Heiße Nächte in Valencia – Der neue Erotikroman von Lia Bergmann

Stuttgart, Juni 2017. Lia Bergman ist im Interview überzeugt: Ein guter Erotikroman muss berühren, die Figuren müssen Identifikationsfläche bieten und die Handlung darf nicht Kulisse oder Alibi bleiben. Was die Protagonisten geschehen lassen und dabei fühlen, steht im Zentrum. Andeutungen, Schlagabtausch, Kokettieren, Spannung zwischen den Charakteren und natürlich realistische Dialoge sind die Basis. Eigentlich ist ein guter Erotikroman daher ein Genreroman, in dem die Liebesszenen etwas expliziter und ausführlicher geraten sind und vielleicht auch ein bisschen zahlreicher. So entspricht die Geschichte um Nicole, deren Ehe in eine tiefe Krise gerät, genau diesen Aspekten.

In Heiße Nächte in Valencia begibt sich Nicole als Konsequenz auf eine Suche nach sich selbst und dem verlorenen Zauber der Leidenschaft. Haben sie und ihr Mann Heiko sich nach über zwanzig Jahren Ehe auseinandergelebt? Kurzentschlossen reist sie zu einer Freundin nach Valencia, um sich dort mit allen Sinnen ins Leben zu stürzen und herauszufinden, woher diese tiefe Sehnsucht kommt, die sie verspürt. In einem Tanzclub begegnet Nicole dem attraktiven Joan, der sie zu mehr als nur einem heißen Tanz verführt. Joan wird zu Nicoles Reiseführer auf einer sinnlich-erotischen Entdeckungstour unter der heißen Sonne Spaniens. Nicole findet sich bald in einem Strudel wilder Leidenschaft wieder, der sie an ihre Grenzen führt und darüber hinaus.

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Das Leben hält für sie nichts Neues, Aufregendes mehr bereit, der Ehe fehlt der Zauber der frühen Jahre. Nicole reist nach Valencia, stürzt sich in ein erotisches Abenteuer, lernt viel über sich selbst und wird vom Leben tatsächlich noch einmal vollkommen überrascht.

Lia Bergman über ihren neuen Erotikroman

Lia BergmanWorum geht es in deinem Buch Heiße Nächte in Valencia?

Es geht um das Gefühl, an einem Punkt im Leben angekommen zu sein, an dem alles bereits festgelegt ist. Meine Protagonistin Nicole hat Angst, dass das Leben für sie nichts Neues, Aufregendes mehr bereithält. Ihre Ehe ist zwar gut, doch ihr fehlt der Zauber der frühen Jahre. Nicole fürchtet, dass sie und ihr Mann diesen Funken für immer verloren haben und nur noch nebeneinander her leben. Aus der gefühlten Enge bricht sie aus und reist nach Valencia, um sich klar zu werden, was sie im Leben will, und ihre verloren geglaubte Leidenschaft wiederzuentdecken. Mit allen Sinnen stürzt sie sich ins Leben und in ein erotisches Abenteuer. Dabei lernt sie viel über sich selbst und wird vom Leben tatsächlich noch einmal vollkommen überrascht.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Da es sich um einen Kurzroman handelt, war ich hier sehr schnell unterwegs und habe ungefähr zwei Wochen reine Schreibzeit gehabt. Die erste vage Idee hat sich im Kopf sehr schnell zu einer Geschichte entwickelt.

 

Wie kamst du dazu, Erotikromane zu schreiben?

Ich habe schon früher erotische Geschichten geschrieben, aber eher privat für mich oder auch schon mal für sehr gute Freundinnen. Ich habe nie daran gedacht, sie zu veröffentlichen. Man mag von Shades of Grey halten, was man möchte, aber der große Erfolg hat dazu beigetragen, das Genre aus der Schmuddelecke zu holen. Erotik ist salonfähiger geworden. Das war sicher auch ein Faktor. Ich habe es irgendwann einfach probiert. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das Genre mehr liegt, als ich gedacht hätte. Dennoch habe ich mich für ein Pseudonym entschieden. Auch bei meinen anderen Romanen haben Menschen in meinem Umfeld manchmal Schwierigkeiten, zwischen mir als Autorin und den Romanfiguren zu unterscheiden. Viele nehmen an, letztlich sei alles, was man schreibt, zumindest im Kern irgendwie autobiografisch. Diese Vermischung im Kopf möchte ich im privaten und beruflichen Umfeld vermeiden.

Das Reizvolle an Erotik ist für mich unter anderem, dass man auch bei einer Länge um hundert Seiten eine schöne, runde Geschichte hinbekommt. Es müssen ja nicht immer dreihundert oder vierhundert Seiten sein.

 

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Im Prinzip das, was auch sonst einen guten Roman ausmacht. Er muss mich berühren und die Figuren müssen Identifikationsfläche bieten. Mir ist wichtig, dass die Handlung nicht Kulisse oder Alibi bleibt, frei nach dem Motto: „Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?“. Die Handlung und die Gefühlswelt der Protagonisten stehen für mich im Zentrum. Dabei sind knackige und realistische Dialoge das A und O. Andeutungen, Schlagabtausch, Kokettieren und Spannung zwischen den Charakteren. Wenn Handlung und Figuren mich nicht packen, können die Protagonisten das Kamasutra vorwärts und rückwärts turnen, dann kommt keine Erotik und kein Prickeln auf. Eigentlich ist ein guter Erotikroman für mich ein Genreroman (Liebesroman, Thriller, Krimi, Fantasy, etc.), in dem die Liebesszenen etwas expliziter und ausführlicher geraten sind und vielleicht auch ein bisschen zahlreicher.

 

Wie kamst du dazu, die Geschichte in Spanien spielen zu lassen?

Die ursprüngliche Idee war das Bild von einer Frau, die mit einem Fremden tanzt, und der diese Begegnung nicht mehr aus dem Sinn geht. Zunächst hatte ich ein anderes Land im Kopf, aber eine gute Freundin und Kollegin hat vor Jahren eine Kurzgeschichte geschrieben, die dort spielt und auch Tanz zum Thema hatte. Daher habe ich überlegt, die Handlung in ein anderes Land zu verlegen. Es geht auch viel um sinnliches Erleben: riechen, schmecken, Musik, Geräusche, gutes Essen, Wein, das Schwelgen im vollen Leben. Da liegt der Mittelmeerraum für mich nahe. So kam ich auf Valencia, wo ich – wenn auch nur sehr kurz – selbst gewesen bin.

 

In deinem Buch lernt Nicole Joan beim Tanzen kennen. Tanzt du selbst gerne?

Das ist wie mit dem Singen. Ich halte mich nicht für besonders gut, aber ich tue es leidenschaftlich gern.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Ich schreibe derzeit an einer Gay Romance, in der es um einen jungen Politiker geht. Ansonsten plane ich noch einige Projekte unter meinem eigentlichen Autorennamen. Da schreibe ich unter anderem auch für Kinder und Jugendliche (ein weiterer Grund für ein Pseudonym im Erotikbereich).

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Es gibt vermutlich keinen Autor, der nicht selbst auch leidenschaftlicher Leser wäre. Daher lese ich gern die Bücher meiner Kolleginnen und Kollegen, wenn ich Zeit dazu finde. Schlecht aber laut singen und tanzen als ob niemand zusieht, geht wie gesagt auch immer. Ansonsten habe ich noch einen „Brötchenjob“, schreibe also nicht hauptberuflich, und meine Familie hält mich auf Trab. Über Langeweile kann ich mich da nicht beklagen.

 

Wie versetzt du dich am besten in Schreib-Stimmung?

Wenn ich nicht recht in den Text hineinkomme, mache ich Recherche. Ich schaue mir Bilder an, sammle Informationen. Bei der Valencia-Geschichte zum Beispiel habe ich Reiseberichte gelesen und Videos angeschaut.

Ansonsten hilft mir gute Vorarbeit beim Skizzieren der Geschichte. Je genauer ich mir vorher den Handlungsverlauf und andere Details überlegt habe, desto leichter geht mir das Schreiben von der Hand.

Es gibt Leute, die machen sich Soundtracks zum Schreiben. Ich brauche eher Ruhe. Trubel habe ich so schon genug. Beim Schreiben habe ich lieber Stille. Aber eine Tasse Kaffee oder Tee kann nie schaden.

 

Welches Genre liest du selbst gerne?

So ziemlich alle. Ich bin Querbeetleserin. Ganz klassische High Fantasy, Western und Horror sind Genres, die ich eher nicht lese, aber sonst bin ich für alles offen. Besonders gern Liebesgeschichten, Mystery, klassische Krimis (Whodunnit) und Urban Fantasy.

 

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Das Schöne als Autorin ist, dass man von befreundeten Kolleginnen gut mit Leseexemplaren versorgt wird. Leider stapelt es sich dann auch bei mir und ich komme gar nicht dazu, die Bücher, die ich gerne lesen möchte, auch wirklich alle zu lesen. Eines der letzten Bücher, die ich sehr gern gelesen habe, war sogar eines aus dem dp-Programm, nämlich Bettina Kiralys Ich träumte von deiner Liebe. Die Grundidee hinter der Geschichte hat mich fasziniert und ich finde, dass der Twist in der Geschichte es noch einmal spannender macht. Wer ungewöhnliche Liebesgeschichten mag, dem würde ich auf jeden Fall empfehlen, zuzugreifen.

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Lia Bergman lebt und arbeitet in einer kleinen Stadt im Münsterland und schreibt Romane über Liebe, Lust und Leidenschaft. Lia ist ausgebildete kaufmännische Assistentin für Fremdsprachen, hat Anglistik und Germanistik studiert und arbeitet als Autorin, Übersetzerin, Lektorin und Sprachlehrerin.

Das Herz der reiselustigen Autorin schlägt vor allem für die britischen Inseln und Skandinavien und eine sinnliche Atmosphäre und interessante Kulisse sind für sie wichtige Bestandteile einer fesselnden Geschichte.

Mehr zur Secret-Desires-Reihe.

Heiße Nächte in Valencia

Tatsächlich habe ich nach Chrissies kleinem Auffrischungskurs das Gefühl, mich nicht vollkommen blamieren zu müssen. Der kleine Tanzclub befindet sich in einer unscheinbaren Seitenstraße in der Nähe des Fußballstadions des FC Valencia. Das Publikum erscheint mir im Durchschnitt erschreckend jung. Ich fühle mich an Pascal erinnert. Doch die lateinamerikanischen Rhythmen versöhnen mich bald mit der Situation und ich sage mir, dass man schließlich immer nur so alt ist, wie man sich fühlt.

Christine kommt mit zwei Gläsern von der Bar zurück, von denen sie mir eines in die Hand drückt. Ich nippe.

»Holla! Was ist das?«, brülle ich ihn ihr Ohr.

»Agua de Valencia. Gin, Wodka, O-Saft und Sekt«, flötet Chrissie in mein Ohr. »Damit du dich auch auf die Tanzfläche traust.«

Ich muss lachen und nehme noch einen tiefen Schluck. Wir arbeiten uns durch die Menge zur Tanzfläche vor und ich lehne mich an einen Pfeiler am Rand, um erst einmal zuzuschauen und in Ruhe meinen Drink zu schlürfen. Auf der Tanzfläche umkreisen sich Paare mit wiegenden Hüften zum Klang der Merengue. Mein Blick wandert zur gegenüberliegenden Seite und bleibt an einem dunkelhaarigen Mann in weißem Hemd hängen, der lässig an der Bar lehnt und mich unverwandt ansieht. Er ist groß und hat erstaunlich helle Augen, die sogar über die Distanz aus seinem Gesicht leuchten. Die Situation erinnert mich an meine Fantasie und es fühlt sich an, als ob mein Herz einen kurzen Augenblick stolpert. Ein Kribbeln durchläuft meinen ganzen Körper. Automatisch bewegen sich meine Mundwinkel nach oben und ich versuche, mein Lächeln hinter dem Glas zu verbergen. Der beinahe unverschämt intensive Blick des Dunkelhaarigen und meine Reaktion darauf treffen mich vollkommen unvorbereitet. Er verzieht den Mund ebenfalls zu einem leichten Lächeln und starrt mich weiter mit unverhohlenem Interesse an. Aus Verlegenheit leere ich mein Glas und stelle es auf einem Bord an der Wand hinter mir ab. Als ich mich wieder zur Bar drehe, ist der Mann verschwunden. Enttäuscht suche ich die Menge an der Bar nach ihm ab.

»Me concede el placer«, höre ich plötzlich eine tiefe, warme Stimme hinter mir und eine Hand greift nach meiner.

Ich wirbele herum. Es ist mein Bewunderer von der Bar, der offenbar die Gunst der Stunde genutzt hat, zu uns herüberzukommen. Ich schaue mich nach Christine um, kann sie aber nicht entdecken. Leider habe ich nicht verstanden, was der Mann zu mir gesagt hat.

Doch mit einer schnellen Kopfbewegung deutet er auffordernd auf die Tanzfläche und ich lasse mich an seiner Hand zwischen die Paare leiten.

Vor Aufregung bin ich zunächst etwas hüftsteif, doch schon bald hat der Rhythmus mich ergriffen und ich schaukle meine Hüften im Takt. Meine Hand liegt leicht auf seiner Schulter, die nackte Haut unserer Arme berührt sich. Im Rücken spüre ich warm seine Hand durch den dünnen Stoff des Tops und lasse mich sanft von ihm führen. Nach den ersten, noch etwas unsicheren, Schritten, werde ich mutiger und lasse mich von ihm drehen. Von Nahem betrachtet ist das intensive Blaugrau seiner Augen noch strahlender und schlägt mich sofort in seinen Bann. Als die Musik schneller wird, hält er mich enger in seinen Armen. Bei der Drehung schiebt sich sein Bein zwischen meine. Obwohl er mich dabei kaum berührt, zieht sich mein Unterleib sehnsüchtig zusammen und ein elektrisierendes Kribbeln breitet sich in mir aus. Die erotisch aufgeladene Spannung zwischen unseren Körpern ist beinahe wie in meinem Traum heute Nacht und ich bin erstaunt, dass diese Begegnung tatsächlich noch eine solche Lust in mir entfachen kann. Sein Blick bohrt sich in meinen, so als ob er meiner Seele ihre tiefsten Geheimnisse zu entreißen sucht. Fest zieht er mich in seinen Arm, um mich dann wieder sanft wegzuschieben und die Distanz zwischen uns zu vergrößern. Als er mich wieder an sich zieht, pralle ich kurz gegen seinen muskulösen Oberkörper. In seinen Armen beginnt der Club um mich herum zu verschwimmen. Es gibt nur uns beide, den Rhythmus, seine Augen und unsere Körper, die miteinander in ihrer eigenen Sprache sprechen.

Als er mich aus einer Drehung zurück in seine Arme zieht, streicht er einmal sachte mit dem Handrücken über meine Wange und streift mit dem Zeigefinger meine Lippen, die sofort zu kribbeln beginnen.

Die wiegenden Bewegungen meiner Hüften lockern mein Becken und Wärme breitet sich in meinem gesamten Unterleib aus. Mein Tanzpartner zieht mich plötzlich ganz eng an seinen Körper, sein Schenkel presst sich zwischen meine und das Kreisen wird kleiner, intimer und Wellen der Lust durchströmen mich. Hungrig möchte ich meinen Unterleib gegen seinen pressen und widerstehe nur mit Mühe der Versuchung, den Tanzabstand noch weiter zu verringern und mich an ihm zu reiben.

Plötzlich fühle ich seine kühlen Lippen auf meinen und ein Schauer jagt meine Wirbelsäule hinab. Sachte zupft er an meiner Unterlippe, öffnet meine Lippen und tastet sich mit seiner Zunge in meinen Mund.

Immer noch wiegen wir uns im Takt der Musik. Meine Hand wandert von seiner Schulter zu seinem Nacken, vergräbt sich in den dunkelbraunen Locken, und ich ziehe ihn hungrig tiefer in den Kuss.

Er schmeckt aufregend, süß und fremd und ich schmecke den Hauch von etwas Bitterem. Ungestüm erobert seine Zunge meinen Mund, während seine Arme mich fest an seinen Körper pressen und unsere schaukelnden Hüftbewegungen kleiner und kleiner werden, bis sich unsere Unterleiber gegeneinander reiben. Durch den dünnen Stoff seiner Anzughose spüre ich, wie ihn unser Tanz und der feurige Kuss erregen. Tausend Gedanken und Fragen wirbeln durch meinen Kopf, aber keinen davon kann ich lange genug fassen. Alles wird sofort von der überschäumenden Lust weggespült und mein Kopf ist wie leergefegt. Mein Leben in Deutschland, der Club, die Menschen um uns herum – nichts existiert mehr außer dem unstillbaren Hunger, der im Rhythmus meines Herzschlags durch meinen Körper pulsiert.

Ich atme, ich lebe, und mein Körper erblüht unter seinen Berührungen.

Nur wir beide und eine wunderschöne Stadt

Atemlos lösen wir unsere Lippen voneinander und er führt mich an der Hand von der Tanzfläche.

Während wir auf den Rand zusteuern, suche ich nach Christine, kann sie aber nirgends entdecken.

Mein Tanzpartner raunt mir etwas ins Ohr, das ich nicht verstehe. Reflexartig antworte ich auf Deutsch, doch er zieht die Schultern hoch und schüttelt lächelnd den Kopf.

»Inglès?«, versuche ich es. Er nickt lächelnd und antwortet mir in fließendem Englisch.

»Wollen wir ein bisschen rausgehen?«

Ich ergreife seine ausgestreckte Hand. Noch immer fühle ich mich, als sei meine Haut elektrisch aufgeladen. Mein ganzer Körper prickelt bis in die Haarspitzen. So habe ich mich seit Jahren nicht mehr gefühlt und ich bin vollkommen perplex, dass ich noch so empfinden kann. Wie selbstverständlich verschränkt er seine Finger mit meinen und zieht mich Richtung Ausgang.

Wir lassen die vor der Tür versammelten Rauchergrüppchen hinter uns und lehnen uns ein Stück weiter an eine Hauswand. Tausend Fragen und Gedanken schwirren mir durch den Kopf und ich sage schließlich das erstbeste, das mir in den Sinn kommt.

»Ich bin völlig …«

Er schüttelt leise den Kopf und legt kurz seinen Zeigefinger auf meine Lippen.

»Okay, aber ich möchte doch bloß wissen …«

Weiter komme ich auch dieses Mal nicht, denn er lehnt sich vor und küsst mich. Sachte streichen seine Lippen über meine, saugen zart an meiner Unterlippe. Ich spüre seine Hand auf meiner Taille. Die andere streicht zärtlich über meine Wange. Er lächelt, als seine Lippen sich von meinen lösen.

»Sag mir wenigstens …«, versuche ich es noch einmal.

»Mein Name ist Joan«, entgegnet er mit einem amüsierten Lächeln. »Oder war das nicht, was du fragen wolltest?« Er zwinkert.

»Nein.« Ich muss lächeln. »Nein, genau das wollte ich fragen. Joan. Das ist ein schöner Name. Ich heiße Nicole.«

»Nicole. Bist du Französin?«

»Deutsche. Und du? Kommst du aus Valencia?«

»Nein. Ich komme aus Castellón und besuche hier Verwandte. Ich bin gerade heute Nachmittag angekommen.«

»Erwarten deine Verwandten nicht, dass du Zeit mit ihnen verbringst?«

Er legt den Kopf schräg und grinst.

»Die alten Herrschaften gehen früh ins Bett. Und der Abend ist zu schön, um allein in meinem Zimmer zu hocken. Außerdem hatte ich so ein Gefühl …«

Er nimmt meine Hände und haucht auf jede einen zarten Kuss.

»Ein Gefühl, dass mir heute etwas Wunderbares widerfahren wird.«

»Du bist ein talentierter Schauspieler.« Ich muss grinsen.

Mit dem Zeigefinger zeichnet er den Bogen meiner Oberlippe nach.

»Aber es ist wahr. Und als ich dich gesehen habe, wusste ich gleich, dass mein Gefühl mich nicht belogen hat. Du bist eine Frau, die auf der Suche ist. Das habe ich in deinen Augen gesehen.«

»Willst du mir damit sagen, ich sehe verzweifelt aus?«, kontere ich mit einem herausfordernden Lächeln.

Er lacht. »Nein. So habe ich das nicht gemeint. Nicht notwendigerweise auf der Suche nach einem Mann. Eher auf der Suche nach dir selbst. Nach etwas, das du glaubst, verloren zu haben.«

Es klingt kitschig und wahrscheinlich hat er es aus irgendeinem Film, allerdings trifft diese Aussage bei mir voll ins Schwarze.

»Oder passiert dir das öfter, dass du einen Mann küsst, ohne auch nur seinen Namen zu kennen?« Er zieht eine Augenbraue hoch, was ihm einen verschmitzten Ausdruck verleiht.

»Nein, eigentlich nicht«, gebe ich zu. »Eigentlich bin ich …«

Wieder schüttelt Joan den Kopf und drückt einen Kuss auf meine Lippen.

»Wenn es da bei dir zu Hause jemanden gibt, dann möchte ich das lieber gar nicht wissen. Heute Abend soll es kein Gestern und kein Morgen geben, nur uns beide und diese wunderschöne Stadt.«

Auch das klingt wieder, als stamme es aus einem Drehbuch, doch ich beschließe, meinen Zynismus in den Urlaub zu schicken. Denn ich weiß, was ich eben auf der Tanzfläche gefühlt habe und das war echt, roh und unverfälscht. Und schon wieder hat er recht. Ich möchte nicht darüber nachdenken, was war und was sein wird. Ich will diesen Mann und ich möchte mit ihm die Nacht erobern, frei von Alltag und Verpflichtungen.

Beim Stichwort Verpflichtungen fällt mir allerdings Christine wieder ein und die goldene Freundinnenregel. Asche auf mein Haupt. Die Sache mit Joan hat mich so eiskalt erwischt, dass ich meine Freundin einfach habe stehen lassen!

Ich entschuldige mich bei Joan und zücke mein Handy, auf dem bereits eine Nachricht von Christine wartet.

Drücke mich an der Bar herum. Wollte dir etwas Privatsphäre lassen. Alles gut bei euch? Brauchst du mich? Sonst nehme ich mir ein Taxi und fahre nach Hause. Chrissie xxx

 

Schnell tippe ich eine kurze Nachricht.

Alles gut. Fahr ruhig. Ich schätze, es wird spät. 😉

 

Gerade als ich das Handy wieder wegstecken will, kommt Christines Antwort.

Regeln wie immer. Codewort genau wie damals. 😀

 

Ich muss lachen. Früher, bevor ich Heiko kennenlernte, sind Chrissie und ich oft zusammen losgezogen und hatten dafür einige Sicherheitsvorkehrungen entwickelt. Stets hatte ich mich aus dem Bett gequält, um spätestens um neun Uhr Christine anzurufen und Entwarnung zu geben. Dabei hatten wir uns sogar ein Codewort überlegt, für den Fall, dass jemand uns nötigen würde. Zugegeben, sehr ausgeklügelt war das alles nicht gewesen. Doch besser, als die Freundin einfach zurückzulassen und sich nicht darum zu scheren. Der gedankliche Ausflug in meine wilde Jugendzeit mit Chrissie lässt für einen Augenblick Schmetterlinge in meinem Bauch aufflattern. Ich lasse das Handy in der Tasche verschwinden, schlinge die Arme um Joans Nacken und ziehe ihn an mich, vergrabe die Finger in seinen Haaren und schließe die Augen.

Seine Zunge öffnet meine Lippen und erobert meinen Mund. Als er seinen kräftigen, warmen Körper an mich presst und seine Hände zu meinem Po wandern, beschleunigt sich mein Herzschlag und pumpt das Blut heiß durch meine Adern. Meine Haut glüht förmlich und ich spüre die angenehme Kühle der Wand in meinem Rücken. Ich kann nicht abwarten, seine Haut unter meinen Fingerspitzen zu fühlen, zupfe das Hemd aus seiner Hose und lasse die Hände darunter schlüpfen.

Sachte lasse ich meine Fingernägel an seinen Seiten aufwärts streichen und entlocke ihm damit ein tiefes Knurren. Als meine Hände über seine Brust gleiten, stelle ich freudig überrascht fest, dass sie rasiert ist. Unter meinen erkundenden Fingern fühlt sie sich warm, glatt und kräftig an.

Meine Zunge tastet sich in seinen Mund vor, lockt und neckt ihn und meine Hände setzen ihre Erforschung des unbekannten Terrains fort, tasten über die Muskeln seiner Schultern und seines Rückens, streichen abwärts und umfassen seinen Po, der sich durch den dünnen Stoff fest und muskulös anfühlt.

Joan stöhnt leise in meinen Mund und drängt sich gierig an mich, streicht mit der Hand an meinem Bein aufwärts, lässt sie unter meinen Rock wandern. Seine Erregung ist deutlich spürbar. Warm und hart drückt seine Männlichkeit gegen meinen bloßen Schenkel. Mein Rock ist unzüchtig nach oben gerutscht doch es ist mir vollkommen egal.

Sein leichter Dreitagebart reibt über meine Haut und ich weiß, dass mein Kinn morgen früh empfindlich und rot sein wird. Doch auch das ist mir einerlei. Tief taucht meine Zunge in seinen Mund, lockt ihn und fordert ihn heraus. Die Küsse werden rauer, atemloser. Er schiebt eine Hand unter mein Top und knetet meine Brüste, lässt seinen Daumen um meine harten Brustwarzen kreisen, rollt sie zärtlich zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich stöhne leise auf und schiebe mein Becken vor, um mich an seine harte, pochende Männlichkeit zu pressen. Seine Lippen wandern zu meinem Hals und zupfen an meinem Ohrläppchen.

»Vielleicht sollten wir uns ein privateres Plätzchen suchen? Wenn wir so weitermachen, werden wir noch verhaftet«, wispert er in mein Ohr.


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Lia Bergman lebt und arbeitet in einer kleinen Stadt im Münsterland und schreibt Romane über Liebe, Lust und Leidenschaft. Lia ist ausgebildete kaufmännische Assistentin für Fremdsprachen, hat Anglistik und Germanistik studiert und arbeitet als Autorin, Übersetzerin, Lektorin und Sprachlehrerin.

Das Herz der reiselustigen Autorin schlägt vor allem für die britischen Inseln und Skandinavien und eine sinnliche Atmosphäre und interessante Kulisse sind für sie wichtige Bestandteile einer fesselnden Geschichte. Erfahre mehr im Interview mit Lia Bergmann.

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