Das Imprint booksnacks

Booksnacks ist unser Imprint für Kurzgeschichten und bietet Autoren darüber hinaus eine Marketing-Plattform, denn Erfolg in der digitalen Welt hängt vor allem von der individuellen Sichtbarkeit ab. Will man als Autor im Netz gefunden werden, kommt man nicht umhin, regelmäßig Inhalte zu kommunizieren. Jede veröffentlichte Kurzgeschichte trägt dazu bei, dass Autoren und ihre Inhalte besser auffindbar sind. Es reicht aber nicht aus, diese Inhalte nur online zu stellen.

Dabei hilft booksnacks als Vermarktungstool. Mit rund 1.500 Newsletter-Abonnenten, denen wöchentlich zwei booksnacks vorgestellt werden, wächst die organische Reichweite dieser booksnacks. Mit jedem booksnack im Titelportfolio erhält der Autor auf allen relevanten Vertriebskanälen weitere Möglichkeiten gefunden zu werden.

Auf einfache Weise können Autoren mit der Plattform booksnacks so Sichtbarkeit und Bekanntheit erhalten und Kurzgeschichten verwerten, die oft bereits in der Schublade liegen.

Vorteile der booksnacks
Die Vorteile der booksnacks auf einen Blick

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So geht’s: Kurzgeschichte hier einreichen

Einreichungszeitraum: 29.12.17 – 26.02.18
Prüfungstermin: 27.02.2018
Feedback: 27.03.2018

 

Der Verlag dp DIGITAL PUBLISHERS

Wir sind ein digitales Verlagshaus im Herzen der Stadt Stuttgart: jung, innovativ und natürlich auch (ein bisschen) schwäbisch. Wir sind ein E-Book-Only-Verlag. Und das mit Überzeugung. Wir alle haben großen Spaß daran, digitale Bücher zu publizieren, zu vermarkten und auch selbst zu lesen. Was aber nicht bedeutet, dass wir Printbüchern und -verlagen den Kampf angesagt haben. Ganz im Gegenteil: Wir sind der festen Überzeugung, dass es sowohl Taschenbücher als auch E-Books geben muss – und beides kann sich sogar gegenseitig befruchten. Auch wir lesen alle immer wieder gerne ein gut gemachtes gedrucktes Buch. Denn es lässt sich absolut NICHT über die Frage der Haptik und den Geruch eines gedruckten Buches streiten.

dp DIGITAL PUBLISHERS verfolgt eine klare Programmstrategie: Wir machen Unterhaltungsliteratur in jenen Genres und Themen, die im E-Book-Markt eine große Leserschaft haben. Unser Programm ist also recht breit aufgestellt. Nicht zuletzt, weil E-Book-Leser nach spezielleren Themen suchen, gerne Neues lesen und entdecken. Ein großer Vorteil des E-Book-Marktes.

Grob kann man Liebe, Erotik und Spannung als unsere übergeordneten Genres nennen. In diesen gibt es wiederum (spezielle) Kombinationen mit anderen Genres und Themen, die man im klassischen Buchhandel meist selten findet.

Viele E-Books und deren Autoren hätten es aus diesem Grund mit Sicherheit nicht geschafft, veröffentlicht, gelesen und sogar erfolgreich zu werden, wenn es den E-Book-Markt nicht gäbe. Was für eine neue Möglichkeit und Chance für alle Autoren, ihr Talent und ihre Leidenschaft mit anderen zu teilen, auch wenn es eine Geschichte ist, für die der Buchhändler noch kein Regal in seinem Laden hat! Und genau hier ist unser Arbeitsplatz. Wir denken, dass es (innerhalb unserer Programmstrategie) viele Werke gibt, die das Potenzial haben, erfolgreich zu werden. Denn es kommt nicht darauf an in welchem Medium man veröffentlicht, sondern dass man als Autor gelesen wird.

Wir möchten mit unserem Programm unterhalten. Aber mit Niveau und hoher Qualität. Denn eins ist ganz sicher, auch E-Book-Leser haben einen hohen Anspruch und lesen nicht alles. Daher legen wir großen Wert auf das Lektorat und die Gestaltung jedes E-Books – ob beim Satz oder beim Cover.

Wir sind der Meinung, dass das E-Book NICHT am Ende der Verwertungskette der Veröffentlichungen stehen sollte. Vielmehr ist die Entscheidung für die digitale Veröffentlichung nur ein anderer Weg und eine andere Art des Publizierens, die aber genauso viele Anstrengungen und Engagement seitens des Verlags und auch des Autors fordert. Das ist unsere Herausforderung, der wir täglich mit viel Spaß und einer Portion Humor begegnen.

Noch nicht mit uns veröffentlich? Interesse mit uns zu sprechen? Einfach anrufen 0711/184 220 00 oder hier Kontakt aufnehmen.

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Wir sind ein digitales Verlagshaus hinter dem sich mehrere Marken und auch Dienstleistungen verbergen. 

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Eine Hochzeit in den Highlands – Ein Schotte für die Zukunft

Kapitel 1: Eine Reise in die Highlands

Meine Finger zitterten, als ich den Stift zurück auf den schmalen Tisch unter dem kleinen Fenster legte. Ich hatte soeben einen Brief an meine Mutter begonnen, in dem ich ihr von meinen Abenteuern der Hinreise berichten wollte. Aber es war schwieriger als erwartet, den richtigen Ton zu treffen. Ich wollte heiter klingen. Glücklich. Es sollte wirken, als machte es mir nichts aus, dass ich mich versehentlich nach Schottland verfrachtet hatte, anstelle Nordamerikas. Perth. Verflixt, warum gab es davon unendlich viele? Mich hatte irritiert, dass mein Zielflughafen Dundee hieß, was für mich eher nach Australien klang, gegoogelt und festgestellt, dass es ein Perth in England gab, eines in Australien und gleich zehn in Amerika. Tja, gelandet war ich nicht ganz so weit von zu Hause entfernt wie gewünscht, und leider unendlich weit weg vom Grand Canyon. Aber es hätte schlimmer kommen können, immerhin gab es hier Berge und man konnte sich in den Highlands ebenso gut verlaufen, wie in der Sierra Nevada oder wo auch immer genau der Grand Canyon lag. Zugegeben, geographisch war ich eine Niete. Eigentlich war ich generell eine, das wurde mir beim Überfliegen meiner Zeilen erneut bewusst.

Liebe Mama, es geht mir toll. Ich hatte eine tolle Reise, das Zimmer ist toll und die Leute hier auch …

Das glaubte ich mir nicht einmal selbst. Seufzend zerknüllte ich das Blatt und warf es in den Papierkorb. Nachdenklich starrte ich aus dem schmalen Fenster meines kleinen Zimmers. Es war urig, keine Frage, und womöglich hätte ich es sogar romantisch gefunden, wenn die Umstände anders lägen. Jemand anderes hätte vielleicht das unerwartete Abenteuer genossen, aber für mich verlief es typisch. Sogar zu dumm, um den richtigen Ort zu erwischen. Wer bitte schön plante einen Urlaub in den USA und landete in Schottland? Niemand mit ein wenig Verstand und das wiederum …

Meine Stirn spannte und der Schmerz nahm an Intensität zu, je länger ich auf das Blatt vor mir starrte. Einige fröhliche Sätze werde ich doch wohl hinbekommen! Ich spürte bereits jede Faser meines Körpers, so angespannt war ich, aber alles was sich regte, war mein Unmut. Komm schon, so schwer ist das nicht! Ich nahm den Stift und setzte ihn auf das Papier, um darüber zu kratzen.

Hallo Mama,

Guter Anfang für eine Zehnjährige! Sollte ich lieber Mutter schreiben? Oder Clara? Oder Mami? Nein, jetzt wurde es albern.

Du wirst nicht glauben, was mir Lustiges passiert ist.

War das zu offensichtlich?

Ich habe aus Versehen einen Flug nach Dundee in Schottland gebucht und nicht nach Amerika. Du kannst dir sicher vorstellen, wie überrascht ich war, als ich keine zwei Stunden nach dem Abflug bereits landete und aussteigen sollte.

Das klang zumindest ganz nach mir. Unzufrieden kaute ich auf dem hinteren Ende meines Kugelschreibers herum. Es war sogar für meine Mutter offenkundig, dass ich wiedermal absolut unaufmerksam gewesen war, unbedacht und abgelenkt. Vermutlich könnte es sie warnen, aber es war ja auch ein Beweis. Weil mir solche Dinge eben passierten, würde sie es verstehen. Ja, ich sollte es genauso lassen.

Immerhin stand mein Mietwagen bereit und ich fand meine Unterkunft ohne weitere Probleme. Es ist ein süßes Cottage  einige Kilometer oberhalb von Dundee und es wird Dich beruhigen, zu hören, dass ich keinen Unfall provozierte, indem ich die falsche Straßenseite befuhr. Ich komme mit dem Linksverkehr hervorragend zurecht.

Sehr geschönt, aber zumindest nicht dreist gelogen.

Ich freue mich auf meine Spaziergänge durch die blühende Landschaft, denn ich habe beschlossen, das Auto stehenzulassen, wo es nur geht. Die Luft hier oben ist so klar, dass mich jeder Atemzug anregt …

Übertrieben? Wieder kaute ich auf dem Plastik meines Stifts herum und betrachtete meine geschriebenen Worte. War das glaubhaft? Immerhin hatte ich die letzten sechs Monate in Therapie verbracht, drei davon in einer geschlossenen Abteilung.

Schön, das Credo meiner Ärzte lautete: Bewegung und Aktivität, aber beides hatte meine Laune nie gehoben und war mir eher wie eine zusätzliche Last erschienen. Hatte ich das meiner Mutter gegenüber je erwähnt?

… vor die Tür zu gehen. Und ich habe Hunger wie ein Bär!!!

Gar nicht, aber Appetit sollte ein Zeichen dafür sein, dass man aus seinem Tief herauskam.

Deswegen werde ich auch hier eine Pause machen und erst einmal Frühstücken gehen. Vermutlich mache ich danach direkt einen Abstecher durch das Dorf und je nachdem, wie ich mich dann fühle, gehe ich spazieren. Ich muss sagen, ich kann es kaum erwarten, mich umzusehen.

Erneut ging ich durch den Text. Es klang heiter, fand ich, und ganz danach, als erfreute ich mich an meinem Urlaub. Also war es genauso, wie ich es meine Mutter Glauben machen wollte.

Mein erstes Frühstück in der Fremde, wie aufregend. Was wird es wohl geben? Ein englisches Frühstück? Ein kontinentales? Ich bin schon ganz hibbelig vor Aufregung!

Ich werde meine Kamera mitnehmen und dir die Bilder später per E-Mail zuschicken, damit du nicht auf meine Rückkehr warten musst, um eine Vorstellung davon zu haben, wie es hier aussieht. Da fällt mir ein, ich sollte dringend eine Jacke kaufen, denn Schottland ist bedeutend kälter, als Nevada.

Eine Jacke war dringend nötig. Das Dorf lag nur ein paar Kilometer entfernt und da ich mich ohnehin sehen lassen wollte, war es sinnvoll, eine Einkauftour zu unternehmen. Ich malte gedankenverloren einen Smiley auf das Papier. Zwar sollte ich kein Geld mehr ausgeben, das meine Familie dringender brauchte, aber ich hatte eine Lebensversicherung abgeschlossen, die alle anfallenden Kosten decken sollte. Seufzend legte ich den Stift zur Seite und schob den Stuhl zurück. Das Blatt lag mittig auf der Schreibtischoberfläche, ein Briefumschlag lag frankiert bereit und die Adresse meiner Mutter war ebenfalls notiert. Es wirkte, als wollte ich den Brief auf jeden Fall absenden. Ich musterte den Schreibplatz. Es sollte alles so wirken, als ginge ich nur kurz raus, um zu Frühstücken. Als käme ich definitiv wieder, um den Brief zu beenden, ihn abzuschicken und wundervolle Tage hier zu verbringen. Aber tatsächlich sahen meine Pläne anders aus. Mein Herz flatterte vor Aufregung und ich wandte mich ab, um den Rest des kleinen Zimmers in Augenschein zu nehmen. Das Bett war nicht gemacht und war so schmal, dass ich in der Nacht befürchtet hatte, jeden Moment hinauszupurzeln. Die Wolldecke hatte ich gebraucht, um mich warm zu halten, denn ich hatte den Fehler begangen, über Nacht das Fenster zu öffnen. Es war eisig kalt gewesen, obwohl es Sommer war. Mein Schlafanzug — für die sengende Hitze Nevadas ausgewählt — war kurzärmelig und aus Seide. Er lag auf dem Boden am Fußende in kleinen Pfützen. Mein Koffer war ausgepackt und auf dem Schrank verstaut, schließlich hatte ich mich fünf Tage hier eingemietet.

Neben der Tür stand eine wacklige Kommode, auf der mein Schminktäschchen lag, inklusive Zahnbürste, Duschzeug und Haarbürste. Meine Handtasche hing am Haken an der Tür, in ihr meine Kamera und mein Handy und damit alles, was man für einen Spaziergang brauchte. Das Zimmer durchquerend nahm ich sie ab und wandte mich erneut dem Raum zu. Mein Blick glitt kritisch über das Mobiliar. Über dem Fußende des Bettes hing ein Badetuch zum Trocknen, ansonsten lag nur noch mein E-Book Reader auf dem Tischchen neben dem Bett.

Es sah so aus, als wäre ich nur kurz raus. Tief einatmend zog ich die Tür auf und hinter mir wieder zu. Es war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte. Meine Hände zitterten noch immer und machten es schwierig, den Schlüssel zu drehen. Unten vernahm ich regen Betrieb und auch auf dem Flur war ich nicht allein. Ich zwang ein Lächeln auf meine starren Lippen und nickte dem Pärchen zu, das an mir vorbeikam. Ich folgte ihnen mit Abstand. Die Rezeption befand sich direkt am Fuß der Treppe und daneben führte ein schmaler Gang zum Frühstücksraum. Die Wände waren mit gestreiften Tapeten beklebt, die verblichen und speckig wirkten. Nicht hübsch, aber für den Preis, den ich hier pro Übernachtung zahlte, zu verwinden. Der Raum, in dem das Essen serviert wurde, war proppenvoll und laut. Stimmen schwirrten hin und her, Geschirr klirrte und über allem lag ein geschäftiges Summen. Es gab ein Buffet an der rechten Seite, das nicht sonderlich abwechslungsreich aussah. Weißbrot, Marmelade und Ei. Aber im Preis inbegriffen, da wollte ich nicht murren. Ich nahm mir ein Tablett, häufte mir Brot und Aufstrich auf den Teller und spendierte mir eine große Tasse Kaffee, bevor ich mich nach einem Sitzplatz umsah. Aussichtslos, wenn man gerne für sich war. Da ich aber einen fröhlichen und aufgeschlossenen Eindruck hinterlassen wollte, zwang ich meine Lippen erneut in ein Lächeln und suchte mir absichtlich einen Tisch aus, an dem viel Betrieb herrschte.

„Entschuldigung, ist der Platz noch frei?“

Eilig wurden Jacken zur Seite geschoben, um mir Platz zu machen und ich bedankte mich überschwänglich. Obwohl ich mich innerlich wand, fragte ich nach der Herkunft der Gruppe und tat angetan von ihren Ausflugszielen. Eigentlich wollte ich wieder in mein Zimmer, so schnell wie möglich die Tür hinter mir zuschlagen und mich in mein Bett verkriechen. Allerdings lief dies konträr zu meinen Plänen, die ich nun schon zu lange und ausführlich ausgearbeitet hatte, um sie nicht in die Tat umzusetzen. Schließlich wusste ich, dass, sollte ich meinem Bedürfnis nachgeben, ich vermutlich tagelang nicht wieder aus dem Bett kam, geschweige denn, mich zu mehr aufraffen könnte, als den Fuß auszustrecken. Wenn ich es heute nicht tat, gefährdete ich den Erfolg meines Vorhabens und landetet vermutlich sehr bald wieder in einem Krankenhaus. Gezwungen, jeden Tag aufs Neue anzugehen und weiterzukämpfen, wo ich doch längst keine Energie mehr hatte. Oder auch nur den Wunsch zu kämpfen.

Ich ertappte mich dabei, wie ich meinen Teller anstarrte. Meine Mundwinkel waren herabgesackt, als hingen Gewichte an ihnen und meine ganze Haltung wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Ich nannte es die „Häufchen Elend-Stellung“. Schnell streckte ich das Rückgrat durch und setzte wieder ein Lächeln auf. Ich musste glücklich und zufrieden wirken, das war wichtig. Denn ich hatte beschlossen, dass mein Abgang meiner Familie einen kleinen Trost bringen sollte. Aber die Versicherung zahlte nur bei einem Unfall. Es durfte also nichts darauf hindeuten, dass Absicht dahinterlag. Damit hatte ich mich nun fünf Monate lang beschäftigt und es hatte mir genügend Schub gegeben, meinen Alltag zu bewältigen. Ich war vorsichtig gewesen, hatte mir alle Statuten der Versicherung wieder und wieder durchgelesen, um ja keinen Fehler zu begehen. Fünfundzwanzigtausend Euro. Sicher wüsste meine Schwester, was sie damit anfinge und meine Mutter? Mein Kaffee schwappte gegen meine Lippen, weil meine Hände immer noch bebten. Ich war aufgewühlt, was ich selbst nicht ganz verstand. Ich hatte es mir doch ganz anders ausgemalt. Die ersten Gäste verabschiedeten sich und ich wünschte ihnen winkend einen schönen Tag.

„Und wohin werden Sie gehen?“, fragte mich mein Sitznachbar, ein untersetzter Mitdreißiger, der am Vortag zur selben Zeit angereist war wie ich.

„Erst einmal ins nächste Dorf. Ich habe meine Jacke zu Hause liegengelassen in der ganzen Aufregung und es ist hier bedeutend kühler, als erwartet.“ Meine Wangen schmerzten und ich versteckte die Region schnell hinter meiner Tasse, um die Gesichtsmuskeln zu entspannen.

„Oh, ja, das Wetter hier oben ist immer für eine Überraschung gut! Kann ich Sie vielleicht ein Stück mitnehmen? Bis Little Dunkeld vielleicht? Es liegt auf meinem Weg, ich werde heute den Cairngorms National Park unsicher machen.“ Er grinste breit, wodurch seine Wangen in Schwingung gerieten.

„Wie freundlich“, murmelte ich, obwohl ich ihn eher als aufdringlich empfand. Aber natürlich war mir bewusst, dass es an mir lag. Ich war das Problem, nicht mein Umfeld, das hatte ich in der Therapie gelernt. Meine Empfindungen trafen nicht zu, waren falsch gepolt und trafen nur — und das war entscheidend — auf mich zu. Jeder andere — normale — Mensch, sah es anders und dies machte mein Leben so ungemütlich. Niemand verstand meinen Wunsch, allein zu sein, obwohl ich mich nach Gesellschaft sehnte. Niemand verstand, dass ich wirklich nicht konnte, selbst wenn ich wollte. Und das nicht, weil ich mich nicht bewegen konnte, nein mein Körper war, was Mobilität betraf, völlig in Ordnung, es war mein Geist, der nicht mitspielte.

„Es wäre mir ein Vergnügen!“, strahlte mein Sitznachbar und streckte die fleischige Hand aus, um meine zu tätscheln. „Vielleicht hätten Sie auch Lust, mich in den Nationalpark zu begleiten? Einkaufen kann man immer noch und ihr Frauen habt stets genug eingepackt!“ Er lachte schallend und klopfte dabei wieder meinen Handrücken. „Nicht wahr?“

Das war wohl relativ. Selbstverständlich hatte ich genug eingepackt. Wenn ich eine Woche verreiste, packte ich auch für eine Woche. Plus Ausgehen, plus Regen, plus durchgeschwitzt und natürlich auch etwas extra, für den Fall, dass man sich einsaute. Shit happens, darauf sollte man vorbereitet sein. Vielleicht zukünftig auch auf falsche Reiseziele? Ach nein … Mein Blick senkte sich auf meine zittrigen Finger und auch mein aufgeklebtes Lächeln rutschte. Zukünftig konnte ich streichen.

„Leider“, krächzte ich und musste mich räuspern, um fortfahren zu können. „Leider bin ich für einen Spaziergang im hiesigen Wetter nicht gut ausgerüstet und benötige tatsächlich zunächst den Einkaufsbummel. Ich nehme Ihr Angebot, mich zum nächsten Ort mitzunehmen, gerne an.“

„Wundervoll! Es gibt einen Outdoorausstatter direkt am Ortseingang. Da werden Sie mühelos eine warme Treckingjacke auftreiben können. Ich begleite Sie.“ Er streckte die Hand aus, die fast in meinem Gesicht landete. „Ich bin Gregor Krummbiegel.“

Na herrlich. „Vanessa Hagedorn.“ Notgedrungen schüttelte ich seine Hand.

„Aus der Heimat!“ Er wechselte wie selbstverständlich ins Du. „Ich liebe die Highlands, aber die Leute hier …“ Er schnalzte. „Da freue ich mich besonders, deine Bekanntschaft zu machen. Du bist auch alleine hier, zum Wandern? Dann wirst du den Park lieben, das versichere ich dir!“

Oh nein. Nie war mir klarer, dass ich einfach keine Menschen mochte, wie wenn mir ein solches, energisches Exemplar gegenübersaß. Jemand, der generell mitriss, übertönte meinen Protest für gewöhnlich und drängte mich zu Dingen, die ich nicht tun wollte. Daraus resultierte immer Frust und der Wunsch, dass alles endlich sein Ende fand. Eine Spirale, die sich leider nur zu schnell drehte und mich mit sich in den Abgrund riss. Gedrückt seufzte ich auf. Ich ertrug es einfach nicht mehr.

„Also, ich schlage vor, wir treffen uns in zehn Minuten unten? Ich muss noch in meine Wanderstiefel.“ Er hob den linken Fuß, um mir seine Schlappen zu präsentieren und die weißen Socken, die in ihnen an seinem Bein hafteten und zwar typisch deutsch: hochgezogen bis zur Mittelwade. Fast hätte ich das Angebot ausgeschlagen und wäre schreiend davongelaufen, aber die Erinnerung, dass ich gesellig und gutgelaunt erscheinen musste, holte mich noch rechtzeitig ein.

„Wie wundervoll, danke.“ Ich behielt das Lächeln bei, als er ging, schließlich war ich noch immer nicht allein, auch wenn die anderen Gäste mir höchstens einen Blick zuwarfen und mir kein Gespräch aufzwingen wollten. Seufzend starrte ich betont fröhlich — meine Gesichtsmuskulatur war schmerzhaft verzogen und offenkundig sträflich unterentwickelt — in meinen Kaffee. Vermutlich mein letzter. Trotz des trüben Gedankens wurde mir wesentlich leichter ums Herz. Ich war im letzten Jahr wieder bei meiner Mutter eingezogen, wodurch niemand die Last haben wird, meine Wohnung ausräumen zu müssen. In meinem Zimmer war alles thematisch geordnet. Altkleider, Altpapier, Sperrmüll. Bett, Schrank und Schreibtisch konnten wiederverwendet werden, so Mutter das Zimmer als Gästezimmer behielt wie zuvor.

„Vanessa!“

Ich sah auf und entdeckte Gregor, der mir aufgeregt zuwinkte. Es war dann wohl soweit. Der letzte Schluck war kalt und schmeckte abscheulich, nun, es fiele mir zumindest nicht schwer, nie wieder Kaffee zu trinken. Mein Tablett stellte ich brav in die dafür vorgesehene Halterung ab und trottete dann zu meinem unerwünschten Reisepartner.

„Nanu, willst du dich nicht umziehen?“ Seine Augen glitten an mir herab. Da ich nur eine kurze Hose trug und dazu eine leichte Bluse, konnte ich seine Verwunderung verstehen. Immerhin waren die Wanderschuhe brauchbar.

„Ich sagte doch, ich muss dringend shoppen.“

Erneut sah er an mir herab, grummelte etwas, und deutete dann zum Ausgang. „Na dann. Little Dunkeld wartet.“

Das bezweifelte ich zwar sehr, aber es lohnte sich nicht, darüber einen Ton zu verlieren. „Es ist sehr freundlich, dass du mich mitnimmst.“ Was konnte ich noch sagen? „Ich wäre auch gelaufen, aber vermutlich hätte ich ziemlich gefroren.“

„Es wird wärmer werden, schließlich ist noch Sommer!“ Er hielt mir die Tür auf.

„Danke.“ Ich musste auf ihn warten, weil ich nicht wusste, wo er geparkt hatte.

„Hier vorne.“ George deutete auf einen kleinen Fiat und ging um den Wagen herum, um die Fahrertür zu öffnen. Meine Tür hakte. Es war offensichtlich, dass es sich um einen Privatwagen handelte, war das Lenkrad doch auf der richtigen, sprich linken Seite angebracht. Zudem war der Wagen, freundlich ausgedrückt, zugerümpelt. Gregor beugte sich ächzend auf den Beifahrersitz und gab meiner Tür einen festen Schubs. „Klemmt hin und wieder!“

Der Innenraum roch penetrant und ich bereute erneut, zugestimmt zu haben, trotzdem rutschte ich in den Sitz.

„So, Little Dunkeld, wir kommen!“ Er fuhr an, bevor ich angeschnallt war, was meinen Herzschlag beschleunigte. Angst. Wie dämlich. Schön, wenn er einen nicht tödlichen Unfall provozierte, hatte ich ein Problem, aber das war nicht die Ursache meiner Angst. Was war denn nur los? Ich versank in sinnendem Schweigen. Diese ganze Reise diente lediglich diesem einen Zweck: meinem unauffälligen Selbstmord. Angst zu sterben wäre da nicht sonderlich hilfreich.

„Ich komme jedes Jahr her“, informierte Gregor mich und riss mich damit aus meinen Gedanken. Ich hob schnell die Mundwinkel.

„Oh, tatsächlich?“

„Die Gegend ist so heimelnd, so beeindruckend …“

„Ah.“ Mein Nicken begleitete mein Brummen.

„Ich war bereits auf den inneren und äußeren Hebriden, in Edinburgh, Glasgow und Inverness …“ Er warf mir einen Blick zu. „Island und Irland.“

„Ah.“ Wieder nickte ich. „Wie interessant!“

„Aber nirgends ist es so beeindruckend wie hier.“

In Dundee? Was ich bisher gesehen hatte, traf auf diese Beschreibung nicht zu. Eher eintönig, ländlich, unspektakulär. Irritiert richtete ich meinen Blick nach vorn und versuchte die Gegend mit einem anderen, vielleicht bunteren, Blickwinkel zu betrachten. Die Straße schlängelte sich vor uns ins Endlose. Wiesen säumten sie an beiden Seiten, es war eine enge Landstraße ohne Seitenbefestigung und führte bergauf. An manchen Stellen wuchsen Steinmauern aus dem Boden und grenzten das Land ab. Tiere grasten selbstvergessen wohin man auch sah. Vornehmlich braune, langhaarige Rinder mit langen seitlich wachsenden Hörnern, aber auch Schafe mit schwarzem Kopf und weißem Körper.

„Es wirkt … idyllisch.“ Wobei idyllisch ein Synonym für langweilig war.

„Wenn man durch den Park wandert, ist es, als sei man völlig allein auf der Welt!“

Na, mit dem Gefühl kannte ich mich nur zu gut aus! Einsamkeit, Abgeschottetheit, absolute Isolation. „Klingt … angenehm.“ Zumal ich schnell panisch wurde, wenn ich in Gesellschaft war und nicht weg konnte. Familientreffen waren das absolute Horrorszenario. Lauter Menschen, mit denen ich nichts gemeinsam hatte, und deren Gesellschaft ich nicht entrinnen konnte. Wenn ich mich zurückzog, erntete ich lediglich Unverständnis. Niemand verstand, dass ich es einfach nicht ertrug. Es war zu laut, zu wuselig, zu viele Dinge, die auf einmal auf mich einprasselten.

„Es ist herrlich!“, versicherte Gregor und ging in eine scharfe Kurve. „Und man entdeckt immer etwas Neues!“

Wie Todesangst?

„Schau, dort im Tal ist Little Dunkeld.“

Es kostete mich einiges an Überwindung, seinem Fingerzeig zu folgen und die Augen von der Straße zu nehmen. Das Dorf duckte sich in das Tal, wurde gesäumt von blühenden Feldern und durchzogen von schmalen Wegen. Malerisch, vermutlich, nur stand mir nicht der Sinn nach hübschen Anblicken. „Sieht nicht nach einer Shoppingmetropole aus.“

Keine fünf Minuten später hielten wir auf dem unbefestigten Parkplatz hinter dem von ihm angepriesenen Outdoorgeschäft. Gregor schnallte sich ab.

„Gregor, ich möchte dich nicht weiter aufhalten.“

„Ach.“ Er winkte ab. „Die paar Minuten habe ich übrig.“

Minuten, tja, da behielte ich wohl recht, so schwarzseherisch meine Vorstellung auch gewesen war. „Gregor, es war sehr nett von dir, mich herzubringen, aber ich werde länger brauchen, um etwas auszusuchen. Ich mag nicht gehetzt werden und aufhalten möchte ich dich auch nicht.“

„Ich hatte gehofft, dass wir gemeinsam durch den Park spazieren.“

„Nicht heute“, beschied ich mit schlechtem Gewissen und wich seinen Augen aus. Die Erleichterung, dass er einknickte, konnte ich aber nicht verhehlen. „Ein andermal.“

„Schön, dann sehen wir uns!“ Ich sah ihm noch nach, wie er mit seinem kleinen Fiat davonstob, bevor ich den Träger meiner Handtasche über meinen Kopf hob und meine Bluse glattstrich. Allein, endlich. Mein Herz begann zu flattern und ich drehte mich um. Oh je. Die Sache mit dem Mut war die, dass er sehr schnell abhandenkam und sich leider nicht sammeln ließ, noch herbeibeschwören. Zittrig schob ich eine Strähne meines hellbraunen Haares aus der Stirn und steckte sie hinter mein Ohr. Mir war nicht nach Shopping, ganz sicher nicht. Ich wollte eigentlich nur zurück in das Cottage und in mein Zimmer, um mich dort in meinem Bett zu verkriechen. Aber soweit war ich heute schon gewesen. Es bedeutete das Ende meiner Pläne und damit auch, weiter kämpfen zu müssen. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute … Und diese Aussicht war viel schrecklicher, als jene, nun dieses Geschäft betreten zu müssen. Für einen so kleinen Ort war es ein überraschend großer Laden mit erschreckender Auswahl an Jacken. Zum Glück war ich getrieben, wegzukommen, weshalb ich mir keine großen Gedanken um Material und Funktionalität machte. Wozu auch, schließlich musste sie mich nicht lang warmhalten. Eine Karte des Nationalparks und etwas zu trinken gesellte sich zu meinem Einkauf und schon stand ich wieder auf dem unbefestigten Hof. Tiefdurchatmend sah ich mich um. Was nun? Ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand und suchte meinen Standort nach einigen ratlosen Momenten auf der riesigen Karte, ohne ihn zu finden. Es war nicht einfach, irgendetwas zu erkennen, der leichte Wind schlug unablässig gegen das lose Papier und behinderte meinen Versuch, mich zurechtzufinden. Entnervt schlug ich die Arme nieder und bemerkte einen klapprigen Bus, der langsam über den Asphalt vor mir zuckelte. Er hielt ein paar Meter weiter an einer Laterne, die ich nicht als Haltestelle identifiziert hatte. Ohne darüber nachzudenken, lief ich los und erreichte den Bus, als die Vordertür gerade quietschend zuging. Ich schlug gegen die Seitenwand.

„Hey!“

Er fuhr an. Wieder schlug ich gegen die Wand.

„Hey, ich will mitfahren!“ Wo auch immer es hinging.

Überraschenderweise hielt das Gefährt und die Schwingtüren öffneten sich. Schluckend stieg ich ein. „Hallo.“

„Halò.“

„Eine Fahrt?“ Die Karte musste ich ungefaltet in meine Handtasche stopfen, um meine Hände freizuhaben und mein Geld abzuzählen. In meiner Reisetasche befanden sich einige Dollar, die mir hier nicht weiterhalfen, aber zum Glück hatte ich einen Teil meiner Barschaft am Flughafen wechseln können, obwohl ich den Kurs als horrend empfunden hatte. „Was macht das?“ Hitze wallte in mir auf und ich musste mich räuspern. „Wie viel kostet die Fahrt?“

Er nannte mir eine Summe und ich hielt ihm zehn Pfund hin.

„Nur passend.“

Innerlich fluchend fischte ich nach Münzen und warf sie in den Schlitz. Ich erhielt nicht einmal einen Fahrschein. Als er anfuhr, verlor ich das Gleichgewicht und stieß gegen einen Passagier. Eine Entschuldigung murmelnd, torkelte ich weiter und fiel auf einen Sitz. Die Fahrt wurde nicht angenehmer, im Gegenteil, ich wurde ordentlich durchgeschüttelt.

Mit jedem Meter kam ich meinem Ziel näher, ganz gleich, wo es nun lag, denn ob ich in den Loch sprang, oder von einem Berg stürzte, war letztlich gleich.

Kapitel 2: Am Rande des Abgrunds

Als ich aufschreckte, stand die Sonne schon tief, was mich verwunderte. War ich nun hin und her gegondelt? Der Fahrer hätte mich wecken müssen! Mein noch verschlafener Blick offenbarte ein gewohntes Bild: Heide. Trotzdem war es merkwürdig, hinauszusehen und das Panorama zu mustern. Ich war gestern zirka eine Stunde vom Flughafen Dundee aus bis zu meiner Unterkunft gefahren und hatte mich derweil an die Gegend gewöhnt, dachte ich, aber nun sah alles so anders aus. So wild und ungezähmt. Bergig. Wo war ich hier nur gelandet?

Der Bus bog um eine Ecke schwarzen Gerölls und die Sonne, die zuvor von der Bergwand blockiert worden war, fiel mir in die Augen. Schnell wandte ich mich ab und blinzelte, weil ich nur noch gleißendes Orange und Gelb sehen konnte. Zumindest fuhren wir sehr gleichmäßig und die Straße war besser, als die, die ich bisher mitbekommen hatte. Mein Blick fiel aus dem Fenster gegenüber, nachdem ich die abgewetzten Sitze wahrgenommen hatte, und der Ausblick ließ mich erneut blinzeln. Wasser. In einiger Entfernung spiegelte sich die Sonne auf graublauem Wasser!

Loch Ness? Nein, es gab kein gegenüberliegendes Ufer, soweit ich sehen konnte. Ach verflixt! Woher sollte ich wissen, wo ich war, wenn ich nicht einmal in der Lage war, einen Flug zu buchen, so dass ich ankam, wo ich hinwollte!

Über mich selbst verärgert griff ich nach der Rückenlehne, um mich aufzustützen. Ich hatte keine Ahnung, wann der nächste Halt war, aber ich wollte raus. Allerdings gab es noch ein Problem: Wie drückte man seinen Haltewunsch aus, wenn es nirgends einen Schalter gab?

Der Bus raste um die nächste Kurve und nahm das blendende Licht aus dem Fahrgastraum. Hilfreich war das nicht, denn noch immer konnte ich keine Knöpfe ausmachen, die man drücken konnte, und auch keinen weiteren Fahrgast. Notgedrungen hangelte ich mich an den Sitzlehnen nach vorn zu dem Fahrer.

„Verzeihung, ich würde gerne aussteigen, wann ist das möglich?“

Zunächst wirkte der untersetzte Mann, als ignoriere er mich, dann ging aber ein Ruck durch ihn, er riss das Lenkrad rum und schleuderte mich dabei nach vorn. Ohne die Plastikwand zwischen uns, wäre ich ihm auf den Schoß gefallen. So landete ich schmerzhaft an dieser Barriere und rutschte an ihr Richtung Windschutzscheibe. Hinter mir zischte es, dann gab es ein Knirschen und ein Hauch kühle Luft strich über meine Waden.

„Nicht im Ernst!“

Ich wischte mir den Sabber von der Wange, den ich auch großzügig an der Plexiglaswand verteilt hatte, und drehte mich um.

„Also?“, schnarrte der Fahrer und gab mir damit einen Schubs. Schnell stieg ich aus und drehte mich wieder dem Bus zu, der bereits die Türen schloss und anfuhr, bevor ich auch nur ein weiteres Wort hervorbringen konnte. Freundlich.

Ich sah der Wolke hinterher, in der meine Mitfahrgelegenheit verschwand. Gestrandet. Aber das machte auch nichts. Gut, ich wurde langsam hungrig, müsste auch mal Wasserlassen und müde war ich sowieso.

Tja, da war ich also. Irgendwo, was absolut in Ordnung war, schließlich war der Ort unwichtig. Schnuppe. Egal. Erneut ließ ich den Blick wandern. Der Asphalt glänzte im strahlenden Sonnenlicht, die blühende Heide hatte eine eigene Magie, die mich allerdings nicht lang gefangen nahm. Ich war zu müde, um irgendetwas zu bewundern, zu ausgelaugt.  Ich machte mich auf den Weg. Mein Ziel stand mir deutlich vor Augen. Es gab eine Steilküste, vermutlich war sie nicht gesichert und man konnte — wenn man unvorsichtig war — abrutschen. Perfekt. Der Gedanke gab mir Aufwind und meine Schritte wurden leichter. Ich hüpfte fast durch das kniehohe Gras, ließ die Hände über deren Spitzen gleiten, dass es kitzelte und hatte auch — was besonders hervorzuheben war — ein Summen auf den Lippen. Bald hatte alles sein Ende. Bald, hatte ich Ruhe, müsste mich nicht mehr von einem Tag in den nächsten schleppen, ohne die Aussicht auf Besserung. Meine elende Existenz fand ein Ende. Herrlich!

Der Wind spielte mit meinem Haar, als ich endlich die Klippe erreichte und schlug es mir ins Gesicht. Mein Rücken schmerzte, war meine Umhängetasche doch denkbar ungeeignet für längere Spaziergänge und schnitt mit seinem zu schmalen Gurt in meine Schulter. Ich ließ sie zu Boden gleiten, balancierte sie einen Moment auf meinen Zehen, bevor ich den Gurt um meine Finger wickelte und den Blick geradeaus richtete. Der Horizont verschwamm mit dem rauen Meer. Salz lag auf meiner Zunge und zog auch in mein Haar ein, das sich langsam zu kringeln begann.

Möwen kreisten über dem Wasser und schrien. Hinter mir blökte es, was mich nicht aufschreckte, schließlich hatte ich während der Fahrt dutzende Herden Rinder wie Schafe durch das Land ziehen sehen, und was sollte schon passieren? Dass ein Schafsbock mich schubste? Meine Lippen bogen sich zu einem wahrhaft belustigten Grinsen. Upps, vom Schaf ins Jenseits bugsiert. Die Sonne brannte auf meinen Wangen, auch wenn sie sonst nicht gerade wärmte, und zusammen mit dem böigen Wind, der ständig an mir riss, war es eine merkwürdige Kombination. Ich streckte den Hals, um noch einige Sonnenstrahlen einzufangen. Es hieß, dass Bewegung und Licht halfen. Meine persönliche Erfahrung war da gegenteilig. Wenn ich mich dazu zwang, vor die Tür zu gehen oder ins Fitnesscenter, um Sport zu betreiben, dann fühlte ich mich danach eher wie durch die Mangel gedreht, ganz gleich wie gut oder schlecht das Wetter war. Auch Gesellschaft, Gespräche oder sonstige Geselligkeit taten mir nun mal nicht gut. Ich fühlte mich danach stets — und zwar ausnahmslos — wie gerädert.

Ich atmete tief ein, genoss das würzige Aroma, lauschte der Brandung unter mir und lockerte meine Finger um den Gurt meiner Tasche. War vielleicht ganz gut, wenn man sie hier oben fand, dann wusste man, dass etwas passiert war, auch wenn meine Leiche nicht so bald an Land gespült werden sollte. Mein Fuß schob sich langsam vor, ich spürte, wie das Erdreich unter ihm nachgab und abbröckelte. Ein Ende. Den Kopf in den Nacken legend, beugte ich mich vor. Es tat so gut, es war so befreiend, dass ich hätte lachen mögen. Endlich, nach über drei Jahren spürte ich wieder so etwas wie Glück. Noch einen kleinen Schritt und ich verlöre das Gleichgewicht.


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ein schotte für die zukunft klein

Katherine Collins lebt mit ihren zwei kleinen Töchtern in einem kleinen Dörfchen inmitten des Vest. Seit 2014 veröffentlicht sie historische Liebesromane sowohl in Verlagen, als auch als Selfpublisher. Unter dem Pseudoym Kathrin Fuhrmann schreibt die Autorin Liebesgeschichten, die mal mit Crime und mal mit Fantasy unterlegt sind.

Mehr aus der Eine Hochzeit in den Highlands-Reihe:
Ein Schotte im Bett (Band 1)
Ein Schotte zu viel (Band 2)
Ein Schotte wider Willen (Band 3)

Anne Lay über ihren neuen Liebesroman

Autorenfoto

Worum geht es in deinem Buch Win my Heart – Spiel um die Liebe?

Sonja steht vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Zwischen der Zwangsversteigerung ihrer Wohnung und der Scheidung bricht sie aus und nimmt an einem Blackjack-Turnier teil, bei dem ein großer Geldgewinn lockt.

Dort trifft sie auf Hassan. Was hält Fortuna für sie bereit: Glück im Spiel oder Glück in der Liebe?

 

Wie kamst du auf die Idee für deine Geschichte?

Bei der Suche nach einem neuen Setting erschien mir die Welt des Casinos spannend, hinzu kam der Wunsch nach interessanten Charakteren, einer Begegnung der Kulturen.

Ich habe das erste Aufeinandertreffen von Sonja und Hassan genau vor mir gesehen und davon ausgehend die Geschichte um dieses ungleiche Paar entworfen.

 

Wie würdest du Sonja und Hassan in je einem Satz beschreiben?

Sonja ist zunächst an den falschen Mann geraten, aber jetzt beginnt sie mit viel Mut und Elan, ihr Leben neu zu gestalten.

Hassan ist ein Selfmademan, Franzose mit marokkanischen Wurzeln, der sein Leben zu genießen weiß.

 

Wenn Win my Heart – Spiel um die Liebe verfilmt werden würde, welche Schauspieler(innen) sollten die Hauptcharaktere spielen?

Meine Figuren verschmelzen aus Menschen, denen ich im realen Leben begegnet bin. So habe ich bei einer Fortbildung zufällig neben einer Frau gesessen, bei der ich zum ersten Mal graue Augen gesehen habe, dunkelgrau, dazu hatte sie dunkelblondes Haar.

Bei der Suche nach einer Schauspielerin, die diesem Bild nahekommt, bin ich auf Inez Björg David gekommen, sie könnte ich mir als Sonja vorstellen.

Zu Hassan habe ich noch keinen Schauspieler gefunden.

 

Was macht für dich eine gute Lovestory aus?

Ich möchte interessanten Menschen begegnen, sie kennenlernen und ihnen durch die Verwicklungen und Schwierigkeiten folgen, möchte miterleben, wie sich die zwei annähern und die Hindernisse meistern.

 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Einen Liebesroman: Verdächtig vertraut, der in Münster spielt, mit einer schüchternen Protagonistin Sandra, einem schokoladenbraunen Labrador und dessen Herrchen, dem Saxophonisten Tobias. Außerdem gibt es einige Kurzgeschichten.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Der nächste Liebesroman steht bereits in den Startlöchern. Dieses Mal geht es nach Norddeutschland: Schauplätze sind Husum und Norderstedt.

Auch für Sonjas beste Freundin Marie habe ich inzwischen einige Ideen …

 

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Seit meiner Kindheit, denke ich mir Geschichten aus. Bücher, deren Figuren mich gepackt hatten, mochte ich nicht zuschlagen und einfach beenden. Also dachte mir neue Abenteuer für meine Helden aus. Nach und nach kamen immer mehr eigene Ideen hinzu.

Einen ersten Text habe ich vor einigen Jahren einer befreundeten Journalistin zum Lesen gegeben. Sie hat mich ermutigt, weiterzumachen. Den daraus entstandenen historischen Liebesroman muss ich allerdings gründlich überarbeiten.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Ich bin glücklich verheiratet, habe zwei fast erwachsene Söhne und arbeite als Lehrerin. Ich bin gern draußen und liebe es, im Garten tätig zu sein.

 

Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Brombeerblut von Cornelia Briend, ein historischer Roman aus der Wikingerzeit in Irland.

  

Was ist das Wichtigste, das man über dich wissen sollte?

Mir ist es wichtig, Familie, Beruf und meine Interessen unter einen Hut zu bekommen, was nicht immer einfach ist.

Den größten Rückhalt finde ich bei meinem Mann, mit dem ich über alles spreche, was ihn oder mich bewegt. So haben wir schon manche turbulente Zeit in unserem Leben gemeinsam durchgestanden.

Das Schreiben hilft mir, Abstand zum oft anstrengenden Alltag zu gewinnen und meinen Akku wieder aufzuladen.

 

Anne Lay – Win my Heart

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Anne Lay ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Sie arbeitet als Lehrerin im Bergischen Land. Die Begeisterung für Geschichten begleitete Anne Lay schon früh durchs Leben. Seit 2006 widmet sie sich dem Schreiben.