Vom Filmscript zum Drehbuch

Ein Filmscript ist die direkte Vorstufe zu einem Drehbuch, das verfilmt werden kann. Das bedeutet, dass der Autor bis dahin schon zahlreiche Exposés verfasst hat, in denen er auf 3-5 Seiten eine Story skizziert, die im Idealfall das hat: Eine Hauptfigur mit einem unglaublich wichtigen Ziel und Antagonisten, die auf keinen Fall zulassen wollen, dass die Hauptfigur dieses Ziel erreicht.

Schon das Exposé ist Knochenarbeit, denn auch auf diesen wenigen Seiten wird dem Leser schnell klar: Ist das Thema relevant? Ist die Geschichte spannend? Lässt mich die Hauptfigur kalt oder will ich unbedingt wissen, wie’s weitergeht?

Ein Filmscript zu schreiben, ist bereits ein Erfolgserlebnis. Denn dann hat der Autor mit dem kürzeren Exposé einen Produzenten begeistert und überzeugt. Nun beginnt die Phase, in der er auf 15-25 Seiten die großen Versprechen detaillierter einlösen muss, zum Beispiel wie genau sich die Hauptfigur unsterblich in den Falschen verliebt oder wie sie auf glaubwürdige Weise in Todesgefahr gerät.

Aber wäre das schon alles, wäre das Drehbuchschreiben leicht. In Wahrheit braucht es viel mehr … Die Zuschauer sind inzwischen sehr seherfahren und selbst halbe Dramaturgen. Sie lieben es, falsche Fährten der Drehbuchautoren zu entlarven und das Ende im Voraus zu erraten – daher müssen die Handlung und die Hauptfigur eines Filmscripts so überraschen, dass sie den Zuschauer eines Besseren belehren.

Das Filmscript-Schreiben gleicht der Erarbeitung einer Choreografie beim Tanzen. Durch das Exposé gibt es bereits die Musik und den Rhythmus, nun gilt es, diesen Rhythmus adäquat zu füllen. Mit Geheimnissen. Mit Überraschungen. Mit Emotion. Am besten noch gespickt mit Zeitdruck und Gefahr!

Das Geheimnis eines jeden guten Filmscripts liegt darin, dass sich die Hauptfigur entwickelt und zu einem besseren Menschen wird. Das ist im Exposé bereits angedacht – im Filmscript ist es die Kunst, diese Behauptung auch einzulösen. Die Hürden und Kämpfe des Autors sind dabei mindestens so schwer, wie die seiner Hauptfigur: Eine bloße Wandlung des Protagonisten von böse zu gut reicht nämlich nicht aus. Das Publikum sehnt sich nach einer sympathischen Figur. Sie braucht eher eine Schwäche aus der sie Stärke entwickelt. Doch auch das reicht noch nicht für ein gelungenes Drehbuch.

Ein guter Film braucht drei Arten von Konflikten:

  • das innere Hadern der Figur mit seiner Charakterschwäche,
  • den Beziehungskonflikt mit den Menschen in ihrem Umfeld
  • und die Krönung – der gesellschaftliche Konflikt.

Diese drei Konflikte entsprechen idealerweise alle einem großen Thema. Und wenn dieser Glücksfall – oder besser – diese knallharte Handlungsentwicklung funktioniert, dann ist ein Filmscript wie ein Hologramm: Zerbricht es am Boden, so ist in jedem Splitter das große Ganze enthalten.

Insofern kann man das Erzählen von Filmgeschichten mit der Herstellung von Parfüm vergleichen. Es ist eine Essenz, die ohne Schnörkel, innere Monologe oder epische Beschreibungen pure Emotion beschreibt – im Kontext zu einem brisanten gesellschaftlichen Thema.

Doch wie erzählt man Emotionen? Die meisten Menschen wollen sie verbergen. Nichts ist den Protagonisten wichtiger, als Gefühle wie Hass, Neid, Wut und sogar Liebe zu verstecken. Große Emotionen sind immer auch Privatsache oder sogar peinlich. Plappern die Protagonisten in einem Film ihre Gefühle trotzdem aus, hat das Publikum sofort das Gefühl: ohje, ein B-Movie.

Deshalb braucht es Konflikte! Die Figur soll in Erklärungsnot geraten und mit gemeinen, gefährlichen Situationen konfrontiert werden, in die sie sich zu jedem Preis begeben muss. Und noch besser ist es, wenn sich die Hauptfigur ändern muss, um ihr sehnlichsten Ziel zu erreichen.

Ein weiteres wichtiges Puzzlestück des Filmscripts ist das Puzzeln selbst. Das Publikum soll rätseln und nicht gleich zu Anfang alle Wendungen erraten. Filmscript schreiben ist das geschickte Platzieren von Infos –  wie bei einer Schnitzeljagd. Nie zu viel und nie zu wenig. Langweilen ist tödlich!

Und wenn das alles geschafft ist, dann hat der Autor die Chance, den Leser wirklich zu begeistern. Das Drehbuch selbst ist dann nur noch ein kleiner Schritt. Die Seiten des Filmscripts erhalten eine Drehbuchstruktur, die Dialoge werden ausgebaut und die Figuren interagieren – aber immer mit dem Schwerpunkt Hologramm: Keine Beschreibung, keine Handlung, kein Satz ist unnötig oder beliebig, sondern alles entspricht dem großen Bildnis des Hologramms.

Bleibt nur ein Letztes: Das Wichtigste vom Wichtigsten, was aus einem sehr guten Filmscript ein hervorragendes Filmscript macht. Aber was das ist, bleibt natürlich ein Geheimnis. 😉

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