Racing Love – Boxenstopp für einen Kuss

Stuttgart, Februar 2018.  Als die Autorin Bettina Kiraly 2014 in Spielberg das erste Formel-1-Rennen in Österreich erlebt, ist sie begeistert von der Perfektion und Kontrolle: Die Königsklasse des Motorsports verkörpert mit ihren sportlichen, risikobereiten Fahrern und den technisch (fast) vollkommenen Autos Erfolg, Dynamik und Zuverlässigkeit. Auf der Suche nach einer Idee für ihre neue Sports-Romance-Reihe, gaben die Erinnerungen an dieses Erlebnis den Ausschlag für ihre Entscheidung, die Reihe im Rennzirkus spielen zu lassen. So sind denn in der Reihe Racing Love die Liebesgeschichten auch ein wenig rasanter und turbulenter.

In Boxenstopp für einen Kuss geht es um Thimo – Mechaniker bei Amber Heart Racing – der seit Jahren unsterblich in Greta verliebt ist. Die selbstbewusste Greta wünscht sich dagegen nichts sehnlicher, als aus ihrer losen Affäre mit Marc mehr werden zu lassen. Dumm nur, dass Marc Thimos Bruder ist und Greta sich ausgerechnet bei Thimo Rat holen will. Es kommt wie es kommen muss: Thimo gesteht ihr seine Gefühle und setzt damit die Freundschaft zu Greta und die Beziehung zu seinem Bruder aufs Spiel. Doch was passiert, wenn die Anziehungskraft zwischen Thimo und Greta gar nicht so einseitig ist, wie es erst den Anschein hat?

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Bettina Kiraly – Boxenstopp für einen Kuss

Mit Herz und Happy-End: Die Protagonisten des zweiten Bandes der neuen Sports-Romance-Reihe Racing Love starten in eine turbulente Dreiecksgeschichte. Boxenstopp für einen Kuss erscheint bei dp DIGITAL PUBLISHERS im Februar.

Win my Heart – Spiel um die Liebe

1. Eine verrückte Idee

Aufbewahren oder Altpapier? Unschlüssig wog Sonja den schweren Aktenordner mit den gesammelten Bewerbungen in der Hand und seufzte. Wenn sie nur schon eine neue Wohnung hätte. Der nächste Erste rückte bedrohlich näher.

Entschlossen warf sie den Ordner in die Altpapierkiste. Es waren ohnehin nur Absagen. Anhand der Anschreiben auf ihrem Laptop wusste sie, welche Hotels sie bereits angeschrieben hatte, und würde so nicht den Fehler begehen, eine Doppelbewerbung hinauszuschicken.

Gerade gestern hatte sie eine weitere Bewerbung per Mail verschickt. Ob es darauf schon eine Antwort gab?

Sie überließ die Umzugskisten sich selbst und setzte sich mit dem Laptop auf den Boden. Tatsächlich gab es einige neue Nachrichten: Werbung, eine weitere Absage, noch mehr Werbung. Enttäuscht presste sie die Lippen zusammen.

Sonja archivierte die Absage, ehe sie Mail für Mail löschte. Bei einer stockte sie kurz. Ein Online-Casino bot für die Erstanmeldung einen Bonus, um gleich losspielen zu können. Gerade wollte sie den Löschen-Button anklicken, als ihr Blick an einigen Worten hängenblieb: Blackjack-Turnier. Live. In Frankfurt. Sonja klickte auf den Link. Den Finalteilnehmern winkte ein Wochenende im Luxushotel, dem Gewinner schließlich fünfzigtausend Euro. Das klang verlockend. Um teilzunehmen, musste es ihr lediglich gelingen, online den Bonus zu verdoppeln.

Sie las sich die Bedingungen durch und tatsächlich: Es wurde kein eigenes Geld, das sie ohnehin nicht besaß, als Einsatz gefordert, um die Fünfzigtausend zu gewinnen.

Aber.

Sollte sie sich wirklich noch einmal auf Glücksspiel einlassen? Damit hatten schließlich all ihre Probleme angefangen.

***

»Salut, Lubaid!« Hassan stellte eine Papiertasche, aus der es süß duftete, auf den Tisch und begrüßte seinen Freund mit einer kurzen Umarmung.

Dieser schnupperte. »Mandeln, Honig, Zimt. – Du hast doch nicht wieder Mhancha mitgebracht? Willst du mich mästen?«

Hassan schmunzelte: »Ich weiß doch, was du gern magst. Außerdem habe ich extra nur einen für jeden gekauft.«

»Einer ist keiner.« Lubaid grinste und orderte bei seiner Assistentin Kaffee, den diese nach kurzer Zeit zusammen mit zwei Tellern und Servietten hereinbrachte. Schon bald mischt sich der Duft frischen Kaffees mit dem Mandelaroma.

Die Männer ließen sich einander gegenüber in den bequemen Sesseln nieder, die in der kleinen Sitzecke von Lubaids Büro standen, ehe Hassan in sein Mhancha biss, wobei er achtgab, dass weder Mandelsplitter noch Teigkrümel auf seinen dunklen Anzug fielen. »Hm«, murmelte er und schloss für einen Augenblick genießerisch die Augen, während er sich die letzten Reste der honiggetränkten Mandelsplitter von den Fingern leckte. Auch Lubaid schwelgte in der kleinen Köstlichkeit und schien sich kaum davon losreißen zu können.

»Ich glaube, in einem solchen Moment könnte ich alles von dir verlangen, oder?« Hassan, der schneller gegessen hatte als Lubaid, hatte den Freund beobachtet.

Lubaid schluckte. »Keine Chance. Ich kann genießen und anschließend knallhart feilschen, wie du weißt.«

Das weiß ich allerdings und ich könnte mir keinen Besseren als Hotelmanager hier in Aachen vorstellen, dachte er, während er sich in dem kleinen Badezimmer, das an Lubaids Büro angrenzte, die klebrigen Finger wusch.

Hinter ihm erklang Lubaids Stimme. »Meine Schwester kommt mich übrigens am Wochenende besuchen, sollen wir gemeinsam etwas unternehmen?«

»Ich werde nicht in Aachen sein, désolé.«

»Ach, nein?«

»Heute Nachmittag habe ich noch einen Termin wegen der Übernahme in Düsseldorf und dann fahre ich nach Frankfurt. Wie lange bleibt Fatima denn?«

»Bis Sonntagmittag, sie muss ja am Montag wieder arbeiten.«

»Dann werden wir uns wohl nicht sehen.« Hassan zuckte bedauernd mit den Schultern.

»Kannst du den Termin in Frankfurt nicht verschieben? Sie freut sich darauf, dich zu treffen.«

Hassan lachte. »Diesen Termin kann ich beim besten Willen nicht verschieben. Ich habe mir freigenommen und mich bei einem Turnier angemeldet. Ich will einfach mal was anderes sehen, als die Arbeit.«

***

»Mach es.«

Zweifelnd sah Sonja ihre beste Freundin an. Die Idee war aberwitzig – ohne Risiko, damit hatte Marie zwar recht –, aber eben aberwitzig.

»Was hast du schon zu verlieren? Wenn du früh aus dem Wettbewerb ausscheidest, ist es ein vertaner Tag. Erreichst du die Finalrunde, hast du ein Wochenende im Luxushotel gewonnen und wenn du gewinnst, ist es vielleicht die Lösung für all deine Probleme.«

Die Lösung. Das wäre wirklich zu schön. Auf einen Schlag alle Schulden loszuwerden, war ein verlockender Gedanke.

Eine leise Stimme im Hinterkopf mahnte zur Besonnenheit. Es werden Blackjack-Spieler mit mehr Erfahrung mitmachen. Um überhaupt Erfolg zu haben, musst du abgebrüht sein, als ginge es um nichts.

Und eben nicht um die Existenz. Aber um die ging es ja ohnehin, ob sie nun dieser verrückten Idee folgte oder nicht.

Sonjas Blick schweifte zwischen den Umzugskartons umher. Der Gedanke hier herauszukommen, und sei es nur für einen Tag, war verlockend.

Sie seufzte. »Gut, dass ich meine Klamotten noch nicht eingepackt habe. Es gilt doch sicher ein Dresscode, wenn die Veranstaltung in diesem Nobelschuppen steigt.«

Marie strahlte. »Wir machen die Online-Anmeldung fertig und dann suchen wir gemeinsam die Sachen aus.« Eifrig griff sie nach dem Laptop und rief die Seite des Veranstalters auf. Als das Anmeldeformular zu sehen war, reichte sie das Gerät an Sonja weiter.

»Meinst du wirklich?« Sonja kaute auf ihrer Unterlippe.

»Jetzt mach keinen Rückzieher!«

Mit einem Schnauben griff Sonja nach dem Computer und begann, die Maske auszufüllen. Erst als sie fertig war und die Eingaben noch einmal auf ihre Richtigkeit prüfte, sah sie, dass sie ihren Mädchennamen angegeben hatte. Müller stand dort, nicht Reinhard, der Name ihres verhassten Ex. Anfangs war sie froh gewesen, den Allerweltsnamen ihrer Mädchentage los zu sein. Wie lange war das her? Egal. Bald würde sie wieder so heißen. Einen letzten Termin vor Gericht würde es noch geben, dann war diese Ehe Geschichte. Trotzdem, heute hieß sie Reinhard und an der Namensangabe sollte es nicht scheitern. Sie korrigierte den Eintrag und kontrollierte akribisch die anderen Felder: 28 Jahre, Köln … Bevor sie es sich noch einmal anders überlegen konnte, klickte sie auf Senden.

Postwendend kam die Bestätigungsmail mit dem Zugangscode zur Online-Vorrunde.

»Fünfzigtausend Euro«, Maries Stimme bekam einen schwärmerischen Klang.

»Die wollen erst einmal gewonnen werden. Nur der Beste erhält Geld. Alle anderen Finalteilnehmer werden mit dem Wochenende abgespeist.«

»Abgespeist. Also ehrlich. Es ist ein angesagtes Hotel mit Sternerestaurant und grandiosem Wellnessbereich, Massagen, Zimmerservice …«, Marie schüttelte den Kopf.

»Langsam«, bremste Sonja die Freundin. »Vor dem Livespiel in Frankfurt muss ich die Vorrunde im Online-Casino überstehen.« Sie loggte sich mit dem Code aus der Mail ein.

»Wie spielt man Blackjack eigentlich?« Marie reckte den Hals, um mit Sonja gemeinsam auf den kleinen Bildschirm des Laptops schauen zu können.

»Weißt du noch, wie wir früher Siebzehnundvier gespielt haben? Blackjack funktioniert genauso. Du bekommst zwei Karten und kannst weitere einfordern, mit dem Ziel, möglichst nah an die Einundzwanzig zu kommen.« Sonja klang leicht abgelenkt, weil sie gleichzeitig versuchte, sich ein Bild zu machen, wie das Spiel online ablief.

»Stimmt, wer mehr als einundzwanzig Punkte hat, verliert. Aber wie gewinnt man dabei Geld?«

Mit einem Seufzen wandte sich Sonja vom Bildschirm ab und ihrer Freundin zu. »Bevor ich Karten bekomme, setze ich einen Geldbetrag und dann spiele ich gegen den Dealer, also den Kartengeber.«

Maries Augen weiteten sich erschrocken. »Dann kannst du dabei Geld verlieren?«

Sonja schmunzelte. »Im echten Casino ja. Hier spiele ich online im Rahmen dieser Werbeaktion mit virtuellem Geld, meinem Bonus für die Neuanmeldung. Wenn ich den Betrag verdopple, darf ich am Livespiel in Frankfurt teilnehmen, ohne Geld einzusetzen.«

»Puh, da bin ich aber erleichtert! Jetzt hatte ich doch einen Moment Angst, es ginge dabei um dein Geld.«

Sonja umarmte die Freundin herzlich. »Keine Bange.« Sie konzentrierte sich jetzt wieder auf den Bildschirm. »Na dann.« Mit ihrem Einsatz startete sie das Spiel, und erhielt Karten. Gleich beim ersten Mal hatte sie Glück und bekam ein Ass und eine Zehn.

»Das ist übrigens ein Blackjack. Der gibt mehr Geld, vorausgesetzt der Dealer hat weniger Punkte«, kommentierte sie.

Schweigend spielte sie die nächsten Runden und langsam aber stetig vergrößerte sich ihr Guthaben.

»Mist!«

»Was ist?« Marie schaute verständnislos auf den Bildschirm.

»Das war ein sogenannter Bust, ich habe mich überkauft und mehr als einundzwanzig Punkte. Der letzte Einsatz ist weg.«

Nun spielte Sonja vorsichtiger weiter, was zwar den Kontostand hielt, aber nicht vermehrte. So kann das nicht weitergehen, dachte sie und verdoppelte den Einsatz, als sie eine Zehn bekam. Sie hielt den Atem an, während sie auf die zweite Karte wartete. Wenn sie nun einen kleinen Zahlenwert erhielt, würde sie wahrscheinlich verlieren, da sie nur noch eine Karte bekommen konnte. Das war der Preis für die Verdopplung, die eben im Gewinnfall auch mehr einbrachte. Die zweite Karte war ein Bube. Jetzt muss nur noch der Dealer unter Zwanzig bleiben, hoffte sie. Tatsächlich hatte der Geber in dieser Runde nur neunzehn Punkte und sie strich den doppelten Gewinn ein. Nach einem tiefen Durchatmen ging es in die nächste Partie.

Wie viel Zeit verstrichen war, wusste Sonja nicht, als ein goldener Schriftzug auf dem Display aufblinkte.

»Du hast es geschafft!«, jubelte Marie. Sie hatte im Gegensatz zu Sonja gelesen, dass dort zur Verdopplung des Startkapitals gratuliert wurde. »Wow, war das spannend!«

Ein Ton meldete eine eingegangene Mail und ein Fenster öffnete sich, um anzuzeigen, dass die Eintrittskarte zum Turnier angekommen war.

Marie fiel ihr um den Hals. »Dann werden wir dich mal herausputzen. Komm!«

Sonja folgte ihrer Freundin langsam in ihr Schlafzimmer. Marie schob bereits die Bügel auf dem Kleiderständer hin und her. Einen Schrank gab es nicht mehr.

»Das brauchst du unbedingt für das Dinner am Samstagabend.« Sie hielt ein rotes Cocktailkleid in der Hand. Ausgerechnet. In dem Kleid hatte Sonja damals geheiratet. Ihr erster Impuls war, das Ding zu nehmen und es in den Müll zu werfen, aber dann hätte sie nichts, um gegebenenfalls am Dinner teilzunehmen. Ein neues Kleid war auf keinen Fall drin.

»Hier sind auch die passenden Schuhe, Handtasche. Was ist mit einer Strumpfhose?«

Die Frage war berechtigt, schließlich trug Sonja fast nie Kleider oder Röcke. Für den besonderen Anlass damals hatten es halterlose Strümpfe sein müssen. Auch die lagen noch in einer unscheinbaren Schachtel; trotz aller Erinnerungen waren sie so teuer gewesen, dass Sonja sie nicht hatte entsorgen mögen.

»Wow. Habe ich dich jemals in diesen Sachen gesehen?«

Ein Kopfschütteln. Sonja war gerade nicht nach Reden, was Marie bemerkte und mit einer kurzen Umarmung quittierte, bevor sie sich wieder der Kleiderstange zuwandte.

Schließlich lagen zwei Hosenanzüge mit passenden Blusen, Ballerinas und eben jenes Cocktailkleid mit den zugehörigen Accessoires auf dem Bett.

»So müsste es gehen.«

»Ein Schlafanzug fehlt noch.«

Marie lachte. »Dann traust du dir also doch zu, ins Finale zu kommen?«

Ein Schulterzucken.

»Na komm, ich lade dich heute zum Essen ein und morgen früh bringe ich dich zum Bahnhof.«

Dann komme ich nicht zum Grübeln und fahre auch sicher dorthin. Sonja verstand die unausgesprochenen Hintergedanken der Freundin und war froh darüber.

Beim Essen in der kleinen Pizzeria an der Ecke kam die angekündigte Mail des Veranstalters. Der Ablauf war angehängt, aber den würde Sonja sich während der Zugfahrt morgen anschauen.

Wie vereinbart, klingelte am nächsten Morgen Marie mit einer Brötchentüte und zwei Kaffeebechern an der Tür, und ließ ihren Blick über Sonja gleiten. Mit einem anerkennenden Nicken bestätigte sie Sonjas eigene Einschätzung.

Der Hosenanzug stand ihr ausgezeichnet. Die langen Beine wurden durch das dunkle Blau betont und wirkten noch schlanker, als sie es ohnehin waren. Die Bluse war eng und umschmeichelte Sonjas Figur, gleiches galt für den kurzen Blazer.

»So kann ich dich auf die Menschheit loslassen«, verkündete Marie, nachdem sie ihre Freundin auf jede Wange geküsst hatte.

»Ich wäre ja gerne Mäuschen«, ergänzte sie, »wenn du in dem Aufzug schon so viel hermachst, würde ich dich gern in dem Kleid sehen. Den Männern an deinem Spieltisch wird es schwerfallen, sich auf ihr Blatt zu konzentrieren.«

»Auch Frauen spielen«, wandte Sonja ein und wies auf sich, »und wenn Profis dabei sind, wird sie nichts aus der Fassung bringen können.«

»Trotzdem kann es nicht schaden, wenn du noch einen Knopf deiner Bluse öffnest.« Unbefangen nestelte sie an dem besagten Knopf und grinste anerkennend. »Schicker BH.«

»Lass das. Erst einmal muss ich den Zug erreichen. Ich möchte auch keine Missverständnisse hervorrufen, weder unterwegs noch beim Empfang.«

»Ich möchte ja auch nicht, dass dich die Sitte wegen unerlaubter Prostitution im Nobelhotel gleich einkassiert.«

Sonja verdrehte die Augen.

»Aber du solltest die Möglichkeit im Hinterkopf haben. Wenn es heiß wird, kannst du beiläufig den Knopf öffnen und deine Gegner mit deinen Mädels da ablenken.« Marie deutete auf den offenen Ausschnitt, den Sonja gerade wieder zuknöpfte.

Schwatzend ging sie hinunter zu Maries Auto, den kleinen Koffer in der Hand, und Sonja war froh über die Ablenkung, die ihre Freundin ihr bot. So brauchte sie nicht über das bevorstehende Wochenende nachzudenken.

2. Frankfurt

Das Gedankenkarussell startete fast zeitgleich mit dem Zug. Nach dem letzten Blick auf Marie, die euphorisch und mit Daumen nach oben winkte, lehnte sich Sonja in das Polster zurück. Auf dem Smartphone las sie nun in Ruhe die Anhänge der zweiten Bestätigungsmail.

Neben dem zeitlichen Ablauf waren noch einmal die Regeln aufgeführt, nach denen Blackjack gespielt werden würde. Sonja entdeckte nichts Neues.

Etwas entspannter hob sie den Kopf und blickte aus dem Fenster. Es war eine Weile her, seit sie mit ihrem Ex gemeinsam Stammgast im Casino gewesen war. Während er den Roulettetisch oder das Würfeln vorzog, hatte es sie immer wieder zu den Karten gezogen. Und im Gegensatz zu ihrem Ex-Mann hatte sie stets mit einem klaren Limit gespielt. Sobald der Einsatz weg war, hatte sie aufgehört. Einige Male hatte sie auch im Casino ihr Geld vermehrt und sich gefreut, aber alles in allem war es eine Nullnummer gewesen – bei ihr. Sie hatte zwar bemerkt, dass Nick deutlich risikofreudiger, aber nicht, wie weit er tatsächlich gegangen war. Nach außen hatte er sich immer als smarter Geschäftsmann gezeigt, der alles im Griff hatte und doch hatte er sich übernommen, weit mehr verspielt, als er besaß.

Entschlossen verstaute sie das Smartphone in der Handtasche und ließ den Blick über die Mitreisenden im Abteil wandern. Gegenüber saß ein Herr im Anzug, der sie interessiert beobachtete. Als sie nun zurückblickte, nickte er ihr lächelnd zu und schaute dann aus dem Fenster.

Auch Sonja blickte auf die vorbeifliegende Landschaft und ließ ihre Gedanken treiben.

Als sie Nick kennengelernt hatte, hatte er sie sofort beeindruckt. Er war so weltmännisch, so versiert aufgetreten. Das Gegenteil von ihr, die sich immer schnell begeistern ließ, und damals eher flippig gewesen war. Seine Ruhe hatte ihr gutgetan. Sie hatte an die große Liebe geglaubt.

Die große Liebe für drei Jahre.

War sie blöd gewesen! Heirat, den Job gekündigt, um sich ganz um ihren Traummann kümmern zu können, der Wunsch nach einem gemeinsamen Baby, das nicht kommen wollte. Rückblickend war sie erleichtert und froh, nicht auch noch ein Kind versorgen zu müssen. Solange sie in der Eigentumswohnung lebte, reichte der Minijob für die laufenden Kosten, aber jetzt? Die Wohnung war zwangsversteigert und musste geräumt werden. Eine neue Bleibe hatte sie noch nicht finden können, bezahlbarer Wohnraum war knapp in Köln. Einen neuen Job brauchte sie auch, einen, der ihr half, die drückenden Schulden abzubauen.

Mit einem Schnauben schob sie die Sorgen um Wohnung und Geld beiseite und lächelte ihrem Gegenüber entschuldigend zu, der sie wegen des Geräusches irritiert musterte. Etwas verlegen gab sie vor, die Mitreisenden im Gang zu beobachteten, und richtete ihre Gedanken auf das Blackjack-Turnier. Sie war ihrer Freundin dankbar, sie mit dieser verrückten Idee aus Köln herausgeführt zu haben. Für die nächsten Stunden – oder Tage? – war sie nicht die gescheiterte Ehefrau, sondern … ja was eigentlich? Sonja richtete sich auf. Sie würde als selbstbewusste Zockerin auftreten, ihr Pokerface einsetzen, an dem sie lange gearbeitet hatte, weil Nick immer meinte, sie sei so leicht zu durchschauen.

Vom Hauptbahnhof Frankfurt ging es mit der Straßenbahn weiter, drei Stationen später stieg sie an der Haltestelle Festhalle, Messe aus. Auf dem Vorplatz ließ sie das historische Gebäude auf sich wirken und schaute zur Kuppel hoch.

Sie haben ihr Ziel erreicht, hallte es durch ihren Kopf. Mit einem Grinsen durchschritt Sonja den Eingang und gab zunächst ihr Gepäck an der Garderobe ab. Erst danach machte sie sich zur Anmeldung auf. Mit ihrem Teilnehmerausweis verschaffte sie sich einen Überblick, wo ihr erstes Spiel stattfinden würde.

Weil bis zum großen Start noch Zeit war, stieg sie die Treppen zum ersten Rang hinauf, um sich die Festhalle anzuschauen. Die eiserne Dachkonstruktion aus dem letzten Jahrhundert war beeindruckend, und sie ließ den riesigen Raum auf sich wirken. Tageslicht drang durch die Kuppel und leises Gemurmel, sowie das Geraschel unzähliger Füße umfingen sie während ihrer Besichtigung. Sie war überrascht, wie viele Menschen hier waren. Der Blick nach unten offenbarte zahllose Spieltische, die darauf warteten, besetzt zu werden. Da die erste Runde in mehreren Schichten gespielt werden würde, mussten es weit über tausend Spieler sein. Beeindruckt, aber fest entschlossen, sich nicht entmutigen zu lassen, machte sie sich wieder auf den Weg hinunter ins Foyer. Hier nahm die Geräuschkulisse nochmals zu.

Das Erdgeschoss der Festhalle, in dem die Spieltische aufgebaut waren, war noch gesperrt und so warteten die meisten Spieler, weitere kamen oder drängten sich zu den Treppenaufgängen durch, um die erste Runde aus dem Rang zu verfolgen. Sonja bot sich ein buntes Bild. Erwachsene aller Altersklassen und in den unterschiedlichsten Outfits waren zusammengekommen. Direkt neben ihr standen einige jugendlich wirkende Männer beisammen und überspielten ihre Nervosität mit flapsigen Sprüchen. Sie trugen Jogginghosen und weite T-Shirts. Sonja konnte nicht verstehen, was sie sprachen, aber das Gelächter war deutlich zu hören. Es gab vereinzelt Teilnehmer, die gemäß der Kleiderordnung für Casinos gekleidet waren. Strenggenommen war Sonja dies selbst nicht, aber die Vorstellung, vormittags in einem Kleid in dieser Menschenmasse zu stehen, erheiterte sie. Die wenigen Frauen, die sie von ihrem Standort ausmachen konnte, trugen gehobene Freizeitkleidung. Und ihr Hosenanzug hatte in den früher besuchten Casinos in Duisburg oder Aachen kein Aufsehen erregt.

Dann kam Bewegung in die Menge. Die Türen wurden geöffnet und die Spieler strömten in den Saal. Sonja wartete, bis das Gedränge nachließ, bevor sie sich auf den Weg machte. Sie musste fast auf die andere Seite und passierte auf ihrem Weg viele Spieltische, an denen die Teilnehmer von den Croupiers begrüßt wurden.

Schließlich nahm sie selbst Platz und musterte ihre Mitspieler für die erste Runde. Eine bunte Mischung setzte sich nach und nach an ihren Tisch. Vom Milchbart mit Jeans und T-Shirt, über zwei Männer in ihrem Alter, bis hin zu einem gepflegten Herrn im Anzug, der überheblich lächelnd ebenfalls die anderen beobachtete, während er sich durch den ergrauten Dreitagebart strich.

Kurz kreuzten sich ihre Blicke, dann trat der Croupier heran und bereitete sich mit den letzten Handgriffen auf die kommende erste Spielrunde vor. In diesem Moment knackte es in den Hallenlautsprechern.

»Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie im Namen des Fremdenverkehrsverbandes, sowie der Casinogesellschaft und der Sponsoren zum ersten Blackjack-Turnier der Stadt Frankfurt. Mit der Anmeldebestätigung sind Ihnen die Spielregeln und Abläufe zugekommen. Wir starten mit einem zentralen Signal und Sie bekommen zunächst das einheitliche Startkapital ausgehändigt. In vorgegebener Weise werden Sie an drei Tischen zunächst Ihr Kapital einsetzen und so die Vorrunde bestreiten. Am Ende der drei Spielrunden gibt es Erfrischungen im Foyer, während im Hintergrund die Auswertung vonstattengeht, und so werden Sie frisch gestärkt in die Zwischenrunde starten können. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.«

Kaum, dass die Ansprache beendet war, fand Sonja einen sorgfältig geschichteten Stapel Jetons vor sich, wie sie ihn nun auch bei den anderen entdeckte. Der Croupier an ihrem Tisch schob gerade dem Milchbart die Spielmarken zu, der sie gekonnt durch die Finger gleiten ließ.

»Wenn Sie bereit sind, werden wir nun starten.« Die letzten Worte gingen im Heulen einer Sirene unter, die den Beginn des Turniers markierte. Alle schoben ihre Einsätze in die Tischmitte und bekamen ihre Karten. Der Spieler rechts neben Sonja verlangte eine weitere. Sie selbst hatte einen König und eine Acht, und verzichtete daher, denn mit achtzehn Punkten war sie den angestrebten einundzwanzig sehr nahe. Nach und nach wurde weiter ausgeteilt und schließlich deckte der Dealer seine zweite Karte auf. Die Bank hatte einen Blackjack.

Sonjas erster Einsatz war also verloren. Milchbart und der ältere Herr hatten ebenfalls einen Blackjack und hielten ihre Einsätze.

Einige Spiele später hatte Sonja zumindest ihr ursprüngliches Guthaben wieder erreicht und kurze Zeit danach verkündete die Sirene das Ende der ersten Spielrunde. Sonja nahm ihre Jetons und nickte den anderen zum Abschied zu. Zwei Tische weiter würde sie ihre nächste Runde bestreiten.

Nach der anfänglichen Aufregung hatte sich in Sonja ein Gefühl von Routine ausgebreitet. Sicher, der letzte Casinobesuch lag lange zurück, aber sie hatte mit ihrem Ex regelmäßig gespielt. Auch wenn die Atmosphäre in der Stadthalle vollkommen anders war, als in einem Casino, so war es doch das gleiche Spiel. Was sie zunächst sehr abgelenkt hatte, war der hohe Geräuschpegel. Zwar wurde nicht laut gesprochen, kommentiert oder gar applaudiert, aber die große Menschenmenge erzeugte einen ungewohnten Lärm. Ständig war Geraschel oder Husten zu hören und auch die leisen Gespräche zwischen Kartengeber und Spieler summierten sich bei so vielen Tischen. Hinzu kam das Gemurmel von den Zuschauern aus dem Rang von oben. Wie viel angenehmer war da die leise gepflegte Atmosphäre bei zwei bis fünf Blackjack-Tischen in einem Casino.

Die zweite Runde beendete sie dann auch mit einem deutlichen Plus, das sie in der dritten schließlich halten konnte. Am Ende gaben alle Spieler ihre Jetons dem Dealer, der die Gewinne in ihrem Beisein säuberlich notierte.

Im Foyer drängte sich die Mehrzahl der Teilnehmer um die Tische, an denen belegte Brötchen verkauft wurden.

Sonja ließ ihren Blick durch den Raum schweifen und entschied sich dann für einen Kaffee. Am Stand zu ihrer Rechten war die Schlange überschaubar und so stellte sie sich an. Sie bekam bald den bestellten extragroßen Latte Macchiato überreicht und drehte sich nach einem kurzen Dank schwungvoll um. Unmittelbar hinter ihr stand jemand im dunklen Anzug, gegen den sie nun mit ihrem Arm stieß. Der Kaffee spritzte hoch.

»Oh, punaise!«, der Fremde schreckte zurück, um dem Kaffeeschwall auszuweichen.

Auch Sonja wich zurück, während sie ihr Gegenüber entsetzt anstarrte. Das Platschen des Kaffees ließ sie den Blick senken. Zwar hatte die heiße Flüssigkeit ihn nicht direkt getroffen, aber seine Schuhe bekamen gerade milchkaffeefarbene Tupfen.

»Oh Gott! Es tut mir leid, ich …« Was stammelte sie denn da? »Moment.« Sie drückte dem verdutzten Mann ihren Kaffeebecher in die Hand und nahm sich vom Tresen eine Handvoll Servietten. Einige legte sie in die Kaffeepfütze, bevor sie vorsichtig, um nicht selbst auszurutschen und in die Lache hineinzufallen, seine Schuhe säuberte. Dann schob sie die vollgesaugten Papiertücher zusammen und wischte noch einmal nach. Im Aufstehen musterte sie sowohl seine als auch ihre Hose und warf die nassen Servietten in den Müll.

»Es tut mir wirklich sehr leid«, wiederholte Sonja, »zumal ich augenscheinlich weniger abbekommen habe als Sie.«

»Da haben Sie wohl recht. Es hätte aber schlimmer kommen können.«

»Darf ich?«, sie deutete auf den Kaffeebecher in seiner Hand.

Sonja bekam ihren deutlich geleerten Becher von ihm zurück und streckte ihm ihre Hand entgegen: »Mein Name ist Sonja Reinhard, soll ich für die Reinigung aufkommen?«

Überrumpelt schüttelte er ihre Hand. »Es ist ja nichts weiter passiert und meine Schuhe sind schon wieder sauber.« Mit einem Auflachen zeigte er darauf. »Sind Sie immer so effizient?«

»Wie bitte?«

»Vom Zusammenstoß bis zur vollständigen Beseitigung des Malheurs waren es«, er schaute demonstrativ auf seine Uhr, »gerade mal zwei Minuten.«

Jetzt musste auch Sonja grinsen. »Vielleicht ist ja etwas dran, was ich mal gelesen habe: Damit ein Kaffee wirkt, sollte man ihn nicht trinken.«

»Sondern?«

»Im Original wurde empfohlen, ihn über seine Computertastatur zu gießen. Ein fremder Anzug samt Schuhen wirkt wohl ähnlich.«

Er schmunzelte. Sonja sah seine dunklen Augen leuchten. Erst jetzt nahm sie sich Zeit, ihn genauer zu betrachten. Dunkelbraun waren die Augen, umgeben von feinen Lachfältchen. Passend zu seinem dunklen Teint trug er sein schwarzes Haar leicht lockig, wenn auch sehr kurz.

»Hassan Djamali, angenehm. Darf ich Ihnen einen neuen Becher kaufen?«

Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie noch immer seine Hand hielt. Etwas verlegen ließ sie ihn los und schüttelte ablehnend den Kopf.

»Nein, danke. Nachdem ich Sie angerempelt habe, sollte ich wohl eher Ihnen einen Kaffee anbieten.« Er winkte jedoch ab.

Sie lächelte ihm noch einmal entschuldigend zu und drehte sich um.

Während er seinen Kaffee bestellte, schlenderte Sonja zum Ausgang der Halle, um frische Luft zu schnappen. An der Tür kam ihr jedoch der Qualm der Raucher entgegen, die eng gedrängt zusammenstanden, um dem Rauchverbot zu entgehen. Also drehte sie ab, trank mit zwei Schlucken ihren Becher leer und beschloss, die Toiletten aufzusuchen.

In der Rückschau auf den Zusammenstoß schnaubte sie leise. Sie hatte also immer noch eine Schwäche für braune Augen. Sein Blick hatte sie einen kurzen Moment ihre Umgebung vergessen lassen. Selbst jetzt noch musste sie schlucken, als sie sich an sein Gesicht erinnerte. Dieses warme Braun der lachenden Augen, aufmerksam hatten sie geschaut und interessiert. Ach was, schalt sie sich selbst. Er wird wohl vor allem froh sein, dass nichts passiert ist. Schlanke Hände hatten glatt und warm ihre umfasst. Hassan war ein arabischer Name, aber geflucht hatte er auf Französisch.

***


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Anne Lay – Win my Heart

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Anne Lay ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Sie arbeitet als Lehrerin im Bergischen Land (NRW). Die Begeisterung für Geschichten begleitete Anne Lay schon früh durchs Leben. Seit 2006 widmet sie sich dem Schreiben.

Win my Heart – Spiel um die Liebe

Lässt sich im Casino nur das Glück im Spiel oder auch das Glück in der Liebe finden?

Stuttgart, Februar 2018.  Seit ihrer Kindheit hat sich Anne Lay Geschichten ausgedacht: „Bücher, deren Figuren mich gepackt hatten, mochte ich nicht einfach beenden. Also dachte mir neue Abenteuer für meine Helden aus. Nach und nach kamen immer mehr eigene Ideen hinzu.“ Einen ersten Text gibt sie einer befreundeten Journalistin zum Lesen und wird von ihr ermutigt, weiterzumachen. Lay zieht die Inspiration für ihre Romanfiguren aus Menschen, denen sie im realen Leben begegnet. So entstehen charakterstarke Protagonisten, denen sie in ihren Geschichten ein spannendes Leben einhaucht. Der Leser möchte sie näher kennenlernen und ihnen durch Verwicklungen und Schwierigkeiten folgen, miterleben, wie sie sich annähern und Hindernisse meistern. Und genau das macht für Lay eine gute Lovestory aus.

Zum Inhalt von Win my Heart: Er ist einer der reichsten Junggesellen, dem die Frauen scharenweise zu Füßen liegen. Sie steht vor den Scherben ihres Lebens, zwischen der Zwangsversteigerung ihrer Wohnung und ihrer Scheidung – und sie setzt alles auf eine Karte. Sonja nimmt nimmt an einem Blackjack-Turnier teil, bei dem ein großer Geldgewinn lockt und begegnet Hassan. Was hält Fortuna für sie bereit: Glück im Spiel oder Glück in der Liebe? Nach einer magischen Nacht trennen sich allerdings ihre Wege wieder. Sonja hat kein Interesse, sich nach der Enttäuschung mit ihrem Ex schon wieder in den Falschen zu verlieben. Doch er kann sie nicht vergessen … aber kann sie ihm auch vertrauen?

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Liebe wider die Vernunft

1

Lady Natalia und die Liebe

London, Cormack House, Sommer 1815

Lady Natalia Mannings grinste zufrieden. Ihre Mutter, die Duchess of Kent, war in ein Gespräch mit ihrer Schwester, der Viscountess of Suffolk, vertieft und damit waren beide abgelenkt. Das traf sich hervorragend, denn Natalia hatte etwas recht Ungeheuerliches vor. Selbst für sie, die Tochter eines hoch angesehenen Dukes, war es ein Wagnis, sich mit einem Verehrer zu treffen. Privat. Aber es war etwas, was Natalias Herz schneller schlagen ließ. Was ihre Fantasie beflügelte und den Abend erst richtig aufregend machte. Sie traf sich heimlich mit einem Gentleman! Mit ihrem Galan! Mit ihrem etwas in Verruf gekommenen Verehrer, zumindest wenn man dem Gerücht Glauben schenkte, er sei ein Mitgiftjäger, wie Tante Marie erst kürzlich Natalias Mutter gegenüber verächtlich festgestellt hatte. Sie verkniff sich gerade noch zu kichern. Ihr Vater befand sich nicht in der Hauptstadt und so musste sie lediglich einem Dutzend Verwandter unbemerkt entrinnen. Aber das traute sie sich zu.

Sie sah sich um. Der Abend strebte seinem Höhepunkt entgegen und alle Anwesenden befanden sich im Ballsaal oder den angrenzenden Räumen. Die Flügeltüren zu der Terrasse und der Gartenanlage standen sperrangelweit offen und ließen hin und wieder einen Hauch kühler Abendluft herein.

Leichester hatte sie erst vor wenigen Augenblicken aus dem Saal gehen sehen. Charles. Sie erschauerte angenehm. Noch hatte sie nicht gewagt, ihn bei seinem Taufnamen zu nennen. Noch nicht. Die Zeit war dazu noch nicht reif, sagte sie sich. Bisher hatten sie sich lediglich ihr Sehnen eingestanden und ein paar zaghafte Küsse getauscht. Er war so ein vollendeter Gentleman!

Natalia seufzte verzückt und gelangte während ihres verträumten Rundumblicks wieder bei ihrer Mutter an. Es war Zeit. Sie wandte sich den Damen zu.

»Mama?« Sie berührte den Arm der Duchess leicht, die sich sofort zu ihr umwandte – eine Frage in den feinen Zügen. Natalia lächelte beruhigend.

»Ich habe gerade einen Blick auf Clarissa erhascht«, behauptete sie. Tatsächlich war sie sich recht sicher, dass sich die angeheiratete Cousine mit ihrem Gatten nicht in der Stadt aufhielt. »Und ich dachte, ich frage sie schnell, ob sie Nachricht von Amelie hat.«

Die Duchess runzelte die Stirn. »Clarissa?«

Sie wandte sich zur Schwester um, der Schwiegermutter besagter Lady. Lady Suffolk schüttelte den Kopf.

»Sie sind in Bath.«

Natalia biss sich auf die Lippe. Wie dumm, dass sie daran nicht gedacht hatte! Natürlich residierten Jonathan und Clarissa Beaufort in Beaufort House und damit wusste Tante Sarah genau Bescheid! Natalia suchte schnell einen anderen guten Grund, warum sie die Aufsicht der Mutter verlassen musste.

»Ich bin mir ziemlich sicher«, murmelte sie dabei und sah wieder in die Menge. Ihre Cousine fiel ihr ins Auge.

»Oh!« Schnell drehte sie sich wieder um und entdeckte Lady Argyll. »Cousine Marie! Sie weiß bestimmt etwas!«

Die Duchess of Kent hob eine schmale Braue. Roch sie den Braten? Nervös verkrampfte Natalia ihre Finger in ihrem Rock.

»Amelies letzter Brief war so nichtssagend!«, hob sie dünn hervor. »Findest du nicht?« Tatsächlich waren die Nachrichten der um ein Jahr älteren Tochter aus dem Hause Kent sehr dürftig ausgefallen. Ein jeder von ihnen lechzte nahezu nach Neuigkeiten.

Die Duchess seufzte. »Wie recht du hast, Natalia.« Dennoch schien sie Natalia nicht gehen lassen zu wollen.

»Es ist mir ernsthaft wichtig, Mama .«

Einen Moment blieb die Miene der Mutter abweisend, dann legte sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen.

»Also schön, mein Kind. Bitte halte dich nicht unnötig auf.«

Sollte heißen: Erlaubt wurde ein direkter Gang zur Cousine, die sie am besten gleich mit zurückbrachte.

Natalia verbiss sich ein Seufzen. Die Sorge der Mutter war nun in der Tat zu groß. Sie war auf einem Ball mit gut hundert Gästen. Überschaubar, zumal ein Großteil davon auch noch mit ihnen verwandt war!

»Natürlich, Mama«, versicherte sie schnell und machte einen Knicks, bevor sie sich gemessen umdrehte und langsam in die Richtung ging, in der sie Lady Argyll gesehen hatte. Um auf der sicheren Seite zu sein, bog sie erst im allerletzten Moment ab und verließ den Ballsaal durch eben die Tür, die auch Leichester genommen hatte. Ihr Herz pochte schnell und schneller in ihrer Brust und ein Grinsen lag fast schon schmerzhaft auf ihren Lippen. Ein närrisches Grinsen, das wusste sie sehr wohl. Aber Natalia wollte närrisch sein. Sie wollte das Himmelhochjauchzend! Ihre Schritte passten sich ihrem Herzschlag an und sie lief durch den schlecht beleuchteten Gang. Wo war er nur?

Natalia bog um eine Ecke und stoppte. Leichester stand am Fenster und sah hinaus. Sein blondes Haar wellte sich entzückend in seiner Stirn und über den Rand seines Justaucorps. Es juckte ihr jedes Mal in den Fingern, sie Hineinzugraben in sein sicherlich samtig weiches Haar. Letztes Mal hatte sie es sich nicht getraut, beim Kuss im Garten ihrer Cousine.

Er hatte sie noch immer nicht bemerkt und Natalia nutzte den Moment zur genügsamen Betrachtung. Er hatte sehr schmale Lippen, die er häufig auch noch verkniff. Es ließ ihn mürrisch wirken, wo er sonst doch so humorvoll war. Nicht nur die Lippen kniff er oft zusammen, auch die Lider, wodurch seine hübschen Augen nicht zur Geltung kamen. Sie waren leider nicht blau, sondern braun, aber das verzieh sie ihm gerne. Seine Nase hatte einen edlen Schnitt, wenn man das etwas knollige Ende übersah und sein Kinn war männlich, kantig. Na ja, nicht von der Seite betrachtet. Natalia runzelte die Stirn. Aus ihrem momentanen Blickwinkel war sein Kinn nicht kantig, sondern ein Doppelkinn! Natalia schalt sich energisch. Sie liebte ihn doch nicht, weil er hübsch war!

Um sich nicht weiterhin mit ihren dummen Gedanken beschäftigen zu müssen, trat sie schnell vor. Die Bewegung sicherte ihr seine Aufmerksamkeit. Er wandte sich um. Im ersten Moment meinte Natalia, einen alles anderen als angemessenen Gesichtsausdruck wahrzunehmen. Dann strahlte er sie an und sie schalt sich erneut.

»Natalia! Meine allerliebste Herzdame!« Er kam auf sie zu und ergriff die eilig gehobene Hand, um feste Küsse auf ihre Finger zu drücken. Dann auf ihren Handrücken. Er sah auf. »Wie verzaubert bin ich ein jedes Mal von Ihrem Anblick!«

Natalia atmete tief aus. Wie dumm sie war!

Sie lächelte zu ihm auf. »Lord Leichester.«

Sie brachte das Charles einfach nicht über die Lippen, aber vermutlich war dies noch immer nicht der richtige Moment.

Er zog sie sanft näher. Natalia ließ die Lider sinken und hob dabei ihr Kinn an. Sein Kuss war zart und sie seufzte verzückt. Es war perfekt! Es war Liebe! Ihr Herz erbebte und sie ließ sich enger in die Umarmung ziehen. Nach einigen weiteren Küssen, wobei seine Zunge sogar über ihre Lippen glitt, seufzte er tief. Natalia schlug die Augen auf und sah in sein betrübtes Gegenpaar.

»Stimmt etwas nicht, Mylord?«, hauchte sie erschrocken. Waren ihre Küsse nicht nach seinem Geschmack? Machte sie gar etwas fürchterlich falsch? War es so schlimm, dass sich seine Gefühle für sie änderten?

Leichester streichelte sacht ihre Wange. »Meine Holdeste!«

Das beruhigte sie zumindest ein wenig. Wenn sie ihm noch hold war, war doch alles gut. Warum dann diese Leichenbittermiene?

Sie runzelte die Stirn. Das passte so gar nicht in ihre Vorstellung. Sie sollten doch glücklich sein, in der Gesellschaft des jeweils anderen.

»Mylord, was trübt deine Ihre Stimmung?« Sie legte sacht die Hand auf seiner Brust ab und hielt dabei die Luft an. Wie vermessen, ihn zu berühren! Wieder durchfloss süße Aufregung ihre Adern und verdrängte die leise Furcht. Es war doch alles so herrlich aufregend!

»Meine süße Natalia, ich weiß nicht, wie ich es Ihnen gestehen soll!«, offenbarte er und ihr wurde regelrecht kalt ums Herz. Etwas Schauderhaftes würde sie nun vernehmen, ganz sicher! Was mochte es sein? Hatte er einer Anderen die Ehe angetragen? Ihr Herz sackte ab. Wie konnte er ihre Liebe so beflecken? Oder war er gar gebunden? An eine Frau, die er nicht lieben konnte? Ihr Herz zog sich mitleidig zusammen. Wie fürchterlich musste er sich da nach ihr sehnen!

Er zog ihre Hände an seinen Mund und küsste eine nach der anderen inbrünstig.

»Natalia, es bricht mir gar das Herz!«

»Hush, Mylord, was kann Sie dermaßen betrüben?« Sie riss die Augen auf, in Erwartung einer Schauermär. Welch fürchterliches Unglück mochte zwischen ihnen stehen?

»So sagen Sie es mir! Lassen Sie mich nicht fürchten!« Gemeinsam konnten sie dem Schicksal trotzen!

»Es wird mir verwehrt bleiben, der Ihre zu sein!« Der Schmerz seiner Eröffnung stand ihm in die Miene gemeißelt. Natalia keuchte. Wie schrecklich! Tränen der Enttäuschung brannten in ihren Augen und perlten über ihre Wangen. »Oh!«

»Liebste!« Er riss sie zurück an seine Brust und Natalia keuchte einmal mehr. Dieses Mal unter seinem Ansturm. Er küsste sie verlangend und ließ ihr damit kaum Möglichkeiten zu atmen. Seine Zunge drängte sich zwischen ihre Lippen. Natalia erstarrte erschrocken.

»Oh holdeste aller Damen! Welch Unglück mich bedroht!«

Natalia keuchte an seiner Brust. Ihr Herz schlug wild und eine Gänsehaut überzog langsam ihren Körper. Das Atmen fiel ihr noch immer schwer, schien gar noch schwieriger zu werden, obwohl er sie nicht fest umschlossen hielt. Es schauderte sie und dieses Mal war es kein angenehmes Gefühl.

»Warum?«, wisperte Natalia, mit ihren merkwürdigen Empfindungen beschäftigt. War es Furcht?

»Ihr Vater wird mir mein Glück verwehren, Liebste. Er wird mir Ihre Hand verwehren«, offenbarte Leichester mit Grabesstimme. Er schob sie ein Stück von sich und hob ihr Kinn an. »Er wird mir nicht gestatten, meine wahre Liebe zu meinem Weibe zu machen!«

Natalia jauchzte auf. »So ist es Ihr Wunsch?«

Oh wie herrlich! Ihr Liebster trug ihr die Ehe an! Es war soweit! Der schönste Augenblick in ihrem Leben war gerade jetzt! Moment … Sie runzelte die Stirn. Sollte er nicht vor ihr knien? Sollte er ihr nicht seine immerwährende Liebe gestehen und ihr einen Ring überreichen, der seine Gefühle aufs Vortrefflichste symbolisierte?

»Aber ja! Es kann Ihnen nicht entgangen sein, wie sehr ich Ihre Gesellschaft herbeisehne!« Er hauchte ihr einen kleinen Kuss auf die Lippen. »Ich wünsche mir nichts sehnlicher, meine Liebste, als Sie zu Lady Leichester zu machen.«

Nicht ganz, wie sie es sich erwünscht hatte, aber gut genug. Sie strahlte zu ihm auf.

»Oh, Charles!« Seine Brauen zogen sich irritiert zusammen und Natalia korrigierte sich schnell. »Leichester! Ich wünsche es mir ebenso!«

Er seufzte betrübt und entließ sie aus der Umarmung. Natalia stockte verwirrt. Sollte er sie nun nicht wieder küssen und ihr versichern, dass ihr beider Wunsch baldigst in Erfüllung ginge? Stattdessen wendete sich Leichester von ihr ab und fuhr sich durch das Haar.

»Oh, meine süße Natalia!«

Sie verstand nicht ganz, was nun vor sich ging. Sollte er ihr nicht versichern, dass er baldmöglichst ihren Vater aufsuchte, den Duke of Kent, ganz gleich, ob sich dieser auf ihrem Landsitz aufhielt oder in Timbuktu? Sollte er nicht ihre Hand ergreifen und zumindest ihre Mutter schon einmal auf seine Seite zu ziehen versuchen? Natürlich unnötigerweise, denn der Duke würde sicherlich ihrer Verehelichung mit einem Earl der britischen Krone zustimmen. Es sprach doch auch nichts dagegen, so Leichester nicht etwas immens Abträgliches verschwieg. Sie knetete die Hände.

»Mylord?«

Er sah über die Schulter zu ihr zurück. »Seine Gnaden wird mich zum Teufel schicken, Natalia.«

Lächerlich.

»Seine Gnaden wird zustimmen«, korrigierte sie selbstsicher.

Ihr Vater wünschte sich nur eines: dass seine Kinder glücklich wurden. Sie wäre überglücklich als Lady Leichester, dessen war sie sich sicher.

Leichester schüttelte betrübt den Kopf. »Natalia, meine Süße, vertrauen Sie meiner Einschätzung. Seine Gnaden wird ablehnen.«

Natalia öffnete den Mund, um zu widersprechen.

»Wir stehen nicht auf freundlichem Fuße, Natalia. Es ist eine alte Geschichte. Ein Missverständnis meinerseits, das gebe ich zu. Ich versuchte, mich zu entschuldigen, aber seine Gnaden wies mir die Tür.« Bedauernd schüttelte er den Kopf. »Ich fürchte, es ist aussichtslos!«

Natalia klappte der Mund auf. Das durfte nicht sein!

Sie schüttelte den Kopf. Es durfte nicht sein! »Leichester, ich bin mir gewiss …«

Sein glühender Blick ließ sie abbrechen. Es war mit Sicherheit keine Leidenschaft, eher schon Wut. Sie musterte ihn verblüfft. Es gab keinerlei Grund zu Zorn.

»Natalia!«, knirschte er und presste dann die Lippen aufeinander. Seine Miene klärte sich und er bat reuig um Entschuldigung. »Ich bin mir gewiss, meine Liebe, dass es mir verwehrt sein wird. Vertrauen Sie meiner Einschätzung.«

Er trat auf sie zu und nahm ihre Hand auf, um sie zu küssen. Dabei sah er dermaßen traurig auf sie herab, dass sie einfach seufzen musste. Und zustimmen. Obwohl es unsinnig war. Schlicht unsinnig.

»Natürlich vertraue ich Ihrer Einschätzung, mein Liebster!«

Er senkte den Blick. »Natalia …« Und runzelte die Stirn. »Ist es Ihnen ernst? Wollen Sie die Meine sein?«

Etwas ließ Natalia in ihrer freudigen Zustimmung innehalten und sie krächzte schließlich ein atemloses Ja. Dabei war ihr recht unbehaglich zumute. Leichester drückte wieder Küsse auf ihre Finger.

»Dann seien Sie mein!«

Verunsichert hielt Natalia den Atem an. Wie sollte sie dies verstehen?

»Geben Sie mir Ihr Versprechen. Reichen Sie mir Ihre Hand zum ewigen Bunde!«

Ihre unterschwelligen Befürchtungen zerstoben und sie lachte erleichtert auf. »Ja!«, rief sie, keineswegs um Heimlichkeit bemüht. »Ja, meine Hand soll die Ihre sein! Für ewiglich!«

Er jubilierte ebenfalls, nahm sie in den Arm und schwang sie herum, bis sie sich atemlos an seine Schultern klammerte. Dann setzte er sie ab und machte sie schummrig durch seine leidenschaftlichen Küsse. Nach einer Weile raunte er ihr zu: »Ich will nicht länger auf Sie verzichten müssen als unbedingt nötig.«

Natalia schloss zufrieden die Augen. Auch sie wollte keinen Moment länger auf ihn verzichten müssen. Auf ihr gemeinsames Leben. Auf ihre Zukunft als Lady Leichester. Sie seufzte zufrieden.

»Haben Sie irgendjemandem von mir erzählt?«

Natalia schüttelte den Kopf. Sie hätte, aber alles drehte sich derzeit um Amelie. Ihre große Schwester, die ihren Bräutigam vor dem Altar stehenließ und nun im selbstgewählten Exil lebte: im Kloster! Sie hatte Amelie von ihren Gefühlen zwar berichtet, aber keinen Namen genannt. Amelies Reaktion darauf stand noch aus, aber Natalia kannte die Schwester zu gut. Sie riete zur Vorsicht. Sie riete ihr ab, weil Leichester nicht vermögend genug wäre, nicht gut genug aussähe oder Amelie sonst etwas an ihm auszusetzen hatte. So war sie.

»Hervorragend!«, flüsterte Leichester zufrieden. »Belassen Sie es dabei, meine Liebste.«

Natalia runzelte die Stirn. Sie sollte ihre Gefühle für ihn verheimlichen? Das erschien ihr nicht richtig. Sie wollte ihr Glück mit jedem, den sie liebte, teilen!

»Aber …« Er unterbrach sie mit einem Kuss und als er die Forderung erneut stellte, stimmte sie mit einem Seufzen zu.

»Wir werden schnell agieren müssen, Liebste. Überraschend, damit uns niemand im Wege steht!« Leichester schob sie von sich. »Halten Sie sich bereit. In ein, zwei Tagen werden wir aufbrechen.«

»Aufbrechen?«, wisperte Natalia verwirrt und riss die Augen auf. Womöglich trieb ihre übersprudelnde Fantasie nun Schindluder mit ihr, aber es gab doch nur eine Erklärung für seine Worte: Das kleine schottische Dorf direkt an der Grenze, in dem man schnell und einfach, auch ohne die Zustimmung der Eltern, heiraten konnte: Gretna Green! Sie sah erschrocken zu ihm auf. Durchbrennen? Das war doch wirklich zu theatralisch. »Mylord«, sprach sie Leichester an und berührte dabei sacht seinen Arm. »Es ist doch nicht nötig, durchzubrennen.«

Er wandte sich um und einen Moment lang schien er ärgerlich, aber sein Ausdruck hellte sich sofort wieder auf. Trotzdem blieb Natalia vorsichtig, als sie fortfuhr. »Seine Gnaden wird mir meinen Wunsch erfüllen, dessen bin ich mir gewiss!«

Es gab schließlich keinen Grund, warum Leichester nicht akzeptiert werden sollte.

»Natalia!«, tadelte Leichester. »Es gibt nur diesen Weg!«

Sie hielt den Atem an. Sein hübsches Gesicht war unvorteilhaft verzogen. Glich nun mehr einer Fratze. Sie blinzelte und senkte das Kinn.

»Meine Liebe.« Seine Stimme war samtweich und troff vor erzwungener Geduld. »Diese Entscheidung müssen Sie treffen. Für mich oder gegen mich.«

Natalia riss die Augen auf. Welch Dilemma!

»Wenn Sie mich lieben, wie ich Sie liebe, so folgen Sie mir!«

Sie biss sich auf die Lippe. Sie liebte ihn von Herzen. Sie seufzte. Vielleicht sollte sie es als Abenteuer sehen? Es war doch aufregend! Sie begeisterte sich für den Gedanken. Das Fortschleichen, die Flucht, die heimliche Hochzeit in einer malerischen kleinen Kapelle an der schottischen Grenze. Sie seufzte entzückt. Was für ein Abenteuer!

»Oh Leichester, natürlich folge ich Ihnen!«

Die Anspannung wich aus seinen Zügen und er war wieder ihr strahlender Verehrer. Die Liebe ihres Lebens! Natalia kicherte verzückt. Wie wundervoll das Leben war!

***


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Katherine Collins – Liebe wider die Vernunft

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Katherine Collins lebt mit ihren zwei kleinen Töchtern in einem kleinen Dörfchen inmitten des Vest. Seit 2014 veröffentlicht sie historische Liebesromane sowohl in Verlagen, als auch als Selfpublisher. Unter dem Pseudoym Kathrin Fuhrmann schreibt die Autorin Liebesgeschichten, die mal mit Crime und mal mit Fantasy unterlegt sind.