Weihnachten mit Anna von IKEA

Weihnachten ist ein Fest der Freude.

Leider wird dabei zu wenig gelacht.

Jean-Paul Sartre, französischer Schriftsteller

 

Freitag, 01. Dezember

 Da hängt er nun. Und verhöhnt mich mit seiner ganzen unerbittlichen Pracht. Anna steht daneben und lächelt erwartungsvoll.

   Und was hab ich? Nichts. Nada. Oder inget, wie man auf Schwedisch sagt.

   Klar, ich hatte eine Menge zu tun, erst mein Umzug aus Deutschland nach Göteborg, dann die Eröffnung unseres kleinen Bed & Breakfasts und schließlich habe ich ja noch einen Job bei Kemal Industries, dem Klempner-Fliesenleger-Dachdecker-Konglomerat meines Freundes Kemal, der ständig neue Geschäftsideen hat, für die er Werbekampagnen benötigt.

   Andererseits hatte Anna die letzten Tage auch sehr viel um ihre hübschen Ohren, irgendeine Projektwoche in ihrer Schule für irgendeine Klimakonferenz, die wahrscheinlich irgendetwas beschließt, das am Anfang alle ganz toll finden und an das sich am Ende trotzdem niemand hält.

   »Gefällt er dir nicht?«, fragt Anna und schaut mich immer noch lächelnd, aber mit einer Spur von Skepsis an.

   »Doch, doch«, sage ich. »Er ist super.«

   Genaugenommen ist er viel zu super, ihr Adventskalender. Eine mit grünem Flies bezogene, s-förmige Stange, an der vierundzwanzig kleine Geschenke hängen und wie es sich in Schweden bei Weihnachtsgeschenken gehört, alle mit einem persönlichen Wachssiegel verschlossen.

   Und ich hab inget.

   Aber vielleicht stelle ich uns erst einmal vor. Ich bin Matthias Käfer, Mitte dreißig, ehemaliger Bankkaufmann, ehemaliger Single und ehemaliger Oggersheimer.

   Anna habe ich in Deutschland bei IKEA kennengelernt – sowohl virtuell wie auch in echt – und als sie nach Schweden zurückgezogen ist, weil sie dort als Deutschlehrerin arbeiten konnte, bin ich einfach mitgegangen.

   Okay, ganz so schnell und unkompliziert lief es nicht, aber inzwischen sind wir – Matthias Käfer und Anna Svenson – ein glückliches Paar.

   Bis eben.

   Denn jetzt steht sie mit diesem perfekten Adventskalender vor mir und mein schlechtes Gewissen frisst mich auf.

   Schließlich hatte Anna mir mehrere Winke mit dem Zaunpfahl, dem Gartentor und der Garage gegeben, dass sie sich einen Adventskalender wünscht. Und ich hab das erstens verstanden – aus meiner Sicht eine beachtliche Leistung für einen Mann – und es mir zweitens aufgeschrieben, hab sogar drittens drei Kringel darum gemacht und es viertens dann wieder vergessen.

   Das liegt daran, dass ich mich voll auf Annas Weihnachtsgeschenk konzentriert habe. Aber das kann ich jetzt schlecht als Ersatz oder Ausrede verwenden.

   Außerdem gab es, als ich noch ein Kind war, bei uns daheim in Ludwigshafen-Oggersheim immer nur die Adventskalender aus dem Aldi für 89 Pfennige. Deren einziger Reiz bestand darin, herauszufinden, welches Motiv sich heute hinter dem Türchen versteckt. Klar, da war auch Schokolade drinnen, aber die schmeckte wie aus hinterrücks eingeschmolzenen Osterhasen hergestellt. Was wahrscheinlich auch so war. Hätte man so einen 89-Pfennig-Adventskalender damals seiner Freundin geschenkt, hätte die einen sofort vor den Europäischen Gerichtshof für Frauenrechte geschleppt und dann Schluss gemacht.

   Deswegen war von Anfang an klar, dass ich Anna keinen Adventskalender kaufen kann. Dummerweise bin ich in diesem Stadium der Problemlösung steckengeblieben und hab mich neuen Aufgaben gewidmet.

   Ich blicke wieder auf ihren Adventskalender für mich und versuche, dankbar zu lächeln.

   »Willst du nicht das erste Türchen öffnen?«, fragt Anna.

   Ich nicke, nehme das Päckchen mit der Nummer eins, es ist flach und groß wie ein Teller. Das Wachssiegel darauf besteht aus einem Geschirrspüler, der von einem Herzchen umrahmt ist.

   »Das ist ja kreativ«, sage ich und fühle mich gleich noch schlechter.

   Anna hat sich trotz all ihrem Stress Zeit für mich genommen.

   Ich löse das Siegel ab, öffne die Geschenkverpackung und halte eine Vinyl-Platte von Boney M. in den Händen, das Christmas Album in der schwedischen Ausgabe.

   »Und was hast du für mich?«, fragt Anna und blickt mich so erwartungsvoll wie ahnungslos an. Ich liebe diesen Blick eigentlich, doch nur dann, wenn ich auch etwas anzubieten habe.

   Aber ich habe ja nur inget.

   In meiner Panik reiche ich Anna einen Umschlag.

   Schon im nächsten Moment ahne ich, dass es ein Fehler ist.

   »Ist das ein Gutschein?«, fragt Anna.

   Bevor ich antworten kann, hat sie den Umschlag schon geöffnet. »Eine Rechnung?« Sie blickt mich konsterniert an. »Für Damenunterwäsche?« Sie deutet auf den Umschlag. »Hast du die gesammelt und ich bekomme jetzt jeden Tag eine? Und dann an Heiligabend einen Offenbarungseid?«

   »Du hast gefragt, ob ich was für dich habe«, antworte ich kleinlaut. »Und die Damenunterwäsche ist wohl kaum für mich.«

   »Die hab ja auch ich bestellt.« Sie schüttelt den Kopf. »Erinnerst du dich noch, als du mich vor ein paar Wochen gefragt hast, was ich mir zu Weihnachten wünsche?«

   Ich nicke und schaue sie zerknirscht an. »Du hast gesagt, du wünschst dir nichts, aber ein Adventskalender wäre schön.«

   »Daran erinnerst du dich also?«

   »Ja, aber ich hab glatt vergessen, dass schon Advent ist.« Ich zucke entschuldigend mit den Schultern. »Liegt ja hier schon seit September Schnee.«

   »Der war im Oktober wieder weg.«

   »Ja, aber nur für zwei Tage.« Ich mag Schweden wirklich, aber das Wetter ist echt eine Katastrophe, wenn man nicht auf Schneematsch, vereiste Autoscheiben und abgefrorene Zehen steht. Ich dürfte das Anna gegenüber ja nie sagen, aber im speziellen Fall von Schweden finde ich die globale Erwärmung gar nicht so schlimm.

   »Du hast also nichts für mich?«, fragt sie und zieht eine enttäuschte Schnute.

   »Ich schenke dir morgen einen Adventskalender«, sage ich und nehme sie in den Arm. »Und das Beste daran ist, dass du dann gleich zwei Türchen auf einmal aufmachen darfst.«

   Und dann endlich lächelt Anna zufrieden.


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Thomas Kowa ist Autor, Poetry-Slammer, Musikproduzent und manchmal Weltreisender. Während in seinen Thrillern fleißig gestorben werden darf, ist es ihm in seinen absurd-komischen Romanen trotz mehrfacher Versuche noch nicht gelungen, jemanden umzubringen.

Mehr zu Anna von IKEA:
Mein Leben mit Anna von IKEA

booksnacks – Kurzgeschichten-Plattform auf der Shortlist für den Virenschleuderpreis

Im Mai 2016 gestartet, nutzen bereits mehr als 1.000 Leser das im Wochenrhythmus wechselnde E-Book-Angebot auf booksnacks.de. Die Plattform für digitale Kurzgeschichten neuer Autoren steht mit diesem Konzept in der Kategorie „Ansteckendste Strategie/Plattform“ auf der Shortlist für den Virenschleuderpreis.

Stuttgart, Oktober 2016. Mit dem Imprint booksnacks und der Plattform www.booksnacks.de hat der Stuttgarter Digitalverlag dp DIGITAL PUBLISHERS die Geschäftsmodelle aus den App-Stores wie „App des Tages“ oder das „Freemium-Modell“ kurzerhand auf den E-Book-Markt übertragen. Ein für Leser und Abonnenten wie auch für Autoren gleichermaßen attraktives Angebot: Auf booksnacks.de erhält man wöchentlich digitale Geschichten aller gängigen Genres von bis zu 100 Seiten Umfang. Diese Kurz-E-Books lassen sich auf jedem mobilen Endgerät zwischendurch schnell lesen. Mehr als 1.000 Interessierte registrierten sich seit dem Start im Mai bereits mit ihrer E-Mail-Adresse auf www.booksnacks.de kostenlos.

Jede Woche erhalten sie über einen Newsletter Informationen zu zwei Kurzgeschichten, wobei eine der beiden für 24 Stunden kostenfrei zum Download bereitsteht. Etwa 500 Leser folgen wöchentlich dem angebotenen Download-Link. Hat man den 24-Stunden-Zeitraum verpasst, kann man die Kurzgeschichten jederzeit über die gängigen Online-Shops wie Amazon, Thalia etc. käuflich erwerben. Die booksnacks-Plattform ermöglicht es Autoren, genrefrei zu schreiben, ihre Publikationen zu ergänzen, Rezensionen zu generieren, die eigene Bekanntheit zu steigern oder auch einfach mal ein neues Thema oder Genre auszuprobieren. Bereits 50 Autoren haben sich der Plattform angeschlossen. Jeden Monat wird das booksnacks-Portfolio um acht Kurzgeschichten ergänzt. Für Leser ist das Angebot dann interessant, wenn sie wenig Zeit haben, viel unterwegs sind, aber trotzdem zwischendurch etwas lesen möchten, kurzer Lesestoff auch gerne kostenlos sein darf oder sie einfach mal testen möchten, wie es ist, auf dem Handy ein E-Book zu lesen.

In der Kategorie „Ansteckendste Strategie/Plattform“ findet sich diese Idee jetzt auf der Shortlist für den Virenschleuderpreis. Der Virenschleuderpreis wird jährlich vom Branchenexperten Leander Wattig (Orbanism) und der Frankfurter Buchmesse vergeben, unterstützt von namhaften Medienpartnern. Eine prominent besetzte Expertenjury wählt die Preisträger der einzelnen Kategorien: Nina George und Melanie Raabe (Bestseller-Autorinnen), Carline Mohr (Spiegel Online), Karin Schmidt-Friderichs (Verlag Hermann Schmidt Mainz), Sophie Weigand (Literaturbloggerin), Peter Wittkamp (Konzepter und Autor, u.a. für ZDF & BVG), Sascha Lobo (Sobooks), Felix Wegener (Direttissima), Dr. Frank Zimmer (Werben & Verkaufen) sowie Markus Gogolin (Frankfurter Buchmesse). Die Preisverleihung findet am 21.10.2016, 18.00-21.00 Uhr, auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Für Interviewanfragen rund um die Expansion des Verlages, das Imprint, Bildmaterial oder weitere Informationen kontaktieren Sie uns gerne oder laden Sie sich über diesen Link die wichtigsten Eckdaten zu booksnacks als PDF herunter.

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Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Straßenbahn kommt mal wieder nicht, Sie stehen gerade an oder sitzen im Wartezimmer und langweilen sich? Wie toll wäre es, da etwas lesen zu können. booksnacks liefert die Lösung: Knackige Kurzgeschichten für unterwegs und zuhause! Einfach anmelden und loslesen auf www.booksnacks.de.

Filmscripts ― spannende Drehbuch-Exposés als Kurzgeschichten

Die Autoren Ulrike Stegmann und Christof Reiling eröffnen mit ihren facettenreichen Hauptfiguren die neue Kategorie Filmscripts beim Digitalverlag dp DIGITAL PUBLISHERS.

Stuttgart, Juni 2016. Filmscripts sind die direkte Vorstufe klassischer Drehbücher, die später verfilmt werden. Auf wenigen Seiten wird die Essenz der späteren Handlung zusammengefasst, so dass sie sich wie spannende Kurzgeschichten lesen lassen. In den Filmscripts auf booksnacks.de erzählen die Autoren Ulrike Stegmann und Christof Reiling spannende, provozierende, unvorhersehbare Geschichten mit Hauptfiguren, bei denen sich die Grenze zwischen Täter und Opfer schon mal verschiebt.

Da geht es beispielsweise in der Kurzgeschichte Bazooka um Dennis, der Paintballfreak und Waffenliebhaber ist und von seinem ehemaligen Freund gedrängt wird, bei einer radikalen Bewegung gegen die Waffenlobby mitzumachen. Oder aber um die Umweltaktivisten in Der Tanker, die ein schrottreifes Frachtschiff belagern und feststellen müssen, dass die Mannschaft aus bewaffneten Piraten mit einer sehr gefährlichen Fracht besteht. Und in einem verschneiten Alpendorf in Krampusjagd kommen in der Nacht des Krampuslaufs die Kinder zweier Familien nach und nach auf grauenvolle Weise um.

Christof Reiling hat das Erzählen an der Filmakademie Ludwigsburg und als Stipendiat an der UCLA Los Angeles studiert. Seine dort gedrehten Kurzfilme liefen bereits auf verschiedenen Festivals und im Fernsehen. Christof Reiling ist bekennender Cineast und folgt seiner Leidenschaft, dem Drehbuchschreiben, gemeinsam mit seiner Kollegin Ulrike Stegmann. Auch sie studierte an der Filmakademie Ludwigsburg und arbeitet als freie Drehbuchautorin. Die Bandbreite der beiden Autoren reicht dabei von Thrillern über romantische Komödien bis hin zum Animationsfilm. Zuletzt wurde ihr Thriller Die Informantin 2016 von Philipp Leinemann mit Aylin Tezel in der Hauptrolle verfilmt.

Die Filmscripts erscheinen bei dp DIGITAL PUBLISHERS im neuen Imprint booksnacks und sind in allen gängigen Online-Shops erhältlich.

Weitere Informationen zu den Filmscripts sowie zum Verlag finden Sie auf www.digitalpublishers.de.

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Ulrike Stegmann, Christof Reiling – Krampusjagd – booksnacks, Filmscripts

Filmreife E-Book-Unterhaltung – hier finden Sie alle Filmscripts von dp DIGITAL PUBLISHERS.

Große #booksnacks-Sause

Am 15. Mai haben wir unseren ersten #booksnacks-Newsletter verschickt, das wollen wir feiern! (^_^)

Twittert einfach euren Lieblingsbooksnack (die ganze Auswahl ist hier zu finden) samt Erwähnung von @booksnacker und #booksnacks und ihr landet in unserem Lostopf!

Unter allen Tweets, die uns von 15.6.2016, 17.55 Uhr, bis zum 22.6.2016, 18.00 Uhr, unter den oben genannten Bedingungen erreichen, verlosen wir insgesamt 15 booksnacks. Wer seinen Lieblingsbooksnack gewonnen hat, wird per Twitter am 23.6.16 verständigt. Es gelten unsere allgemeinen Teilnahmebedingungen.

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