Liebling, ich geh dann mal

„Das ist nicht dein Ernst!“

Ich funkelte Arno an, nicht ganz sicher, ob er sich nicht doch einen Scherz mit mir erlaubte. Mein Mann hielt den neu erworbenen Tiegel mit der ökologisch korrekten Feuchtigkeitsemulsion in die Höhe wie ein Corpus Delicti. Zielsicher hatte er sich genau diesen aus den Einkäufen herausgefischt, die ich auf dem Küchentisch ausgebreitet hatte.

„Hanna, das ist mein Ernst! Du hast tatsächlich zwölf Euro für eine schnöde Creme ausgegeben?“

Seine inquisitorische Frage ließ meinen Blutdruck ansteigen. Ich war hier diejenige, die das Geld verdiente.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust, kniff die Augen zusammen und fixierte ihn: „Du willst mir jetzt nicht wirklich zu verstehen geben, dass …“

„Doch! Verdammt, Johanna! Was soll der Kosmetik-Quatsch? Wirst du im Alter zur Spießerin?“

Okay. Das reichte. Auch wenn ich kommunikationspsychologisch geschult war, Tritte unter die Gürtellinie mussten gekontert werden. Möglichst lautstark. Gerade holte ich Luft, als sich die Küchentür öffnete und Nele den Raum betrat. Mit einem Blick erfasste unsere Tochter die Situation.

„Moment!“, ordnete sie an, eilte zum Fenster und schloss es. Mit ihren knapp fünfzehn Jahren war ihr so gut wie alles peinlich. Vor allem die Eltern. Vor allem, wenn diese schreiend die Nachbarschaft beschallten.

Ich trommelte mit den Fingern auf meinem Unterarm: „Könnten wir jetzt bitte in Ruhe weiterstreiten?“

Nele schüttelte entnervt den Kopf und zog die Tür hinter sich zu. Mein Blick heftete sich erneut auf Arno.

Mein Mann. Mein geliebter Ehemann. 186 Zentimeter Sturheit, dichte, dunkelblonde Haare, eine immer noch beneidenswert athletische Figur, trotz weitgehender sportlicher Abstinenz, grau-blauer Blick, temporär auf Minusgrade heruntergekühlt. Wir waren uns so nah. Gedanklich, gefühlsmäßig und auch körperlich. Und dennoch schafften wir es immer wieder, uns gegenseitig zu verletzen. Niemand kann das so gut wie Menschen, die sich in- und auswendig kennen. Wenn keine sachlichen Argumente mehr halfen, ging es meist auf der persönlichen Ebene weiter, und die wunden Punkte, die der liebende Partner eigentlich schützen, aufpäppeln und möglichst unangetastet lassen sollte, wurden zu willkommenen Angriffspunkten. Treffer. Versenkt.

Dafür hasste ich Arno gelegentlich.

„Noch mal von vorne“, knurrte ich.

„Du hast mich sehr wohl verstanden!“

„Aber DU verstehst MICH nicht!“, brüllte ich.

Inzwischen hatten wir eine Phonstärke erreicht, die Karl Marx dazu veranlasste, seine Rute einzuklemmen und unter dem Küchentisch Deckung zu suchen.

„OH DOCH! Mein Verständnis reicht durchaus, um dich als fehlgeleitetes Werbeopfer zu identifizieren!“

„Weil ich eine FEUCHTIGKEITSCREME kaufe?“

„Weil du ein horrendes GELD dafür ausgibst!“

„Mann, das waren zwölf Euro! ZWÖLF! Nicht 120! Du bist so ein Geizhals!!!“

„Wie verzweifelt muss man sein, um sich dermaßen von der Kosmetikindustrie blenden zu lassen?“

Ich hyperventilierte fast. „ICH BIN NICHT VERZWEIFELT!“

Abends stand mir der Schaum vor dem Mund wie einem tollwütigen Tier. Ich stand im Bad und traktierte meine Zähne. Es grummelte immer noch in mir. Unser so häufig aus dem Ruder laufendes Streitritual machte mich fertig. Es kostete Kraft und Halsschmerztabletten und führte zu nichts. Ich wischte mir den hervorquellenden Schaum vom Kinn und begann die Putzrunde unten rechts von vorne. Plötzlich schob sich Arno von hinten heran und legte mir seine Arme um den Bauch.

„Na, Hannchen“, hauchte er an meinem Ohr.

Ich ignorierte ihn, so gut es ging.

Er verfolgte belustigt meine Zahnputzschaumschlacht.

„Komm, wir vertragen uns.“

Skeptisch hob ich meine Augenbrauen.

„Was hältst du von einem Versöhnungsquickie?“

„NICHTS!“, fauchte ich und der Spiegel war gesprenkelt wie eine Windschutzscheibe bei Schneesturm.

„Ach komm schon, Schatz.“ Arno begann, an meinem Ohr zu knabbern.

Ich wand mich aus seinen Armen.

„Ich bin doch keine Masochistin! Erst verletzt du mich bis in die Grundfeste meiner Existenz, rammst mir ein Messer in meine verwundbarsten Teile, in meine Ängste, mein Selbstbild, mein Selbstwertgefühl …“

Arno seufzte.

„… und dann soll ich dir schon wieder mein Herz und meinen Körper öffnen?“

Er verdrehte die Augen.

„Nun sei doch nicht immer so melodramatisch!“

Ich schob ihn von mir und zielte mit der Zahnbürste auf ihn.

„Ich bin so, wie ich bin. Und eins sag ich dir: Ich bin keine Spießerin, ich bin nicht alt und ich bin nicht verzweifelt!“

„Schon gut“, lenkte er ein. „Du bist jung wie der Frühling und frisch wie Morgentau.“

Ich schüttelte mit dem Kopf, ließ Wasser in meine Hände laufen und tauchte mit dem Gesicht hinein. Die Badezimmeraudienz war beendet. Tatsächlich zog Arno Leine, nicht ohne mir im Weggehen in den Hintern zu kneifen.


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Klara Sinn – Liebling, ich geh dann mal

Klara Sinn ist Jahrgang 1967 und lebt mit Mann, Tochter und Hund in Hessen. Mit Mitte Vierzig hatte sie fast alles ausprobiert oder erreicht, was sie sich in ihrer Sturm-und-Drang-Zeit so vorgenommen hatte. Plötzlich rückte ihr ein weiterer lang gehegter Wunsch wieder ins Bewusstsein: Das Schreiben. Von Ehemann und Tochter milde belächelt, packte es sie im Herbst 2012. Als der Roman tatsächlich fertig geworden und von der Familie ausreichend heftig bejubelt worden war, entschied sie sich, eine Verlagsveröffentlichung anzustreben.

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Liebe, Mia, Sevilla

Kapitel 1: F wie Feiertage

Das Zitat des Tages:

„Besonders an Feiertagen, wie z.B. zu Weihnachten, am Geburtstag, aber auch an persönlichen Jahrestagen, droht Ihren Klienten emotionale Absturzgefahr.“

(Ratgeber für angewandte Psychologie, S. 15f)

Geburtstage konnte ich noch nie ausstehen. Erst recht nicht, wenn sie mitten in der Woche lagen. Mein 27. Geburtstag fiel auf einen Mittwoch – mittiger ging’s nicht. Da ich wusste, dass ich nach der Leitung meines Workshops „Flirten für Großstädter“ zu nichts mehr zu gebrauchen sein würde, hatte ich meinen feierwütigen Freunden schon lange im Voraus zu verstehen gegeben, dass sie sich jegliche Hoffnung auf eine wilde B-Party zu Ehren meines Wiegenfestes abschminken konnten. Für mich gab es einfach nichts zu feiern, weder im engsten Freundeskreis unterhalb der Woche, noch aufgemotzt im großen Rahmen am Wochenende. Mit meiner sorgfältig geplanten Vermeidungsstrategie hätte ich auch fast Erfolg gehabt.

Leider nur beinah, denn meiner besten Freundin Sophia konnte ich damit nicht kommen. Sophia arbeitete als Lehrerin und ließ einem Schwänzen prinzipiell nicht durchgehen. Sie war dabei nicht nur hartnäckig konsequent, sondern zudem auch noch überaus gerissen. So bestand ihr Geburtstagsgeschenk darin, mich zusammen mit ihrem, vor einem Vierteljahr frisch geehelichten Gatten, dem Langweiler Lukas, zum Essen auszuführen. Im vollen Bewusstsein, dass ich diesen flotten Dreier mit Sophia und ihrem Lebenspartner – das Wort „Ehemann“ ging mir immer noch nicht über die Lippen – anders nicht würde durchstehen können, hatte ich am Dienstag schnell noch einige Piccoloflaschen Sekt auf Vorrat gekauft.

Am Mittwochabend leerte ich allein zu Hause vorsorglich schon die ersten beiden als Vorspeise. Trinktechnisch etwas aus der Übung, hatte ich die Nebenwirkung des Alkohols auf mich vergessen: Das Wummern in meinem Hirn nahm minütlich zu, die Kopfschmerzen wurden stärker und zu allem Überfluss fingen auch noch meine Synapsen zu piepen an. Es dauerte peinlich lange, bis ich begriff, dass mein angebliches Gehirngewitter in Wirklichkeit nichts anderes als das Läuten meiner Klingelanlage war. Ich schleppte mich zur Wohnungstür und öffnete sie vorsichtig einen Spaltbreit.

„Mia, bist du taub? Wir klingeln schon seit einer Viertelstunde. Komm, Liebling.“

Sophia schob erst Lukas in mein Apartment, bevor sie es dann selbst betrat und die Tür leise hinter sich schloss. Lukas machte ein entschuldigendes Zeichen und wurde mir dadurch für einen Augenblick fast schon sympathisch. Ihm schien der Überfall seiner Frau ähnlich unangenehm zu sein wie mir. Als Sophia vor mir stand, starrte sie mich erschrocken an.

„Mia, was hast du mit deinem Haar gemacht?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ein kleines Geburtstagsgeschenk an mich selbst.“ Ich imitierte den typischen Tonfall von Werbeclips: „Directions, die Coloration, die Sie nur beim Frisör Ihres Vertrauens erhalten.“

„Du hast so schöne lange Haare, aber warum färbst du sie dir ausgerechnet pink?“

„Midlifecrisis“, witzelte ich.

„Nee, Süße, geht gar nicht! Und überhaupt, wie siehst du aus? Die ‚La Bodega‘ ist ein besseres Restaurant, du solltest dich dementsprechend schon etwas stylen.“

Der vorwurfsvolle Unterton war unüberhörbar. Sophia selbst nahm ihn anscheinend ebenfalls wahr, denn als sie fortfuhr, gab sie ihrer Stimme einen deutlich wärmeren Klang.

„Komm, die Zeit nehmen wir uns. Zieh dich ruhig noch einmal um!“

Sophias freundlich-verbindliches Timbre gefiel mir jedoch noch weniger. Aber, was sollte ich tun? Meine beiden Gäste ließen mir sowieso keine Wahl. Mit großer Selbstverständlichkeit hatten Lukas und Sophia sich mittlerweile einen Platz auf meinem Sofa im Wohnzimmer freigeräumt. Anschließend machten sie sich dort in demonstrativer Wartehaltung breit.

Ich floh in mein Schlafzimmer.

Kaum stand ich vor dem Kleiderschrank, schien das Kopfkissen meinen brummenden Schädel verführerisch zu sich zu rufen. Wie gerne hätte ich mein müdes, pink umrahmtes Haupt auf meinem Bett auskuriert! Doch das ließ Sophia bestimmt nicht zu. Richtig.

Wie zu erwarten, enterte sie weniger als gefühlte zwei Minuten später mein Schlafzimmer. Furiengleich bugsierte sie Lukas und mich erst auf den Hausflur hinaus und nach kurzer Autofahrt in das teure spanische Feinkostrestaurant ‚La Bodega‘ hinein. Auch dort hatte meine Freundin alles unter Kontrolle: Sie bestellte für uns drei ein mehrgängiges, vermutlich sehr kostspieliges Menü, erzählte geistreiche Anekdoten über die Schule im Allgemeinen und ihre Referendare im Besonderen, präsentierte sich als aufmerksame, charmante Gastgeberin, kurz, sie gab ihr Bestes, den Abend schön für mich zu gestalten. Doch leider entfalteten ihre gutgemeinten Bemühungen nicht so richtig die gewünschte Wirkung. Ich fühlte mich zunehmend unwohl, litt dabei aber gleichzeitig an Gewissensbissen Sophia gegenüber. Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich die Vorboten des Eklats bereits im Vorfeld erahnen können. Aber irgendwie hatte mich Sophia komplett überrollt und dadurch meine innere Alarmanlage ausgeschaltet. Später machte sie Lukas Vorwürfe. Aber ich fand, dass er unschuldig an unserem Streit war. Der arme Kerl hatte beim Dessert einfach nur das Thema angesprochen, das mich sowieso die ganze Zeit beschäftigte. Sein einziger Fehler, wenn überhaupt, bestand höchstens darin, dass er nicht mitbekommen hatte, wie zartfühlend meine Freundin meine ganz persönlichen Killing Fields zu umschiffen versuchte.

„Und, Mia, wenn du jetzt eine Bilanz deines bisherigen Lebens ziehen müsstest: wie fühlst du dich mit siebenundzwanzig?“

„Lukas, nicht doch. Entschuldige bitte, Mia.“

Ich konnte nicht anders und trompetete trotzig die unglücksselige Antwort heraus, die den gesamten Abend torpedierte: „Ich fühle mich nicht gut. Ehrlich gesagt geht’s mir beschissen. In meinem Leben ist alles schief gelaufen. In jeglicher Hinsicht. Hat doch alles nichts gebracht.“

Stille. Treffer versenkt.

Lukas legte das Besteck zur Seite und schaute mich halb ungläubig, halb ängstlich an. Ich sah ihm an, dass es sein Weltbild erschütterte, das eine Psychologin mit abgeschlossenem Studium so depressives Zeug von sich gab. Sophia gabelte stoisch weiter. Nur ihre senkrechte Falte mitten auf der Stirn verriet sie. Plötzlich kam ich mir jämmerlich vor. König Alkohol hatte meine Selbstkontrolle vor die Hunde gehen lassen.

„Aber … doch, doch, insgesamt ist es eigentlich schon ganz okay“, ruderte ich ungeschickt zurück, versuchte den Fehler wieder gutzumachen. Lahmes Manöver gegenüber einer langjährigen Studienfreundin. Nein, das traf es nicht so ganz. Sophia war viel mehr gewesen als eine alte Bekannte. Damals an der Uni waren wir sogar so dicke miteinander, dass es uns nur im Doppelpack gab. Was unsere Kommilitonen dazu veranlasste, uns die siamesischen Zwillinge zu nennen. Mit einem Mal wurde mir ganz wehmütig zumute. Ich erinnerte mich an den Tag, an dem Sophia und ich uns kennengelernt hatten. In der Uni-Mensa. Noch genauer: Beim Warten auf den Schlag vegetarischer Bolognese in der Bio-Schlange. Wir befanden uns damals beide bereits im Hauptstudium. Einem total chaotischen Hauptstudium, denn es war die Zeit diverser Hochschulreformen und wechselnder Prüfungsordnungen. Sophia und ich hatten uns gegenseitig dabei unterstützt, dennoch die jeweils richtigen Creditpoints und Seminarscheine zusammenzukriegen, ohne bei der Zuordnung wahnsinnig zu werden. Der Kampf gegen bürokratische Windmühlen hatte uns vor allem in der Examensphase zusammengeschweißt.

Aber jetzt saßen wir hier, dinierten zu dritt in diesem Edelschuppen und schwiegen uns dabei vorwurfsvoll an. Die ganze Szene hatte etwas von einem absurden Theaterstück. Ich blickte immer wieder möglichst unauffällig zu meiner eleganten Freundin, meiner früheren Vertrauten, und musste mir eingestehen, dass sie mir ziemlich fremd geworden war. Keine Ahnung, wann genau es passiert war, doch wir hatten uns nach dem Studium wohl auseinandergelebt. Sobald der Druck von außen nachgelassen hatte, drifteten wir innerlich auseinander. Vermutlich lag es an unserem unterschiedlichen Charakter. Während ich noch nie so richtig gewusst hatte, wo ich eigentlich hinwollte, hatte Sophia ihr Leben schon von Anfang an fest im Griff gehabt. In jeglicher Hinsicht, sowohl beruflich als auch privat. Nur zu gut erinnerte ich mich an die Hochzeit, die sie und Lukas vor drei Monaten wahnsinnig aufwändig gefeiert hatten. Dass sie heiraten wollten, überraschte niemanden. Als Beamten auf Lebenszeit am selben Gymnasium tätig, saßen beide fest im Sattel. Ein fürchterliches Fest, sehr pompös mit Familie und Kollegen, und als eine Art abschreckendes Beispiel waren auch noch die paar übriggebliebenen Single-Freunde eingeladen. Trotz des grässlich steifen Ambientes kamen mir beim Überziehen des Ringes dennoch fast die Tränen. Ich hatte das gemacht, was ich immer tat, wenn es mir zu sentimental wurde: Ich suchte einen Anlass, um zu lachen. Den hatte ich schnell gefunden, denn ich fand es überaus spaßig mitanzusehen, wie ungeschickt Lukas mit aller Gewalt den Trauring über Sophias Fingerknöchel quetschte. Ich sah dem Gesicht der Braut an, dass es ihr richtiggehend wehtat. Das wäre doch einmal eine Schlagzeile für die Bild gewesen: ‚Trauring verursacht Knöchelbruch: So machen Sie den Juwelier haftbar‘. Ich grinste, doch als Sophia Lukas, sobald der Ring saß, glücklich küsste, drohten meine Augen schon wieder überzuschwappen. Energisch wischte ich mit Tempos dagegen an, während ich gleichzeitig „Apfelsinen“ murmelte, um meinen Sinn für Humor zu beschwören. Meine Strategie hatte zum Glück auch ein zweites Mal funktioniert. Die Tränen versiegten, das rettende Wort hatte mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Was wir als bessere Hälfte bezeichneten, nannte man im Spanischen mi media naranja: meine halbe Orange. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie ich damals dachte: Da stehen nun meine beiden Apfelsinen vor dem Schreibtisch des Standesbeamten und unterschreiben den Knastvertrag für die Obstkiste.

Während meiner ausschweifenden Tagträumereien hatte Lukas sich allmählich wieder gefangen. „Warum bist du denn unzufrieden?“ Seine Frage beamte mich aus der Vergangenheit hinaus und ließ mich recht unsanft wieder im Restaurant landen.

Was konnte ich zu meiner Verteidigung sagen? Ich war müde, traurig und sentimental. Und so antwortete ich das Erstbeste, was mir in den Kopf kam.

„Dieses Restaurant hier hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit einer spanischen Bodega!“


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Sigrun Dahmer – Liebe, Mia, Sevilla

Sigrun Dahmer stammt ursprünglich aus Bochum. Doch sie war schon immer ein Zugvogel: Paris, U.S.A., Spanien und dann Köln. Doch dort blieb sie nur solange, bis sie erneut, diesmal zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, vom Reisefieber gepackt wurde: 2013 verabschiedete sich die ganze Familie aus Deutschland, um ein Sabbatical in Las Palmas zu verbringen.

Passend dazu spielt ihr Roman Liebe, Mia, Sevilla mitten im schönen Andalusien und handelt von einer etwas anderen Auswanderin …

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Fiona Winter im Interview

Fiona KawazoeWorum geht es in deinem Buch Für immer und Sushi?

In erster Linie geht es um eine Frau, der es schlecht geht, die eine Depression hat, und ihren unkonventionellen Versuch, damit umzugehen. Dann geht es natürlich auch um Japan und um die Liebe.

 

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Ich habe mit dem Schreiben daran angefangen, als ich noch in Tokyo gewohnt habe. Das war kurz bevor ich wieder nach Deutschland zurückgegangen bin, Anfang 2014, und jetzt, Anfang 2016, bin ich damit fertig geworden. Inklusive aller Überarbeitungen hat es also gut 2 Jahre gedauert.

 

Was macht für dich die Faszination an Japan aus?

Das werde ich immer wieder gefragt, sowohl von Deutschen als auch von Japanern, aber ich weiß nie, was ich darauf antworten soll. Natürlich mag ich das japanische Essen, die vielen Freizeitmöglichkeiten, die gerade Tokyo zu bieten hat, und dass die Menschen so ruhig und freundlich sind, aber das sind ja alles nur Nebensächlichkeiten. Ich kann nicht erklären, woran es liegt, aber wenn ich in Japan bin, fühle ich mich einfach wohl.

 

Du hast selber viel Zeit in Japan verbracht – ging es dir wie Vanessa und du hast anfangs einen kleinen Kulturschock erlebt?

Bevor ich in Japan gelebt habe, bin ich schon mehrere Male als Touristin dort gewesen – im Gegensatz zu Vanessa wusste ich also, was mich erwartet. Einen richtigen Kulturschock hatte ich daher nicht, oder eher im positiven Sinne: Anfangs fand ich alles dort super und erst nach ein paar Monaten fiel mir nach und nach auf, dass auch das Leben in Japan nicht perfekt ist.

 

Worin liegen für dich die gravierendsten Unterschiede zwischen der japanischen und der deutschen Kultur?

Ich mag es, dass in Japan viele Leute, anstatt an allem herumzunörgeln, eher auch mal einfach mit einer Situation zufrieden sind. Auf der anderen Seite ist es in Gesprächen manchmal schwer, konkrete Aussagen zu bekommen. Es wird eher ein bisschen um den Kern der Sache herumgeredet. Man muss zwischen den Zeilen lesen, was mir selbst ziemlich schwer fällt.

 

Ist dir aus deiner Zeit in Japan ein bestimmtes Erlebnis in Erinnerung geblieben?

Das allererste Mal, als ich bei der Familie meines Mannes zu Besuch war, hatte ich noch nicht lange in Japan gelebt und kannte mich mit vielen Gepflogenheiten noch nicht so gut aus. Die Eltern und Großeltern meines Mannes wohnten im selben Haus, aber in separaten Wohnungen auf zwei verschiedenen Stockwerken. Als er mich seiner Großmutter vorstellen wollte, mussten wir also durchs Treppenhaus. Wir schlüpften jeweils in ein Paar Plastikhausschuhe, die für genau solche kurzen Wege durchs Treppenhaus vor der Tür standen und machten uns auf den Weg nach oben. Ich verstand zwar nicht viel vom Gespräch mit der Großmutter, aber sie lächelte mich viel an und schien freundlich. Nur, als wir uns verabschiedeten und schon halb zur Tür raus waren, verdüsterte sich plötzlich ihr Gesicht und sie zeigte auf meine Schuhe. Ich verstand überhaupt nicht, was los war. Mein Mann wiegelte ab und schlüpfte wieder in seine Plastik-Hausschuhe, bevor wir die Wohnung verließen. Genau da dämmerte mir mein Vergehen. Ich hatte die Plastikschlappen die ganze Zeit angelassen, hatte damit die Wohnung betreten und mich an den Kaffeetisch gesetzt. Dabei ist Treppenhaus ja gleichbedeutend mit „draußen“, also so etwas wie Straße, und mit Straßenschuhen betritt man keine Wohnung. Mein Mann lachte sich über die Situation kaputt, aber mir war das schrecklich peinlich. Seitdem achte ich ganz genau darauf, wo ich welche Schuhe anlasse oder ausziehe und frage im Zweifel lieber nach.

 

Wie viel steckt von dir und deinen persönlichen Erfahrungen in Für immer und Sushi?

Schon einiges. Zwar nichts Konkretes, die Geschichte im Buch ist rein fiktiv, aber natürlich ist die ganze im Roman wiedergegebene Sicht auf Japan und die japanischen Kultur ja meine eigene, rein subjektive Sicht.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Als nächstes möchte ich wieder einen Frauenroman schreiben, der in Deutschland spielt und nichts mit Japan zu tun hat. Ich bin an der Planung zwar schon dran, aber etwas Konkretes kann ich leider noch nicht dazu sagen, dafür ist es noch zu früh.

 

Was liest du selbst gerne?

Immer mal wieder unterschiedliche Genres, aber in letzter Zeit sind es vor allem historische Romane und Thriller. Ganz allgemein, also genreübergreifend, mag ich Bücher, in denen viel Liebe auf den Entwurf der Charaktere verwendet wurde.

 

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Ich schreibe schon ganz lange, habe schon als Kind geschrieben, vor allem, weil ich mir ständig irgendwelche Geschichten zurechtgesponnen habe und diese irgendwie festhalten wollte.

 

Welche anderen Autoren magst du?

Was Frauenromane angeht vor allem Kerstin Gier. Bei den historischen Romanen habe ich ganz viel von Petra Durst-Benning gelesen und bei den Thrillern ist es Sebastian Fitzek.

 

Hast du ein Lieblingsbuch?

Nicht so richtig, aber es gibt mehrere Bücher, die ich sehr mag, weil sie für mich etwas Besonderes an sich haben. Die geheime Geschichte von Donna Tartt hat mich vor Jahren, als ich das Buch gelesen habe, sehr beeindruckt, weil die Charaktere so tiefgründig sind. Der Schwarm von Frank Schätzing finde ich toll, weil es eine so lange, phänomenal recherchierte, wissenschaftliche Geschichte ist. Vor kurzem habe ich Der Übergang plus Nachfolger von Justin Cronin gelesen und ich finde es einfach unglaublich, wie detailliert die post-apokalyptische Welt ist, die der Autor darin erschaffen hat – und noch dazu diese lebendigen, authentischen Charaktere. Ganz außergewöhnlich und absolut lesenswert finde ich auch Battle Royale von Koushun Takami.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Ich gehe meiner anderen Arbeit, dem Übersetzen nach, und lerne für mein Psychologie-Studium. In meiner Freizeit mache ich ganz normale Sachen: Ich lese gerne, schaue Filme und verbringe Zeit mit meinem Mann und meinen Freunden. Und so oft es geht fliege ich natürlich zurück nach Japan.

Fiona Kawazoe/Fiona Winter – Für immer und Sushi

Fiona Winter studierte vorerst Englisch mit dem Ziel, Übersetzerin zu werden. Nach Abschluss des Studiums zog sie nach Tokyo, wo sie als Sprachlehrerin arbeitete und ihren japanischen Mann kennenlernte. Seit 2011 studiert sie außerdem Psychologie und wohnt mittlerweile wieder in Frankfurt, arbeitet als Übersetzerin und schreibt Romane.

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Frauenromane – Das neue Genre im Verlagsprogramm

Mit den Neuerscheinungen Groß, blond, Rockstar! Traummann?, Neues von Frau Meyer, Sleeping Rosanna sowie Feinripp und Schlagsahne erweitert der Verlag dp DIGITAL PUBLISHERS sein Programm um ein weiteres Genre.

Stuttgart, April 2016. Ob man in Neues von Frau Meyer humorvollen Alltags-Geschichten folgt, sich in Sleeping Rosanna von einem modernen Dornröschen verzaubern lässt, in Groß, blond, Rockstar! Traummann? das überraschende Wiedersehen zweier Liebender begleitet oder in Feinripp und Schlagsahne die skurrilen Erlebnisse der sozialpädagogischen Familienhelferin Gloria miterlebt – die Geschichten sind so vielfältig und ungewöhnlich wie das Leben selbst.

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das Genre der modernen Frauenromane weiter auszubauen. Unsere Leserinnen und Leser suchen nach Unterhaltung, die wir ihnen in unserem Programm – nun ergänzt durch  Humor und Liebesgeschichten – bieten“, erklärt Stephanie Schönemann, Programmleiterin von dp DIGITAL PUBLISHERS, und freut sich bereits auf die weiteren Neuerscheinungen dieses Genres.

Die Autorinnen Britta Meyer, Nadin Hardwiger, Sandra Helinski und Liz May sind auf den unterschiedlichsten Wegen zu ihren Buch-Ideen gekommen. Erste Interviews, Leseproben und Rezensionsexemplare können beim Verlag kostenlos angefordert werden.

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Groß, blond, Rockstar! Traummann? – Sandra Helinski

Sandra Helinski ist hauptberuflich Projektmanagerin in der Suchtforschung und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Weindorf in der Pfalz. Weil sie sich mit 37 schon ein wenig zu alt findet, um für Rockstars zu schwärmen, schreibt sie lieber einen Roman darüber, wie es wäre, sich in einen Rockstar zu verlieben: Groß, blond, Rockstar! Traummann? liefert Herzklopfengarantie und ein bittersüßes Wiedersehen.