Magic Callboy – Der neue Erotikroman von Bettina Kiraly

Stuttgart, Januar 2018. Erotikromane erobern nur dann die Herzen ihres Publikums, wenn sie eine echte, spannende und prickelnde Geschichte erzählen können. Die Leidenschaft steht dabei immer im Vordergrund, aber die Charaktere sollten nachvollziehbar und die Sexszenen geschmackvoll sein. So erwarten den Leser in diesem neuen Erotikroman von Bettina Kiraly erneut die vertraut detaillierten Beschreibungen und eine niveauvolle, sinnliche Sprache. Denn jede Erotikgeschichte ist für sie ein anspruchsvolles Unterfangen: „Gute Sexszenen zu schreiben ist eine große Herausforderung, macht aber auch unglaublich viel Spaß.“

Bettina Kiralys Geschichten nehmen vor allem besondere und außergewöhnliche Erlebnisse von Frauen auf, die mitten im Leben stehen – wie in Magic Callboy: Lisa steckt seit Jahren in einer langweiligen Beziehung mit Reinhard fest, der einige Jahre älter ist als sie. Als er versucht, wieder Schwung in ihre Liebe zu bringen, findet Lisa seine Ideen erst einmal ziemlich aufregend. Nach langem fühlt sie sich endlich wieder begehrt. Doch dann engagiert er einen Callboy und zeigt eine neue Seite von sich. Lisas Sicht auf Reinhard verändert sich unwiderruflich und die Nacht verläuft anders als geplant. Was das über Lisas Beziehung aussagt, wenn ein Fremder ihre Bedürfnisse besser kennt als ihr langjähriger Freund, stellt die Beziehung auf die Probe.

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9783960875567

Der neue erotische Liebesroman von Bettina Kiraly ist Teil der Secret-Desires-Reihe. Den Leser erwarten eine heiße Nacht, die alles verändert, eine außergewöhnliche Beziehungskonstellation und Protagonisten, die für Überraschungen sorgen.

Hot Neighbors

Kapitel 1

Freitagnachmittag

Fünfzehn Uhr und ich sitze allein zu Hause. Wie hat es nur so weit kommen können?

Seufzend trete ich ans Fenster und schaue in die Ferne. Von Weitem kann ich einen Teil des Riesenrads im Prater sehen. Trotz der Schwüle sind einige Wiener auf der Straße unterwegs. Die wissen den Feierabend zu genießen. Sie zu beobachten, frustriert mich.

Ich wünschte, ich hätte jemanden an meiner Seite, einen Freund, einen Partner, jemanden, der sich Gedanken um mich macht. Klar kann ich dafür sorgen, dass ich im Bett nichts vermissen muss. Schließlich braucht es keine Liebe, um Spaß mit einem Mann zu haben. Aber noch bin ich über die Sache mit Sven nicht hinweg. Sonst hätte ich schon die ein oder andere Idee, wie ich mich ablenken könnte. Der neue Nachbar, auf den ich heute einen Blick habe werfen dürfen, wäre eine Möglichkeit. Immer wieder muss ich an ihn denken. Die Fantasie, was dieser starke Mann mit mir anstellen dürfte, lässt mein Herz rasen. Bei der Hitze sollte ich das schnell abstellen.

Aus der Küche hole ich mir ein Glas Wasser und den Apfelstrudel, den ich mittags in der Bäckerei gekauft habe. Damit mache ich es mir jetzt auf der Couch bequem. Im Fernsehen läuft ein Wissensquiz. Ich habe den Ton abgestellt, weil ich die nervige Stimme des Moderators nicht ertrage.

Vielleicht hätte ich doch die Mädels auf dieser Tour ins Salzburger Land begleiten sollen. Maren und Tina haben schon seit Tagen von nichts anderem geredet. Aber hinter mir liegt eine anstrengende Woche. Jetzt in der Ferienzeit ist am Flughafen so verdammt viel los. Die Langstreckenflüge erlauben mir als Stewardess, fremde Länder zu bereisen, in die ich sonst nie kommen würde. Zeit für ein Privatleben bleibt mir allerdings nicht viel.

Dabei gäbe es noch einiges zu organisieren. An der Wand meines Wohnzimmers stapeln sich bereits die Umzugskartons. Dekoartikel, die ich etwas voreilig gekauft habe, verstellen mir den direkten Weg vom Esstisch zur Couch. Bin ich froh, wenn dieses Chaos beseitigt ist!

Ab Montag kann ich in meine neue Wohnung. Ich muss die Wände neu streichen, im Schlafzimmer einen Teppich verlegen lassen, den Einbau der Küche kontrollieren. Die meisten Möbel nehme ich mit, weshalb ich einen Freund gebeten habe, mir seinen SUV zu borgen. Die Kleiderkästen müssen hier abgebaut und drüben wieder aufgestellt werden, bevor ich meine Sachen wieder einräumen kann. Für all das habe ich mir extra die kommende Woche freigenommen. Das nächste Wochenende will ich schon in der neuen Wohnung verbringen.

Ich schaufle den Apfelstrudel in mich rein. Die Liste von Dingen, die mich erwarten, stresst mich. Und wenn ich gestresst bin, esse ich. Gott sei Dank habe ich mir bei meinem Job gute Nerven antrainiert, aber dieser Umzug liegt mir im Magen. Und dazu ist es auch noch unerträglich heiß. Ich trage bloß ein dünnes Hemdchen, und trotzdem läuft Schweiß meinen Rücken hinunter. Sven hat sein Versprechen, die Klimaanlage zu reparieren, nicht gehalten. Jetzt muss ich es allein ausbaden. Noch ein Punkt auf Svens Minusliste.

Hätte er mich nicht verlassen, könnte ich diese tolle Wohnung genießen, ohne ständig trübselig zu werden, wenn mich etwas an ihn erinnert. Ich muss hier weg, um nicht mehr an ihn denken zu müssen und wieder neu anfangen zu können. Nur wegen Sven fühle ich mich in meinen eigenen vier Wänden einsam. Er trägt überhaupt Schuld an vielen Dingen, die gerade in meinem Leben schieflaufen. Wegen unserer Trennung bin ich unkonzentrierter und leichter reizbar. Ich habe mir eine Rüge eingefangen, als ich einem aufdringlichen Fluggast mit harscheren Worten als notwendig klargemacht habe, dass sein Flirten unangebracht ist. Davor hätte ich einen Flug beinahe verpasst, weil ich verschlafen habe.

Es ist höchste Eisenbahn, dass ich die Kurve kriege. Sollte ich meinen Job verlieren, würde ich bald auf der Straße landen. Und sowas steht mir gar nicht.

Vielleicht nehme ich die Einladung des Piloten an, der mich schon seit Ewigkeiten um ein Date bittet. Als ich noch vergeben war, hat mich diese Hartnäckigkeit amüsiert. Aber möglicherweise wäre ein Verehrer, der ehrlich an mir interessiert ist, im Augenblick genau das Richtige für mich.

Auf dem Gang höre ich Stimmen. Ein Mann und eine Frau. Sie halten direkt bei meiner Tür an. Mit viel Schlüssel klimpern und lautem Lachen der Frau wird die Wohnung gegenüber geöffnet. Na, wenigstens mein neuer Nachbar scheint Spaß zu haben.

Dass der sich überhaupt schon traut, Besuch zu empfangen! Heute Vormittag habe ich beobachtet, wie er aus einem riesigen Umzugswagen unzählige Kisten und Möbel geschleppt hat. Wegen des Umzugswagens habe ich stechende Eifersucht empfunden. Für die Menge an Zeug ist er aus meiner Sicht allerdings zu bemitleiden. Er kann seine Wohnung unmöglich jetzt schon präsentabel hergerichtet haben. Ob seiner Begleitung das egal ist? Vielleicht wäre ich auch nicht sonderlich anspruchsvoll, wenn ich bei einem attraktiven Kerl wie ihm landen könnte.

Er entspricht genau meinem Beuteschema: schulterlanges hellbraunes Haar, muskulöse tätowierte Oberarme, stechende blaue Augen. Ein optischer Leckerbissen. Heute Morgen habe ich überlegt, wie schade es ist, dass ich bald wegziehe und deshalb keine nähere Bekanntschaft mit ihm schließen kann. Eine kurze Affäre wäre auch in meinem Sinn. Doch es scheint, als hätte er eine Freundin. Tja, Pech gehabt.

Ob seine Brust behaart ist? Trotz des engen Muskelshirts habe ich das aufgrund der Entfernung nicht erkennen können. Ich liebe bei meinen Kerlen Haare auf der Brust, solange es nicht überhandnimmt.

Die Beine in den kurzen Hosen waren stark gebräunt. Ein Sportler möglicherweise. Ich kann ihn mir nicht in einem Büro vorstellen.

In den Umzugskartons habe ich Bücher entdeckt. Gehören die seiner Freundin? Ich würde gern glauben, dass Lesen zu seinen Hobbys zählt. Nichts ist mehr sexy als ein muskulöser Kerl mit Herz und Hirn.

Vergiss das Herz, mahne ich mich. Das brauchst du schon gar nicht. Sein Hirn kann von Vorteil sein, wenn es darum geht, auf die Bedürfnisse einer Frau Rücksicht zu nehmen. Notfalls reicht aber auch der durchtrainierte Körper. Einer, der sich hart an mich presst.

Meine Brustwarzen beginnen zu kribbeln. Ich lasse meine Hand von meinem Bauch zu meinen Brüsten wandern, streiche mit dem Daumen leicht über eine Spitze, die sich sofort verhärtet. Wenn mir diesen Dienst doch bloß jemand anders erweisen würde!

Mit geschlossenen Augen stelle mir meinen neuen Nachbarn vor. Sein Blick ist begierig, als er sich zu mir beugt. Seine Lippen schließen sich über dem Stoff, unter dem sich meine Brustwarzen abzeichnen. Ja, das würde mir gefallen.

Hastig streife ich mir das Hemdchen über den Kopf. In meiner Fantasie drängt er mich zurück, bis ich liege. Seinen Mund direkt auf meiner Haut zu spüren, macht mich total an. Er saugt an meinen Brustspitzen, lässt seine Zungenspitze damit spielen. Begehrlich, wenig zaghaft. Der Kerl weiß, was er will.

Während er seine Zärtlichkeiten unterbricht und langsam sein Muskelshirt hochschiebt, werde ich meinen Slip los. Meine Augen heften sich auf die Haut, die er freilegt; der Stoff offenbart straffe Bauchmuskeln. Dann kommt eine behaarte Brust zum Vorschein, ganz wie ich sie mir vorgestellt habe.

Mein heißer Nachbar beugt sich wieder über mich und küsst mich auf den Hals. Seine Hände umfassen meine Brüste, liebkosen sie, bevor er neuerlich mit der Zunge über die harten Knöpfe streicht. Gleichzeitig legt er sich zu mir auf die Couch.

Sein Gewicht auf mir fühlt sich perfekt an. Sein Körper ist so schwer und so hart.

In der Stille der Wohnung kommt ein lautes Stöhnen über meine Lippen.

Er schiebt eine Hand zwischen meine Beine. Es handelt sich lediglich um eine federleichte Berührung, doch ich spüre die Explosion meiner Nervenenden bis in mein Innerstes. Seine Finger schweben über meiner Haut; ein neckisches, sanftes Werben.

Auf meiner Brust spüre ich seine freie Hand. Er massiert meinen Busen mit festem Griff, zieht an meinen Brustwarzen, dreht sie zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass sich der süße Schmerz in Wellen in meinem Körper fortpflanzt.

Frustriert wimmere ich, weil die Berührung meines heißen Nachbarn an meiner intimsten Stelle im Gegensatz zu dem kräftigen Zwirbeln viel zu sanft ist. Gott, ich liebe dieses Necken. Einige Sekunden lang genieße ich die unterschiedlichen Liebkosungen, doch dann reicht es nicht mehr. Meine Mitte pocht sehnsüchtig. Ich packe seine Hand und presse sie fest an mich.

Der Mann auf mir lacht leise und bewegt einen Finger. Mit der Fingerkuppe dringt er dabei in mich ein.

Wieder stöhne ich laut, hebe ihm mein Becken entgegen, damit ich mehr von ihm spüre. Als Antwort zieht er sich zurück und kreist mit dem Daumen über meiner Klitoris. Die Muskeln in meinem Becken spannen sich an.

Die Reibung nimmt an Intensität zu. Während er mich weiter neckt, lässt er immer wieder seine Fingerspitze in mich gleiten. Ich will ihn ganz fühlen. Mein Herz pocht schnell, mein Atem kommt stoßweise und jede Faser meines Körpers ist angespannt und sehnt sich nach Erfüllung. Doch er lässt sich Zeit, um mich an die Grenze des Erträglichen zu bringen.

Bestimmt ahnt er, wie sehr ich mich nach ihm verzehre. Ich bin mir sicher, er kann erkennen, wie verrückt er mich macht.

„Jetzt“, bettle ich schließlich. Es scheint, als hätte der Raum sich unnatürlich aufgeheizt. Meine Haut glüht und Schweißtropfen perlen auf meiner Stirn. Ich bin seltsam fiebrig. „Jetzt!“

Zwei seiner Finger schieben sich endlich ganz in mich. Das Gefühl ist unwahrscheinlich intensiv. Mein Mund öffnet sich zu einem lautlosen Schrei. Er stößt zu, reibt sich dabei zusätzlich an meiner empfindlichsten Stelle und um das Vergnügen perfekt zu machen, beugt er den Kopf und saugt an meiner Brustwarze.

Alle Muskeln meines Körpers verkrampfen sich und überraschend schnell halte ich den Atem an. Ich bin ein gespannter Bogen, der darauf wartet, sämtliche Energie abzugeben. Ein paar weitere Bewegungen der Hand in und an mir, ein sanfter Biss in meine Brust und die Spannung entlädt sich in einem Feuerwerk meiner Sinne.

Mein Körper versucht ihn mit zuckenden Kontraktionen festzuhalten. Hinter meinen geschlossenen Augen leuchten Lichtblitze auf, Wärme breitet sich von meinem Magen aus, kühlt sich aber viel zu schnell wieder ab. Mir ist gleichzeitig heiß und kalt. Ich zittere, habe ein leises Surren im Ohr und ringe nach Luft. Schwindel erfasst mich, als die Couch sich unter mir dreht. Fast befürchte ich, die Besinnung zu verlieren.

Meine Finger umfassen immer noch meine Brust und meine Scham, als ich wieder zu mir komme. Mein Mund ist ausgetrocknet, sodass ich krampfhaft schlucke. Ich fröstle, obwohl das Zimmer sich nicht abgekühlt hat. So intensiv habe ich schon lange keinen Orgasmus mehr erlebt.

Grinsend öffne ich die Augen. Das Bild meines heißen Nachbarn verfolgt mich immer noch. Doch jetzt ist mein Begehren gestillt. Ich muss nicht mehr befürchten zu sabbern, wenn mir der nächste attraktive Mann über den Weg läuft. Und das Beste? Trotz kaputter Klimaanlage ist es mir gelungen, mich etwas abzukühlen.

Dieser Zustand wird leider nicht lange andauern.


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Hot Neighbors klein

Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

Mehr zur Secret-Desires-Reihe.

Magic Callboy

Kapitel 1

Samstag

Die Anweisung klingt, wie aus einem Sexspiel kopiert. Ob Reinhard extra eines dieser Sets mit erotischen Aufgaben gekauft hat? Er ist nicht der Typ Mann, der Einladungen in blumige Worte fasst oder ein Date überhaupt vorbereitet. Weshalb diese Mühe? Unser Jahrestag steht erst im Winter an. Keiner von uns feiert in nächster Zeit Geburtstag. Das hier muss ihm dennoch wichtig sein. Aber warum?

Zieh dir was Schönes an, lass die Unterwäsche weg und komm um sechs zu Marcos. Ich werde dich dort sehnsüchtig erwarten.

Steigt mir da sogar der Duft eines Parfums in die Nase? Damit hat er wirklich übertrieben. Weshalb hat er die Nachricht überhaupt notiert, statt mir die Worte einfach ins Gesicht zu sagen?

Ich lege das dicke Papier im Postkartenformat, auf dem mit Reinhards geradliniger Schrift zwei Sätze notiert sind, ungläubig auf den Küchentisch neben meinen Frühstücksteller. Im Augenblick entdecke ich nur seine von ersten grauen Strähnen durchzogenen Schläfen und das dunkle Haar hinter der Zeitung. „Diese Einladung ist wirklich sehr nett von dir“, beginne ich. „Gibt es etwas zu feiern?“

„Muss es einen Anlass geben, damit du mit mir ausgehst?“ Er legt mit gerunzelter Stirn die Zeitung weg.

„Nein, natürlich nicht. Tut mir leid, falls es so geklungen hat. Ich freue mich sehr auf unsere Verabredung. Wirklich.“

Er nickt. „Schön. Dann kannst du den Rest des Tages nutzen, dich darauf vorzubereiten.“

In meinem Magen beginnt es zu kribbeln. Reinhards kühl berechnender Tonfall gefällt mir nicht. So redet er nur, wenn er alles unter Kontrolle haben will. Das kann leider ausarten. „Was meinst du?“

„Ich habe dir ein Päckchen ins Badezimmer gestellt. Du wirst es schon herausfinden.“

Neuerlich dieses Kribbeln in meinem Bauch. „Ich verstehe nicht, warum du dir solche Mühe machst.“

„Wie bitte?!“ Die Kaffeetasse, aus der er gerade einen Schluck genommen hat, zittert in seiner Hand. Er stellt sie mit einem Klirren ab.

Oh nein, das habe ich völlig falsch formuliert. „Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Es ist furchtbar nett von dir, dich so ins Zeug zu legen …“

„Warum hinterfragst du dann meine Handlung?“ Sein Gesichtsausdruck wird wütend.

„Deine Einladung hat mich überrascht. Ich danke dir dafür, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast. Es ist nur …“

„Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, dir immer wieder zeigen zu wollen, wie wichtig du mir bist?“ Er steht auf und sieht mich beleidigt an.

Ich lächle beruhigend. Anscheinend versucht er, etwas vor mir zu verbergen. Sonst würde er wegen meiner Frage nicht so überreagieren. „Es tut mir leid. Du hast das eindeutig seit Langem geplant. Ich freue mich auf heute Abend.“

„Du solltest auch voller Vorfreude sein. Nach dem Abendessen werde ich dich verführen. Heute Abend wirst du deinen Orgasmus nicht vortäuschen müssen.“

Fassungslos starre ich ihn an. Die Zufriedenheit steht in sein Gesicht geschrieben. Dann wird ihm klar, was er da gerade gesagt hat. Sein Lächeln verschwindet.

„Wie kommst du auf die Idee, ich würde dir etwas vorspielen?“ Tja, leider bleibt mir meist nichts anderes übrig, weil Reinhard sich nicht gerade geschickt dabei anstellt, mich zum Höhepunkt zu bringen. Trotzdem würde mich interessieren, woher seine Erkenntnis plötzlich kommt, nachdem er sich all die Jahre für einen großartigen Liebhaber gehalten hat.

„Denkst du nicht, ich merke, wenn du mich belügst?“ Abweisend verschränkt er die Arme vor der Brust.

„Lüge ist so ein starkes Wort …“

„Es ist beleidigend, wenn du mir gegenüber nicht ehrlich bist.“

Ich unterdrücke ein Seufzen. Manchmal benimmt er sich wie ein trotziges Kind. Dann ist er mit seinen bald vierzig Jahren unvernünftiger als ich, obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin. Wenn das nur das einzige Problem in unserer Beziehung wäre! Trotzdem steht eines außer Frage. „Ich liebe dich. Das ist alles, was zählt. Ich möchte für immer mit dir zusammen sein.“

„Trotzdem bin ich anscheinend nicht in der Lage, dich zu befriedigen. Zumindest behauptet das Jessica.“

Mit einem Mal wird mir schwindlig. Das kann nicht sein. Meine beste Freundin würde mir niemals derart in den Rücken fallen. Ich spüre, wie das Blut aus meinem Gesicht weicht. „Was soll das heißen?“

„Ich habe mich letztes Wochenende mit Manfred unterhalten. Er hat so etwas angedeutet.“

Gott, wie peinlich! Das wird ja immer schlimmer. Jessica weiß genau, dass ich Manfred nicht leiden kann. Hat sie dennoch weitererzählt, was ich ihr im Vertrauen gesagt habe? Hat sie ihrem Mann gegenüber tatsächlich ausgeplaudert, dass ich sexuell frustriert bin? Das werde ich ihr nicht verzeihen! Wut steigt in mir hoch.

„Warum redet ihr über mich?“, erkundige ich mich mit heißem Gesicht. „War das Fußballmatch so langweilig?“

„Jetzt werde nicht pampig! Ich bin froh, endlich die Wahrheit erfahren zu haben. Dank dir bin ich eine Lachnummer in unserem Freundeskreis. Aber das wird sich ändern. Du wirst keinen Grund mehr haben, dich zu beschweren.“

„Ich habe mich nicht beschwert.“ Trotz meiner Wut auf Jessica versuche ich, Reinhard zur Vernunft zu bringen. „Wir sind glücklich. Es fehlt uns an nichts.“

„Außer an Höhepunkten.“

In seinen Augen lese ich, wie verletzt er ist. Der erfolgreiche, selbstbewusste Architekt zweifelt wegen mir an sich. Ich stehe auf und schmiege mich an seine große, breite Brust. „So stimmt das nicht.“

„Das Gespräch mit Manfred hat mir etwas klargemacht. Wir sind zu bequem geworden. Wir haben unser Feuer verloren. Aber noch ist es nicht zu spät. Wir werden an unserer Beziehung arbeiten. Heute Abend beginnen wir damit.“

Ich gebe ihm recht. Doch der Sex ist nicht unser Hauptproblem. Wir unternehmen viel zu wenig gemeinsam. Im Laufe der Jahre haben sich unsere Prioritäten geändert. Manfred will eine Familie. Er drängt mich schon seit Langem, endlich mit ihm an einem Kind zu basteln und dann daheimzubleiben. Aber das ist nicht, was ich will. Ich will noch etwas erleben, meine Freiheit genießen, abenteuerlustig sein. Ob ich diesbezüglich heute auf meine Kosten kommen werde? „Einverstanden“, stimme ich zu. „Ein romantisches Abendessen, anregende Gespräche, …“

„… heißer Sex. Ich will, dass du die ganze Zeit daran denkst“, flüstert er mir ins Ohr. Seine Hände streichen über meinen Rücken, wärmen mich, wecken meine Sehnsucht nach Nähe. „Gleich nach dem Dessert fahren wir nach Hause, und ich gebe dir, was du brauchst.“

„Zu Hause? Wie wäre es, wenn du schon im Auto über mich herfällst?“

„Das ist es, was du dir wünschst?“, fragt er ungläubig, vielleicht sogar ein wenig erfreut.

Ich hebe den Kopf und sehe ihn an. „Ein wenig Abwechslung wird uns nicht schaden.“

„In Ordnung. Darüber werde ich mir Gedanken machen. Bestimmt fällt mir etwas ein. Notfalls recherchiere ich auch.“

Sein Eifer entlockt mir ein Lächeln. Er ist offensichtlich auf der Mission, Schwung in unsere Beziehung zu bringen. Und das wird er genauso korrekt und gewissenhaft durchziehen wie seinen Job im Architekturbüro. „Ich freue mich darauf.“

„Sehr schön.“ Er küsst mich auf die Nasenspitze. „Dann mache ich mich jetzt auf den Weg zur Arbeit. Wir treffen uns direkt im Restaurant. Viel Spaß bei den Vorbereitungen.“

Sein aufgeregtes Grinsen scheint mir übertrieben. Ich begleite ihn zur Wohnungstür und winke ihm nach. Schade, dass er heute an einem Samstag arbeiten muss. Ich selbst bin später noch mit einer Freundin verabredet. Jetzt gehe ich aber erst mal ins Badezimmer. Die Neugierde lässt mir keine Ruhe.

Das geheimnisvolle Päckchen, das er erwähnt hat, entpuppt sich als Geschenk im Schuhkartonformat. Es ist in rotes Seidenpapier gehüllt, das ich vorsichtig entferne. Das Knistern des Papiers klingt verheißungsvoll. Dann hebe ich neugierig den Deckel der Schachtel an.

Mir stockt der Atem. Ein teuer aussehendes Parfumfläschchen liegt darin. Doch das ist nicht, was meine Aufmerksamkeit fesselt. Auf der Tubenverpackung daneben steht Intimenthaarungscreme. Ich halte überrascht die Luft an. So etwas habe ich noch nie benutzt. Allein die Vorstellung fühlt sich befremdlich an. Bislang habe ich mich aufs Stutzen und Trimmen beschränkt. Handelt es sich um eine Fantasie von Reinhard, mich untenrum haarlos zu sehen? Soll ich es wirklich wagen?

Ich denke an die letzten Jahre. Die Langeweile, die Routine. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Und möglicherweise komme ich dann auch auf meine Kosten.

„Gefällt es dir hier?“, fragt Reinhard einige Stunden später.

Ich zupfe am Saum meines schwarzen Kleides und versuche, es tiefer zu schieben. Wie von ihm gewünscht, habe ich die Unterwäsche weggelassen. Nach kurzem Zögern habe ich heute Morgen auch den Beipackzettel der Enthaarungscreme gelesen und sie dann angewendet. Ich komme mir verwegen und sehr sexy vor. Trotzdem sind meine Beine überschlagen, damit ich nicht versehentlich zu viel zeige. Ich bin froh über die langen Tischtücher in dem edlen, italienischen Restaurant, die auf meinen Schoß reichen und unter denen ich meine Füße verstecken kann.

„Es ist toll hier“, antworte ich. Als ich auf meinem Stuhl etwas nach vorne rutsche, reiben meine Oberschenkel übereinander. Mir wird deutlich bewusst, dass ich keinen Slip trage. Mein Herzschlag beschleunigt sich, als Erregung in mir hochwallt. Mein Mund ist mit einem Mal ganz trocken.

„Hast du dich schon entschieden, was du essen willst?“

Die Karte halte ich schon seit mehreren Minuten in meiner Hand. Doch ich habe noch keinen Blick darauf geworfen. „Tut mir leid. Ich kann mich nicht konzentrieren“, gestehe ich leise.

Reinhard lacht auf. Seine braunen Augen strahlen. Er zwinkert mir zu. „Das höre ich gerne. Ich werde die Bestellung für dich übernehmen. Du kannst dich gerne weiter mit dem neuen Gefühl anfreunden.“

Wie stolz er wirkt, wie zufrieden. So habe ich ihn lange nicht mehr gesehen. Mein Blick wandert über sein Gesicht. Ich kenne jede Falte um seine Augen, die kleine, nahezu unsichtbare Narbe über seiner Oberlippe, die hellen Sommersprossen, die sich jetzt im Sommer auf seinen Wangen zeigen. Reinhard ist kein Mann, dessen Attraktivität einem den Atem raubt. Er ist gutaussehend, gepflegt und achtet auf seine Erscheinung. Sein schwarzes Haar hat er korrekt frisiert. Der Anzug sitzt perfekt. Der leichte Bauchansatz, den er sich vor ein paar Monaten zugelegt hat, stört das Gesamtbild nicht. Alles an ihm strahlt Zielstrebigkeit und Geradlinigkeit aus. Ich könnte es auch Langeweile nennen.

Der Kellner tritt an unseren Tisch. Ich bringe kein Wort heraus, als er nach meinen Wünschen fragt. Dabei weiß ich genau, was ich gerne hätte. Mein Körper hat sich erhitzt. In meinem Magen kribbelt es voller Vorfreude. Ich presse meine Oberschenkel zusammen, um sie am Zittern zu hindern. Ich will, dass Reinhard mich packt, mir gleich hier am Tisch das Kleid vom Körper reißt und meinen Körper mit Küssen bedeckt. Wie es sich wohl anfühlen wird, wenn seine Zunge über meinen jetzt haarlosen Venushügel leckt? Ich zerschmelze vor Begehren, kann mich kaum gedulden, dabei haben wir noch nicht einmal mit dem Essen begonnen.

Während Reinhard unsere Bestellung aufgibt, hänge ich meinen Gedanken nach. In der letzten Zeit habe ich meinen Freund nicht mehr als meinen Lover, sondern als einen Kumpel gesehen. Wir haben aneinander vorbeigelebt. Aber ich liebe ihn immer noch, weil er mir Sicherheit gibt. Am Anfang unserer Beziehung hat er mich oft in vornehme Läden ausgeführt, mit mir alle romantischen Ausflugsziele Wiens besucht. Ich fühlte mich von seinem weltmännischen, selbstsicheren Auftreten angezogen. Erst später habe ich bemerkt, dass seine Stärke und sein Selbstbewusstsein grenzenlos sind. Er ist der Meinung, jeder müsste sich seinen Wünschen unterordnen. Meine Sicht auf ihn hat sich dadurch verändert. Welche Frau lässt sich schon auf Dauer gerne sagen, was sie tun darf und was nicht? Ich möchte nicht dominiert werden. Aber diese Idee, die er mir heute präsentiert hat, so verrückt sie mir im ersten Moment auch erschienen ist, könnte unsere Beziehung neu definieren.

Erleichtert registriere ich, dass Reinhard auf eine Vorspeise verzichtet hat, als der Kellner einen Teller vor mir abstellt. Pasta mit Meeresfrüchten. Die habe ich früher wirklich gerne gegessen. Aber jetzt hätte ich lieber auf alles verzichtet. Trotzdem beginne ich zu essen.

Ich lächle und lasse es mir schmecken. Während Reinhard seine Lasagne in kleinen Bissen in seinen Mund steckt, beobachtet er mich. Schließlich tupft er sich mit der Serviette den Mund ab.

„Spreiz die Beine“, verlangt er mit rauer Stimme.

„Wie bitte?“ Ich verschlucke mich an einer Muschel.

Er hält meinen Blick fest und lässt die Serviette fallen. „Spreiz die Beine für mich.“

Mein Herz macht einen Sprung, während sich meine Wangen röten. Durch meinen Magen schießt ein Hitzepfeil. Ich kann die Augen nicht von seinem Gesicht abwenden. Dennoch bin ich mir der anderen Menschen im Raum überdeutlich bewusst. „Das geht doch nicht.“

„Heute Abend sage ich dir, was du zu tun hast.“

Dieser strenge Tonfall in seiner Stimme zieht mich in seinen Bann. So direkt ist er beim Thema Sex noch nie gewesen. Diese überraschende unbekannte Seite von ihm macht mich an. Gebannt umklammere ich das Besteck und lege meine Handballen auf der Tischplatte ab.

Langsam, ganz langsam stelle ich die Beine nebeneinander und öffne dann meine Schenkel. Es ist ein fremdes Gefühl. Nackt. Schutzlos. Gleichzeitig unglaublich aufregend. Erregend.

Reinhards Pupillen weiten sich. Dann beugt er sich nach unten, um seine Serviette aufzuheben. Er lässt sich verdammt viel Zeit, sie nach oben zu holen.

Meine Gedanken beginnen zu rasen. Meine Sinne spielen verrückt. Hat er die Tischdecke schon angehoben? Kann er überhaupt etwas erkennen? – Ist da ein Luftzug? War da ein Finger an meinem Knie? Sehnsüchtig öffne ich meine Beine noch weiter.

Das lange Tischtuch verhindert, dass die anderen Gäste in dem Restaurant mir unter das Kleid sehen können. Vermutlich zieht allerdings jeder den richtigen Schluss, wenn er zufällig zu uns herüberschaut. Dass ich meine Beine gespreizt habe, ist nicht zu übersehen. Es überrascht mich, wie sehr diese Tatsache mich anturnt.

Endlich erscheint Reinhards Kopf über der Tischplatte. Sein Gesicht ist gerötet. Seine Hände zittern, als er die Serviette neben sich legt. Während unsere Blicke sich treffen, kann ich sehen, dass seine Atmung sich beschleunigt hat.

„Bist du zufrieden?“, erkundige ich mich. Das Blut pulsiert spürbar in meinem Schoß. Ich will von Reinhard berührt werden.

„Ich wäre es, wenn ich mich nicht fast nur auf meine Vorstellungskraft beschränken müsste. Wenn wir das nächste Mal essen gehen, werde ich um Beleuchtung unter dem Tisch bitten. Aber ich bin mir sicher, du hast mein Geschenk angewendet“, sagt er und lässt eine Augenbraue hüpfen. Trotzdem wirkt er nicht wirklich, als wäre ihm zum Scherzen zumute.

„Oder du bringst eine Taschenlampe mit“, witzle ich.

Schweigend sieht er mich an. Sein Blick wandert von meinem Gesicht tiefer, heftet sich auf mein Dekolleté. Mein Brustkorb hebt und senkt sich schnell. Meine Brüste kribbeln. Ich glaube, seine Finger auf meiner Haut zu spüren, die sich in meinen Ausschnitt schieben. Das ist es, was ich will. Das ist, was ich brauche. Ahnt Reinhard, was in mir vorgeht?

Er leckt sich über die Lippen und meine Brustwarzen werden hart. Dort möchte ich seine Zunge fühlen. Ich bekomme fast keine Luft, so schmerzhaft pocht das Verlangen in mir.

Statt meinen unausgesprochenen Wunsch zu erfüllen, greift er nach dem Besteck und konzentriert sich wieder auf seinen Teller. Was zur Hölle …?

„Iss! Du willst deine Pasta doch nicht kalt werden lassen.“

Ich spieße mit meiner Gabel eine Muschel auf und stecke sie mir in den Mund, bevor mir klar wird, was ich da eigentlich tue. Will Reinhard heute tatsächlich seine neue Rolle durchziehen? Ich verzehre mich hier vor Sehnsucht und ihn lässt mein sexy Aufzug unbeeindruckt? Kommt nicht infrage!

„Da mir ohnehin furchtbar heiß ist, kann das Essen ruhig auskühlen. Ich fühle mich richtig erhitzt, obwohl ich so wenig anhabe.“ Meine leise Stimme macht hoffentlich keine Tischnachbarn neugierig. Ich lecke mir betont langsam über die Lippen und registriere zufrieden, dass Reinhards Blick der Bewegung meiner Zunge folgt. „Mir war nicht klar, dass ich nach der Anwendung deines Geschenks jeden Luftzug dermaßen intensiv spüren würde.“

Reinhard schluckt. Seine Pupillen weiten sich.

„Vorhin, als du die Serviette aufgehoben hast, dachte ich sogar erst, ich hätte eine Berührung gefühlt“, berichte ich weiter. „Das Streicheln eines Fingers von meinem Knie aufwärts, meinen Schenkel entlang, unter den Saum meines Kleides und dann …“

„Ja?“, fragt er nach, als ich verstumme.

Ich lache. „Und dann habe ich bemerkt, dass nur Luft meine erhitzte Haut entlanggestrichen ist. Das war richtig scharf. Aber lieber hätte ich deine Hand zwischen meinen Schenkeln gehabt.“

„Das wirst du heute noch. Gott, wenn du so weitermachst, dauert es nicht mehr lange.“

Mein Blick zeigt ihm hoffentlich, wie erregt ich bin. „Das hoffe ich doch sehr.“

Er scheint zu überlegen. Dann schiebt er seinen halbleeren Teller zur Seite. „Hast du noch Hunger?“, will er wissen.

Ich schüttle den Kopf. „Nicht auf etwas, das auf der Karte steht.“

Ein Muskel an seinem Kiefer zuckt. Sein Adamsapfel hüpft. Er findet meine Anspielungen eindeutig anregend.

Meine Schenkel reiben aneinander. Ich beschließe, noch einen draufzusetzen. „Aber ich weiß, woran ich gerne lecken würde.“ Um seine Fantasie weiter anzuregen, lasse ich meine Zungenspitze über meine Unterlippe gleiten.

Reinhard hebt den Arm, um den Kellner zu uns zu rufen. „Wir möchten zahlen“, meint er zu dem jungen Mann.

„Hat es Ihnen nicht geschmeckt?“, erkundigt der Kellner sich besorgt nach einem Blick auf unsere Teller. „Ich bringe Ihnen gern eine Alternative.“

„Nein. Es hat vorzüglich geschmeckt. Wir sind einfach nicht sonderlich hungrig.“

„Ganz wie Sie wünschen.“ Der arme Kerl scheint verwirrt. Er nimmt unser Geschirr und verschwindet kurz, um mit der Rechnung zurückzukehren.

Reinhard bezahlt, gibt ein für seine Begriffe großzügiges Trinkgeld und steht dann auf. Gentlemanlike bietet er mir seinen Arm.

Lächelnd hänge ich mich bei ihm ein. Wann hat Reinhard mich das letzte Mal so zuvorkommend behandelt? Genau das ist es, was ich in unserer Beziehung vermisst habe. Vielleicht machen wir heute den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Auf dem Weg zum Parkhaus, in dem Reinhards Wagen steht, drücke ich mich an ihn. Schon nach wenigen Metern hält er an, und küsst mich hungrig. Seine Zunge gleitet zwischen meine Lippen, erobert meine Mundhöhle. Augenblicklich lösen sich die Knochen in meinem Körper in Nichts auf, und ich muss mich an ihm festklammern. Unter seinem Kuss werde ich zu einem willenlosen, zitternden Bündel. Immer wenn er mich küsst, wirkt er diesen magischen Zauber. Jetzt könnte man mir eine Hochschaubahn für Gartenzwerge in Italien verkaufen.

Als seine Hand zu meinem Po wandert und mit festem Druck darüberstreicht, keuche ich auf. Ich spüre auf meinem Oberschenkel seine Finger, die den Saum meines Kleides hochschieben. Gott, wie sehr ich mich danach sehne. Aber nicht so.

„Nicht mitten auf der Straße“, keuche ich, muss meine ganze Willenskraft aufbieten, um ihn zu stoppen und ihn vorwärts zu ziehen.

An diesem Abend bin ich mehr als ungeduldig. Reinhard muss sich nicht sonderlich anstrengen, damit es vor Verlangen zwischen meinen Schenkeln pocht. Die ganze Situation macht mich richtig heiß. Die Unterwäsche lasse ich sonst niemals weg. Bei jedem Schritt werde ich daran erinnert, wie wenig ich anhabe. Obwohl es nicht kalt ist, zeichnen sich meine harten Brustwarzen unter dem Kleid ab.

Ganz offensichtlich entdeckt Reinhard diese Tatsache auch, als wir die Garage betreten. Nachdem er das Parkticket bezahlt hat, dreht er sich zu mir um, küsst mich und lässt seinen Daumen über die empfindlichen Knospen reiben. Dann lässt er seine Hand in meinem Ausschnitt verschwinden. Seine Finger umfassen meine Brust.

Ich beiße mir auf die Lippe, um niemanden auf uns aufmerksam zu machen. Neuerlich entziehe ich mich ihm. „Wenn uns jemand beobachtet!“

„Du siehst so scharf aus heute Abend. Jeder Mann hat sich sofort gefragt, was sich unter deiner Kleidung verbirgt. Doch du hast nichts versteckt. Jeder weiß, was du zu bieten hast.“

Dieses Kompliment löst eine Vielzahl von Gefühlen in mir aus. Auch wenn ich mich geschmeichelt fühle, ist es mir unangenehm, dass Reinhard recht haben könnte.

Er zieht mich näher, zwirbelt meine Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. „Denk nicht darüber nach. Ich halte es nicht länger aus. Bis nach Hause schaffe ich es nicht mehr. Ich will dich. Jetzt. Hier. Ich will wissen, wie du dich anfühlst, so ganz unten ohne.“

„Dann lass uns zum Auto gehen.“ Schließlich kann ich seine Eile nachvollziehen. Ich will seine Hand auf mir spüren und herausfinden, ob sich etwas an meinen Empfindungen geändert hat.

Reinhard greift nach meiner Hand. Wir laufen den Gang zwischen den Autos entlang. Er hat seinen Wagen in einer Ecke geparkt. Die Rückbank ist nicht sonderlich gemütlich. Aber im Augenblick spielt das gar keine Rolle für mich.

Der Wagen auf dem Nebenparkplatz hat sich verdammt nahe an uns gestellt. Ich gehe um die Motorhaube unseres Autos herum, damit ich die hintere Tür öffnen kann.

Meine Hand liegt bereits auf dem Griff, doch Reinhard drängt mich vorwärts. Ich muss mich mit den Händen abstützen, damit ich nicht gegen die Mauer knalle. Erschrocken beginnt mein Herz zu rasen. „Was …?“

Er presst sich an meinen Rücken, legt seine Hände von hinten auf meine Brüste. „Nicht im Auto“, murmelt er an meinem Ohr. „Hier draußen.“

Ängstlich sehe ich mich um. Die Ecke, in der wir parken, befindet sich im Halbdunkel. Die nächste Kamera in der Garage ist etwas von uns weggedreht und erfasst uns bestimmt nicht. Das Autodach versteckt den größten Teil von uns. Trotzdem können wir jederzeit entdeckt werden.

Bevor ich ihm meine Zweifel mitteilen kann, spüre ich seine Lippen an meinem Nacken. Oh, das ist unfair. Er weiß genau, dass er mich damit verrückt machen kann.

Seine Zähne kratzen über meine Haut. Dann beginnt er, daran zu saugen. Seine Zunge streicht anschließend mit festem Druck über die Stelle. Währenddessen zieht er am Ausschnitt meines Kleides, bis meine Brüste bloßliegen und er sie massieren kann.

Ich drücke mich gegen die Wand, weil ich mich so schwach fühle. Als er seine harte Männlichkeit an meinem Po reibt, wimmere ich sehnsüchtig auf. Sein Saugen wird beinahe schmerzhaft intensiv.

Seine Lippen wandern und berühren mein Ohrläppchen. „Zeit für den Nachtisch. Du wolltest doch an etwas lecken.“

„Hier? Aber …“

„Niemand kann dich hinter dem Auto sehen.“ Er lässt mich los. „Also mach schon.“

Schwer atmend und mit zitternden Beinen drehe ich mich um. Reinhard öffnet bereits seine Hose. Ich gehe in die Hocke, streiche mit den Händen über die Beule in seinen Boxershorts.

Mit einem Stöhnen schiebt Reinhard seine Hose mitsamt seinen Shorts ein Stück nach unten, bis mir sein Schaft entgegenspringt. Ich lecke mir über die Lippen und beuge mich dann nach vorne, um ihn in den Mund zu nehmen. In mir wächst er weiter an.

Reinhards Stöhnen wird lauter. Ich sauge an ihm, entlasse ihn aus meinem Mund und schließe dann wieder meine Lippen um ihn. Als ich meine Zunge an die Unterseite seines Schaftes drücke, krallt er seine Hände in mein Haar. Zuerst hält er mich auf diese Art nur fest, doch je lauter er stöhnt, je stärker er zittert, umso schmerzhafter zieht er an meinen Haaren. Tränen treten in meine Augen.

Ich lasse von ihm ab, als es wirklich wehtut. „Du bist zu grob“, beschwere ich mich. Die hockende Position ist auch furchtbar unangenehm.

„Tut mir leid.“ Er greift nach meinen Oberarmen und zieht mich hoch. „Viel länger hätte ich es ohnehin nicht mehr ausgehalten. Du kannst das verdammt gut.“

Das Kompliment besänftigt mich etwas.

Während er mir das Kleid langsam hochschiebt, beugt er den Kopf und saugt an meinen Brüsten. Das Begehren sammelt sich in meiner Mitte. Das Kleid ist jetzt an meiner Hüfte gerafft. Ich spüre einen leichten Lufthauch an der Stelle, an der ich zu gerne berührt werden möchte. Wann erlöst Reinhard mich endlich?

Noch einmal leckt der mit der Zunge über die harten Knospen meiner Brustwarzen. Dann macht er einen Schritt zurück, um mich anzusehen.

Errötend erwarte ich sein Urteil.

Sein Gesichtsausdruck wird gierig. Als das Kleid nach unten zu rutschen droht, schüttelt er den Kopf. „Schieb es weiter nach oben, und halt es fest“, befiehlt er. „Stell dich ein wenig breitbeiniger hin.“

Ein kurzer Kontrollblick, ob sich jemand auf diesem Parkdeck aufhält. Ich mag diese Kälte in Reinhards Stimme nicht. Aber ich will endlich von ihm berührt werden. Also raffe ich das Kleid an meiner Taille und biete mich seinen Blicken dar.

„Lehn dich gegen das Auto.“ Neuerlich dieser unpersönliche Befehlston.

Und wieder folge ich seiner Aufforderung. Die Karosserie des Wagens fühlt sich kühl an meinem Hinterteil an. Meine Atmung geht schnell. Das Verlangen ist in meinem Inneren eingeschlossen, sucht nach einem Ventil. Ich zittere. Jede Faser meines Körpers sehnt sich nach mehr.

Reinhard tritt vor mich. Er drückt meinen Oberkörper zurück, bis ich unbequem auf dem Kofferraumdeckel liege. Sein Mund findet zu meinen Brüsten. Seine Zähne graben sich in die empfindlichen Knospen. Ich kann den Aufschrei nicht verhindern.

Endlich spüre ich seine Hand an meinem Oberschenkel. Er fasst mir zwischen die Beine. Reibt mich dort, wo ich seine Berührung schon die ganze Zeit ersehne. Ohne Vorwarnung stößt er mit einem Finger in mich.

„Da hat es wohl jemand nötig“, murmelt er zufrieden und richtet sich auf. „Du brauchst es offensichtlich ordentlich besorgt.“

Mein Mund ist trocken. Ich nicke. Ob er mich jetzt mit zärtlichen, geschickten Bewegungen zum Höhepunkt bringen wird? Zeigt er mir endlich, wie sehr ich ihm gefalle?

Reinhard zieht seinen Finger zurück. Er atmet schwer, keucht in mein Ohr. Plötzlich drängt sich seine Männlichkeit in mich. Ich bin so erregt, dass er keine Schwierigkeiten hat, zur Gänze in mich zu stoßen.

Nicht ganz das, was ich erhofft habe, aber auch nicht schlecht. Meine Scham fühlt sich empfindlicher an als sonst. Aber vielleicht hat mich das Warten auf diesen Moment einfach viel zu sehr angeheizt.

Reinhards Finger krallen sich in meine Taille, halten mich fest, damit er sein Tempo erhöhen kann. Ich schließe die Augen, um die Umgebung auszublenden und konzentriere mich ganz auf die wundervolle Reibung.

„Das gefällt dir, nicht wahr? Lass mich hören, wie sehr es dich scharf macht.“

Ich bin gerne laut. In letzter Zeit gab es nicht allzu viele Gelegenheiten, weil der Sex immer viel zu schnell vorbei war. Jetzt würde ich meine Lust gerne hinausschreien. Aber hier? In aller Öffentlichkeit? „Man könnte uns hören“, gebe ich zu bedenken.

„Genau das macht es doch so aufregend.“

Bin ich zu prüde? Eigentlich dachte ich, die Langeweile in unserem Sexleben wäre Reinhards Schuld. Ich sollte ihm entgegenkommen. Doch mehr als ein leises Stöhnen bringe ich auf Kommando nicht über meine Lippen.

Reinhard beugt den Kopf und saugt intensiv an meiner Brust. Gegen meinen Willen schreie ich laut auf.

„Gott, das ist so gut“, stöhnt Reinhard und stößt hart in mich. „Gleich komme ich.“

Viel zu schnell. Ich bin noch nicht so weit. Doch Reinhard macht keine Anstalten, sich um meine Erleichterung zu kümmern. Ich schiebe meine Hand zwischen unsere Körper und beginne mich zusätzlich zu stimulieren.

Reinhard spannt sich an. Als er zuckend kommt, erreiche auch ich den Höhepunkt.

„Ich liebe dich“, murmelt er und presst sich an mich.

Mein Innerstes ist noch in Aufruhr. Langsam ebbt mein Höhepunkt ab. „Ich dich auch.“

Der heutige Abend war ein Schritt in die richtige Richtung. Ab jetzt wird alles anders.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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Racing Love – Boxenstop für einen Kuss

Prolog

Freitag, 20. Juli 2012

Dieses Mädchen besaß das schönste Lachen, das er jemals gehört und gesehen hatte. Das glucksende Geräusch, das aus der Tiefe ihrer Seele zu kommen schien, und die Unbeschwertheit, mit der sie den Kopf in den Nacken legte, berührten etwas in seinem Inneren. Er wurde an eine Zeit erinnert, in der er genauso sorglos gewesen war, bevor das Leben kompliziert geworden war.

Außerdem erfüllte es ihn auf gewisse Weise mit Stolz, dieses Lachen durch etwas verursacht zu wissen, was er gesagt hatte.

Die Musikkapelle stimmte das nächste Lied an. Die blechernen Blasinstrumente würden ein weiteres Gespräch in dem riesigen Plastikzelt schwierig machen. Musste er tatsächlich wieder mehrere Minuten warten, bevor er sich weiter mit ihr unterhalten konnte?

Sie deutete auf sein leeres Glas und sah ihn fragend an. Er nickte, woraufhin sie aufstand und zur Bar ging, um Nachschub zu holen. Thimo sah ihr nach. Das grau-rosafarbene Dirndl umschmeichelte ihre Figur. Ihre brünetten Haare waren zu einem Knoten geflochten. Wie es wohl aussehen würde, wenn sie ihr offen über den Rücken flossen?

Thimo spürte die Blicke der Gruppe von Männern in der Nähe. Einer von ihnen wirkte besonders wütend. Ob er mal mit der jungen Frau zusammen gewesen war? Seit ein paar Minuten war sie ganz offensichtlich an Thimo interessiert. Sollten die Kerle also ruhig überlegen, wie er es geschafft hatte, ihnen dieses wundervolle Mädchen vor der Nase wegzuschnappen.

Auf den Heurigenbänken um ihn herum saßen Gäste des Kirchtags unterschiedlichen Alters. Es wurde gelacht und über die Tische hinweg gerufen, um die Musik zu übertönen. Eine Welt, die ihm als waschechtem Wiener völlig fremd war. Doch er war froh, an diesem Freitagabend nicht mit seinem Bruder und ihren Kumpels in die zwielichtige Bar gefahren zu sein. Und noch glücklicher schätzte er sich, weil das wunderschönste Mädchen hier, das mit einem Tablett voller Biergläser bei ihm vorbeigekommen war, ihn mit einem Schwall Bier übergossen hatte.

Sein Shirt klebte an seinem Oberkörper. Der Geruch hatte sich bis in sein Gehirn vorgekämpft. Die Feuchtigkeit ließ ihn trotz der Wärme hier drinnen frösteln. Doch das Missgeschick hatte die hübsche Kellnerin dazu gebracht, zu ihm zurückzukehren und sich einfach neben ihn zu setzen.

Sie kam mit zwei Gläsern gespritztem Almdudler zurück und ließ sich wieder neben ihn fallen.

„Danke dir.“ Er lächelte ihr zu, griff nach einem Glas und prostete ihr zu. „Wie heißt du eigentlich?“, erkundigte er sich nach einem großen Schluck.

„Greta. Und du?“

„Thimo. Sehr erfreut, Greta. Wohnst du hier in Neunbach?“

Sie nickte. „Und du bist wohl nur auf der Durchreise …“

„Mit meinem Bruder und ein paar Freunden, ja. Wir wollen morgen rauf auf den Neunbachpass.“

„Da habt ihr euch aber was vorgenommen. Seid ihr für so einen Anstieg ausgerüstet?“ Das Glas in ihren Händen drehend, sah sie ihn mit einem ernsten Ausdruck in den Augen an.

„Machst du dir etwa Sorgen um mich?“, fragte er grinsend.

„Jedes Jahr gibt es Touristen, die glauben, diese Tour mit Sneakers und Ausrüstung aus dem Discounter durchzustehen. Mein Vater arbeitet bei der Bergrettung. Er setzt sein Leben aufs Spiel, weil diese ahnungslosen …“ Sie stockte und holte tief Luft. „Tut mir leid, ist ja deine Entscheidung.“

„Mein Bruder ist Profisportler. Wir wissen, was wir tun. Keine Sorge. Aber wenn du möchtest, komme ich am Sonntag vor unserer Abreise noch einmal hier vorbei, damit du dich davon überzeugen kannst, dass ich wohlauf bin.“

Endlich kehrte ihr Lächeln zurück. „Nur zu meiner Beruhigung besuchst du mich noch einmal?“

Er nickte. „Klar. Ich kann doch nicht zulassen, dass du Albträume von Unfällen hast, die uns zugestoßen sein könnten.“

„Um sechs Uhr endet das Fest. Wenn ihr es vorher schafft …“

Dass sie den Vorschlag nicht rundheraus ablehnte, schenkte ihm Hoffnung, sie könne ihn ganz nett finden. Mit ihr schien das Flirten viel einfacher als sonst zu sein. Sein Bruder war der Aufreißer in der Familie. Thimo dagegen brachte in der Gegenwart von hübschen Frauen selten einen flotten Spruch über die Lippen.

„Perfekt. Ich werde dafür sorgen“, versprach er.

Sie schien erfreut. „Nur damit ich sicher sein kann, dass ihr okay seid.“

„Ja, klar. Du kannst ruhig zugeben, wenn du mich wiedersehen willst.“

„Ich …“ Ihre Wangen röteten sich.

Wie süß! Hatte er sie etwa sprachlos gemacht? Er gefiel ihr wohl tatsächlich. Er konnte sein Glück kaum fassen. „Bist du hin und wieder in Wien?“

Bedauern zeigte sich auf ihrem Gesicht. „Ich komme nicht besonders oft dazu. Eine Cousine von mir wohnt dort. Ich besuche sie alle paar Monate. Aber ich habe mehrere Jobs, damit ich mir bald eine Wohnung leisten kann.“

Er hatte ihr quirliges Auftreten gesehen und gedacht, ihr Leben wäre einfach. Sie wirkte dennoch nicht unzufrieden. „Ich könnte dir meine Adresse geben, damit du …“

„Ich finde dich nett, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“

„Wieso nicht? Hast du einen Freund?“

Sie lachte auf. „Nein. Denkst du, sonst würde ich hier mit dir sitzen und flirten?“

„Du flirtest mit mir? Dann bist du ganz offensichtlich genauso schlecht darin wie ich“, zog er sie auf.

Ihre Augen funkelten. „Ist es zu spät, es besser zu machen?“

„Ich habe den Rest des Abends Zeit. Vielleicht üben wir zusammen.“ Er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Eigentlich glaubte er nicht an Liebe auf den ersten Blick. Aber so wie sein Herz gerade schlug …

„Eine tolle Idee. Eigentlich. Aber ich sollte zurück auf meinen Posten.“ Sie deutete rüber zur Getränkeausgabe. Zwei Tabletts warteten darauf, von einer der Kellnerinnen verteilt zu werden.

„Bestimmt hast du das Recht, kurz Pause zu machen.“

„Ich sitze schon eine Weile hier bei dir. Ich sollte den anderen jetzt wirklich wieder helfen.“

„Kommst du später noch einmal vorbei?“

Sie knabberte an ihrer Unterlippe. „Kannst du bis Mitternacht warten?“

„Für dich würde ich mich auch noch länger gedulden.“ Er versuchte sich an einem frechen Grinsen.

„Dann sehen wir uns später.“ Sie legte ihre Hand auf seine Schulter, als sie aufstand. Die Wärme ihrer Finger brannte sich durch den Stoff seines Shirts.

Gott, diese Frau war heiß. Irgendwie musste es ihm gelingen, sie näher kennenzulernen.

Es war ihm egal, wenn er morgen früh nicht aus dem Bett kommen sollte und ihm freche Kommentare von seinen Freunden drohten. Er würde ausharren, bis sie wieder Zeit für ihn hatte.

Die nächsten zwei Stunden beobachtete er, wie sie sich zwischen den Tischen hin und her bewegte, wie sie mit den Menschen plauderte und lachte. Immer, wenn sie zufällig in seine Richtung sah, machte sein Herz einen Hüpfer.

Nur einmal verlor sie ihre Fröhlichkeit. Sie unterhielt sich mit einem Mann, der während des Gesprächs am Band ihrer Schürze zog. Ihre Schleife befand sich links, was dieser Kerl als Aufforderung zu verstehen schien, sie belästigen zu dürfen. Nach einem finsteren Blick wandte sie sich einfach um und ging davon.

Als sie kurze Zeit später endlich an Thimos Tisch zurückkehrte, erkundigte er sich nach dem Vorfall. Zuerst wiegelte sie ab, bevor sie schließlich doch von den mehrdeutigen Angeboten des Mannes berichtete.

„Und zum Schluss sagt der Frechdachs, wenn ich mich auf seinen Schoß setzen würde, bekäme ich extra viel Trinkgeld“, schloss sie mit einem Lachen.

Ärger wallte in ihm hoch. „Wie unverschämt. Ich gehe gleich rüber zu ihm und werde ihm mal …“

Greta legte eine Hand auf seinen Unterarm. Sie kannten sich erst seit ein paar Stunden, aber es fühlte sich richtig an, dass sie ihm so nahe kam. „Schon okay. Das war noch einer der harmloseren Kommentare, die ich heute Abend gehört habe.“

„Männer sind Schweine“, sagte Thimo.

„Manchmal“, antwortete sie. „Aber ich bin froh, einem netten Kerl gegenüberzusitzen.“

„Du hast das Recht, mit Respekt behandelt zu werden. Es gibt nur Typen, die das gerne vergessen.“

„Vielleicht sind wir Frauen zum Teil selbst schuld. Schließlich können wir unsere Finger nicht von den bösen Jungs lassen. Wir sollten uns nicht wundern, wenn sie sich uns gegenüber manchmal grob verhalten.“

Er wusste nur zu genau, wovon sie sprach. Sein Bruder war einer dieser schlimmen Jungs. Marc war der Meinung, Frauen seien nur zu seinem Vergnügen auf dieser Welt. Er nahm sich, was er wollte und verschwand danach einfach wieder. Und dennoch waren die Frauen von seiner raubeinigen Art hin und weg.

Thimo hingegen wurde neben seinem Bruder kaum bemerkt. Dabei würde er sich selbst als einen der Guten bezeichnen. Der richtigen Frau würde er niemals einen Grund geben, an seiner Liebe zu zweifeln. Die richtige Frau …

„Ich bin ein Netter“, stellte er klar und suchte Gretas Blick. „Brav, aber nicht langweilig. Die ideale Mischung.“

„Soso. Vielleicht auch noch statistisch bewiesen? Hast du dafür extra Daten zusammengetragen?“

Er nickte und bemühte sich um eine ernste Miene. „Ich habe unzählige Frauen befragt. Deine Meinung werde ich auch auswerten. Das geht allerdings erst nach einem richtigen Date.“

„Solange will ich nicht warten.“

„Aber …“

Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn. Ihre Lippen berührten seine mit sanftem Druck. Dann lehnte sie sich wieder zurück, um ihm in die Augen zu schauen.

Perplex starrte er sie an. Der Kuss hatte ihn überrumpelt. Er war zu schnell vorbeigewesen. Gerade deshalb hatte Thimo noch nicht genug. Er legte ihr die Hände ums Gesicht, doch sie stand auf.

„Nicht hier.“ Sie zog ihn hoch.

Er hatte die Menschen vergessen, die mit ihnen im Zelt saßen. Sein Gesicht wurde heiß. Perplex stolperte er hinter ihr her.

„Ich habe unsere letzten Getränke noch nicht bezahlt“, erinnerte er sie.

„Darum kümmere ich mich morgen bei der Nachbesprechung. Jetzt komm mit.“

Sie verließen das Zelt und liefen dann ein paar Meter die Straße entlang, bis der Lärm nicht mehr zu ihnen drang. Im Schatten einer Wand blieb sie schließlich stehen. Links und rechts von der Straße parkten Autos, doch im Augenblick waren sie alleine. Das Licht der Straßenlaternen erfasste sie nicht, weshalb er hoffte, dass sie eine Zeit lang ungestört blieben.

Er drängte sie rückwärts, bis sie gegen die Mauer stieß, legte seine Hände um ihr Gesicht und knabberte an ihrer Unterlippe. Seine Zunge bahnte sich den Weg zwischen ihre Lippen. Sein Körper jubilierte, als sie den Mund leicht öffnete. Er genoss es, wie sie leise stöhnte, als ihre Zungen sich berührten, wie sie sich an ihn presste, um ihm noch näher zu sein.

Als ihre Hände über seinen Oberkörper strichen und alles in ihm darauf drängte, sie aus diesem verführerischen Dirndl zu bekommen, machte er einen Schritt zurück. Immer schön langsam. Er war schließlich ein Gentleman.

„Sag, dass du mich in Wien besuchen wirst. Vielleicht kannst du nächstes Wochenende kommen. Neunbach ist nur zwei Stunden von Wien entfernt. Wir könnten einen Tag zusammen verbringen, und ich zeige dir die Stadt. Wenn du magst, kann ich mich auch ins Auto setzen und herkommen.“

„Wir werden sehen.“ Sie zog seinen Kopf zu sich, um ihn zu küssen.

Seine Hände verselbstständigten sich und fuhren von ihrer Taille hoch. Knapp unter ihren Brüsten hielt er inne. Der Ausschnitt der Dirndlbluse hatte ihn bereits zuvor in Versuchung geführt. Er konnte das schnelle Klopfen ihres Herzens spüren, als er einen Arm hob und mit den Knöcheln über die zarte, entblößte Haut strich. Ihr Kuss wurde stürmischer.

„Warte, Greta“, bat er außer Atem, legte seine Wange an ihre. „Vielleicht sollten wir das nicht überhasten …“

Sie lachte. „Gott, bist du süß. Es ist in Ordnung. Ich will dich. Du scheinst mich auch zu wollen … oder täusche ich mich?“

Er starrte sie an und schüttelte den Kopf. Sollte sie wirklich vorschlagen, dass sie beide …? Ging das nicht zu schnell? Normalerweise führte er Frauen mehrmals aus, begnügte sich mit einem Gute-Nacht-Kuss zum Abschied, nahm sich Zeit, sein Gegenüber näher kennenzulernen. Bisher hatte er Zeit gebraucht, um eine Verbindung zu seinem Gegenüber aufzubauen. Aber Greta hatte ihn vom ersten Augenblick an in ihren Bann gezogen.

„Natürlich“, antwortete er schließlich. „Aber bist du dir wirklich sicher?“

Mit einem frechen Grinsen nickte sie. „Ich glaube, dass das zwischen uns nichts Fixes werden kann. Eine Fernbeziehung ist nicht mein Ding. Trotzdem fühle ich mich zu dir hingezogen. Warum also nicht ein wenig unbeschwert sein?“

„Warum sollten wir nicht zusammen sein, wenn wir uns mögen? Die Entfernung stellt kein echtes Problem dar. Ich kann dich besuchen. Und wenn wir merken, dass es nicht reicht, uns in unregelmäßigen Abständen zu sehen, könnte einer von uns umziehen. Lass uns doch einfach sehen, was passiert.“

Sie schüttelte den Kopf. Ihr Körper presste sich immer noch an ihn. „Ich bin nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Ich bin zwanzig, versuche mir gerade den Traum von einem eigenen Laden zu verwirklichen. Keine Ahnung, wohin mich der Wind treibt. Erst mal kann ich dir lediglich diese eine Nacht anbieten.“

Er wollte widersprechen, ihr sagen, dass es ihm nicht reichte, dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt hatte, dass sie die Richtige sein könnte. Stattdessen beugte er sich vor und küsste sie, versuchte ihr seine Gefühle mit einer sanften Berührung seiner Lippen mitzuteilen.

Greta vertiefte den Kuss viel zu schnell. Das Begehren ließ ihn seine Gegenargumente vergessen. Schließlich sah sie keuchend zu ihm auf. Ihre Pupillen geweitet, die Wangen gerötet.

„Wir haben nur ein wenig Spaß, okay? Keine Komplikationen, keine Ansprüche.“ Forschend betrachtete sie sein Gesicht.

Er nickte. Wenn es das war, was sie wollte, sollte sie es bekommen. Erst mal.

Sie küsste ihn neuerlich, drückte sich noch enger an ihn. „Dann lass uns von hier verschwinden“, murmelte sie atemlos an seinen Lippen.

„Ich wohne in einem Hotel hier ganz in der Nähe“, bot er schnell an.

„Wir sollen zu dir? Bedeutet das nicht schon mehr Komplikationen als es sollte?“

„Das ist in Ordnung für mich … Verdammt! Meine Freunde könnten schon zurück in unserem gemeinsamen Zimmer sein.“ Gott sei Dank hatte er rechtzeitig daran gedacht.

Ihre Hand schob sich an seinem Rücken hinunter. Sie kniff ihn in den Po. „Zu schade. Was dann? Rückbank deines Autos?“

Sein Gehirn funktionierte offensichtlich nicht mehr so tadellos, wie es sollte. Es fiel ihm schwer, vernünftige Argumente zu finden, wenn das Blut in seinem Körper mit etwas anderem beschäftigt war. „Nein, ich bin zu Fuß hergekommen.“

„Du kannst nicht mit zu mir. Meine Familie hört, wenn ich nach Hause komme.“

Vielleicht wollte ihnen das Schicksal einen Wink geben. Möglicherweise sollten sie der Anziehungskraft zwischen sich eine Chance geben und sich mit ihrem spontan geplanten Vorhaben noch etwas Zeit lassen.

„Unter Umständen ist das …“, begann er.

„Ich habe eine Idee!“, unterbrach sie ihn und zog ihn mit sich. „Du nimmst einfach ein zweites Zimmer in dem Hotel.“

Er hatte keine Ahnung, weshalb er ihr nicht Einhalt gebot oder wieso er nicht in der Lage war, ihr zu widersprechen. Sie hatte irgendetwas an sich, das ihn willenlos machte. Vermutlich war ihr Zauber ihm direkt ins Gehirn gekrochen. Anders konnte er sich nicht erklären, warum er kurz darauf an der Rezeption stand und um ein Zimmer bat, das im Erdgeschoss lag.

Es war nur eines mit einfacher Ausstattung verfügbar, aber das spielte für ihn keine Rolle. Die neugierigen Blicke des Rezeptionisten ignorierte er.

Sobald er das Zimmer gefunden hatte, öffnete er die Terrassentür und lauschte in den Garten. Die Geräusche des Festes drangen zu ihm, doch es schien sich sonst niemand in der Nähe zu befinden. In der Nacht zuvor war Vollmond gewesen, weshalb er draußen keine Details erkennen konnte. Ob es Greta gelungen war, sich auf das Grundstück des Hotels zu schleichen?

In einem Busch ganz in der Nähe raschelte es. Er hielt den Atem an und trat nah an das Geländer.

„Greta?“, flüsterte er.

Ein leiser Fluch war zu hören. Das Rascheln verstärkte sich. Dann drängte sich Greta durch die Zweige des Busches.

„Alles in Ordnung?“, erkundigte er sich besorgt.

„Ja, klar. Ich habe bloß vergessen, dass dieses Dirndl sich nicht für Abenteuer eignet.“

Sie grinste übermütig, als er ihr über das Geländer half. Ihre Augen blitzten. Ihre Wangen hatten sich gerötet. Sie schien diese Heimlichkeit von ganzem Herzen zu genießen.

In diesem Moment eroberte sie einen Teil von ihm. Sie war eine lebenslustige, herzliche, selbstbewusste junge Frau. Er hoffte, dass das Schicksal ihr niemals Steine in den Weg legte, um ihren Geist zu brechen. Er würde sie niemals bremsen. Er wünschte, sie ließe zu, dass er sie in Zukunft vor den dunklen Seiten des Lebens beschützte.

Sie schlang ihm die Arme um den Hals. „Wo waren wir stehengeblieben?“, fragte sie.

Dann küsste sie ihn und drängte ihn ins Zimmer zurück. Er wurde von ihrer stürmischen Eile förmlich überrollt. Jeder Gedanke an die Zukunft wurde von Verlangen ausgelöscht.


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Als Teenager startete Bettina Kiraly mit Gedichten und kurzen Fragmenten von Geschichten. Zehn Jahre dauerte ihr erster Roman von der Idee zur Vollendung. Nun feiert sie demnächst ihr zehnjähriges Jubiläum als veröffentlichte Autorin und bald ihre dreißigste Veröffentlichung.

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Band 1: Poleposition für die Liebe