Racing Love

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Racing Love – Poleposition für die Liebe

Kapitel 1

 Mittwoch, 5. April 2017

Kein anderer Mann dieser Welt wäre davon genervt, neben dem Topmodel Evangelina Eristof aufzuwachen. Frederick allerdings wünschte sich, er wäre sie gestern Abend noch losgeworden. Hastig schloss er die Augen wieder, als würde sie dann genauso verschwinden wie das unwillkommene Sonnenlicht.

„Guten Morgen“, gurrte sie, während sie sich an ihn schmiegte.

„Morgen.“ Er rollte sich zur Seite und setzte sich auf. „Du kannst noch schnell duschen, aber dann musst du leider gehen. Die Arbeit wartet.“

Sie kicherte. „Ich habe vor, dich unter der Dusche auch ein wenig arbeiten zu lassen.“

„Ein verlockendes Angebot, das ich aber ablehnen muss.“ Er wich ihrem Blick aus. Anhänglichkeit war etwas, mit dem er schlecht umgehen konnte. „Ich kümmere mich in der Zwischenzeit um das Frühstück.“

Nur in Boxershorts flüchtete er aus seinem Schlafzimmer und schaltete in der Küche den Kaffeeautomaten ein. Er öffnete den Kühlschrank und besah sich grübelnd den Inhalt. Schließlich holte er Butter und Marmelade heraus, die er auf zwei Brotscheiben strich. Er ließ von der Maschine zwei Tassen mit Kaffee füllen und stellte alles auf der schmalen Erhöhung zurecht, die die Küche vom Wohnbereich trennte. Fehlte noch, dass sie gemeinsam am Esstisch frühstückten! Das würde Evangelina nur auf falsche Gedanken bringen.

Als er ins Schlafzimmer zurückkehrte, hörte er das Rauschen des Wassers aus dem Bad. Er ging in den angrenzenden Ankleideraum und schlüpfte in eine Trainingshose und ein Shirt, bevor er sich ans Frühstücken machte.

Frederick hatte sein Frühstück bereits beendet, als Evangelina zu ihm in die Küche kam. Sie trug nur ihre Dessous und hielt Kleid und Schuhe in einer Hand. Bei seinem Anblick zog sie eine Schnute.

„Schon angezogen und gefrühstückt? Du hast es ja wirklich eilig.“

„Tut mir leid. Ich bin gestern Abend völlig fertig eingeschlafen. Eigentlich war nicht geplant, dass du …“ Er zuckte mit den Schultern.

„Verstehe. Aber jetzt können wir die Zeit doch nutzen, die uns bleibt.“ Sie ließ ihr Kleid und die Schuhe auf den Boden fallen und kam auf ihn zu. Ihr Körper schmiegte sich eng an ihn.

Seine Männlichkeit reagierte prompt auf ihre Nähe. Doch er würde dieser kurzen Ablenkung nicht nachgeben. Seine Regeln waren klar. Nicht mehr als drei Dates mit derselben Frau. Nach dem Sex trennten sich ihre Wege. Alles andere brachte nur Komplikationen mit sich.

Er war nicht abgebrüht. Er war nur vernünftig. Eine Nacht reichte ihm völlig aus. Vielleicht noch ein Foto, das von der Schönheit des Tages und ihm geschossen wurde, bevor er sie in sein Haus einlud. Mit dem Morgengrauen und dem Erscheinen des Bildes in einem der Klatschblätter kühlte seine Begeisterung allerdings rasch ab.

Sie legte ihre Arme um seinen Hals, wiegte ihre Hüften, um sich dabei an ihm zu reiben. „Ich habe später noch ein Shooting, aber vorher könnten wir nochmal in dein Schlafzimmer gehen.“

„Nein, das könnten wir nicht.“

„Gleich hier in der Küche?“ Sie lachte. „Ganz nach meinem Geschmack.“

Er schüttelte den Kopf und schob sie von sich. Verstand sie nicht, wie unangenehm es ihm war, wenn sie so hartnäckig mehr von ihm verlangte? Er vermied schon den Anschein von Anhänglichkeit. Schließlich hatte er schon in frühen Jahren gelernt, dass das nur zu Enttäuschung und Schmerz führte. Evangelina sollte eigentlich ebenfalls genug Lebenserfahrung haben, um sich nicht so anzubiedern. „Ich habe zu tun. Also wenn du noch frühstücken magst, rufe ich in der Zwischenzeit ein Taxi.“

„Ich essen morgens nichts. Aber danke für das Angebot.“ Ihr Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass die Abfuhr sie vor den Kopf stieß.

„Willst du einen Kaffee? Du kannst dir die Tasse gerne mitnehmen.“ Hauptsache, er wurde die Damen schnell los.

„Ich trinke ihn einfach gleich aus.“

Er unterdrückte ein Seufzen. „Gut, dann rufe ich dir das versprochene Taxi.“

Während er telefonierte, zog sie sich an und schaffte es tatsächlich, die Kaffeetasse in Rekordzeit zu leeren.

„Morgen bin ich auf einer Veranstaltung“, erzählte sie nebenbei. „Aber am Sonntag hätte ich noch Zeit.“

„Das freut mich für dich“, ignorierte er das wenig versteckte Angebot. Am Wochenende war er ohnehin in Bahrain. Er trommelte mit den Fingern auf die Arbeitsplatte. Angeblich sollte das Taxi nicht mehr als fünf Minuten bis zu ihm brauchen. Vielleicht durfte er langsam damit beginnen, sie aus dem Haus zu komplimentieren.

„Ich könnte vorbeikommen.“ Sie blieb beharrlich.

Er legte ihr einen Arm um die Taille und machte sich auf den Weg zur Tür. So blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

„Sonntag ist ganz schlecht“, behauptete er. „Dein Taxi ist bestimmt schon da.“

„Das kann nicht sein. Du hast gerade erst angerufen. Jedenfalls danke ich dir für den schönen Abend. Den würde ich gerne wiederholen.“

„Mhm“, brummte er unhöflich. Er schob sie weiter Richtung Tür, aber das konnte ihren Wortschwall nicht bremsen.

„Es war toll mit dir“, gurrte sie und legte eine Hand auf seine Brust. „Du bist ein wunderbarer Mann. Wann sehen wir uns wieder, Fred?“

„Frederick“, korrigierte er genervt. Er ertrug diesen Spitznamen nicht und mit zudringlichen Frauen kam er noch schlechter zurecht. „Wir werden sehen. Nächstes Wochenende muss ich zum Rennen nach Bahrain. Und davor hab‘ ich jede Menge zu tun.“

„Dein Leben ist so aufregend. Ich komme ja auch viel um die Welt, aber ihr Rennfahrer werdet gefeiert wie Rockstars.“

Die Eingangstür kam endlich in Sichtweite. Gott, warum musste dieses Haus so groß sein? Er setzte ganz automatisch sein Traumschwiegersohn-Lächeln auf. „Wir sind nur ganz normale Menschen, die versuchen, ihren Job gut zu erledigen.“

„Tu nicht so bescheiden. Das nimmt dir keiner ab. Nach deiner Leistung im Bett ist es auch nicht angebracht.“ Sie zwinkerte ihm zu.

Er legte ihre Hand auf seinen Arm und zog sie so vorwärts. Ihr fiel der Abschied wirklich schwer. Es schien, als wäre sie in Sekundenkleber getreten und käme überhaupt nicht mehr von der Stelle. „Danke für die Blumen. Ich muss mich jetzt allerdings auf einen wichtigen Termin vorbereiten.“

„Zu schade. Hoffentlich denkst du trotzdem ununterbrochen an mich.“

Sehr unwahrscheinlich. Er riss die Tür auf.

„Verrate mir noch eine Sache“, bat die Blondine.

„Was willst du wissen?“

„Hast du dich meinetwegen mit Roberto geschlagen? Ich bin vor einiger Zeit auch mit ihm ausgegangen, aber das ist mit dem zwischen uns nicht vergleichbar.“

Das bedeutete wohl, sie war nur auf der Jagd nach einem Rennfahrer gewesen. Irgendeinem. Bestimmt würde sie rasch Ersatz finden.

„Roberto und ich hatten lediglich eine Meinungsverschiedenheit, sein Überholmanöver in der letzten Kurve in Shanghai betreffend. Mit dir hatte das nichts zu tun.“ Wie konnte sie glauben, er würde sich wegen einer Frau mit einem anderen Mann prügeln?

„Aber …“

„Tut mir leid. Ich muss jetzt wirklich los. Dein Taxi wartet auch schon. Danke für alles.“

Als er sich zu ihr beugte, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben, schob er sie gleichzeitig durch die Tür. Ein kurzes Winken und er schloss sie hinter Evangelina. Das Drama hatte endlich ein Ende.

Erleichtert atmete er auf und ging durch das Wohnzimmer, um sich in der Küche etwas zu trinken zu holen. Eine Bewegung im Garten zog seine Aufmerksamkeit auf sich.

Mit einem kurzen Seitenblick Richtung Glasfront kontrollierte er, ob das Model sich auf dem Weg zur Straße befand. Ja, sie ging gerade die letzten Stufen an der Seite des Hauses nach oben. Wer oder was zur Hölle befand sich dann in seinem Garten?

Er stellte sich vor die Glasfront und sah nach draußen, das abschüssige Gelände hinunter.

Das Grünzeug eines Busches ruckelte, als würde sich jemand daran zu schaffen machen. Eine Kappe erschien darüber. Auch wenn zu viel von der Person verdeckt war, um Einzelheiten zu erkennen, wusste er jetzt jedenfalls, dass sich kein Tier in seinen Garten verirrt hatte.

Die Gestalt bewegte sich. Eine grüne Latzhose über einem weißen Shirt. Er kniff die Augen zusammen. Durch die Blätter konnte er nicht viel erkennen. Aber die Person war zu zierlich für einen Mann. Die Fremde blickte Richtung Haus und verschwand dann wieder hinter dem Grünzeug.

War die Person ein Reporter? Nachdem er bei den ersten beiden Rennen dieses Jahres im Mittelfeld gelandet war, interessierte sich die Presse nicht genug für ihn, um ihm in seinem eigenen Garten aufzulauern. Zu seinem Leidwesen, wie er gestehen musste. Dennoch hatte sein Zusammenstoß mit einem seiner Kollegen letzte Woche für Aufsehen gesorgt. Ob man ihn deshalb bei einem weiteren Ausraster beobachten wollte?

Der Kopf der Person ragte neuerlich über das Gebüsch, bevor die Gestalt sich nach unten beugte. Ganz eindeutig beobachtete sie ihn, auch wenn Frederick bislang keine Kamera entdeckt hatte.

Er riss die Schiebetür auf und stapfte auf den Eindringling zu. „Hey! Sie da! Verschwinden Sie von meinem Grundstück.“

Die Person richtete sich auf. Es war tatsächlich eine Frau. Frederick erkannte blondes Haar unter der Kappe. Die Augen der Fremden waren erschrocken geweitet. Wie jung sie war! Vermutlich hatte sie nicht einmal einen Führerschein.

„Hallo, Herr Aigner. Ich dachte, man hätte Ihnen Bescheid gesagt …“

„Ach, melden sich Einbrecher jetzt schon telefonisch an? Was hast du hier zu suchen?“

Das Gesicht des Mädchens überzog sich mit Röte, was das Grün ihrer Augen leuchten ließ. „Ich bin doch für Sie zuständig.“

Was sollte das? Hatte man ihm ein Kind vorgesetzt, das sich an ihn heranmachen sollte, um ihn in eine unangenehme Situation zu bringen? Wollte man ihn in eine Falle locken? Oder handelte es sich bloß um einen schlechten Scherz? Seinen Freunden traute er alles zu. Letzten Sommer hatte man ihn in einen Whirlpool zu einer Schönheit gelockt, die sich dann als Mann entpuppt hatte. Die dabei entstandenen Fotos hatten empfindlich an seinem Image gekratzt. „Wer hat dich geschickt?“

„Ein Herr Juma.“

Fredericks Agent! Gerade Falk betete Frederick ständig vor, wie wichtig das Bild war, das man der Öffentlichkeit von sich zeigte. Na, der konnte was erleben!

„Da liegt ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Bist du zu Fuß da? Dann rufe ich dir ein Taxi.“

„Ich habe mein Auto dabei. Aber wenn ich gleich loslege, ist es rasch geschafft. Ich bin ziemlich geschickt. Soll ich wirklich jetzt schon gehen?“

Er nickte. Wehe, sie warf sich ihm an den Hals! „Am besten verschwindest du sofort.“

„Aber man hat mich informiert, dass es bei Ihnen Probleme mit der Standfestigkeit gibt. Das wäre im Handumdrehen gelöst, auch wenn bei Ihnen anscheinend auf anderen Gebieten ebenfalls noch viel zu tun ist.“

Was sollte das denn? Ihm war gerade erst zufriedenstellende Standfestigkeit bescheinigt worden. Bei ihm war alles perfekt!

„Bei der Größe wird es bestimmt eine Herausforderung, die Angelegenheit zufriedenstellend abzuschließen“, meinte sie weiter. „Aber einer Herausforderung kann ich nicht widerstehen. Warum sehen Sie sich nicht erst meine Arbeitsweise an, bevor Sie den Auftrag jemand anderem erteilen?“

„Auftrag?“ Wie konnte so ein junges Ding nur so geschäftsmäßig klingen, während es sich einem Mann anbot? Wo hatte Falk das Mädchen bloß aufgetrieben?

„Herr Juma meinte, Sie würden es nicht gerne selbst machen. Es könnte in eine ordentliche Sauerei ausarten. Und ich bin eine Expertin, wenn es schmutzig wird. Von daher …“

„Sei still! Trägst du ein Mikrofon bei dir? Was soll das Ganze?“

Sie blinzelte und trat einen Schritt zurück. „Tut mir leid, wenn Herr Juma sich geirrt hat. Ich will natürlich nicht in Ihre Privatsphäre eingreifen. In fünf Sekunden bin ich weg.“ Sie drehte sich um und griff nach etwas, das hinter ihr auf dem Boden lag.

Eine Heckenschere.

Die packte sie zu den anderen Gartengeräten in einer Metallbox, die halb verdeckt vom Busch neben ihren Füßen stand. Sie hob sie an, doch sie rutschte ihr sogleich wieder aus den Fingern und landete scheppernd im Gras. „Verdammt“, schimpfte sie.

Perplex sah er zu, wie sie das herausgefallene Werkzeug aufhob. Wenige Augenblicke später richtete sie sich auf und nickte ihm zu. „Schönen Tag noch.“

„Du arbeitest für eine Gärtnerei?“

„Ähm … natürlich. Was dachten Sie denn?“

Gott, wie dämlich! Sein Misstrauen seinen Mitmenschen gegenüber nahm immer absurdere Ausmaße an. „Keine Ahnung. Ich dachte, es wäre ein Scherz, um irgendwelche verfänglichen Fotos …“

Sie riss die Augen auf und stolperte zurück.

„Ja, ich weiß“, gab er zu. „Hat auch alles irgendwie nicht zueinander gepasst.“

„Ich habe den Auftrag, mich um den Baum zu kümmern, damit er den Gartenzaun nicht zerstört. Außerdem muss wohl auch alles andere wieder in Schuss gebracht werden. Soll ich mich um den Garten kümmern oder wollen Sie jemand anderen damit beauftragen?“

Er sah sich um. Der angesprochene Baum musste dringend gestützt werden. Zwischen den Hecken zeigte sich vereinzelt Unkraut. In dem kleinen Blumenbeet neben dem Pool welkten Blumen vom letzten Jahr vor sich hin und der Busch, an dem sie sich zu schaffen gemacht hatte, brauchte unbedingt einen Formschnitt. Falk hatte recht. Er machte Gartenarbeit nicht gerne selbst. Genauso wie einiges andere.

Sein Blick wanderte wieder zu dem Mädchen. Ihre grünen Augen faszinierten ihn, auch wenn es ihr offensichtlich an Stil fehlte. Allerdings sah sie auch ohne Schminke passabel aus.

„Der Garten hat es in der Tat mal wieder nötig. Da mein Agent dich beauftragt hat, kannst du bleiben.“

„Okay.“ Sie holte die Heckenschere wieder aus der Box. Kaum hatte sie sich damit aufgerichtet, glitt sie ihr aus der Hand und landete knapp neben ihren Füßen.

„Pass lieber auf. Mit der Schere kann man sich im Notfall bestimmt das Bein amputieren“, scherzte er.

„Ich habe mich bisher nie verletzt.“

Er hob eine Augenbraue. „Bist du noch in der Ausbildung?“

Sie kniff die Augen zusammen. „Nein, natürlich nicht. Herr Aigner, glauben Sie mir, Herr Juma hätte mich nicht engagiert, wenn ich nicht in der Läge wäre, Ihren Garten auf Vordermann zu bringen.“

„Im Augenblick scheinst du aber nicht allzu sicher im Umgang mit Werkzeug. Wenn es dich überfordert, sag lieber Bescheid.“

„Normalerweise sind meine Arbeitsbedingungen nicht so … so seltsam.“ Sie sah ihn an, als wäre er der eklige Auswurf einer noch abstoßenderen Pflanze. „Ich wurde noch nie für einen Einbrecher gehalten.“

„Tja, daran musst du dir selbst die Schuld geben. Hättest du dich mir vorgestellt, bevor du …“ Er dachte daran, womit er vor ein paar Minuten noch beschäftigt gewesen war. „… das wäre dir gar nicht gelungen. Ich hätte dir nicht geöffnet.“

„Nicht gerade höflich.“

Dem konnte er nicht widersprechen. In ihrem Alter war er bereits an die Distanziertheit seiner Mitmenschen gewohnt gewesen. Nach dem Tod seiner Eltern hatten ihn seine Großeltern aufgenommen. Doch als er aus einer Mischung aus Trauer und Wut ein paar seiner Spielsachen zerstört hatte, war er innerhalb der Familie weitergereicht worden. Er war gut damit gefahren, sich an niemanden zu binden. Das hatte ihn vor vielen Enttäuschungen bewahrt. Hoffentlich waren ihr solche Erfahrungen bislang erspart geblieben. „Dank der Presse muss ich vorsichtig sein.“

„Das klingt, als wären Sie übertrieben vorsichtig.“

Was wusste sie schon von solchen Dingen?

„Vergiss es. Kümmerst du dich bitte als erstes um den Baum und dann um das hässliche Gestrüpp hier?“ Er deutete auf einen zerrupften Strauch mit Dornen. „Am besten buddelst du das Unkraut gleich ganz aus. Ich hab‘ mich schon mehrmals daran gestochen.“

„Nein! Das können Sie dem wunderschönen Gelben Engel nicht antun.“

„Dem was?“ War sie übergeschnappt? Die Sonne brannte nicht heiß genug vom Himmel für einen Sonnenstich.

„So heißt die Rosensorte. Der Strauch ist nur nicht richtig gepflegt worden. Wenn ich ein wenig Mühe hineinstecke, blüht er bald wunderschön.“

„Ich brauche keine Rosen im Garten. Auf so kitschige Sachen stehe ich nicht. Halte es schlicht und geradlinig. Dann bin ich glücklich.“

Sie machte einen Schritt auf ihn zu und stieß dabei den Werkzeugkasten um, was sie gar nicht zu bemerken schien. Ihr Gesicht strahlte vor Begeisterung. „Ein Farbtupfer an der richtigen Stelle ist wichtig für das Gesamtbild und erst dieser Duft …“

„Mach ihn weg. Ich muss jetzt zu einem Termin. Da ich annehme, du bist schon weg, wenn ich wiederkomme, wünsche ich dir noch viel Erfolg, Mädchen.“

„Mädchen?“, hörte er sie ungläubig murmeln, als er sich umwandte und zum Haus zurückkehrte.

Über diese Sache musste er sich später mit Falk unterhalten. Es ging gar nicht, dass sein Agent einfach jemanden anstellte, der sich auf seinem Grundstück aufhalten würde, ohne ihn davon zu unterrichten. Und wie war er auf dieses junge Ding gekommen? Musste ja eine lustige Suchanfrage gewesen sein. Aber Frederick war nun gezwungen, es auszubaden. Wenn er Pech hatte, dichtete man ihm noch Kinderarbeit an. Er selbst hatte sich früh um sein Leben kümmern müssen. Bestimmt war seine neue Gärtnerin ebenfalls nicht gerne von anderen abhängig, sonst würde sie nicht dermaßen um diesen Auftrag kämpfen.

In seinem Keller befand sich ein Trainingsraum, in den er sich jetzt für die nächsten Stunden zurückzog. Er hatte eigentlich vorgehabt, in Gesellschaft im firmeneigenen Kraftraum zu trainieren. Doch für heute hatte er von Überraschungen genug.

Kapitel 2

 Freitag, 7. April 2017

„Dann nennt er mich Mädchen und stapft einfach davon. Dazu hat er mich die ganze Zeit geduzt, als wäre ich ein kleines Kind!“ Neuerlich kochte Ärger in Ava hoch. Sie hatte sich zutiefst beleidigt gefühlt. Er hatte sich wie ein arroganter Schnösel aufgeführt. Sie wollte gar nicht wissen, was mit seinen seltsamen Andeutungen gemeint gewesen war. Bestimmt handelte es sich um etwas noch Demütigenderes als die Bezeichnung Mädchen. Aber Männer wie er nahmen Frauen wie Ava vermutlich gar nicht bewusst wahr.

Milla lenkte das Auto auf den Parkplatz gegenüber der Bar, die ihr Ziel war. „Was ist schlimm daran, wenn er dich duzt?“

„Es war der Tonfall“, schimpfte Ava. „Diese gönnerhafte, abwertende Stimme, die klarmachte, dass er mich tatsächlich für ein Kind hielt.“

„Männer“, schnaubte Alessia. „Vergiss ihn einfach. … Warum nimmst du den freien Platz da nicht, Milla? Ist doch direkt neben dem Eingang?“

„Da kommen die ganzen Betrunkenen vorbei und zerkratzen meinen Wagen“, gab Milla zu bedenken.

„Als würde diese Rostlaube nicht bald von alleine auseinanderfallen.“

Milla seufzte und fuhr ein Stück weiter, um auf einen anderen Parkplatz zu fahren, musste dann aber einsehen, dass der Winkel völlig falsch war. Sie legte den Rückwärtsgang ein und kurvte weiter zwischen den Autos entlang.

„Einem geschenkten Wagen sieht man nicht unter die Motorhaube. Seid froh, dass wir einen fahrbaren Untersatz haben.“

„Wie wäre es mit dem Platz dort drüben?“, schlug Ava vor.

„Der ist doch viel zu eng.“ Stattdessen entschied Milla sich für einen weiter Entfernten. Doch auch der Einparkversuch ging schief und sie peilte einen anderen Parkplatz an, auf dem sie endlich stehenblieb.

„Weiter weg vom Eingang ging wohl nicht?“, brummte Alessia.

„Komm schon. Hauptsache wir kommen mal aus dem Auto raus.“ Ava griff nach ihrer Jacke und ihrer Tasche, die neben ihr auf der Rückbank lagen. „Also, schnappt eure Sachen und dann können wir uns gleich etwas zu trinken bestellen.“

Die drei Freundinnen hakten sich beieinander unter, überquerten den Parkplatz und steuerten den Eingang an. Die hohen Absätze von Alessia und Milla klapperten auf dem Asphalt. Avas Sneakers dazwischen machten kein Geräusch. Aber sie passten einfach besser zu ihren Jeans. Mit High Heels würde sie sich ohnehin nur die Beine brechen.

„Hast du deinen Ausweis mit, Ava?“, erkundigte Alessia sich plötzlich.

„Ich glaub‘ schon. Warum?“ Ava entdeckte den neuen Türsteher. „Nicht das auch noch. Habe ich heute nicht schon genug gelitten?“

Der breitschultrige, muskelbepackte Mann sah ihnen entgegen. „Guten Abend, Ladies.“

„Guten Abend“, antworteten sie unisono.

„Ist eure Freundin nicht zu jung für eine Bar?“ Sein Blick fixierte Ava. „Darf ich bitte mal deinen Ausweis sehen?“

Sie hätte gerne die Augen verdreht, ließ es aber lieber bleiben. Sie war schon Kerlen begegnet, die das als Eingeständnis ihrer Schuld betrachtet hatten. Also zog sie folgsam ihren Führerschein aus der Tasche und hielt ihn dem Türsteher unter die Augen.

Der Ausdruck auf seinem Gesicht blieb skeptisch. „Ernsthaft?“

„Ernsthaft.“ Jetzt entschlüpfte ihr doch ein Seufzen.

Andere Gäste näherten sich dem Eingang und beobachteten die Szene neugierig. Ava spürte, wie Hitze ihr Gesicht überzog.

„Na schön. Dann viel Spaß noch.“ Er trat zur Seite, um sie vorbeizulassen.

„Danke“, presste sie hervor und beeilte sich, ins Innere der Bar zu gelangen. „Wie peinlich“, beschwerte sie sich schlecht gelaunt.

„Der Kerl kennt dich noch nicht.“ Alessia steuerte einen freien Tisch in einer Ecke an und deutete dem Kellner. „Eine Runde Schnaps brennt den Geschmack der Demütigung weg.“

„Na toll. Jetzt fühle ich mich erst recht erniedrigt.“ Trotzdem nahm Ava den Alkohol entgegen und leerte das Schnapsglas in einem Zug.

Alessia grinste. „Besser?“

Sie nickte. „Vielleicht sollte ich mir dennoch die Haare wachsen lassen. Die neue Kurzhaarfrisur ist zwar bequem beim Arbeiten, lässt mich aber noch jünger wirken. Buhu. Ich brauche noch eine Runde.“

„Trinkt lieber nicht zu viel. Es macht keinen Spaß, euch nur dabei zuzusehen“, beschwerte sich Milla.

„Einverstanden. Ein Bier für jede von uns und dann steigen wir auf Alkoholfreies um.“ Ava winkte Tim noch einmal heran.

„Arbeitet Karl nicht mehr für euch?“, erkundigte Alessia sich bei dem Kellner, nachdem sie bestellt hatten.

„Doch, doch. Er ist nur im Liebesurlaub mit seiner Süßen.“ Tim legte den Kopf schief. „Gab es Probleme beim Reinkommen?“

Ava nickte.

„Sorry, Mädels. Ich sag‘ dem Neuen Bescheid. Karl wird ohnehin bald wieder zurück sein. Aber eigentlich …“

„… sollte ich mich geschmeichelt fühlen“, vollendete Ava den Satz. „Tue ich aber nicht. Ich bin jetzt fünfundzwanzig. Das ist einfach nicht mehr lustig.“

Er boxte sie gegen die Schulter. „Warte ein paar Jahre, dann beneiden dich alle drum.“

Sie schnaubte. Als er ihren Tisch wieder verlassen hatte, beugte sie sich zu ihren Freundinnen. „Können wir jetzt wieder zu meinem Hauptproblem zurückkehren? Was mache ich mit diesem arroganten Kerl von heute Morgen?“

„Du arbeitest doch nur für ihn“, antwortete Alessia lapidar.

„Aber er ist so süß!“

„Aha!“, kam es von Milla und Alessia gleichzeitig.

Milla schüttelte den Kopf. „Diese Information wäre gleich zu Beginn angebracht gewesen. Das ändert ja wohl alles. Bist du wieder rot angelaufen und hast kein Wort hervorgebracht?“

„Du hast ihm doch nichts auf die Füße geworfen wie dem attraktiven Typen beim letzten Mal?“

Ava seufzte. „Zumindest war es heute nur mein Fuß. Dieses Problem habe ich nur meinem Vater zu verdanken. Statt mir mehr Verantwortung zu übertragen, schickt er mich zu einem unwichtigen Auftrag.“

„Wäre es dir lieber, einer der Kollegen hätte statt deiner diesen sexy-charmanten Kerl kennengelernt?“, erkundigte Milla sich.

„Nein!“ Die Antwort kam viel zu schnell über Avas Lippen. „Trotzdem sollte mein Vater mir mehr zutrauen. Dieser Baum ist schnell abgestützt. Danach darf ich Unkraut zupfen, statt wichtige Entscheidungen zu treffen.“

„Dein Vater will nur das Beste für dich. Vielleicht ist er dabei ein wenig übervorsichtig.“

„Er engt mich ein, packt mich in Watte und wickelt zehn Schichten Alufolie drum herum“, präzisierte Ava.

„Du kannst ihn nicht ändern. Also ärgere dich nicht unnötig über ihn, sondern erzähl uns lieber mehr über deinen geheimnisvollen neuen Auftraggeber.“

Tim kam zurück an ihren Tisch und brachte das Bier. Sie stießen an und nahmen einen Schluck.

„Jetzt sag schon“, drängte Alessia.

Ava zögerte einen Augenblick. „Ihr dürft aber niemandem davon erzählen.“

Die beiden anderen Frauen hoben Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. „Großes Indianerehrenwort.“

„Er ist berühmt.“

„Ein Musiker? Ein Schauspieler?“, riet Milla.

„Ein Großindustrieller oder ein Sportler?“, überlegte Alessia gespannt.

„Letzteres“, gab Ava zu.

Milla runzelte die Stirn. „Fußballer? Tennisprofi?“

„Formel-1-Fahrer“, platzte Ava heraus, bevor die Raterunde neuerlich einsetzte.

Alessia lachte. „Gibt es in Österreich überhaupt berühmte Formel-1-Fahrer?“

„Frederick Aigner gilt als Shootingstar. Er ist Fahrer bei diesem neuen Team“, berichtete Ava. Sie interessierte sich schon seit ihrer Teenagerzeit für Motorsport. Ihre beiden Brüder hatten damals alle Rennen verfolgt. Irgendwann war die Begeisterung auch auf sie übergesprungen. Genau so war es auch bei One Car Uno gelaufen. Die Geschwindigkeit in der Formel 1 faszinierte sie, sodass sie sich notfalls die Rennen nun alleine ansah. Darum hatte sie ihren neuen Kunden auch sofort erkannt.

Milla zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Hab‘ nicht mal gewusst, dass es ein neues Team gibt.“

„Ja, Amber Heart Racing. Der Schmuck von Amber Heart sagt dir schon etwas, oder?

Jetzt nickte Milla. „Der Juwelier mit dem Onlinehandel. Sie haben mit Bernsteinschmuck begonnen. Inzwischen gibt es alles in Herzform von denen. Wirklich teures Zeug, aber wunderschön!“

„Der Besitzer von Amber Heart Racing versucht die Marke bekannter zu machen“, erzählte Ava. „Von der Firma gibt es bereits Parfums und Süßigkeiten. Sein Faible für Formel 1 hat ihn ein eigenes Team gründen lassen. Trotz aller Widerstände hat er ein paar gute Fahrer angeworben. Aber der Teamname macht es ihnen nicht gerade leicht.“

„Das kann ich mir vorstellen“, sagte Milla. „Welcher harte Kerl will schon mit Liebe und Romantik in Verbindung gebracht werden, während er in diesem testosterongesteuerten Job darum kämpft, ernst genommen zu werden? Männer sind da ja so empfindlich.“

„In diesem Fall verstehe ich das sogar. Frederick ist relativ neu beim Rennzirkus. Sein Teamkollege Marc war schon bei verschiedenen Teams Testfahrer. Er hat mehr Erfahrung als Frederick, aber der gilt als großes Talent. Wenn er diese Chance geschickt nutzt, bekommt er vielleicht mal einen Vertrag bei einem bekannten Rennstall. Aber wenn dort alle über das Bernsteinherz lachen …“

„Du weißt ganz schön viel über diesen Mann“, bemerkte Alessia grinsend.

„Ich hab‘ gegoogelt“, gestand Ava. „Man muss doch Bescheid wissen, mit wem man es zu tun hat.“

„Dann willst du den Job durchziehen?“

Sie straffte die Schultern. „Natürlich. Ich wünschte nur, sein erster Eindruck von mir wäre ein Besserer gewesen. Vermutlich hat mein Auftreten nicht gerade professionell gewirkt. Dad würde mir eine Predigt halten, wenn er davon erführe. Unsere Firma braucht den Auftrag. Und wenn es gut läuft, dann vermittelt uns Fredericks Agent vielleicht noch an den einen oder anderen Kunden von sich.“

„Du hast ein Händchen für Grünzeug“, munterte Milla sie auf. „Das klappt bestimmt. Mach dir nicht zu viele Sorgen.“

„Er hat gefragt, ob ich noch in der Ausbildung bin.“

Die anderen Mädels zogen eine Grimasse, die deutlich machte, dass es sich dabei in ihren Augen um einen schmerzhaften Tiefschlag handelte.

„Es war ein Fehler, mich nicht erst vorzustellen, sondern gleich mit der Arbeit zu beginnen. Ich dachte, er wäre schon außer Haus. Dann habe ich gesehen, wie er sich von Evangelina Eristof verabschiedet hat. Ganz offensichtlich hat sie die Nacht bei ihm verbracht. Aber das bleibt unter uns, ja?“

„Evangelina Eristof? Das Model?“

„War die nicht gerade auf der Titelseite der Vogue und des Playboys?“

Am Nebentisch drehten sich zwei Kerle um und sahen neugierig zu ihnen.

„Pst.“ Ava schickte ihren Freundinnen einen bösen Blick. „Nicht so laut.“

„Schon gut.“ Alessia wedelte mit der rechten Hand, damit die Typen neben ihnen sich wieder umwandten. „Dieser Frederick muss wirklich heiß sein, wenn es ihm gelingt, eine Frau wie Evangelina abzuschleppen.“

Ava nickte. Wenn sie die Augen schloss, sah sie wieder dieses kantige, einprägsame Gesicht vor sich. Diese für einen Mann eigentlich zu vollen Lippen, die sie an lange, intensive Küsse denken ließen. Die funkelnden braunen Augen, die bestimmt nicht immer so finster dreinblickten. Das kurze Haar, das in alle Richtungen abgestanden hatte. Wie sich wohl sein Gesichtsausdruck veränderte, wenn er lachte? Auf den Fotos im Internet hatte er immer höflich, aber ohne Lächeln für die Kameras posiert. Besser sie verdrängte die Erinnerung an all die atemberaubend attraktiven Frauen, die er an seiner Seite gehabt hatte. Lieber stellte sie sich vor, wie er sich von ihr Details über die Pflanzen in seinem Garten erzählen ließ. Als würde das jemals passieren.

„Erde an Ava. Hier unten wollen zwei liebreizende Frauen auch etwas von deinem Kopfkino abbekommen.“

Seufzend öffnete sie die Augen und setzte einen verträumten Blick auf. „Keine Chance. Ihr müsst euch mit den Fotos aus dem Internet begnügen, während ich jetzt sogar weiß, wie er riecht.“

„Dich hat es ja ordentlich erwischt.“ Alessia zeigte mit dem Daumen nach oben. „Wurde auch Zeit, dass du mal einen Mann triffst, der dich aus den Socken haut.“

„Blöd nur, dass der Mann nicht auf Frauen zu stehen scheint, die Tennissocken tragen“, gab Ava zu bedenken. „Oder hast du schon mal von Topmodels gehört, die Socken zu ihren High Heels anhaben?“


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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Mein heißer Toyboy

1 Kapitel

Mittwoch

Eigentlich hätte ich von Anfang an Nein sagen sollen. Gleich bei seiner Frage, ob er mir ein Bier spendieren dürfe. Und das Rauchen habe ich doch schon vor langer Zeit aufgegeben.

Trotzdem lache ich gerade viel zu laut über seinen Witz und lege dabei meine Hand auf seinen Unterarm. „Ich mag deinen Humor.“

„Du weißt gar nicht, wie viel ich an dir mag.“

Das Lachen vergeht mir. Ich ziehe an meiner Zigarette. „Du kennst mich nicht.“

„Ich habe vor, das in den nächsten Stunden zu ändern.“ Seine Augen blitzen auf, während er seine Brauen kurz nach oben zieht.

Ein paar Sekunden lang lasse ich den Gedanken zu, dass er die Wahrheit sagt, dass er tatsächlich an mir interessiert ist. „Wie alt bist du eigentlich?“

„Spielt das eine Rolle?“, fragt er zurück.

„Für mich schon.“

„Dreiundzwanzig.“ Er sagt das so leicht dahin, doch ich zucke zusammen.

Dieser attraktive Mann ist zwanzig Jahre jünger als ich. Schon beim Hereinkommen ist er mir aufgefallen. Sein zerzaustes, etwas zu langes Haar, das ausdrucksstarke, sonnengebräunte Gesicht, die Muskeln auf seinem Oberkörper, die sich unter dem Shirt bewegen. Bei meinem Eintreten hat gerade eine kurvige Blondine erfolglos versucht, bei ihm zu landen. Und dennoch hat er sich vor ein paar Minuten neben mich auf den Barhocker geschoben. Dank guter Karten im Gen-Poker werde ich oft für jugendlicher gehalten, als ich bin. „Solltest du nicht lieber eine der anderen Frauen hier anbaggern?“

„Ich mag Frauen, die Dank ihrer Erfahrung genau wissen, was sie wollen.“

Die perfekte Antwort. Und ich will ihm glauben. Ich verliere mich im Blick in seine braunen Augen. Eine Mischung aus Karamell und dunkler Schokolade. Die hellen Flecken in seiner Iris scheinen zu funkeln. „Wie heißt du eigentlich, Romeo?“

„Louis“, antwortet er. „Nicht verwandt mit de Funès.“

„Bist du nicht zu jung, um den Komiker noch zu kennen?“ Sein auf meine Frage folgendes Lachen sendet ein Kribbeln über meine Haut. Es klingt so rau, so dunkel, so voller Versprechen.

„Du scheinst mich zu unterschätzen, Julia.“

Ich öffne den Mund, um ihn zu korrigieren. Aber muss er meinen wahren Namen überhaupt kennen? Ist dieser Moment nicht zu magisch, um ihn mit der Realität in Berührung kommen zu lassen?

Seine Augen scheinen zu leuchten, als er sich näherbeugt. „Warum bist du heute alleine hier, Julia? Weshalb hat mich nicht schon längst der Mann deines Herzens dafür verprügelt, dass ich mit dir flirte?“

„Vielleicht ist dein Charme nicht so offensichtlich, wie du glaubst.“

„Das wäre eine Schande. Lass mich anders fragen: Wieso sitzt eine wunderschöne Frau wie du an einem Wochentag abends in dieser Bar?“

Die Frage ist berechtigt. Ich weiß selbst nicht genau, warum ich auf dem Heimweg hier eingekehrt bin. Das Lokal wirkt von innen nicht einladender als von draußen. Das Licht ist schlecht. Die Barhocker sind abgenutzt. Die meisten Besucher finden vermutlich nicht mehr alleine nach Hause. In meinen schwarzen Jeans und der weißen Bluse passe ich nicht zu den anderen Gästen. Und dennoch erschien es mir eine gute Idee, hier drinnen ein Bier zu bestellen, statt heimzufahren.

„Ich wollte nicht alleine sein“, gestehe ich. „Der Gedanke an meine stille Wohnung ist schuld daran, dass ich hier gelandet bin.“

„Dann habe ich unglaubliches Glück gehabt.“ Er zwinkert mir zu. „Normalerweise trinke ich mein Feierabendbier lieber in der Bar an der Ecke, aber dort hat sich heute eine geschlossene Gesellschaft eingemietet.“

„Das Glück scheint auch auf meiner Seite zu sein“, wage ich eine kecke Antwort. Nach einem letzten Zug von meiner Zigarette dämpfe ich sie im Aschenbecher vor mir aus. „In netter Gesellschaft schmeckt dieses Bier gleich noch viel besser.“

„Darf ich dir ein Geheimnis verraten?“

Nach einem kurzen Zögern nicke ich.

Er rückt näher an mich heran, streicht mir eine Strähne meines langen Haares hinters Ohr. Als er sich vorbeugt, um mir ins Ohr zu flüstern, streift sein Atem über meine Wange. Es verursacht einen Schauer auf meiner gesamten Haut.

„Das Gefühl von Einsamkeit ist mir wohlbekannt. Eine Unterhaltung alleine vertreibt es nicht. Aber ich kenne eine Möglichkeit, wie man sich einem anderen Menschen ganz schnell nahe fühlen kann.“

Natürlich ist mir bewusst, warum er mich angesprochen hat. Ich bin nicht so naiv, von ihm keine Hintergedanken zu erwarten. Aber wenn er jetzt einen plumpen Annäherungsversuch starten oder gar eine schnelle Nummer vorschlagen sollte, wäre ich mehr als enttäuscht.

„Und worum handelt es sich?“

„Nichts stellt so einfach eine Verbindung her wie ein Kuss. Eine Berührung von Lippen. Atem, der getauscht wird. Vertrautheit, die ganz plötzlich entsteht.“ Er berührt mit dem Mundwinkel meine Wange.

Ich muss die Augen schließen. In meinem Magen entsteht eine Hitze, die die Zeit verlangsamt. Mein Mund ist mit einem Mal wie ausgetrocknet. Meine Lippen prickeln. Ich glaube, den Kuss bereits zu spüren.

Die Beschreibung von Louis löst etwas in mir aus. Lange schon habe ich derartiges Begehren, eine solche Sehnsucht nach Nähe nicht mehr empfunden. Schon vor meiner Scheidung ist Sex nicht mehr sonderlich wichtig für mich gewesen. Doch nun erinnere ich mich allzu deutlich an den Zauber, der dem Anfang innewohnt.

„Ich würde dich sehr gerne küssen“, flüstert er. Seine Lippen berühren mein Ohrläppchen.

Ein Hitzepfeil schießt durch meine Mitte. Verlangen bringt die Muskeln in meinem Becken dazu, sich zusammenzuziehen. Gott, ich habe nicht damit gerechnet, so etwas noch einmal zu fühlen. In meinem Alter wird Rationalität und Vernunft von mir erwartet. Und trotzdem will ich gerade nichts mehr, als mit diesem jungen Mann von hier zu verschwinden und richtig unvernünftige Dinge zu tun. Der Duft seines Aftershaves steigt mir in die Nase und verdreht mir zusätzlich den Kopf.

„Darf ich?“, setzt er nach.

„Du solltest nicht … Ja.“ Immer noch sind meine Augen geschlossen. Ich wage nicht, mich zu bewegen, als er die Luft scharf einsaugt. Die Aufregung lässt mein Herz beinahe explodieren.

Er legt seine Hand an meine Wange und verändert seine Sitzposition. Sein Mund ist meinem so nahe, dass ich seine Wärme spüren kann. „Die Vorfreude ist etwas ganz Besonderes. Aber ich weiß schon jetzt, dass es dieser Kuss auch sein wird.“ Und dann streift Louis‘ Unterlippe meine.

Gott, wenn er mich noch länger warten lässt, übernehme ich das Ruder!

Sanft tanzen seine Lippen über meine. Er verstärkt den Druck, bevor er sich wieder zurückzieht. Seine Zähne knabbern an meiner Oberlippe. Dann leckt er darüber, als müsse er die Stelle kühlen.

Wie erstarrt lasse ich diese Nähe zu. Ich genieße diese intime Berührung. Wenn er im Bett nur annähernd so zärtlich und vorsichtig ist, wie er küsst, bringt er seine Partnerin vermutlich um den Verstand.

Er löst sich von mir und geht auf Abstand.

Endlich öffne ich die Augen. Mit einem Mal sehe ich mein Leben in einem anderen Licht. Immer nehme ich auf die Bedürfnisse von anderen Rücksicht. Ständig stelle ich meine Wünsche hinten an. Meine Familie steht immer an erster Stelle. Sogar jetzt noch versuche ich, es meinem Exmann recht zu machen. Doch das hier … Ich will mehr davon und werde es mir holen.

Mir ist egal, was meine Familie von mir denken würde, wenn sie mich jetzt sehen könnte. Es zählt nicht, dass wir in dieser Bar Zuschauer haben. Jetzt bin ich an der Reihe.

Ich lege meine Hand in Louis‘ Nacken und ziehe seinen Kopf wieder zu mir heran. Sein Haar fühlt sich weich unter meinen Fingern an.

Unser erster Kuss ist zurückhaltend, sanft gewesen. Jetzt lehne ich meinen Oberkörper an ihn. Ich presse meinen Mund auf seinen, gleite mit meiner Zunge über den Spalt zwischen seinen Lippen, erobere seine Mundhöhle. Da ist ein Feuer in mir, das mein altes Ich auslöscht und das mich zu einem anderen Menschen macht.

Louis erwidert meinen Kuss leidenschaftlich. Der Zufall hat uns zusammengeführt. Doch nun verbindet uns das Verlangen.

Keuchend löse ich mich von ihm, weil es nicht reicht. Ein Typ zwei Hocker entfernt von uns grölt. An einem Tisch in der Nähe lacht jemand. Ich verschwende keinen weiteren Gedanken an sie.

„Wohnst du in der Nähe?“, erkundige ich mich atemlos.

„Ich … Vielleicht zehn Minuten Autofahrt. Willst du …?“ Die hellen Flecken in seinen Augen schmelzen. Zurück bleibt dunkle Schokolade.

„Du hast doch keine Freundin, Louis?“

Er schüttelt den Kopf. „Glaubst du, dann hätte ich dich angemacht?“, fragt er fast beleidigt.

„Warum sollte ich dich für den treuen Typ halten? Wir kennen uns nicht. Noch nicht. Lass uns gehen.“ Ich stehe auf und schnappe mir meine Tasche. Mit der freien Hand greife ich nach seinen Fingern und ziehe ihn zum Eingang.

Draußen bleibe ich stehen. „Wo ist dein Auto?“

Er deutet in die Richtung, bewegt sich aber nicht von der Stelle. „Nur damit das klar ist: Auch wenn mein Auftreten da drinnen sehr direkt war, bin ich ein netter, ehrlicher Kerl. Ich habe dich nicht angesprochen, weil ich gehofft habe, es könnte sich so etwas ergeben. Ich fand dich sofort sympathisch und …“

„Ja, klar“, unterbreche ich ihn. „Du hast mich doch schon rumgekriegt. Lass uns ein wenig Spaß haben.“

Nach einem Nicken bringt er mich zu seinem Wagen und öffnet mir die Beifahrertür. Was für ein Gentleman. Als er sich auf den Fahrersitz geschoben hat, umfasse ich noch einmal sein Gesicht mit beiden Händen und küsse ihn. Er legt eine Hand an meinen Hinterkopf und vertieft den Kuss.

Irgendwie finde ich ihn total süß. Er scheint genau zu wissen, was er will und wie er es bekommt. Gleichzeitig wirkt er wie ein normaler, bodenständiger Kerl. Ein Mann, wie man ihn sich vermutlich als Schwiegersohn wünscht. Aber heute Nacht gehört er mir.

Er löst sich von mir und startet den Wagen. Während er zu seiner Wohnung fährt, versuche ich meinen Herzschlag zu beruhigen. Ich bin nervöser als bei meinem ersten Date mit Peter. Mein Ex und ich haben es damals langsam angehen lassen. Unsere Beziehung hat sich gemächlich entwickelt. Doch Louis will etwas anderes von mir. Ich sitze neben ihm in diesem Auto, weil wir Sex haben werden. Meine Erfahrungen sind beschränkt. Ob ich wirklich in der Lage bin, mich in dieses Abenteuer zu stürzen? Nein, solche Zweifel werde ich nicht zulassen!

In meiner Ehe bin ich zurückhaltend, beinahe bieder gewesen. Nun werde ich in eine andere Rolle schlüpfen. Ich habe vor, diesen Abend, diesen Urlaub von meinem Leben zu genießen. Für ein paar Stunden werde ich fordernd, sündig und leidenschaftlich sein. Danach wartet ohnehin mein alter Trott auf mich.

„Wie weit ist es noch?“, erkundige ich mich und schicke meine Hand auf Wanderschaft. Louis‘ Oberschenkel fühlt sich muskulös an. Ich fahre mit den Fingernägeln darüber und spüre, wie er erzittert.

„Nicht mehr lange.“

Aber das ist mir nicht schnell genug. Ich schiebe meine Hand höher in seinen Schritt. Als ich die Ausbeulung in seiner Hose mit leichtem Druck massiere, stöhnt er laut. Seine Härte fühlt sich verboten gut an. Ungeduldig nestle ich am Reißverschluss und versuche sie zu befreien.

„Wenn du so weitermachst, schaffe ich es nicht bis zu mir nach Hause“, keucht er. „Ich kann mich nicht konzentrieren.“

„Sieh es als Übung für deine Ausdauer.“ Endlich gelingt es mir, eine Hand in seine Shorts zu schieben. Sein Schaft liegt seidig schwer in meiner Hand und zuckt freudig, als ich ihn umfasse.

Neuerlich stöhnt Louis. „Schlimmes Mädchen.“

Oh ja. Heute Nacht beabsichtige ich, ein richtig böses Mädchen zu sein. Eine Sekunde überlege ich, ihn mit meinen Lippen zu kosten, lasse dann aber davon ab. Ich will ihm nicht zu sehr einheizen, sonst endet unser Ausflug noch im Straßengraben.

Mit quietschenden Reifen bleibt er stehen, parkt den Wagen ziemlich schief in einer Parklücke und springt dann aus dem Auto.

Ich steige ebenfalls aus. Louis schließt seine Hose und den Wagen ab, bevor er nach meiner Hand greift. Ich folge ihm zum Eingang eines Hochhauses. Auf dem Herweg habe ich auf die Umgebung gar nicht geachtet. Keine Ahnung wo genau in Wien wir uns befinden und wie ich wieder zu meinem Auto gelange. Um dieses Problem werde ich mich später kümmern.

Jetzt betreten wir ein älteres Gebäude. Louis ruft den Lift. Sobald sich die Kabinentüren hinter uns schließen, drängt er mich gegen die Wand und küsst mich.

Keine Spur mehr von Zurückhaltung. Stattdessen gleitet er mit seinen Lippen ruhelos über meine. Seine Zunge neckt mich hungrig nach mehr. Er presst seinen Oberkörper an mich. Sein Knie zwängt sich zwischen meine Beine. Als er dabei über meine Mitte reibt, stöhne ich auf. Ich schlinge ihm die Arme um den Hals und will ihm noch näher sein.

Er streicht über meine Seite, knetet meinen Po, was mich seufzen lässt. Der Knoten in meinem Magen erwärmt sich immer mehr, schickt Hitze durch meinen ganzen Körper. Wie ausgehungert nach physischer Nähe ich bin. Ich würde mich von ihm auch hier in diesem Lift nehmen lassen.

Bevor wir in eine verfängliche Situation geraten können, öffnen sich die Lifttüren. Louis lässt mich abrupt los und macht einen Schritt von mir weg.

„Guten Abend, Louis“, grüßt eine junge Frau grinsend und steigt ein.

Louis greift wieder nach meiner Hand und zieht mich aus der Kabine. „Schönen Abend, Jana.“ Dann trägt der Lift Louis‘ Bekannte nach unten.

Mein Gesicht wird heiß. „Eine Nachbarin?“

Er nickt. „Du musst dir keine Gedanken wegen ihr machen. Die Wände sind dick, und sie kommt ohnehin erst spät wieder zurück.“

„Aha.“ So viele Informationen wären gar nicht notwendig gewesen.

Wir gehen ein Stück den Gang runter. Dann sperrt Louis seine Wohnungstür auf. Ich schmiege mich währenddessen an seinen Rücken. Aus irgendeinem Grund gelingt es mir nicht, meine Finger von ihm zu lassen.

Als wir seine Wohnung betreten, sehe ich mich kurz um. Im Vorraum gibt es nicht viel zu entdecken. Eine Garderobe, ein Schuhregal, eine schmale Kommode. Die Wände weiß gestrichen. Der Boden heller Laminat. Mehr darf man in einer Junggesellenbude auch nicht erwarten. Nachdem ich aus meinen Schuhen geschlüpft bin, stelle ich meine Tasche daneben ab.

„Willst du etwas trinken?“, fragt Louis.

Ich schüttle den Kopf und lasse mich auf meine Knie nieder. Der Reißverschluss seiner Jeans lässt sich nicht leicht nach unten ziehen. Anscheinend hat er vorhin ein Stück Stoff seines Shirts eingeklemmt. Während ich mich mit dem Verschluss abmühe, streife ich immer wieder über seine Härte.

Louis stöhnt. „Sag mir, wie du heißt“, bittet er mit rauer Stimme.

„Wozu?“

„Ich will deinen Namen seufzen können.“

Diese Worte bringen mein Herz zum Explodieren. Das ist so … heiß. „Monika“, flüstere ich und wünsche mir einen exotischeren, aufregenderen Namen.

„Monika“, wiederholt er. Und mit einem Mal klingt das Wort unglaublich erotisch.

Endlich gibt der Reißverschluss seiner Jeans nach. Ich ziehe sie mitsamt seiner Boxershorts nach unten und schiebe sein Shirt nach oben. Nach einem Kuss auf seinen Bauch lasse ich meinen Mund weiter nach unten wandern. Bewusst quäle ich ihn ein wenig, indem ich ihn nur meinen warmen Atem spüren lasse, bevor ich meine Lippen um seine Männlichkeit schließe.

Er schmeckt unglaublich gut. Ich errege ihn, bis er zu zittern beginnt. Mit einer Hand umfasse ich seinen Schaft, um sein Vergnügen noch zu erhöhen. Die freie kralle ich in seinen Po, damit ich das Gleichgewicht nicht verliere.

In meinem Mund wächst er weiter an. Ich kann es kaum erwarten, ihn woanders zu spüren. Meine Bemühungen werden energischer, als ich mir vorstelle, wie es sich anfühlen wird, wenn er …

„Nicht so“, keucht er. Schwer atmend stoppt er mich und zieht mich vom Boden hoch.

Nach einem zittrigen Kuss macht er einen Schritt vorwärts. Seine Jeans, die ihm bis zu den Knöcheln runtergerutscht ist, scheint im Weg. Er steigt aus der Hose und führt mich zu einer der Türen im Gang. Dahinter liegt ein kleines Schlafzimmer. Ein bequem wirkendes Bett und ein Kasten nehmen den meisten Platz in dem Raum ein. Die Helligkeit, mit der die mehrflammige Leuchte jeden Winkel des Zimmers ausstrahlt, behagt mir nicht.

„Können wir das Licht nicht auslassen?“, bitte ich.

„Ich will dich doch anschauen.“ Während Louis meinen Hals küsst, öffnet er den ersten Knopf meiner Bluse.

Er muss nicht alles von mir sehen. Anscheinend ist ihm immer noch nicht klar, wie alt ich bin. Bestimmt fühlt sich meine Haut ohnehin nicht mehr jugendlich straff an. „Vielleicht hast du eine Lampe, die nicht so grell ist“, schlage ich vor.

Als er über die Stelle unter meinem Ohrläppchen leckt, die so empfindlich ist, stöhne ich laut. Noch ein Knopf springt auf. Der BH, für den ich mich heute Morgen entschieden habe, zählt nicht zu meiner verführerischsten Unterwäsche. Aber wie hätte ich ahnen können, dass sie außer mir noch jemand zu Gesicht bekommen würde?

„Louis, bitte“, murmle ich, als seine Finger am nächsten Knopf nesteln.

Er holt tief Luft. Dann läuft er zum Bett und knipst das kleine Nachtlicht an. Sobald die helle Deckenleuchte ausgeschaltet ist, fühle ich mich wohler. Um mich zu bedanken, gehe ich zu ihm und reibe mich an ihm. Mit meinen Händen streife ich über seine Oberschenkel und umfasse seine Härte.

„Ich kann mich nicht mehr gedulden“, gesteht er. „Wenn ich noch eine Sekunde länger warten muss, verliere ich den Verstand.“ Er beißt in meine Schulter und öffnet meine Bluse zur Gänze …


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Bettina Kiraly wuchs im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern. Fasziniert von den dunklen Flecken auf der menschlichen Seele beschäftigen sich die Texte von Bettina Kiraly mit der Frage: Warum handeln Menschen, wie sie es tun? Die Autorin schreibt Romane über starke, außergewöhnliche Charaktere, die um ihr Stück vom Glück kämpfen.

Bettina Kiraly im Interview zu Mein heißer Toyboy.

Mehr zur Secret Desires-Reihe.

Bettina Kiraly über ihren neuen Erotikroman

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Worum geht es in deinem Buch Mein heißer Toyboy?

Die 44 jährige Monika lernt in einer Bar einen attraktiven, jungen Mann kennen. Sein Interesse schmeichelt ihr, ist ihre Ehe doch wegen der Affären ihres Mannes mit jüngeren Frauen in die Brüche gegangen. Die leidenschaftliche Begegnung mit Louis lässt Monika erkennen, dass sie ganz vergessen hat, sich über ihre eigenen Bedürfnisse klar zu werden. Obwohl nur eine gemeinsame Nacht mit Louis geplant war, laufen sie sich völlig unerwartet wieder über den Weg. Und das bringt Monikas Gefühlswelt ganz schön durcheinander.

 

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Die Geschichte habe ich während einer Schreibblockade begonnen. Ich war zwischendurch nicht sehr produktiv. Doch Monika und Louis sind so spannende Charaktere, dass sie mich aus dem Schreibtief geholt haben. Danach war das Buch innerhalb von drei Wochen fertig.

 

Wie kamst du dazu, einen Erotikroman zu schreiben?

Mein heißer Toyboy ist nicht mein erster Erotikroman. Mit der Adolescentia Aeterna-Reihe habe ich vor einiger Zeit eine Erotikromanreihe unter einem Pseudonym veröffentlicht. Leidenschaftliche Szenen gibt es allerdings in fast allen meinen Büchern. Gute Sexszenen zu schreiben ist eine große Herausforderung, macht aber unglaublich viel Spaß.

 

In wieweit hat sich die Arbeit an einem Erotikroman von der Arbeit an Ich träumte von deiner Liebe unterschieden?

Sowohl in Mein heißer Toyboy als auch in Ich träumte von deiner Liebe lernen sich zwei Menschen kennen und versuchen herauszufinden, was sie verbindet. Ich mag besondere Helden und außergewöhnliche Beziehungskonstellationen. Insofern war die Arbeit an beiden Geschichten nicht allzuviel anders. Aber natürlich müssen in einem Erotikroman nach Möglichkeit zwischen den Protagonisten gleich von Anfang an die Funken sprühen.

 

Was macht für dich einen guten Erotikroman aus?

Für mich muss auch in Erotikromanen eine spannende Geschichte erzählt werden. Natürlich steht die Leidenschaft im Vordergrund, aber die Charaktere dürfen nicht sinnbefreit von Bett zu Bett hüpfen. Und die Sexszenen müssen geschmackvoll sein. Ich mag detaillierte, ausführliche Beschreibungen. Dennoch achte ich auf eine niveauvolle, sinnliche Sprache.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Derzeit schreibe ich an einer Reihe mit risikoliebenden, sexy Helden und besonderen, starken Heldinnen. Ich freue mich schon darauf, dieses Projekt gemeinsam mit dp Digital Publishers in die Tat umzusetzen. Zwei weitere Veröffentlichungen sind für dieses Jahr fix geplant. Und ich habe noch so unendlich viele Ideen. Ich muss sie „nur“ noch schreiben 😉

 

Wolltest du schon immer Schriftstellerin werden?

Eigentlich war ich das Schreiben betreffend eine Spätstarterin. Ich habe mir schon immer zu gelesenen Büchern Fortsetzungen oder Abwandlungen ausgedacht. Ideen zu Romanen habe ich als Teenager sogar notiert. Aber den ersten Roman fertiggestellt habe ich erst mit ungefähr 24. Danach konnte ich nicht mehr mit dem Schreiben aufhören. Diesen Herbst feiere ich mein zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum mit über zwanzig erschienenen Büchern.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Das Autorendasein besteht nicht nur aus Schreiben. Da gibt es noch Sachen wie Überarbeiten, Social Media, Korrespondenz … Damit beschäftige ich mich am Vormittag. Die zweite Hälfte des Tages gehört meinen Kindern. Da wird gelernt, gespielt, gebastelt. Zum Lesen komme ich viel zu selten. Für Hobbys bleibt mir eigentlich gar keine Zeit.

 

Wo ist dein Lieblingsplatz zum Schreiben?

Ich habe mir letztes Jahr zum Geburtstag einen Schreibtisch gewünscht. Einen fixen Schreibplatz zu haben, hilft mir, mich zu konzentrieren. Davor habe ich hauptsächlich auf der Couch geschrieben. Aber im Sommer sitze ich auch hin und wieder in unserem Garten im Pavillon.

 

Hörst du eine bestimmte Musik, die dich in Schreib-Stimmung versetzt?

Ich habe im Hintergrund immer Musik laufen. Zu manchen Büchern gibt es einen Soundtrack, damit ich mich in die richtige Stimmung versetzen kann. Manchmal passt das Musikgenre nicht zum Buchgenre. Im Augenblick höre ich viel Countrymusik. Aber ich mag auch Jazz oder besondere Stimmen und Melodien.

 

Welches Genre liest du selbst gerne?

Ich lese hauptsächlich Liebesromane mit einem Spannungsanteil, die gerne humorvoll sein dürfen. Ich mag historische Liebesromane und Abenteuergeschichten.

 

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

Es gibt so viele tolle Bücher, die mir aus unterschiedlichen Gründen viel bedeuten. Es erscheint mir unmöglich, eines davon besonders hervorzuheben. Aber ich möchte allen Lesern gerne meine Autorenschwestern von der Romance Alliance ans Herz legen. Wir haben viele unterschiedliche Liebesromane veröffentlicht. Uns verbindet die Liebe zu guten Liebesgeschichten.

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Geboren 1979 als Bettina Slaby wuchs Bettina Kiraly im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern. Fasziniert von den dunklen Flecken auf der menschlichen Seele beschäftigen sich die Texte von Bettina Kiraly mit der Frage: Warum handeln Menschen, wie sie es tun? Die Autorin schreibt Romane über starke, außergewöhnliche Charaktere, die um ihr Stück vom Glück kämpfen.

Hier geht’s zur Leseprobe von Mein heißer Toyboy.