Saskia Louis über ihren neuen Baseball-Love-Roman

Worum geht es in deinem Buch Der große Fang?

 Es geht um Freundschaft und Liebe, darum, ob sich Menschen ändern können und darum, ob man sich von seiner Vergangenheit einholen lassen muss, um über sie hinwegzukommen.

 

Wie kam dein Interesse an Baseball zustande?

Ich habe eine Menge amerikanische Verwandten und als ich für einen Sommer bei meiner Tante und meinem Onkel in Philadelphia war, haben die mich prompt zu einem Baseballspiel mitgeschleppt. Ich war sehr fasziniert davon, was für eine ganze Kultur Baseball in Amerika darstellt, weshalb ich angefangen habe, mich mehr über den Sport zu informieren – und schon ist der Protagonist im nächsten Buch ein Baseballspieler geworden.

 

Haben deine Figuren reale Vorbilder?

Nein, nie. Das Tolle am Bücherschreiben ist doch gerade, dass man sich frei irgendwelche Menschen basteln kann. Mit Eigenschaften, die man gerne hätte, mit Eigenschaften, die man nie haben wollte. Die Menschen, die ich in meinem realen Leben kenne, habe ich doch schon. Warum sollte ich die nochmal in einem Buch verpacken, wo sie in der Realität doch schon so fantastisch sind?

 

Welcher deiner Protagonisten/Protagonistinnen wäre auch im realen Leben mit dir befreundet?

Alle. Ich schreibe doch nicht über Menschen, die ich scheiße finde!

 

Und mit welchem Charakter identifizierst du dich am meisten?

Das ist wirklich nicht leicht zu beantworten, weil ich mich mit jedem meiner Charaktere auf eine andere Art und Weise identifiziere, aber Emma ist mir wohl noch am ähnlichsten. In ihrem Biss und der gleichzeitigen Unsicherheit finde ich mich am meisten wieder.

 

Wenn Der große Fang verfilmt werden würde, welche Schauspieler(innen) sollten die Hauptcharaktere spielen?

Tatsächlich habe ich nie eine spezifische Vorstellung von meinen Charakteren. Ich möchte den Leserinnen immer die Möglichkeit geben, sich ihren Traummann selbst auszumalen, weswegen ich zumeist auch nur die groben Merkmale der Protagonisten beschreibe. Aber wenn das Buch verfilmt werden sollte, dann bitte mit Ricky Whittle. Meine Güte, der Typ ist einfach heiß.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Oh, die alle aufzuzählen, würde das Interview hier wohl sprengen. Sagen wir einfach, dass ich alle Reihen, die ich bereits habe, fortführen möchte und gleichzeitig meinen Horizont mit einem großen Fantasyprojekt erweitere 😉

 

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Ich weiß es schlichtweg nicht mehr, deswegen graut es mir auch immer vor dieser Frage. Ich habe in der Grundschule schreiben gelernt – und dann habe ich geschrieben und geschrieben und geschrieben. Das erste Buch habe ich mit Freundinnen zusammen für meine Grundschullehrerin zum Abschied geschrieben und danach hat mich die Faszination des Bücherschreibens nie wieder losgelassen. Es ist einfach eine tolle Art und Weise, seine kreative Energie zu bündeln und das Gefühl, das man hat, wenn ein vollendetes Werk vor einem liegt, ist unbeschreiblich.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Singen, Serien suchten, Unordnung verbreiten, Medienmanagement studieren, Beiträge fürs Radio gestalten, zum Pubquiz gehen, Waffeln essen, schlafen, lesen, mich vor Sport drücken, in Bars herumhängen, mein Leben genießen.

 

Hast du eine Buchempfehlung für uns? 

Das letzte Buch, das mich richtig berührt hat, war Bevor ich sterbe von Jenny Downham. Ich nehme das jetzt mal, denn sonst sitze ich hier noch fünf Stunden, in denen ich tolle Bücher aufzähle.

 

Was ist das Wichtigste, das man über dich wissen sollte?

Ich bin nicht verrückt.

Der große Fang_klein

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Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist … Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag ihres Medienmanagementstudiums in Köln einfach mal zu vergessen.

Die Liebe ist (k)ein Spiel

Prolog

Vor sechs Jahren …

„Oh hey, Sam. Tut mir leid, ich wollte nicht stören. Ich dachte, Dex wäre vielleicht hier und … tut mir leid.“

Sam richtete sich in seinem Stuhl auf und betrachtete das Mädchen im Türrahmen, das nervös von einem Bein auf das andere trat. Ihre braunen Haare fielen ihr glatt über den Rücken und wippten mit ihren Bewegungen mit.

„Chloe“, sagte er überrascht. „Du hast nicht gestört, alles okay. Ich lerne nur.“

„Du lernst viel, oder?“, fragte sie, die Hände ineinander ringend.

„Ja, ich … lerne viel“, wiederholte er. „Dex ist nicht da. Er hat ein Spiel.“

Sie nickte und zupfte an ihrem Ohrläppchen. „Oh, natürlich. Hätte ich mir denken können, dass mein Bruder wieder mal auf dem Feld brilliert. Na dann …“ Sie deutete ein Lächeln an und wollte wieder gehen.

Ihre Haltung wirkte geknickt und Sam hätte schwören können, dass ihre Augen feucht geglänzt hatten.

„Chloe, warte“, rief er sie zurück. „Ist alles okay mit dir?“

„Was?“ Sie drehte sich noch einmal um und er konnte sie schlucken sehen. „Oh, ja, alles gut, ich …“ Sie holte tief Luft und hob wackelig ihre Mundwinkel an. „Ich bin, na ja schätze ich, einfach etwas einsam. Es ist meine erste Woche hier und ich weiß, Dex geht eigentlich nur noch als Alibi zum College, aber ich dachte, er wäre vielleicht hier und hätte Lust, Abendessen zu gehen oder sonst etwas …“

Sie holte erneut Luft. „Ich kenne noch niemanden wirklich und ich meine … ich war so kurz davor, Mama anzurufen“, sie ließ Zeigefinger und Daumen beinahe aufeinandertreffen, „und sie darum zu bitten, mich sofort wieder abzuholen.“ Nervös lachte sie auf. „Wie peinlich ist das bitte? Ist egal. Ich rede wieder zu viel. Du bist ganz offensichtlich alleine und beschäftigt, also … viel Spaß dir noch. Ich wollte echt nicht stören.“

„Tust du nicht. Wirklich. Ähm …“ Er kratzte sich am Kinn und stieß sich vom Schreibtisch ab. „Dex ist zwar nicht hier, aber wie wäre es, wenn ich dir einfach etwas Gesellschaft leiste?“

Sie verengte die Augen. „Du?“

Die Art und Weise, wie sie das Wort hervorstieß, war fast schon beleidigend.

„Ja, ich. Wieso ist das so komisch?“

Sie hob eine Schulter an. „Na ja, nimm es mir nicht übel, aber ich dachte ehrlich gesagt immer … dass du mich nicht sonderlich magst.“

Verblüfft hob er die Augenbrauen. „Was?“

Dass er sie nicht mochte? Nein. Das war nicht sein Problem. Sein Problem war, dass sie gerade achtzehn geworden war, einen Rock trug, der mehrere Zentimeter über ihrem Knie endete und sie Dexters kleine Schwester war. „Wieso dachtest du, ich mag dich nicht?“

„Du redest nicht mit mir, Sam“, sagte sie lachend und zwei Grübchen schlugen sich in ihre Wangen. „Du wechselst kaum ein Wort mit mir, wenn du uns besuchst und … du bist etwas distanziert, wenn ich das so sagen darf. Außerdem lachst du nie über das, was ich sage.“

Verwirrt runzelte er die Stirn. „Leute, die nicht über das lachen, was du sagst, mögen dich also automatisch nicht?“

„Nun, nein. Aber viele lachen über das, was ich sage und da habe ich angenommen …“ Sie räusperte sich und ihre Wangen verfärbten sich rosa. „Entschuldige. In Ordnung. Du … magst mich also?“

Ja, er mochte sie und es war verdammt bezaubernd, wie ihr Kopf sich immer dunkler verfärbte.

„Klar“, sagte er und stand auf. „Ich wollte sowieso eine Pause machen. Da kann ich auch mit dir essen gehen.“

„Oh, okay …“ Ihr Mund blieb leicht offen stehen.

„Überlegst du gerade, ob du mich magst?“, fragte er amüsiert.

„Äh, nein“, stammelte sie. „Ich mag dich. Wirklich. Danke. Ich hoffe, es ist dir nicht allzu peinlich, mit der kleinen Schwester deines besten Freundes über den Campus zu laufen.“

Ja, es war furchtbar peinlich, mit einem hübschen Mädchen an seiner Seite essen zu gehen. Wie sollte er das ertragen?

„Ich bin hart im Nehmen“, murmelte er und hielt ihr die Tür auf.

Kapitel 1

Heute …

Wer hatte behauptet, dass das Leben kein Ponyhof sei?

Chloe O’Connor hätte gerne die Adresse des Schuldigen, um ihm einen Beschwerdebrief zu schreiben. Denn sie wusste es besser:

Das Leben war ein Ponyhof. Nur hatte jemand vergessen zu erklären, dass man kein Gast dort war, sondern das verdammte Ding leitete! Und die Ponys geklaut worden waren.

Zumindest war das in ihrem Fall so.

Sie hatte keine Ahnung, wie sie so tief hatte sinken können. Im einen Moment war sie noch zufriedene Studentin gewesen und im Nächsten trug sie ein goldenes Paillettenkleid, das kaum ihren Po verdeckte, und hatte ein toupiertes Haarnest auf dem Kopf, das an Amy Winehouse erinnerte. Möge sie in Frieden ruhen.

Chloe zog einen Block aus ihrer wirklich sehr eleganten Bauchtasche, wich einer männlichen Hand aus, die nach ihrem Hinterteil grabschte, und versuchte nicht daran zu denken, dass dieser Job unter ihrer Würde war.

Das war gar nicht so einfach, denn alles – von dem gedämpften rötlichen Licht bis zu der billigen Popmusik, die durch die Lautsprecher dröhnte – drückte ihr diese Tatsache ins Gesicht. Die quadratischen Tische waren eng aneinandergedrängt, es roch nach billigem Parfüm und Schweiß und die Gäste wirkten genauso schäbig wie der abgewetzte Dielenboden.

Aber was hatte sie schon für eine Wahl? Sie würde ganz sicher nicht für ein weiteres Jahr bei ihrem Bruder wohnen bleiben. Sie hasste es, von Dexter abhängig zu sein, und sie würde jeden würdelosen Job annehmen, wenn das hieß, nicht mehr allzu lange bei ihm wohnen zu müssen.

„Willkommen im Passion Shack, kann ich Ihre Bestellung aufnehmen?“ Sie zwang sich zu einem Lächeln und betrachtete die Gruppe von Frauen vor ihr, die vor ein paar Minuten zur Tür hereingekommen war. Sie hatten allesamt gerötete Gesichter und kicherten über irgendetwas. Vielleicht darüber, dass die Linke von ihnen das Gesicht einer Bulldogge hatte. Wahrscheinlich aber eher über etwas anderes.

„Cocktails für alle!“, kreischte eine kleine Blondine am anderen Ende des Tisches, die eine weiße Federboa um den Hals und ein weißes Netz auf dem Kopf trug. „Ich heirate am Samstag!“

Ja, das interessierte Chloe wirklich nicht.

„Darf ich Ihre Bestellung aufnehmen?“, wiederholte sie hölzern.

„Ich heirate Samstag den besten Mann der Welt“, fuhr die Braut in spe fort und hielt ihre Hand hoch, sodass alle ihren Verlobungsring bewundern konnten. „Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, ihn gefunden zu haben! Da draußen gibt es ja so viele Idioten.“

Die drei Dinge, die Chloe gerade am wenigsten interessierten, waren, wer Weltmeister im Pokern war, welche Frisur Beyoncé gerade trug und welchen Grund diese Frauen brauchten, um sich zu betrinken.

Was sie jedoch interessierte, war ihr Trinkgeld. Also behielt sie ihr Lächeln und fragte minimal verkniffen: „Soll ich in fünf Minuten noch einmal wiederkommen?“

„Nein!“, kreischte die Braut sofort. „Wir dürfen nicht aufhören zu trinken, sonst bemerken wir, dass wir peinlich sind.“

Die Kundin schien doch nicht so dumm zu sein, wie zuerst angenommen. Ein mögliches Resultat von Alkohol schien sie zumindest erfasst zu haben. Dennoch blieb die Frage offen, warum sie an einem Donnerstag ihren Junggesellinnenabschied feierte. Aber vielleicht wollte sie ja nicht mit Kater heiraten müssen.

„Also Mädels, bestellt einfach irgendeinen Cocktail.“

Hektisch schlugen die Frauen die Karten auf und fingen an, Chloe die Namen diverser Getränke entgegenzurufen. Chloe notierte sie, bis nur noch die Braut ihre Bestellung aufgeben musste.

„Ich hätte gerne einen Orgasmus“, sagte sie süffisant grinsend.

„Ja, ich auch“, murmelte Chloe.

„Was?“, fragte die Braut verblüfft.

„Ja, ich auch“, wiederholte Chloe lauter und steckte den Block zurück an seinen angestammten Platz.

„Oh. Dürfen Sie denn während Ihrer Arbeitszeit trinken?“

„Ich wünschte ja.“

Alkohol würde das Ganze vielleicht erträglicher machen. Den Job und den Rest.

Seit vier Wochen lebte sie im selbstauferlegten Zölibat und konnte sich immer noch nicht entscheiden, ob das eine ihrer besten oder dümmsten Ideen gewesen war. Die Männer vermisste sie nicht, die anderen Dinge jedoch schon ein wenig. Aber sie hatte in den letzten drei Jahren einfach mit zu Vielen geschlafen und sich nach Veränderung gesehnt. Sie brauchte ein neues Gleichgewicht. Nein, kein neues – ihr altes. Sie brauchte ihr altes Gleichgewicht zurück.

Keine flüchtigen Beziehungen mehr, keine dummen Entscheidungen.

„Die Cocktails kommen sofort, Ladies“, sagte sie bemüht euphorisch und ging, um die Bestellung weiterzugeben. Sie schob sich durch die eng aneinandergedrängten Tische auf die Bar zu. Kurz bevor sie den Durchgang zur Theke erreicht hatte, fischte wieder eine Hand nach ihrem Hintern.

Sie fuhr herum und fing sie mit ihrer eigenen ab. „Finger weg“, knirschte sie.

„Warum denn? Dein Fummel schreit doch quasi danach“, sagte der Eigentümer der Hand und grinste schmierig.

Chloe stieß seinen Arm weg. „Wenn du schon hörst, wie die Arbeitsuniform mit dir redet, solltest du vielleicht besser aufhören zu trinken.“

Sie ließ ihren Blick über den gedrungenen Mann wandern, dessen dunkle Haare mit einer Unmenge von Gel an seinen Kopf geklatscht worden waren. Widerlich. „Außerdem solltest du auch aufhören, dich am Frisiertisch deiner Mutter zu vergreifen.“

Mit verkniffenem Gesicht lehnte der Gast sich auf seinem Hocker zurück. „Süße, vielleicht passt du besser auf, was du sagst. Du bist die kleine, erbärmliche Kellnerin und ich der Kunde. Der Kunde ist König. Schon mal was von gehört?“

„In den USA wird keine Monarchie anerkannt und wärst du König, würde ich auswandern“, sagte sie ungerührt und verschwand hinterm Tresen. Sie gab die Bestellung durch und tauchte in die Küche ab.

Sie musste einige Minuten durchatmen. Die paar Wochen, die sie bereits hier arbeitete, waren jetzt schon zu viel. Das Trinkgeld war gut – genug betrunkene Idioten, die einen Ein-Dollar-Schein nicht von einem Zwanziger unterscheiden konnten, gab es immer – aber der ganze Rest zerrte an ihren Nerven.

„Na, alles klar bei dir?“, fragte Olivia, eine Hilfskellnerin, die ein paar Jahre jünger war als sie. Sie war so unauffällig, dass Chloe sie zuerst gar nicht bemerkt hatte. Ihr dunkelblondes glattes Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst, ihr Gesicht umrahmt von kürzeren Strähnen, die möglicherweise mal ein Pony gewesen waren. Olivia war eine dieser Frauen, die unsichtbar werden konnten, wenn sie es darauf anlegten. Sie lief an den Herdplatten vorbei und betrachtete Chloe mit kritisch geneigtem Kopf. „Du siehst aus, als würdest du deinen Kopf gerne in einen der Kochtöpfe stecken.“

„Das hört sich toll an, welcher Topf ist der größte?“, fragte Chloe seufzend und lehnte sich an die Wand hinter sich.
Olivia lachte. „So schlimm?“

Chloe war es lieber, nicht darauf zu antworten. Stattdessen rieb sie sich mit der rechten Hand über ihre Schläfe und lauschte dem Klappern von Metall und den Rufen, die unter den Köchen ausgetauscht wurden.

„Menschen sind eklig“, sagte sie schließlich.

Olivia grinste breit. „Woher kommt denn die Erleuchtung?“

„Nach einem Blick an den Tresen.“

„Ach, ich seh‘ das schon gar nicht mehr. Ich habe mich ohnehin damit abgefunden, dass ich mit Menschen, die älter als sechs sind, eigentlich nichts anfangen kann. Im ersten Jahr an der Schule wird den Kindern beigebracht wie man lügt und betrügt und am gemeinsten beleidigt – und ab dem Punkt geht alles den Bach runter.“

„Wie ich sehe, bist du von unserem Schulsystem überzeugt.“

Die Hilfskellnerin machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das liegt nicht am Schulsystem, das liegt an den Lehrern. Und dem Älterwerden. Und der ganzen miesen bösartigen Welt.“

Olivia wurde Chloe mit jedem Wort sympathischer. Sie fand auch, dass es zu wenige gute Lehrer gab. Und sie hatte vor, etwas dagegen zu unternehmen.

„Und ich dachte immer, ich wäre zynisch“, stellte sie fest.

„Es ist kein Zynismus, wenn es wahr ist“, belehrte sie Olivia. „Ich werde nicht umsonst Kindergärtnerin! Die Kinder unter sechs sind noch zu jung, um zu verstehen, dass die Welt sie in wenigen Jahren verschlucken und verbraucht wieder ausspucken wird.“

Chloe starrte ihre Kollegin für einige Momente überrascht an. Dann sagte sie: „Ich mag dich, Olivia. Wir sollten Freunde werden. Wir können uns treffen und über Menschen herziehen und zusammen unsere Köpfe in Töpfe stecken. Das verbindet bestimmt.“ Und wenn Chloe ehrlich war, dann konnte sie eine Freundin wirklich gut gebrauchen.

„Das hört sich wunderbar an!“, stellte ihre neue Freundin enthusiastisch fest und reichte ihr die Hand. „Aber wenn wir jetzt befreundet sind, solltest du mich Liv nennen. Olivia heiße ich nur, wenn meine Schwester auf mich wütend ist.“

„Ältere Geschwister sind hart.“

„Sie ist zwei Jahre jünger als ich“, bemerkte Liv lachend. „Aber sie ist schon Mutter, hat es also raus, Leute herumzukommandieren.“

„Oh.“ Liv war höchstens zweiundzwanzig, zwei Jahre jünger als Chloe, die in etwas mehr als einem Monat fünfundzwanzig werden würde. Ihre Schwester musste dann …

„Sie ist zwanzig“, half Liv ihr schulterzuckend auf die Sprünge. „Das Kind war nicht geplant, aber es ist, wie es ist.“

„Sorry, mein Blick sollte wirklich nicht urteilend sein. Ich habe überhaupt nicht das Recht, irgendwem Vorwürfe für ihr Leben zu machen. Dafür bin ich selbst zu verkorkst.“

„Ich glaube, wir werden uns sehr gut verstehen, Chloe!“

„… all die Kellnerinnen hin!? Die Gäste warten da draußen!“, herrschte plötzlich eine Stimme durch die Schwingtür, die unaufhörlich in Bewegung war. Das war ihr lieblicher Boss. Er war leider älter als sechs.

„Ich glaube, es wird nach uns verlangt“, seufzte Chloe und stieß sich von der Wand ab.

Sie mochte diesen Job nicht.

Sie mochte ihre Wohnsituation nicht.

Sie mochte ihre vergangenen Entscheidungen nicht.

Zusammengefasst: Es fiel ihr gerade sehr schwer, ihr Leben zu mögen. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie sich gerade selbst leiden konnte.

„Das wird schon“, meinte Liv und klopfte ihr auf die Schulter. „Das Leben ist ein Abenteuer.“

Ja, genau das war das Motto, nach dem Chloe die letzten Jahre gelebt hatte. Glücklich gemacht hatte sie das auch nicht. Aber vielleicht war sie einfach auf der Suche nach den falschen Abenteuern gewesen.

Sie stieß die Tür auf und nahm das Tablett mit den Cocktails für die Mädchengruppe entgegen, das ihr ein Barmann in die Hand drückte. Sie hielt es über den Kopf und schlängelte sich durch das bunte Treiben, als erneut eine Hand auf ihrem Po landete und zudrückte.

Erschrocken zuckte sie zusammen, das Tablett fiel aus ihrer Hand und die bunten, klebrigen Flüssigkeiten ergossen sich über ihren Kopf, ihr Dekolleté und so ziemlich jede andere Körperstelle. Hustend und sich schüttelnd wandte sie sich um.

Ihre Haut brannte, doch das kam nicht vom Alkohol. Das war die Wut, die wie Lava durch ihre Adern schwappte.

Der schmierige Typ von gerade grinste sie an. Er war von seinem Barhocker aufgestanden und zwinkerte ihr zu. „Die Farben stehen dir, Schätzchen.“

Chloes Hände zitterten und sie ballte sie zu Fäusten. Die gesamte Bar schien sie anzustarren, doch das war ihr egal.

Sie war es so leid!

So leid, das Gefühl zu haben, nicht Herrin über ihr eigenes Leben zu sein! Sich vom Schicksal oder anderen Menschen herumschubsen zu lassen!

„Du wirst dich bei mir entschuldigen“, sagte sie langsam, sich zur Ruhe zwingend.

„Entschuldigen? Aber was kann ich dafür, dass du gestolpert bist?“

Ihre Fingernägel gruben sich in ihre Handballen.

„Du wirst dich entschuldigen und mir dann mein Kleid bezahlen.“ Ihre Stimme bebte und dank ihrer High Heels überragte sie den Mann um mehrere Zentimeter.

Der Gast wechselte einen hämischen Blick mit seinen betrunkenen Freunden, die sich vor Lachen krümmten.

„Süße, ich habe nichts getan, wofür ich mich entschuldigen müsste.“

„Deine letzte Chance“, sagte Chloe kalt. „Entschuldige dich.“

„Oder was?“, feixte ihr Gegenüber.

„Oder ich werde dich vor allen Leuten niederstrecken.“

Der Mann lachte noch lauter und sie presste die Zähne aufeinander. Sie hasste es, dass sie immer von allen unterschätzt wurde!

„Also? Entschuldigst du dich jetzt?“, fragte sie ungeduldig, die Augen verengt.

„Einen Scheiß werde …“

Bevor er zu Ende sprechen konnte, packte Chloe seinen Arm, drehte ihn mit Gewalt auf seinen Rücken und zog ihm gleichzeitig mit ihrem Fuß die Beine weg. Der Mann schrie auf und krachte vorwärts auf die klebrigen Holzdielen.

„Bist du wahnsinnig!?“, brüllte er sie an und drehte sich auf den Rücken.

„Darüber wird noch debattiert“, bemerkte sie trocken.

Liv trat neben sie und legte ihr einen Arm um die Schulter.

„Du bist meine Heldin!“, flüsterte sie.

Das bewahrte Chloe leider auch nicht davor, vom Fleck weg gefeuert zu werden.


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Saskia Louis – Baseball Love – Die Liebe ist (k)ein Spiel

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Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist … Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag ihres Medienmanagementstudiums in Köln einfach mal zu vergessen.

Hier geht’s zu Baseball Love Band 1, Baseball Love Band 2, Baseball Love Novelle und Baseball Love Band 3.

Küss niemals einen Baseballer

Baseball Love geht weiter! Die Physiotherapeutin Kaylie wird aus einer Behandlung gerufen, es gäbe einen medizinischen Notfall. Doch Sportler und Normalmenschen definieren ‚Notfall‘ offensichtlich etwas anders …

Der Mann, der am Tresen lehnte und auf die junge Frau hinablächelte, ließ Frauen sich an Sauerstoff verschlucken.

Er war wie aus einem Frauenroman entsprungen. Groß, breitschultrig, dunkelblonde Haare, die ihm wirr in die Stirn hingen, ein Lächeln, das dafür gemacht war, Frauen darüber nachdenken zu lassen, ihm das Höschen nachzuwerfen und ein Bankkonto, dem jedes Jahr um die 28 Millionen Dollar hinzugefügt wurden.

Jedes männliche Traum-Klischee passte auf ihn.

Sie hasste Klischees. Sie waren so wenig originell.

Es war so langweilig, wenn Männer ein markantes Kinn, große Hände und Wangenknochen, die wie von Michelangelo selbst gemeißelt aussahen, hatten. Völlig überholt dieses Modell!

Und diese kreativlose Sorte von Mann hatte auch noch das Recht, nahezu jeden Abend über den Bildschirm zu flackern.

Womit sie auch direkt zum größten Manko dieses Kerls kam: Er war Baseballspieler.

Second Baseman, wenn sie sich nicht irrte.

Sie presste die Lippen aufeinander. Dieser Patient zog bereits jetzt kräftig an ihren Nerven.

Nur weil jemand Dexter O’Connor hieß und ganz gut mit einem Stock auf einen Ball eindreschen konnte, war das noch lange kein Grund, ihn als Notfall einzustufen!

Sie atmete tief durch, versuchte schleunigst zu vergessen, dass sie schon einige Male an einem Baseballspiel im Fernsehen hängengeblieben war, weil dieser Mann gerade auf dem Schlagmal stand, und stemmte die Hände in die Hüften.

Sie verachtete Klischees und Baseball. Darauf sollte sie sich konzentrieren.

Das ist der Notfall?“, fragte sie Sarah über den Tresen hinweg. „Er kann noch geradestehen! Dafür hast du mich aus meinem Termin geholt?“

Sarahs Gesicht nahm die rosa Farbe einer Wassermelone an und jetzt wandte sich der Spieler Kaylie zu.

Er hatte grüne Augen. Das hatte man im Fernsehen nie genau erkennen können. Sehr grüne Augen.

„Die liebe Sarah hier kann nichts dafür. Ich habe sie praktisch angebettelt, Sie darum zu bitten, mich noch dazwischen zu quetschen. Ich kann sehr überzeugend sein.“ Wieder zeigte er sein charmantestes Lächeln, als müsse er ihr vorführen, warum genau das so war.

Kaylie wippte auf ihre Hacken zurück und hob unbeeindruckt eine Augenbraue. Sie war mit Kerlen seiner Sorte aufgewachsen und es so leid, dass alle Sportler und berühmte Leute dachten, sie hätten das Recht, überall eine Extrawurst zu erwarten.

„Er ist kein Notfall!“, zischte sie zu Sarah.

„Sie tuscheln nicht sehr erfolgreich, hat Ihnen das schon einmal jemand gesagt?“, fragte O’Connor.

Zuckersüß lächelnd fixierte sie ihn. „Und Sie sind nicht dazu in der Lage, das Wort ‚Notfall‘ erfolgreich zu definieren.“

„Ich bin ein Notfall.“

„Das müssen Sie mir genauer erklären, dann überlege ich es mir vielleicht.“ Oder auch nicht.

Ihr Gegenüber machte einen Schritt zurück und musterte sie. Sie konnte seinen Blick nicht ganz deuten, hätte aber auf Überraschung und Unverständnis getippt. Das schienen die Emotionen zu sein, die sie bei Männern vorwiegend hervorrief. Rein statistisch gesehen war das also wahrscheinlich.

„Nun, ich habe Probleme mit meiner Schulter und muss heute Abend spielen“, erklärte er, eine Baseballkappe in den Händen drehend.

Meine Güte, hatte er kein T-Shirt, das etwas lockerer saß? Man sollte doch meinen, dass er es sich leisten könnte, etwas zu kaufen, dessen Ärmel nicht aussahen, als würden sie gleich gesprengt werden. Seine Haare waren noch feucht und kräuselten sich an den Seiten – für einen Fön wollte er von seinen 28 Millionen also auch nichts ausgeben? Seinem Kinn nach zu urteilen, war ihm auch ein Rasierer zu teuer.

Ein Klischee und ein Geizhals also. Nein, damit wollte sie nichts zu tun haben.

„Was spielen Sie denn?“, fragte sie absichtlich dumm nach. „Mensch ärgere dich nicht? Siedler von Catan? Wusste nicht, dass da der Schultereinsatz so gefordert wird.“

Sarah, hinter dem Tresen, lächelte in sich hinein – sie wusste sehr wohl, dass Kaylie klar war, wen sie da vor sich hatte; sie redeten alle paar Wochen über Dexter – während der Baseballspieler etwas irritiert schien. Vielleicht weil noch nie eine Frau vor ihm gestanden hatte, ohne prompt ihren BH auszuziehen.

„Ich bin Sportler.“

„Ach, richtig“, sagte sie langsam. „Ich glaube, ich kenne Sie aus dem Fernsehen … aber sind Sie für einen Basketballer nicht etwas klein?“

Er hob die Augenbrauen. „Ich bin Baseballer.“

„Oh, okay. Da muss ich was verwechselt haben. Dann ist das, denke ich, in Ordnung.“ Und wahrscheinlich wäre er mit seinen Einssechsundachtzig auch für Basketball geeignet. Peinlich für sie, dass sie sogar wusste, wieviel er wog.

„Denken Sie, ja?“, fragte er trocken nach. „Sind Sie neben Physiotherapeutin auch Sportagentin?“

„Nein, was ich bin, ist ausgebucht“, stellte sie fest. „Und Sportler haben doch alle einen privaten Physiotherapeuten. Ich sehe keinen Grund darin, für Sie meine Termine durcheinanderzubringen.“

„Dieses Spiel heute Abend ist sehr wichtig.“

„Wichtiger, als dass die neueingesetzte Hüfte einer alten Dame sich reibungslos an ihren Körper anpasst und keine Schmerzen verursacht?“

„Für Amerika? Ja!“

Sie schnaubte. „Haben Sie gerade wirklich behauptet, dass das heutige Baseballspiel von nationaler Wichtigkeit ist?“

Er hob die Hände. „Ich stelle hier nur Tatsachen klar.“

„Na, da sind wir ja auf einer Wellenlänge. Tatsache ist: Kranke alte Damen sind wichtiger als Sport.“

O’Connors Kiefer knackte laut und die nächsten Worte aus seinem Mund hörten sich an, als würden sie ihn sehr viel Mühe kosten. „Ich … Jake hat Sie mir empfohlen.“

„Jake Braker?“

„Ja, Jake Braker.“

Dieser Vollpfosten! Was fiel ihm ein, sie weiterzuempfehlen? Sie hatte ihm mehr als einmal gesagt, dass sie keine anderen Sportler hier haben wollte! Vor allem keine Baseballer. Ihn hatte sie nur angenommen, weil Emma sie darum gebeten und dann etwas auf Deutsch gesagt hatte! Das hatte ihr Angst gemacht. Sie war sich ziemlich sicher, dass Emma ihr nicht mit dem Tod gedroht hatte, aber wer konnte das bei der deutschen Sprache schon genau wissen?

Schwer seufzend strich sie sich die Haare hinters Ohr. „Schön. Wenn Jake Sie schickt …“

Jake lebte für Baseball – so wie jeder andere Spieler auch – und wenn es den Delphies helfen würde zu gewinnen … dann würde sie sich O’Connors Schulter eben ansehen. Sie war ja kein Unmensch. Außerdem bezahlten Sportler extrem gut.

„Schön“, wiederholte sie und lehnte sich über den Tresen, hinter dem Sarah auffällig stumm gesessen hatte. „Sarah, schreib ihn für gleich auf und verleg Mrs. Wooding zu Sally. Wie heißen Sie genau? Damit Sarah Sie eintragen kann.“

Ihr Gegenüber hatte nun die Augen zu Schlitzen verengt und Kaylie befürchtete schon fast, dass sie damit zu weit gegangen war, doch schließlich knirschte er: „Dexter O’Connor.“

„Dexter Olkoner?“

„O’Connor.“

„Ach so.“

Von wegen, sie war keine gute Schauspielerin! Nimm das – Theater AG!

Vielleicht war es gemein vorzugeben, ihn nicht zu kennen – aber sie fand, dass sie das Recht dazu hatte.

Dexter O’Connor war die Sorte Mann, die nur mit den Fingern schnippen musste, um zu bekommen, was sie wollte. Und da gingen bei ihr jegliche rote Fahnen hoch.

Geld und gutes Aussehen verlieh Männern Macht – und Macht war etwas, das sie nicht bereit war abzugeben.

Schön, sie hatte da ein paar Vorurteile gegenüber Baseballspielern – berechtigte, meistens wahre Vorurteile – und wäre Dexter jeder andere Mann gewesen, hätte sie möglicherweise an ihm ihren Fragebogen ausprobiert. Denn verdammt, ja, er war ein Klischee, aber sie war eine Frau und sie hatte Augen im Kopf und nun … Sie hatte nichts zu ihrer Verteidigung vorzubringen. Er war heiß und sie hatte zu lange keinen Sex mehr gehabt und … wo war sie stehengeblieben?
Ach ja: Dexter O’Connor war kein anderer Mann. Was ihr irgendwie ein wenig leidtat.

Für ihn.

Na gut, auch ein klein wenig für sie.

„Wie heißt die Mannschaft hier noch gleich?“, hakte sie nach, während Sarah O’Connors Namen eintrug. „Die Dolphins? Das hat für mich nie Sinn gemacht. Spielt ihr nur bei Regen? Oder Land unter?“

„Delphies. Die Philadelphia Delphies … und Sie sind wahrscheinlich die einzige Person in der ganzen Stadt, die das nicht weiß.“
Und er war die einzige Person, die wirklich glaubte, dass sie keine Ahnung hatte.

„Delphies? Ziemlich einfallslos, wenn Sie mich fragen. Warum nicht gleich die Philadelphia Philadelphias? Das hört sich zumindest weniger albern an.“

„Sollten Physiotherapeuten nicht mehr mit den Händen als mit dem Mund arbeiten? Ich weiß nicht, ob ich Ihren Fähigkeiten vertrauen kann, wenn Sie so viel reden.“

Reden schreckte ihn ab? Na, vielleicht wurde sie ihn dann ja doch noch los …

„Ich kann multitasken, keine Sorge! Ich könnte die ganze nächste Stunde durchreden, die Sie auf meiner Liege liegen! Ich habe Quinoa für mich entdeckt, wissen Sie? Das ist unglaublich eisenhaltig. Viel eisenhaltiger als Spinat. Popeye verbreitet übrigens Lügen, Spinat ist gar nicht …“

„Warum zum Teufel mögen Sie mich nicht?“

Verblüfft hielt sie inne. O’Connor hatte die Kappe auf den Tresen gelegt und die Arme vor der Brust verschränkt.

Insgeheim fragte sie sich, ob das T-Shirt halten würde. Kaylie war gegen das T-Shirt. Es sollte einfach aufgeben. Einsehen, dass es das Schwächere war.

„Ähm, nicht mögen?“, räusperte sie sich. „Wie kommen Sie darauf, dass ich Sie nicht mag?“

„Warum sonst sollten Sie mich mit dem bescheuerten Zeug volllabern? Und so tun, als wüssten Sie nicht, wer ich bin? Sie müssen eindeutig etwas gegen mich haben.“
Jetzt lief ihr Kopf doch leicht rosa an. Sie schwindelte sehr gerne – wurde aber nicht gerne dabei erwischt. Und es stimmte: Sie hatte etwas gegen ihn. Er war Baseballspieler. Mehr brauchte es gar nicht.

Jake war, wie gesagt, eine Ausnahme – aber das auch nur, weil er so unglaublich von sich selbst eingenommen war, dass sie es als ihre Pflicht gegenüber der Menschheit ansah, sein Ego jede Woche mindestens einmal zu verkleinern. Außerdem wüsste der arme Kerl ohne sie doch gar nicht, wie er sich in der Welt zurechtfinden sollte.

„Gut, ich weiß, wer Sie sind“, gab sie zu. „Ich lese gerne die Klatschkolumne und da stolpere ich immer über Ihre modischen Fehlgriffe.“

„Und deswegen haben Sie etwas gegen mich? Sie hassen Leute, die nicht wissen, wie sie sich anzuziehen haben?“ Sein Blick glitt über ihre Beine, die in ausgewaschene Jeans verpackt waren, und das Trägertop, das sie bereits zweimal genäht hatte. „Denn Lady, sich selbst nicht zu lieben, ist tragisch.“

Na, das musste er ja am besten wissen. Er liebte sich selbst bestimmt für fünf Menschen.

„Ja, ich habe was gegen Sie“, sagte sie langsam und trommelte mit den Fingern auf den Rezeptionstresen. „Sie machen abends immer so viel Lärm im Stadion – da kann mein Hund nicht schlafen. Und dieser Energieverbrauch der Flutlichter regt mich auch ziemlich auf.“

„Sagen Sie eigentlich auch mal die Wahrheit?“

Sie musste lachen. Meistens war die Wahrheit doch sehr langweilig. „Das werden Sie wohl nie herausfinden. Warten Sie hier, ich beende nur noch meinen Patienten, dann kümmere ich mich um Sie – und den heutigen Sieg in Siedler von Catan haben Sie sicher!“

Sie hielt die Hand über ihren Kopf und lief zurück zum Behandlungsraum.

Sie war sehr professionell. Hatte nie ein Problem damit, privat von geschäftlich zu unterscheiden und ihre Patienten als genau das anzusehen – Patienten. Doch als sie spürte, wie er ihr mit dem Blick folgte, fingen sämtlichen Nervenenden von ihr an zu vibrieren.

Sie hatte das vage Gefühl, dass O’Connor eine Herausforderung darstellen könnte.

Dexter hatte das vage Gefühl, dass er gerade von vorne bis hinten auf den Arm genommen worden war.

Und das überraschte ihn so dermaßen, dass er nicht einmal dazu fähig gewesen war, dieser Frau etwas entgegenzusetzen. Er hielt sich für relativ schlagfertig – aber Kaylie hatte ihn so überrumpelt, dass er zeitweilig einfach überhaupt nichts Sinnvolles hatte antworten können. Noch nie hatte eine Frau absichtlich so getan, als wüsste sie nicht, wer er war! Sie hatte ganz offensichtlich ein Problem mit berühmten Leuten – auch ein erstes Mal für ihn. Ansonsten schienen die Menschen eher scharf darauf zu sein, nach zwei Minuten so zu tun, als wäre er ihr bester Freund.

Dex hatte kein Problem damit, das war eben Teil des Jobs, aber er erwischte sich dabei, dass er es doch ein wenig schade fand, dass Kaylie, die Physiotherapeutin, etwas dagegen hatte, sich mit ihm anzufreunden.

Er wusste, warum sie so beliebt war. Und das war bestimmt nicht wegen ihrer physiotherapeutischen Fähigkeiten. Männer würden sicherlich hierher kommen, nur um von ihr angefasst zu werden. Sie hatte sehr schöne … Hände.

Er fragte sich, in welcher Beziehung Jake zu ihr stand, denn der Jungspund schaffte es seiner Meinung nach kaum, ein ganzes Spiel hindurch seine Hosen anzubehalten. Andererseits hätte er gewettet, dass Jake nicht ihr Typ war.

Er neigte den Kopf und beobachtete Kaylie dabei, wie sie mit wehendem braunem Haar hinter einer Ecke verschwand. Auch wenn sein Blick nicht auf ihr Haar gerichtet gewesen war. Dass es wehte, war eher eine Vermutung gewesen.

Er setzte seine Kappe wieder auf und richtete seinen Blick auf die schüchterne Rezeptionistin, die fast ihre Zunge verschluckt hatte, als er hereingekommen war.

Ja, so waren ihm die Frauen lieber. Da war es wenigstens einfacher sie einzuschätzen.

„Was ist ihr Problem?“, wollte er wissen und nickte seitlich in die Richtung, in der die Frau mit den schönen … Händen verschwunden war.

„Kaylies Problem?“, fragte die Rezeptionistin, sich offensichtlich unwohl fühlend.

„Ja. Warum hat sie mich angesehen, als hätte ich in ihren Kaffee gepinkelt?“

Das brachte die junge Frau zum Lachen. „Oh, nehmen Sie es nicht persönlich. Sie hat was gegen Sportler.“

Seine Augenbrauen flogen nach oben. Sie hatte was gegen Sportler? Welche Frau hatte etwas gegen Sportler? War sie in ihrer Jugend etwa vom Football Captain versetzt worden?

Er lehnte sich langsam an den Tresen und blickte wieder in den Gang.

Eine Frau, die einfach aus Prinzip etwas gegen ihn hatte. Wegen seines Jobs.

Ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus.

Es war einige Zeit her, dass er sich einer Herausforderung gestellt hatte, die nicht seine Schwester war.

Und Kaylie wollte er sicherlich nicht mit Chloe vergleichen.


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Saskia Louis – Küss niemals einen Baseballer – Baseball Love – Band 2

Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist … Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag ihres Medienmanagementstudiums in Köln einfach mal zu vergessen.

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Chick-Lit-Sommer – Romantische Girls-Literatur in Serie

Der Chick-Lit-Trend aus Großbritannien erobert das Programm von dp Digital Publishers. Rockstar Sommer, Baseball Love und Dreimal Liebe mit Traummann, bitte – drei fesselnde Neuerscheinungen im Juli.

Stuttgart, Juni 2016. Chick-Lit-Geschichten handeln von jungen Frauen und ihrem Freundeskreis, mit allen Höhen und Tiefen des Alltags. Häufig geht es turbulent zu: Gerüchte, Klatsch, Tratsch und Affären sowie das Streben nach dem Liebesglück stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Dabei ermöglicht die thematische Bandbreite der Chick-Lits es jedem Leser, für sich genau das richtige Buch zu finden.

In Rockstar Sommer zieht Anna von der Großstadt in ein altes Haus mitten im Niemandsland, um völlig neu anzufangen und als Verhaltenstherapeutin für Hunde zu arbeiten – bis ihre Freundin auf die Idee kommt, den Sänger einer bekannten Rockband zur Erholung bei ihr einzuquartieren. Rockstar Sommer umfasst insgesamt vier Bände – Band 1 & 2 erscheinen am 19.7.2016, Band 3 & 4 folgen am 19.8.2016.

In Baseball Love – Liebe auf den ersten Schlag läuft Luke, Baseballspieler und Womanizer, Emma über den Weg. Eine süße, deutsche, unbedarfte Eventplanerin, der ‚normal‘ und ‚langweilig‘ praktisch auf die Stirn geschrieben steht. Um sein Image in das richtige Licht zu rücken, soll sie seine Freundin mimen. Turbulenzen vorprogrammiert! Die erste Geschichte der Sport- Romance-Story wird am 21.7.2016 erscheinen.

Dreimal Liebe mit Traummann, bitte nimmt uns mit in eine schmucke Altbauwohnung in Berlin, die sich drei Freundinnen – Lucinda, Viktoria und Rosanna – teilen. Sie stehen mitten im Leben und kämpfen um ihre Träume – doch dann platzt die Liebe herein und stellt alles auf den Kopf!

Rockstar Sommer-Autorin Sandra Helinski ist hauptberuflich Projektmanagerin und erfindet nebenberuflich Geschichten darüber, wie es wäre, sich in einen Rockstar zu verlieben. Baseball Love-Autorin Saskia Louis studierte Medienmanagement in Köln, gestaltet heute Beiträge für den Bürgerfunk und schreibt selber nicht nur Geschichten sondern auch Musik. Und Nadin Hardwiger, Autorin von Dreimal Liebe mit Traummann, bitte, arbeitet als Beraterin für ein IT-Unternehmen und sorgt in ihren Stories gerne fürs Glücksgefühl mit Happy End.

Die neuen Chick-Lit-Geschichten erscheinen als E-Book und Taschenbuch bei dp DIGITAL PUBLISHERS und sind in allen gängigen Online-Shops erhältlich.

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