laut. In letzter Zeit gab es nicht allzu viele Gelegenheiten, weil der Sex immer viel zu schnell vorbei war. Jetzt würde ich meine Lust gerne hinausschreien. Aber hier? In aller Öffentlichkeit? „Man könnte uns hören“, gebe ich zu bedenken.

„Genau das macht es doch so aufregend.“

Bin ich zu prüde? Eigentlich dachte ich, die Langeweile in unserem Sexleben wäre Reinhards Schuld. Ich sollte ihm entgegenkommen. Doch mehr als ein leises Stöhnen bringe ich auf Kommando nicht über meine Lippen.

Reinhard beugt den Kopf und saugt intensiv an meiner Brust. Gegen meinen Willen schreie ich laut auf.

„Gott, das ist so gut“, stöhnt Reinhard und stößt hart in mich. „Gleich komme ich.“

Viel zu schnell. Ich bin noch nicht so weit. Doch Reinhard macht keine Anstalten, sich um meine Erleichterung zu kümmern. Ich schiebe meine Hand zwischen unsere Körper und beginne mich zusätzlich zu stimulieren.

Reinhard spannt sich an. Als er zuckend kommt, erreiche auch ich den Höhepunkt.

„Ich liebe dich“, murmelt er und presst sich an mich.

Mein Innerstes ist noch in Aufruhr. Langsam ebbt mein Höhepunkt ab. „Ich dich auch.“

Der heutige Abend war ein Schritt in die richtige Richtung. Ab jetzt wird alles anders.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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