Gipfel der Lust

Kapitel 1

Zum wiederholten Mal ertappe ich mich dabei, wie ich Fingernägel kauend aus dem Fenster blicke, ohne wirklich etwas zu sehen. Von mir selbst genervt, nehme ich die Hand herunter, um das Ergebnis meiner Knabberei zu betrachten. Prima, der sorgsam aufgetragene Lack hat sich an mehreren Stellen gelöst. Ohne das sonst auf mich beruhigend wirkende Rattern des Zuges wahrzunehmen, krame ich hektisch in meinem Rollkoffer herum. Meine Hoffnung, den Nagellack zu finden, erfüllt sich nicht. Auch den Nagellackentferner habe ich zu Hause vergessen. Hoffentlich findet sich in Visp noch eine Gelegenheit, das Malheur zu beheben, bevor ich auf meinen potenziellen neuen Chef treffe. Mit einer schnellen Bewegung streiche ich mir eine widerspenstige Locke hinters Ohr und lehne mich in meinem Sitz zurück. Irgendwie muss ich mich entspannen, sonst kann ich den Job an den Nagel hängen, bevor ich ihn überhaupt angetreten habe.

Normalerweise bin ich die Ruhe selbst, wenn es um meine Arbeit geht. Seit sieben Jahren helfe ich als Physiotherapeutin anderen Menschen auf die Beine. Jetzt will ich mich zum ersten Mal um eine leitende Tätigkeit bewerben. Es muss das Gespräch mit Klinikinhaber Oliver Winter gewesen sein, was mich derart unsicher hat werden lassen. Allein die Erinnerung an seine sonore, tieftönende Stimme lässt mich erzittern. Dazu die merkwürdige Forderung, das Vorstellungsgespräch in Zermatt zu führen, obwohl die Klinik in Düsseldorf steht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Mein Zeigefinger wandert wieder Richtung Mund, doch ich merke es gerade noch rechtzeitig.

Quietschende Bremsen erinnern mich an meine kurz bevorstehende Ankunft. Nach einem letzten Blick auf meine ruinierten Fingernägel springe ich auf und schnappe mir meinen Rollkoffer. Dann stehe ich auf dem Bahnsteig, suche nach einem Hinweisschild, das mich zur Matterhorn Gotthardbahn leitet. Ein hochgewachsener, schwarzhaariger Mann fällt mir auf. Sein eleganter, vermutlich maßgeschneiderter Anzug, kann seinen muskulösen Körperbau nicht verdecken. Er schaut in meine Richtung, kommt schnellen Schrittes auf mich zu. Unwillkürlich drehe ich mich um. Hinter mir ist niemand. Mein Herz fängt an, schneller zu pochen und ich fühle, wie meine Handflächen feucht werden. Direkt vor mir bleibt der Mann stehen. Ich blicke in eisblaue Augen, die mich kühl mustern.

„Sie müssen Emily Neumann sein.“ Er klingt nicht fragend, sondern eher, als wüsste er genau, wer ich bin. „Gestatten, Oliver Winter.“

„A-ach ja“, stammle ich. Eingeschüchtert sowohl von seinem kühlen Blick als auch von seinem überragenden Aussehen, erinnere ich mich erst verspätet an meine guten Manieren und strecke ihm die Rechte entgegen. Innerlich wappne ich mich für einen kräftigen Händedruck.

Anstatt meine Hand zu schütteln, führt er sie zum Mund, drückt einen sanften Kuss darauf. Völlig perplex starre ich ihn mit brennenden Wangen an. Ein geheimnisvolles Lächeln lässt die harten Züge meines Gegenübers noch anziehender erscheinen. Der Klinikmogul dreht meinen Handrücken zu sich hin. Mit weichen Knien lasse ich es mit mir geschehen. Plötzlich kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wie eine viktorianische Dame drohe ich, ohnmächtig zu werden. Ob Herr Winter wohl Riechsalz mit sich führt? Erst, als sein belustigter Blick auf meinen ruinierten Nagellack fällt, werde ich abrupt in die Realität zurückkatapultiert. Brüsk entreiße ich ihm die Hand und widerstehe dem Verlangen, sie hinter meinem Rücken zu verstecken. Zorn steigt in mir hoch. Wie kann er es wagen, sich über mich lustig zu machen? Mühsam gelingt es mir, mich zusammenzureißen. Hier geht es schließlich nur um einen Job.

Meinen Traumjob, was ich besser nicht vergesse.

Mit Oliver Winter werde ich nach meinem hoffentlich erfolgreichen Vorstellungsgespräch nur noch gelegentlich zusammentreffen. Als Inhaber von neun Privatkliniken kann er kaum in jeder gleichzeitig sein.

„Darf ich?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, greift Winter nach meinem Rollkoffer und setzt sich in Bewegung.

Mit zusammengekniffenen Lippen folge ich ihm, streiche mir eine Strähne meiner widerspenstigen roten Locken aus dem Gesicht.

Auf dem Weg ins autofreie Zermatt haben wir ein Abteil für uns. Winter öffnet eines der Fenster und warme, nach Kräutern duftende Luft dringt herein. Er hat sich von mir abgewandt, blickt aus dem Fenster. Durch nichts lässt er erkennen, ob er sich meiner Anwesenheit überhaupt bewusst ist. Mühsam unterdrücke ich den Drang, mich meinen Fingernägeln zu widmen. Der Mann macht mich einfach nervös!

So gut es geht, versuche ich, ihn zu ignorieren und die atemberaubende Aussicht zu genießen. Noch nie habe ich live die Schweizer Berge gesehen. Von ihrer Erhabenheit bin ich schlicht überwältigt. Unter den schneebedeckten Gipfeln sehe ich sattgrüne Hänge, vermischt mit Geröll. Kühe grasen friedlich auf ihren Weiden. Durch die geöffneten Fenster kann ich das Gebimmel ihrer Halsglocken hören.

„Zücken Sie Ihr Handy“, herrscht mich der Klinikmogul plötzlich an. „Na los“, fügt er hinzu, als ich keine Anstalten mache, seinem Befehl zu entsprechen.

Wie ein folgsames Lämmchen hole ich mein Handy aus der Handtasche. Zu baff bin ich von seinem Tonfall und seiner Dreistigkeit. Auch muss ich mir widerwillig eingestehen, dass seine männliche Art mich auf eine Weise anzieht, die mein Blut in Wallung bringt. Ich merke, wie mein Höschen feucht wird, als mir sein nach Zimt und Kaffee duftender Geruch in die Nase steigt. Genervt presse ich die Beine zusammen. Sonst bin ich doch auch nicht so leicht zu beeindrucken.

„Gleich bekommen Sie einen hervorragenden Blick auf das Klein Matterhorn sowie das Breithorn“, lässt sich Winter doch noch zu einer Erklärung herab.

Schnell stelle ich mein Handy auf „Fotografieren“. Gerade rechtzeitig, wie sich herausstellt. Ich mache mehrere Bilder. Dankbar bin ich Winter wegen seines barschen Tons dennoch nicht. Bestimmt hätte die Zeit auch ohne seinen unnötigen Befehl gereicht. Am liebsten würde ich ihn wütend anfunkeln, doch vorsichtshalber schaue ich nicht zu ihm hin. Wer weiß, was die Kombination aus Stimme, Geruch und Aussehen sonst bei mir anrichten wird. Finsteren Blickes stecke ich mein Handy wieder in die Tasche, platziere beide Hände nebeneinander auf dem Schoß.

Leider zieht das Winters Aufmerksamkeit auf sich. „Was haben Sie denn mit Ihren Nägeln angestellt?“, fragt er mit amüsiertem Lächeln.

Schnell balle ich die Hände zu Fäusten. „Nur ein kleiner Unfall“, sage ich leise und hoffe, er lässt es auf sich beruhen. Ich starre auf den Boden.

Als ich wieder aufschaue, begegne ich Oliver Winters unergründlichem Blick.

Wie erschlagen von dem ganzen italienischen Marmor stehe ich in der Eingangshalle des Fünfsternehotels und bin bemüht, völlig unbeeindruckt zu wirken. Was angesichts all der Pracht wirklich schwer ist. Doch ich will unbedingt geschäftsmäßig-seriös auftreten. Da sind ein offenstehender Mund oder ein ausgestreckter Zeigefinger wenig hilfreich. Also schenke ich den cremefarbenen, luxuriösen Couchgarnituren möglichst wenig Beachtung, auf denen mehrere Hotelgäste Platz genommen haben. Auch die zahlreichen Kristalllüster ignoriere ich, so gut es geht. Stattdessen konzentriere ich mich auf den Concierge, der beflissen um Winter herumschwänzelt. Es fehlt nur noch, dass er einen Diener macht und die Hacken zusammenschlägt.

Wie am Bahnhof wird mir einfach mein Rollkoffer aus der Hand genommen. Diesmal schnappt ihn sich ein diensteifriger Kofferträger, um mich auf mein Hotelzimmer zu bringen.

„Ich erwarte Sie in einer Stunde in meiner Suite“, lässt mich Winter wissen.

Vor Aufregung schlägt mein Herz bis zum Hals. Es ist nicht nur das bevorstehende Vorstellungsgespräch, sondern auch die Aussicht darauf, mit diesem Mann alleine zu sein.

Mein Hotelzimmer strotzt nur so vor Luxus. Schwere, reich verzierte Mahagonimöbel passen hervorragend in den großen Raum mit der hohen Decke. Die feingemusterten, hellblauen Seidenvorhänge sind im gleichen Farbton gehalten wie Tischtuch und Bettwäsche. Nachdem ich dem Kofferträger etwas Trinkgeld zugesteckt habe, schleudere ich meine Handtasche auf das riesige Doppelbett. Obwohl ich mich frischmachen sollte, zieht mich der große Balkon mit dem ziselierten Gitter magisch an. Ich trete hinaus und genieße einen Moment die überwältigende Aussicht auf die Schweizer Berge. Die Luft duftet nach Sommer, saftigem Gras und wilden Blumen.

Dann fällt mir das bevorstehende Gespräch wieder ein, was mich in hektische Betriebsamkeit verfallen lässt. Zuerst muss ich mich um die vermaledeiten Nägel kümmern. Ein Anruf bei der Rezeption löst mein Problem in Windeseile. Bereits fünf Minuten später bin ich stolze Besitzerin eines Nagellacks nebst dessen Entferners. Nach einer kurzen Dusche räume ich meinen Rollkoffer aus. Zwei Businesskostüme habe ich dabei; einen schwarzen Hosenanzug sowie ein dunkelblaues Ensemble aus Kostümjacke und Rock, der allerdings etwas zu kurz geraten ist. Nach einiger Überlegung entscheide ich mich für das blaue Ensemble, da ich hoffe, mithilfe dessen das Beste aus mir herausholen zu können.

Meine roten Locken sind zwar ganz nett, aber weder meine Körbchen-B-Oberweite noch meine Sommersprossen kann ich verstecken. Theoretisch würde es ein Push-up-BH tun, aber der liegt natürlich bei mir zu Hause in der Wäscheschublade. Gegen meine Sommersprossen komme ich nur an, wenn ich mir tonnenweise Make-up ins Gesicht kleistere, was mich wie eine Aufziehpuppe wirken lässt. Also muss ich eben mit meinen langen Beinen punkten. Ich zwänge mich in schwarze Pumps, raffe meine Haare zu einem Zopf zusammen und frage mich dann, warum ich mir überhaupt so viel Mühe mit meinem Äußeren gebe. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es höchste Zeit ist, Oliver Winter in seiner Suite aufzusuchen.

Ich habe bereits die Hand zum Anklopfen erhoben, als mir auffällt, dass ich vergessen habe, mich um meine Fingernägel zu kümmern. Mir entfährt ein undamenhaftes Quieken, begleitet von einem leisen Fluchen. Bevor ich mich abwenden kann, um den Schaden noch schnell zu beheben, wird abrupt die Tür geöffnet. Heraus stürmt eine Blondine, die in höchstem Maße aufgebracht wirkt. Ich kann gerade noch zur Seite springen, damit sie mich nicht umrennt. Oliver Winter hat mich bereits gesehen und bittet mich herein. Er sitzt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an einem massiven Schreibtisch; anscheinend völlig unbeeindruckt vom Abgang der Frau. Den Nagellack kann ich dank ihr wohl vergessen.

„Bitte, setzen Sie sich.“ Mit einer leichten Handbewegung unterstreicht der Klinikmogul seine Worte.

Mit einem leisen Seufzer nehme ich auf einem bequemen, schwarzen Ledersessel Platz. Heute Nacht habe ich garantiert Alpträume von lackierten Fingernägeln, die mich verfolgen. Nervös die Hände knetend, versuche ich mich zu fassen.

„… Sie sich davon versprechen?“, fragt Oliver Winter gerade.

Erschrocken fahre ich zusammen. „Könnten Sie das bitte wiederholen?“, antworte ich wenig geistreich mit dem absoluten No-Go bei Vorstellungsgesprächen.

„Ich will wissen, was Sie sich von dem neuen Konzept versprechen, das Sie laut Ihrer Bewerbung in meiner Klinik einführen möchten.“ Winter beugt sich vor und stützt einen Ellbogen auf den Schreibtisch. Mit dem Daumen fährt er sich leicht über die Unterlippe, was mich wieder aus dem Konzept zu bringen droht.

Es gelingt mir mühsam, den Blick abzuwenden. Das scheint mich zu beruhigen, denn ich schaffe es, ihm in klaren Worten ausführlich mein Konzept zu unterbreiten, das ich in monatelanger Arbeit entwickelt habe. Es basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, und ich bin überzeugt von seinem Erfolg. Sogar in die Augen schaue ich ihm bei meinen Ausführungen, um nicht wie ein schüchternes Mädchen zu wirken.

„Das könnte funktionieren“, sagt er langsam, nachdem ich geendet habe.

„Meinen Überlegungen zufolge würde es einen Zugewinn für die Patienten, Mitarbeiter und die Klinik bedeuten“, füge ich hinzu, da ich ihn unbedingt überzeugen will.

Sein kalter Blick trifft mich mitten ins Herz. „Ihre Verdeutlichung in Ehren, doch das habe ich bereits verstanden.“

„Oh, ich versuche keineswegs, Sie für dumm zu verkaufen“, sage ich schnell, während ich fühle, wie meine Wangen sich rot verfärben. „Entschuldigen Sie bitte“, füge ich hinzu. Hoffentlich habe ich mir damit nicht alles verscherzt!

Der Klinikmogul lässt mich zappeln, indem er mich von oben bis unten betrachtet. Er sagt kein Wort, schaut mich nur an. Ich winde mich unbehaglich auf dem Stuhl, während ich mich nackt fühle. Wieso habe ich nicht den Hosenanzug angezogen? Mein Rock ist durch das Sitzen hochgerutscht und zeigt bedenklich viel von meinen Oberschenkeln. Mit schweißfeuchten Händen zerre ich daran herum. Oliver Winter schweigt immer noch. Sein Blick bleibt an meinen Brüsten hängen, als wolle er sagen: „Ja, sie sind wirklich nicht besonders groß.“

Endlich lässt er von meiner Oberweite ab, schaut mir tief in die Augen. Sein hungriger, raubtierhafter Blick versetzt mich trotz des schweren Klumpens in meinem Magen in heiße Erregung. Wie von selbst öffnet sich mein Mund ein wenig, und ich fahre mir unwillkürlich über die Lippen.

„Sie sind eingestellt“, sagt er plötzlich. „Kümmern Sie sich jedoch unbedingt um diesen schrecklichen Nagellack!“

„Selbstverständlich“, hauche ich mit einer Stimme, die mir selbst fremd ist. „Vielen Dank“, setze ich verspätet hinzu.

„Der Nachmittag ist zu Ihrer freien Verfügung“, informiert er mich in barschem Tonfall. „Um Punkt neunzehn Uhr werden Sie zum Abendessen abgeholt. Ich hoffe, Sie haben etwas Passendes dabei?“

In meinem Wirrwarr der Gefühle, das aus Erregung, Dankbarkeit und Ärger über diesen impertinenten Mann besteht, schüttle ich lediglich den Kopf. Tatsächlich habe ich gedacht, nur zum Vorstellungsgespräch und der Präsentation meines Konzepts vor den Gesellschaftern tags darauf eingeladen zu sein. Der Rest der Zeit stünde sicher zu meiner freien Verfügung.

Er könne aus Zermatt nicht weg, hat Oliver Winter mich informiert, da dringende Termine seine Abreise verhinderten. Als vielversprechende Bewerberin sei ich jedoch eingeladen, zwei Nächte im Hotel zu verbringen, sofern ich die beschwerliche Anreise auf mich nähme. Natürlich habe ich zugesagt.

„Ich habe nicht erwartet, mit Ihnen zu speisen“, gelingt es mir zu sagen.

„Stehen Sie auf!“, befiehlt er mir.

Will er mich jetzt doch nicht einstellen? Unsicher folge ich seiner Aufforderung.

Winter taxiert mich erneut von oben bis unten. „Größe 36, richtig?“

Ich kann nur nicken.

„Gut, ich lasse Ihnen in den nächsten Stunden passende Kleidung zukommen. Dann bis um sieben.“ Mit einer herrischen Handbewegung bedeutet er mir, vorerst entlassen zu sein.

Wutschnaubend gehe ich in meinem Hotelzimmer auf und ab. Derart herablassend bin ich noch nie behandelt worden. Am liebsten würde ich meine Sachen packen und aus diesem Nobelschuppen verschwinden. Dadurch verspielte ich allerdings die berufliche Chance meines Lebens. Nach der gefühlt zigtausendsten Kehrtwende an der Zimmertür habe ich mich etwas beruhigt. So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen! Es wäre doch gelacht, würde ich mit einem Oliver Winter nicht fertig werden!

Es ist an der Zeit, mich endlich um meine derangierten Fingernägel zu kümmern. Gerade habe ich frischen Nagellack aufgetragen, als es an der Zimmertür klopft. Leise vor mich hin fluchend, wedle ich mit beiden Händen, während ich zur Tür gehe, um vorsichtig zu öffnen. Perplex trete ich einen Schritt zurück, denn eine mir unbekannte Frau mit langen braunen Haaren steht mit einem fahrbaren Schminktisch davor. In einer Hand trägt sie mehrere Kleiderhüllen.

„Ich bin Stylistin Sally“, sagt sie und lächelt mich an. „Herr Winter hat mich geschickt, damit ich Ihnen ein wenig zur Hand gehe.“

Unwillkürlich erinnere ich mich an seinen hungrigen Blick vorhin. Auch mein Schoß erinnert sich. Der nicht kooperative Körperteil wird schon wieder feucht. Schnell konzentriere ich mich auf die Stylistin. Mit einer einladenden Geste bitte ich sie herein.

Indem Sally mir eine Hand die Schulter legt, dirigiert sie mich zu einem Sessel und drückt mich hinein. „Machen Sie schon mal die Haare auf“, sagt sie, während sie geschäftig am Schminktisch einen Spiegel aufklappt.

Völlig überrumpelt folge ich ihrer Anweisung. Ich entferne das Haargummi, schüttle meine Locken.

Sally tritt hinter mich, reibt sich die Hände. „Na, dann wollen wir mal.“

Skeptisch mustere ich sie im Spiegel. Mir ist klar, dass ich sie nicht loswerde, da sie auf Anweisung des Klinikmoguls hier ist.

„Übertreiben Sie es bitte nicht mit dem Make-up“, versuche ich, zumindest das Schlimmste abzuwenden.

Sally versichert mir, sie werde ganz nach den Wünschen ihres Auftraggebers handeln, was ein dezentes Make-up einschließe. Also füge ich mich seufzend, denn es ist mir durchaus bewusst, dass ich auf dem Gebiet des Stylings eine absolute Niete bin.


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Gipfel der Lust 9783960872153

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Erin Buchanan ist seit ihrer Jugend von Sprachen und menschlichen Beziehungen fasziniert. Diese Faszination lässt sie auch in ihre Geschichten einfließen. Dabei hat sie sich vor allem auf Liebesromane spezialisiert, da sie dieses Genre selbst gerne und viel liest. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhof in Köln.

Erin Buchanan im Interview zu Gipfel der Lust.

Mehr zur Secret Desires-Reihe.

Erin Buchanan über ihren neuen Erotikroman

153A6823Worum geht es in deinem Buch Gipfel der Lust?

Physiotherapeutin Emily tritt eine leitende Stelle in einer Privatklinik an. Bereits bei der ersten Begegnung ist sie fasziniert von ihrem Boss in spe Oliver, der mehr als nur ein berufliches Interesse an ihr zu haben scheint. Es ist die Geschichte über Emily, die sich ihrer neuentdeckten, devoten Ader im sexuellen Bereich stellt. Dabei hat sie nicht nur mit ihrer Sexualität zu kämpfen, sondern auch mit ihren Gefühlen zu Oliver. Die Erotik kommt dabei natürlich nicht zu kurz.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Inklusive Vor- und Nachbereitung waren es etwa zwei Monate.

Wie kamst du dazu, einen Erotikroman zu schreiben?

Ich habe mich mit einer Freundin darüber unterhalten, wie schwer es ist, gute Sexszenen zu schreiben und einen Erotikroman nicht zu seicht werden zu lassen. Da ich mich gerne neuen Herausforderungen stelle, beschloss ich, es einmal auszuprobieren. Und siehe da: Es hat funktioniert.

War ein bestimmter Mr. Grey die Inspiration für Oliver? 😉

Nein. Natürlich weiß ich aufgrund des Medienhypes, dass Mr. Grey ein Charakter aus Shades of Grey ist. Das Buch habe ich tatsächlich nie gelesen. Über die Leseprobe bin ich nicht hinausgekommen, da mir der Schreibstil von E. L. James nicht zugesagt hat. Von den Filmen habe ich nur die Trailer gesehen.

Zum BDSM gekommen bin ich durch die Heftromanreihe Shadows of Love, für die ich ebenfalls schreibe. Im Reihenkonzept las ich „(…) Sexszenen, BDSM (…)“, woraufhin ich mich an die Arbeit gemacht habe. Meine Agentin Anna Mechler fragte mich irgendwann, wieso ich ausgerechnet darauf gekommen bin. Tja, dann habe ich nochmals genau im Konzept nachgelesen und da steht „(…) Sexszenen, z. B. BDSM (…)“. Das war mal wieder so ein typischer Erin.

Wie sieht deine Herangehensweise an das BDSM-Erotik-Thema aus?

Ich habe viel im Internet recherchiert, mich in BDSM-Foren herumgetrieben, entsprechende Romane gelesen und eine Freundin ausgequetscht, die aktiv BDSM betreibt.

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Mir ist es wichtig, dass die Sexszenen anschaulich beschrieben sind und die Hauptcharaktere eine gewisse Gefühlstiefe aufweisen. Auch zu einem Erotikroman gehört eine Handlung, damit er nicht zu einem reinen Porno verkommt. Von Ausdrücken wie „Lachshöhlen“ und „Schlangengurken“ halte ich nichts. In geselliger Runde haben wir so manches Mal ähnliche Wortneuschöpfungen kreiert und uns darüber schlappgelacht. 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Bei dp Digital Publishers erscheinen noch zwei Erotikromane für die Reihe Secret Desires, die allerdings andere sexuelle Spielarten thematisieren. Danach plane ich mal wieder eine Romantasy, in der eine Polizistin und ein Krieger die Hauptrollen spielen werden.

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Als kleines Mädchen wollte ich Astronautin werden. Ich war fasziniert vom Mond und von den Sternen, weswegen ich unbedingt mal da hinaufwollte. Außerdem belächelte man mich, da zur damaligen Zeit Frauen in der Raumfahrt noch sehr selten waren. Daraufhin wollte ich es natürlich erst recht.

Der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, kam erst auf, als ich etwa 12 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die Bücher der Kinderbücherei ausgelesen und bin meinen Eltern beständig auf die Nerven gegangen, damit sie mir neuen Lesestoff kaufen.

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Wenn ich nicht gerade lese, gehe ich gern spazieren, verbringe Zeit mit meinem kleinen Sohn, werkle im Garten oder trinke Kaffee mit meinen Freundinnen. Ich fotografiere auch sehr gerne und viel. Letztens fragte mich eine Freundin: „Na, hast du Fotos gemacht?“ Gleich darauf griff sie sich an den Kopf, lachte und beantwortete sich die Frage selbst.

Wo ist dein Lieblingsplatz zum Schreiben?

Ist das Wetter schön genug, sitze ich mit meinem Laptop auf der Terrasse. Schreiben fühlt sich für mich ohnehin nicht wie Arbeit an. Draußen zu schreiben ist fast wie Urlaub.

Welches Genre liest du selbst gerne?

Ich lese gerne heitere Liebesromane, Romantasy, Urban Fantasy und Thriller. Wenn mich ein Klappentext anspricht, darf es zwischendurch gerne ein anderes Genre sein.

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Es gibt so viele großartige Autoren, dass es wirklich schwer ist, mich zu entscheiden. Wenn ich es müsste, würde ich Ursula Poznanski nehmen. Durch ihre Bücher fliege ich nur so durch. Ich liebe ihren Schreibstil, ihre Figuren, ihre Settings und ihre Plots.

Was ist das Wichtigste, was man über dich wissen sollte?

Meistens habe ich gute Laune und liebe es, diese auch zu verbreiten. Wenn man allerdings mich, meine Familie oder Freunde ungerecht behandelt, werde ich zum feuerspeienden Drachen.

Gipfel der Lust 9783960872153

Erin Buchanan ist seit ihrer Jugend von Sprachen und menschlichen Beziehungen fasziniert. Diese Faszination lässt sie auch in ihre Geschichten einfließen. Dabei hat sie sich vor allem auf Liebesromane spezialisiert, da sie dieses Genre selbst gerne und viel liest. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhof in Köln.

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