„Mordsmäßig verstrickt“ gewinnt den Skoutz-Award 2017 in der Kategorie Humor

Stuttgart, Juli 2017. Autorin Saskia Louis ist mit dem Krimi Mordsmäßig verstrickt Gewinnerin des Skoutz Award 2017 in der Kategorie Humor. In dem Krimi entspinnt sich der zweite spannende Ermittlungsfall für Blumenladenbesitzerin Louisa Manu. Als Manu über eine, mit zwei unglücklich platzierten Stricknadeln verzierte, Leiche stolpert und der Sohn ihrer Angestellten als Tatverdächtiger gilt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Kommissar Joshua Rispo wieder einmal auf die Finger zu treten. Dieser humorvolle Krimi erschien bereits im Oktober 2016. In diesen Tagen hat der Verlag dp DIGITAL PUBLISHERS den dritten Krimi dieser erfolgreichen Reihe Mordsmäßig kaltgemacht – Der dritte Fall für Louisa Manu veröffentlicht.

Der Skoutz-Award folgt dem Rhythmus der beiden großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Zu Beginn eines jeden Jahres können Bücher vorgeschlagen werden, aus denen sich die Longlist 2017 mit neun Kategorien (Genres) ergibt. Die Romane müssen im Vorjahr bis einschließlich Februar des aktuellen Jahres in Deutschland erstveröffentlicht worden sein. Aus jedem Genre kommen nur sechs Titel in die endgültige Shortlist. Die Juroren erhalten ausreichend Gelegenheit, die in die Shortlist gelangten Titel ausführlich vorzustellen und zu besprechen. Über den Skoutz-Award selbst stimmen im September dann allein die Leser ab. Die Ergebnisse geben im Rahmen einer feierlichen Gala mit anschließender Leserparty zur Frankfurter Buchmesse unter dem Motto “Literally glamourous” bekannt gegeben.

Download Pressemitteilung: PM 10 2017_dp_Digital Publishers_Skoutz

9783960870760

Mit ihrem (heiteren) Krimi Mordsmässig verstrickt – Louisa Manus zweiter Fall hat Saskia Louis gewonnen. Nur die Geschichte zählt! Skoutz-Jury und Skoutz-Leser haben die besten Geschichten des Jahres in neun verschiedenen Kategorie gewählt – unabhängig von der Größe des Verlages, ob es sich um ein Selfpublishing-Projekt gehandelt hat, ob die Geschichte von einem alten Hasen geschrieben wurde oder ein Debüt ist.

Ich bin Hermann

1.

Hermann Haberstroh, seit kurzem Witwer, dachte über sein Leben nach. Ist das jetzt alles gewesen oder kommt da noch was? Diese Fragen stellte er sich zum wiederholten Mal, auch drei Tage nach seinem neunundsiebzigsten Geburtstag. Neunundsiebzig! Witwer! Bis auf diese eine Sache hatte er während seiner Ehe mit Paula keine Affäre gehabt. Hatte es an Paula gelegen oder an Gelegenheiten, sein Treuepotential auszutesten? Hermann beschloss, dass es an Paula gelegen haben musste. Die Jahre mit ihr waren gute Jahre gewesen.

Er fragte sich auch, ob er nicht einfach zu alt war. Ob er trotz seiner Trauer nicht mehr an die Zuneigung einer Frau denken durfte. „Ja ja, in unserem Alter!“, skandierten die Nachbarn und meinten damit, dass ihm nichts Schönes mehr zustehen würde. Er sah ihnen ihre Meinungen an. Schaute er die Nachbarn genau an, setzten sie einen klebrig mitleidigen Blick auf.

Er hatte Paula umsorgt, zuletzt auch gepflegt, so weit er es konnte, hatte getischlert, Freunde eingeladen, damit sie nicht nur allein miteinander waren. Aber jetzt, fand er, musste noch etwas passieren bis zum Achtzigsten. Die Zeit raste und wurde knapper, er hatte das Gefühl, dass sie ihn drängte, bald zu sterben. „Kommt nicht in die Tüte!“, sagte er sich.

Er ging durch das Wohnzimmer, blieb vor dem deckenhohen Regal stehen, besah die vielen Bücher. Lesen war Paulas Bereich gewesen. Hermann mochte Holz und sein Werkzeug. Genau in diesem Moment elektrisierte ihn ein Gedanke, der nicht zu den vorherigen passte. Eigentlich. Er nahm die Hände aus den Hosentaschen und lief, so schnell er konnte, zu Amsel. Friedrich Amsel wohnte auf der anderen Straßenseite. Ungewöhnlich förmlich bat Hermann mit träumerischem Blick schon an der Tür, ihm seine neueste Idee erläutern zu dürfen.

„Aha. Dürfen? Wieder eine Idee? Heute die spannende Variante? Komm rein. Ein Bierchen?“

„Nicht am Vormittag. Das geht gegen meine Prinzipien. Müsstest du doch wissen.“

„Dann Kaffee?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte Amsel die Kaffeemaschine an. „Eine Idee.“ Er seufzte leise. Fragte dann lauter: „Hermann, was hast du dir ausgedacht? Fang nicht schon wieder mit neuen Regalen an! Oder willst du Vogelhäuschen mit Balkon basteln?“ Er blickte amüsiert auf seinen Gast herab. Hermann war stämmig und muskulös, nur nicht so hochgewachsen wie sein Freund. Hermann nuschelte etwas.

„Bitte?“, fragte Amsel.

„Ich habe mir eine Holzdrechselbank gekauft.“

„Aber du drechselst doch gar nicht“, sagte Amsel.

„Wer weiß das schon? Die ganz großen Sachen stehen ja nicht mehr an. Wie so manches. Was brauche ich denn noch? Freunde, Holz, den Himmel, das Meer und mein Werkzeug.“

„Drechseln … Ist es das, was du mir verklickern willst?“, fragte Amsel. „Dafür mache ich eine volle Kanne Kaffee? Also, wirklich, Hermann! Ich glaube, das Alleinsein bekommt dir nicht.“ Er goss das Getränk in zwei Becher. „Drechseln … Setz dich.“

 „Wie meinst du das jetzt, Hermann? Mach‘s nicht so dramatisch. Was willst du?“

„Du weißt, dass ich im nächsten September achtzig werde. Und diesen Geburtstag möchte ich auch erleben. Trotz Herzattacken. Da bitte ich dich, alles aufzuschreiben, was dieses Jahr bis zum Achtzigsten noch so passiert.“

„Wie bitte? Meintest du das mit Drechseln?“

„Ja, sicher. Ich mache jeden Abend Stichpunkte, was ich gedacht und erlebt habe. Und du schmückst das aus oder wie man das nennt. Ich kann dir auch in dein Diktiergerät sprechen.“

„Meine Autorenschaft als Drechseln zu bezeichnen! Ganz schön frech. Und bitteschön, was soll das Ganze werden?“ Amsel fragte das, obwohl er wusste, was Hermann wollte.

„Was wohl? Ein Buch! Bitte, schon allein wegen Sonja. Meine Tochter weiß alles besser und bevormundet mich. Die nervt bis zum Hirnplatzen, wenn sie denn mal anruft. Na ja, das ist inzwischen eher selten. Ich meine, sie kennt mich heute nicht mehr richtig. Ich bin nicht mehr der Papa von vor über vierzig Jahren. Und Sonja soll wissen, wie ich heute bin.“ Ob das eine Drohung oder augenzwinkernd gemeint war, konnte Amsel nicht unbedingt heraushören. „Außerdem hätte ich dann Interessantes zum Lesen. Eine Geschichte über mich selbst wäre amüsant.“

„Du stellst dir ein Buch für zwei vor. Für Sonja und für dich. Richtig? Das ist also Sinn der Sache?“

„Von mir aus können es alle lesen. Dann wissen die Leute, wie es einem als Mann geht, wenn man alt wird.“

Amsel ging zum Küchenfenster. Er war nicht sicher, ob er das machen sollte. Hermann hatte viele Ideen und aus den meisten, eigentlich fast allen, war nie etwas Richtiges geworden. Nur aus seinen Möbelstücken. Außerdem reagierte er so manches Mal recht eigen. Amsel befürchtete, dass er später meckern würde und dann wäre die Arbeit umsonst gewesen. Denn Arbeit würde das werden. Natürlich würde er das Aufschreiben – wenn überhaupt – kostenlos machen. Freundschaftsdienst. Er fand aber, dass Hermann bestimmt noch zehn Jahre leben würde. Und so lange sollte ihre Männerfreundschaft auch halten. „Achtzig! Heute werden gestandene Männer neunzig und drüber.“

„Ich will nicht neunzig werden, ich will nur ein richtiges Buch. Nicht so ein flaches Ding, auf dem die Leute mit den Fingern wischen und drücken. Hab so was bei Stekelbroich, dem Rudi, gesehen.“

„Aber du kannst auf so einem Teil die Schrift vergrößern. Ich finde das sehr bequem“, erklärte Amsel.

„So‘n modernen Kram. Ich weiß nicht. – Also, machst du es? Ich muss wieder rüber. Ich hab die Haustür nur angelehnt.“

„Nun warte mal. Da kommt schon keiner rein. Hier doch nicht.“

Hermann seufzte ungnädig. „Dass du dich jedes Mal mit dem Entscheiden so schwer tust. Dann hätte ich auch zu Hause bleiben können.“

„Ich lasse mir deinen Vorschlag durch den Kopf gehen. Wenn du Gedanken und Erlebnisse haben solltest, die andere interessieren könnten … Könnten, habe ich gesagt“, setzte Amsel sofort hinterher, als er das Aufleuchten in Hermanns Augen sah. „Außerdem, wenn überhaupt … Ach, vergiss es.“ Er dachte daran, ob dafür ein Verlag zu begeistern war.

„Warte nicht zu lange, nachher bin ich tot, eh du überhaupt in die Pötte gekommen bist.“

Amsel hatte Bücher geschrieben. Ratgeber. Für Handwerker. Für Bastler. Es gab auch ein Buch mit Handwerkerwitzen von ihm. Aber Teilzeitbiograph? Das war nun wirklich etwas ganz Neues.

„Vielleicht überlebe ich das Jahr auch nicht. Ein langes Leben liegt nicht in meiner Familie. Mein Vater starb mit vierundvierzig. War ein depressiver Mann. Meine Mutter ein paar Jahre später. Konnte nicht ohne ihren Konstantin. Das Leben ist komisch, kompliziert, hinterhältig und herrlich. Weißt du, ich möchte mich in Frieden verabschieden und wissen, dass es danach noch Geschichten von mir gibt. Nur falls ich einundachtzig werden sollte – dann muss ich umdisponieren. Achtzig reicht mir. Ist lange genug.“

„Über achtzig müsstest du schon werden. Sonst kannst du dein Buch nicht mehr lesen.“

„Heißt das, du machst es?“ – Hermann stand auf. „Bitte!“

Hermann bat selten.

„Ich gebe dir Bescheid.“ Amsels kurzes Lächeln ließ Hermann hoffnungsfroh grienen. Beide sahen sich an.

Mitten in diese Übereinstimmung hinein knallte es ziemlich laut. Genau zwei Mal. Als wenn jemand geschossen hätte. Amsel und Hermann rannten nach draußen und sahen, wie aus dem Miethaus drei Häuser weiter zwei Männer aus einem Fenster im ersten Stock sprangen und in das nahe Waldgebiet rannten. Hermann hatte die Hände wieder in den Hosentaschen und guckte. Amsels schmales Gesicht zuckte vor Aufregung. „Polizei rufen?“

„Besser ist es. Obwohl die ja schon weg sind. Die 110 oder 112? Ich hab so was noch nie gemacht.“

„Stell dich nicht zu doof an. Die 110!“

„Hol dein Handy“, forderte Hermann den Freund auf.

Schon hörten sie die Sirenen der Streifenwagen.

„Siehste, sind schon unterwegs.“

Es wurden immer mehr. Hermann zählte acht Streifenwagen, zwei Krankenwagen und zwei Notärzte.

„Das in unserer Straße“, wunderte sich Hermann. „Bestimmt eine Familiensache. Ich dachte, da wohnen ordentliche Leute.“

„Sieht nicht gut aus“, sinnierte Amsel.

„Himmeldieberge, ich hab meine Tür offen stehen!“

Schon eilte Hermann über die Straße.

***

Niemand hatte sein Haus betreten. „Wär’ ja wohl auch …“ empörte sich Hermann gegenüber der Jacke und dem dicken breiten Schal, die an der Garderobe hingen und hier hängen bleiben sollten. Die Sachen waren noch von Paula. „Oder was meinst du?“

Ihm genügte es, mit ihr zu sprechen. Natürlich erwartete er keine Antwort, er war ja durch Paulas Tod nicht verrückt geworden. Wieder ging er vor die Haustür. Nachbarn standen herum. Er mochte nicht dazu gehen. „So ein Gegaffe ist nichts für mich. Macht man nicht.“ Deshalb ging er wieder rein.

Am nächsten Tag kam Amsel. Der wusste einiges, er hatte gefragt. „War eine Beziehungstat“, erklärte er Hermann. „Da drehte einer durch wegen Eifersucht, weil seine Freundin in der Wohnung mit einem anderen zugange war. Mit einer Schreckschusspistole hat der rumgemacht.“

„Da ist man nirgends mehr sicher“, überlegte Hermann. „Und morgen sind hier so ausgehungerte Gestalten mit Drogen. Amsel, in unserer Straße, in der bisher noch nie was passiert ist. – Übrigens, machst du das nun? Mit dem Buch?“

„Nicht drängeln. Tschüss!“

***

Amsel überlegte eine Woche und drei Tage. Solange ging er dem Freund aus dem Weg. Dann aber spazierte er mit einer Flasche Rotwein zu Hermann rüber. Rudi Stekelbroich war auch da.

Hermann war verunsichert. Denn Amsel sagte nicht, warum er mit Wein auftauchte. Vielleicht sagte er auch nichts wegen Rudi. Das konnte sein. Rudi erzählte gerade ausführlich und begeistert von diesem Haus im Auenwald, über das vor kurzem die Zeitung berichtet hatte. Ein Haus, in dem sieben alte Männer wohnen und keine Frauen einziehen dürfen. „Eine Wohnung wird dort gerade frei, das wär’ doch was für dich, Hermann.“

„Wieso denn? Ich wohne doch gut. Schließlich habe ich mit meiner Paula vierzig Jahre in unserem Häuschen gelebt. Was meinst du, was die sagen würde. Wo doch noch alles von ihr da ist. Das hätte doch woanders keinen Platz. Auch mein Werkzeug nicht. Ich und ausziehen. Und nur Männer? Warum wollen die keine Frauen? Sind die, na du weißt schon …?“

Amsel grinste, Rudi auch.

Ärgerlich verkniff sich Hermann einen weiteren Kommentar. Er würde schon noch genauer nachhaken. Beim Rudi. Mit dem konnte er so etwas besprechen.

„Damit du es besser verstehst“, begann Rudi erneut. „Diese Männer wollen ihr Leben allein gestalten und zurechtkommen. Dass heißt ja nicht, dass sie keine weiblichen Kontakte haben. Sie können auch Besuch von Freundinnen oder Töchtern bekommen, nur möchten sie nicht, dass eine Frau im Haus wohnt und dadurch ihre Gemeinschaft durcheinanderbringt.“

„Aha“, brummte Hermann. „Ist eine ganz schöne Ecke, kenn ich. Hier ballern sie inzwischen mit Pistolen rum.“

Abwechselnd erklärten Hermann und Amsel dem Rudi, was es mit dem „Ballern“ auf sich hatte.

Rudi drängte Hermann, sich die Wohnung einfach nur mal anzusehen. Die Männer diskutierten über ein Für und Wider. Amsel legte sein Aufnahmegerät auf den Tisch und schaltete es ein. Damit hatte er sich offiziell für den Job als Kurzzeitbiograph entschieden.

Während Rudi fragte: „Was ist das?“, erhob Amsel sich, mitsamt Glas und einem letzten Schluck, und verkündete: „Ab jetzt nehme ich Hermanns Leben auf. Alles, was bis zu seinem Achtzigsten passiert.“ Er wandte sich an Hermann, der ihn mit offenem Mund anstarrte. „Sieh zu, dass du umziehst und das Haus verkaufst.“

„Ich verkaufe nicht“, moserte Hermann. „Wie stellst du dir das vor?“ Er guckte grimmig erst Amsel, und dann Rudi an. „Ich! Will! Das! Nicht!“

„Mann, in dieser Gegend! So eine Immobilie reißen sie dir aus der Hand. Dann biste flüssig, kannst in Ruhe umziehen und entrümpelst dabei Einiges.“ Amsel nickte aufmunternd. Immerzu. Das sah nach zwei Minuten etwas dämlich aus.

Hermann zog seine weißen buschigen Augenbrauen zusammen. „Es wird nicht entrümpelt. Aber in unserer Straße ist es nicht mehr richtig sicher. Nachdem gestern …“

„Guck, schon haben wir was aus deinem Leben. Mach Notizen, wie besprochen, und gib sie mir jede Woche. Schreib alles in den Computer. Das geht schneller, ist einfacher und du schickst mir das Doc in einer Mail.“

„Du meinst, mein restliches Leben hat längst begonnen? Sozusagen der Countdown?“

„So ist es.“

„Gott, oh Gott. Wenn Paula das wüsste.“

Nach einer langen Pause fragte Hermann: „Nicht, dass ich es nicht kann. Aber es wäre ganz schön, wenn du mir das noch mal genauer zeigst. Mit dem Computer. Ich hab so ein altes Ding. Geht das mit dem überhaupt? Ich habe den schon länger nicht mehr benutzt.“

Hermann überlegte. „Kommen in das Buch auch peinliche Sachen?“

„Wenn es sie gibt, warum nicht? So peinlich kann doch nichts mehr bei dir werden“, beruhigte Amsel.

„Ich weiß nicht …“ In diesem Moment hätte Hermann das Ganze gerne als Schnapsidee abgetan. Er hatte so ein Bild vor Augen: Jede Menge Leute, die vor seinem Haus mit dem Buch in der Hand standen und seine Unterschrift haben wollten. Über ihn lachten. Ihn Tag für Tag belagerten. Da kann ich ja noch nicht einmal anständig pinkeln gehen!

Nur war Hermann ein Mann des Wortes – er brach keins, das er einmal gegeben hatte. Und neben Amsel war auch noch Rudi da. Zwei Zeugen sozusagen, zwei Zeugen seiner hirnverbrannten Buchidee. Und Paula war eigentlich die dritte Zeugin.

„Was meinst du dazu?“, fragte er inwendig.

Er lauschte, er hielt den Kopf schräg.

Aber Hermann hörte keine Antwort von Paula.

 

2.

Hermann ärgerte sich, dass Rudis Vorschlag sich wie ein Parasit in seinem Hirn eingenistet hatte, und der Gedanke an jene Wohnung im Auenwald machte ihn unruhig. Lange genug hatte er sich Rudis Versuch, ihn zu begeistern, angehört. Werden die Auenwald-Bewohner ihre Wohnung nicht los? Hat die Macken? Bestimmt. Und ich soll dafür herhalten? Auch die Aussicht aufs Packen und einen Umzug war für ihn eine mittlere Katastrophe. Nicht, dass Rudi in meinem Namen eigenmächtig agiert! „Ich hab‘ doch hier eine Menge Platz“, sagte er zu der Jacke und dem dicken Schal an der Garderobe. „Warum sollte ich das alles hier verkaufen? Nun sag doch auch mal was, Paula!“ Er bewegte die Jacke hin und her. „Nur, weil in unserer Straße einer durchgedreht ist und geschossen hat? Meinst du, so etwas passiert jetzt öfter? Und kannst du dir vorstellen, dass hier einer einbrechen könnte? Du hast immer Angst davor gehabt, aber sei ehrlich, nie ist was passiert. Dann ist es doch unwahrscheinlich, dass ab nun Durchgeknallte unser Viertel terrorisieren.“

Damit war das Thema für ihn erledigt. Eigentlich. Denn ihm war, als würde Paula nicht richtig zuhören. „Stell dich nicht an. Bei Veränderungen kneifst du wie immer. Guck dir die Wohnung an“, glaubte Hermann zu hören. „Dich stört doch der Autoverkehr. Immer wolltest du ruhiger wohnen, wenn du in Rente bist. Biste nun lange genug. Also mach schon.“

Hermann horchte in sich hinein. Aber da kam nichts mehr. Aber er hätte gern Paulas Meinung zu dem Thema ausführlicher wahrgenommen. Und nicht so kritisch ihm gegenüber. Seufzend ging er durch den Flur, ins Bad, klopfte gegen die hellgrauen Fliesen, einst Sonderpartie aus dem Baumarkt, (so sahen sie auch aus) schloss das Fenster, dass auf Kipp war, und ging weiter ins Wohnzimmer. Nach oben, wo sich Schlafzimmer, einstiges Kinderzimmer und auch ein weiteres Bad befanden, mochte er nicht gehen. Da oben hing diese lähmende Stille, klebrig wie Fliegenfänger. Hermann begann zu pfeifen, um die schwer lastende Lautlosigkeit zu beenden. Die Töne klangen wie ein Schluchzen. Nach dem kleinen Rundgang stand er vor der Tür, die in den Keller führte. Dort hatte er seine Werkstatt eingerichtet. Er blieb, wo er war, er mochte nicht hinuntergehen, er hatte alles geschraubt, gehobelt, erneuert, all das, was zu tun war, wenn ein Tischler im Ruhestand seiner Frau imponieren wollte.

Ich könnte der Küche eine neue Arbeitsplatte verpassen. Über die alte hat Paula ewig geschimpft. Sie sei fürchterlich verhunzt. Ein Schwall Freude darüber, etwas tun zu können, wallte auf. Er dachte an Ahorn, das helle Holz hatte Paula gemocht. Er blickte in den kleinen, etwas dunklen Raum, der schrecklich aufgeräumt war. Der Glanz der Herdplatten, des Schnellkochers, der Küchenmaschine, der Schrankfronten war ein trauriger, ein nutzloser. Mit seinen kräftigen Fingern strich Hermann über die Arbeitsplatte, überlegte und dann fiel die Vorfreude auf einen Moment Arbeit wie ein Sommersoufflé in sich zusammen. „Was brauche ich eine neue Platte, Paula sieht sie ja doch nie mehr.“ Seit Tagen schon hatte er sich morgens Brötchen aus der nahen Bäckerei geholt, Wurst und Käse im Supermarkt und über den Tag verteilt gegessen. Draußen, hinten auf der winzigen Terrasse, neben dem morschen Brett. Er wollte im Haus nicht krümeln. „Pass doch mal auf, jetzt muss ich schon wieder saugen.“ In ihren gesunden Zeiten hatte Paula ihn manches Mal gescheucht. Er hatte ein paar Flusen auf dem Fußboden nicht schlimm gefunden und meist erwidert: „Die paar Krümel? Ist doch albern, komm zu mir und erzähl was Nettes.“ Ihre Geschichten hatten ihn immer zum Lachen gebracht.

Die Küche, ja. Bis auf das Kaffeekochen hatte er sie seit der Beerdigung nicht genutzt. Hermann hatte die Phantasie verlassen. Er konnte sich nicht mehr vorstellen, etwas Leckeres zu kochen und sich zu verwöhnen.

„Lad Amsel und Rudi ein und mach mal was!“

Zum zweiten Mal an diesem Tag durchzog Hermann eine kleine Vorfreude. Er nahm seine Jacke und ging zu Amsel. Der war aber nicht da, und sein Auto auch nicht. Er wollte nicht umsonst gegangen sein, deshalb machte er sich auf den Weg zu Rudi, der erstaunt fragte: „Ist was, Hermann?“

„Was soll sein? Ich will kochen, nicht alleine essen, ich möchte Gesellschaft und du sollst mitkommen.“

„So auf die Schnelle? Hermann! Das wird nix. Was ist in dich gefahren?“

„Um sieben bei mir!“

Und ehe Rudi etwas erwidern konnte, eilte Hermann zum Supermarkt.

***

Etwas braten oder im Backofen grillen, das war Hermann fürs erste zu viel. Allein der Gedanke daran überforderte ihn. Während des Einkaufs war es, als würde ihn Paula in die Obst- und Gemüseabteilung führen. Bis zuletzt war das ihre bevorzugte Abteilung gewesen. Hermann griff mit sicherer Hand zu, wo er sonst sehr lange vor jedem Artikel zögerte und überlegte.

Zufrieden kam er nach Hause. Vor seiner Tür stand eine Frau, die er vom Sehen kannte. Die war auch auf Paulas Beerdigung gewesen.

„Ja?“, fragte er.

„Ich wollt‘ Sie mal fragen, ob Sie vermieten tun.“

„Warum das denn?“

„Ich will nicht zu meiner Tochter nach Berlin ziehen. Ich will in Ostwestfalen bleiben, lebe doch schon so lange hier.“ Sie atmete tief durch. „Also, ich will mich kleiner setzen. Und da Sie doch inzwischen allein sind und man als Frau ja wissen tut, dass Männer alleine nur rumölen, also, da könnte ich Ihnen doch den Haushalt machen. Und dafür bräuchte ich keine Miete zahlen tun. Na?“

Erst wollte Hermann nach ihrem Namen fragen. Aber er war so sprachlos über diese Offerte, dass er die Frau nur anstarrte.

Das Anstarren schien sie anders aufzufassen. Sie begann mit einem Augenaufschlag von unten nach oben. „Ich bin doch auch sehr allein!“, hauchte sie und legte bedeutsam die Hand auf ihr üppiges Herzfleisch.

Hermann staunte und wandte verlegen den Blick ab. „Ich vermiete nicht und ich komme ausnehmend gut alleine zurecht“, versuchte er, höflich zu reagieren. Ihm war auch, als wäre Paula dazugekommen, die warnend den Kopf schüttelte.

„Ich muss jetzt kochen, ich bekomme Gäste“, sagte er mit wichtiger Miene, schloss die Tür auf und verschwand blitzschnell dahinter.

In der Küche packte er alles aus, sah durch das Fenster, wie die Frau immer noch in seinem Eingang stand. „Nein, nein, nein“, beschwor er seine aufflammende Gutmütigkeit.

Sein Vor-sich-hin-Pfeifen beim Säubern des Rucolas hörte sich fröhlicher an als noch vor ein paar Stunden. Erleichtert hörte er, wie die Frau nach einigen Minuten ging.

Schwungvoll mixte er Rucola, Cocktailtomaten, Mango, Gurken und grünen Salat mit Walnusskernen, und machte dazu ein Dressing aus Balsamico-Essig und Honig. Es ging ihm so leicht von der Hand, es war, als ob er jeden Tag so etwas machen würde. Hermann probierte und konnte kaum fassen, dass es schmeckte. „Danke!“, flüsterte er. Der Dank galt Paula. Jetzt überlegte er, wie sie das mit dem Weißbrot immer gemacht hatte.

Rudi kam pünktlich. Verblüfft blickte er auf den Salat, staunte auch über das geröstete Weißbrot, den Bergkäse, den Ziegenkäse mit Thymian und den Schweizer Hartkäse. Rudi war auf Fleisch programmiert, eine Bratwurst hätte ihm auch gereicht, aber er verkniff sich jede Bemerkung, die in diese Richtung ging. Er sagte auch nichts über verschüttetes Olivenöl auf dem Fußboden, über Rucola-Blätter auf Hermanns ausgebeulter Jeans, und nichts zum Pullover, den Hermann auf links trug. Er sagte nichts zu verstreutem Pfeffer und dass der Käse zu schwitzen begann, weil Hermann ihn nicht kühl gestellt hatte. Dass es in der Stadt einen Kochkurs für Senioren gab, verschwieg er auch. Die meisten Männer über Sechzig können nicht kochen. Insofern war Hermanns Werk eine Meisterleistung. Rudi machte den Freund nur darauf aufmerksam, dass sich ein fetter schillernder Brummer auf dem Salat niedergelassen hatte, und fragte: „Wirst du Vegetarier?“

„Wie? Willste die Fliege? Dann pack sie dir“, ranzte Hermann. Im Geheimen hätte er jetzt gern einen Sauerbraten gehabt. Aber er schaffte es, sich zusammenzunehmen. „Du solltest auch mal was Gesundes essen!“, sagte er und blickte demonstrativ auf Rudis Fettdepot unterhalb des Bauchnabels. Dabei übersah er sein eigenes. „Käse und Wein haben Paula und ich oft in der Toskana gegessen“, fügte er hinzu und setzte sein Besserwisser-Gesicht auf.

„Gesund ist selten lecker“, murmelte Rudi und unterdrückte ein breites Grinsen, was ihm nicht gelang.

„Kannst ja mal überlegen, wie viele Tiere du in deinem Leben schon gegessen hast!“, moserte Hermann.

„Werd nicht komisch. Bisher hast du äußerst gerne Fleisch gegessen. Ich sage nur Rouladen! Bratwurst! Sauerbraten! Na? Erinnerst du dich oder ist Herr Alzheimer schon zu Besuch?“

Die Stichelei überhörte Hermann, aber sein Esszentrum schaltete sofort auf „Fleisch“. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Er blies die Wangen auf und kollerte: „Du bist so einen fiesen Möpp! Weißt genau, dass ich so was nicht kann. Höchstens, allerhöchstens ein Kotelett, und das wird bei mir eher eine Schuhsohle. Setz dich, iss und sei friedlich!“

Die Männer sahen sich empört an, wollten lospoltern, aber entschieden sich, zu lachen und konnten lange nicht damit aufhören.

Sie blieben in der Küche, krümelten, tranken einen schlichten italienischen Roten und endlich war Hermann zufrieden. Für heute. Sie trauerten um ihre weniger werdenden Haare, lästerten über ihre Pfunde, die sich angesammelt hatten. Sie dachten wehmütig an vergangene Lieben, an das, was ihnen geblieben war und tranken ihr Alleinsein für einige Stunden weg. Jetzt war Hermann auch bereit, dem Freund wegen der Wohnung am Auenwald noch einmal zuzuhören.

Rudi legte erneut die Zündschnur. „Falls du es noch nicht wissen solltest, ich werde auch in dem Haus wohnen. Schon in zwei Wochen ziehe ich ein. Ich bekomme Heiners Wohnung, der geht in das Pflegeheim da ganz in der Nähe. Geht leider nicht mehr anders mit ihm. Er will es auch so.“

„Pflegeheim? Wenn es nicht mehr geht, schieben die ihre Leute dahin ab?“, empörte sich Hermann.

„Hör auf, der Heiner hat es so gewollt. Also, hast du gehört, dass ich da hinziehen werde?“

„Dann bist du ja bald weg … Konntest du mir das nicht eher verklickern?“

„Mach ich ja jetzt“, erklärte Rudi in aller Gemütlichkeit.

„Wie groß ist die Wohnung denn?“

„So um die sechzig Quadrat. Das reicht mir auch.“

„Aha. Und die, die du mir so ans Herz legst?“

„Gut vierzig. Mit Terrasse, also Erdgeschoss. Jürgen, der bisher drin war, hat sich verliebt und zieht zu seiner Freundin. Die Wohnung ist noch nicht wieder vermietet. Da ich schon lange die Bewohner kenne, hab ich gesagt, ich glaube, ich hab da einen, der zu uns passen würde. Und das bist du.“

„In eine so kleine Wohnung soll ich? Da kann ich mich ja mal so gerade drin umdrehen. Das klingt nach Wohnklo. Da würde nur mein Werkzeug reinpassen. Sag mal, kriegst du Provision dafür, weil du die Klitsche so bewirbst?“

„Rede nicht. Sieh sie dir an. Irgendwann wird dir der Platz im Haus zu viel werden und dann vergammelt alles. Willst du das?“

„Wieso? Ist es hier dreckig? Und wenn, wäre es meine Angelegenheit, Rudi.“

„Hey! Pamp nicht! Ist nur ein Vorschlag.“

„Vierzig Quadratmeter!“, jammerte Hermann. Nach einer Pause ließ sich er dazu herab zu sagen: „Ich werd mal in den nächsten Tagen gucken. Die anderen, wie sind die? Kenn ich da welche von?“

„Mach einen Besuch …“

„Sag schon. Warum wollen die keine Frauen? Sind die in einer Sekte? Dann kannst du dir dein Werben gleich abschminken. Damit habe ich‘s nicht. Oder sind die andersherum?“ Hermann brachte es nicht fertig, normal über diese Möglichkeit zu sprechen.

„Keine Sekte. Beruhige dich. Ob von den Jungs einer schwul ist, keine Ahnung, aber was soll‘s? Hermann, du bist ein bisschen von gestern. Und hör mir richtig zu. Die haben ganz normale Freund- oder Liebschaften mit Frauen, nur soll keine im Haus wohnen. Hab ich doch schon einmal erklärt.“

„Ich will doch nur in Ruhe achtzig werden“, seufzte Hermann.

„Du kannst auch in Ruhe fünfundachtzig werden oder in aller Ruhe auf ewig tot sein.“

Hermann schüttelte den Kopf. „Nee. Das weißt du auch nicht, ob ewig gleich ewig ist.“

Rudi lächelte nachsichtig, wie ein Mann das tat, wenn er sich anderen überlegen fühlte. „Jammer nicht, reiß dich zusammen. Noch geht das Leben weiter. Soll ich dir nun ein bisschen über die Bewohner erzählen oder nicht?“

Hermann nickte ergeben. „Mach schon!“ Mit bockiger Miene, so wie er es gern schon früher getan hatte, goss er sich den letzten Schluck Wein ein.

„Ich fang mal mit Adam an. Adam Zwarg, trägt nur rote Hosenträger. Daran kannst du ihn prima erkennen. Zwerg nennen ihn die anderen. Warum das so ist, erkennst du auch sofort.“

„Wie jetzt?“

„Adam ist gut eins neunzig.“

„Sehr witzig.“

Rudi berichte weiter, ohne auf Hermanns Einwände zu achten. „Witwer, zweiundachtzig, trinkt gern einen, und Besitzer eines Uralt-Traktors. Den musst du dir ansehen. Ein Porsche, Baujahr ’62. Mit dem war er letztes Jahr in Südfrankreich. Und davor in Kopenhagen.“

„So ein Trecker fährt doch höchstens fünfundzwanzig Km/h“, stellte Hermann fest. „Das glaub ich nie. Der ist vielleicht bis nach Münster gekommen. Maximal.“

„Nee, der ist mit Tempo achtzehn dahin getuckert. In Westernklamotten. Weil er sich immer auf den Sitz drauf schwingt wie auf einen Pferdesattel. Außerdem, du hast doch keine Ahnung von einem Traktor. Aber der Adam ist damit aufgewachsen.“

Hermann schwieg, dachte nach und schob mit den Schuhspitzen die Krümel hin- und her.

„Der Trecker heißt Lilofee und ist Adams ganzer Stolz.“

„Lächerlich. Und Adam ist der wilde Wassermann?“

„Du bist neidisch, Hermann“, stellte Rudi fest.

Was der kann, kann ich auch. Hermann vergaß, dass er keine Lilofee besaß. Dass er überhaupt mit dem Selbstfahren aufhören sollte. Bei seinen schlechten Augen. Ihm wurde auch klar, dass er sich allein mit seinem Interesse ganz schön auf das Projekt „Auenwald“ eingelassen hatte. Dass Rudi sich nur nicht zu früh freute! Deshalb setzte Hermann ein griesgrämiges Gesicht auf, um seine Neugier zu verbergen. „Ist ja alles interessant. Und wer wohnt da noch?“

„Hannes Overbeck, Mann der ersten Stunde. Ende Sechzig, war mal selbständig. Hängt meist vorm Computer. Aber die anderen holen ihn da oft weg, auch, wenn er mault. Den Hannes findest du auch an den öffentlichen Bücherschränken. Was er da alles anschleppt! Dann gibt’s den Olaf Drewitz, sofort an der dicken altmodischen Hornbrille und dem schmuddeligen Leinenbeutel zu erkennen. Passt so gar nicht zu einem aus Baden-Württemberg. Wie der hierhergekommen ist, keine Ahnung. Mitte Fünfzig, Frührentner. Weshalb, weiß ich nicht. Ist seine Sache. Olaf isst schrecklich gern. Da kannste nix liegenlassen. Nur mal so zur Warnung!“ Rudi lachte. „Und er liest wie besessen. Der muss abends Kopfsalat haben. Dann wohnt seit drei Jahren Achim Katzfuß im Haus. Komisch, das fällt mir jetzt erst auf, der kommt auch aus Süddeutschland. Stuttgart oder so. Achim hält gerne Vorträge, ich glaube, dem ist jedes Thema recht, egal, ob er was darüber weiß oder nicht. Manchmal steht er im Garten und deklamiert vor den Büschen. Momentan glaubt er, eine neue Freundin zu haben. Aber die anderen haben da so ihre Zweifel. Achim ist Ende Sechzig sein, etwas eingebildet, aber, wenn er will, kann er sehr unterhaltsam sein.“

„Das klingt, als hätten die alle irgendwie einen Schuss …“

„Wenn du das so siehst. Mensch, Hermann, die sind wie du und ich. Eben mit Macken. Wer will denn schon den perfekten Menschen? Männer mit Macken sind wunderbar. Du hast doch auch genügend. Ich möchte ja nur, dass du vorab einen kleinen Überblick bekommst. Du würdest gut ins Haus passen.“

„Ach ja? Weil ich einen an der Waffel habe?“ Endlich entspannte sich Hermann und übte ein Lächeln.

„Als letzter zog Manfred Lämmerhirt ein, der sich gerne als ‚Freddy aus Hamburg’ vorstellt, damit niemand glaubt, er sei Westfale. Die findet er grausig. Freddy singt gerne und spielt ganz ordentlich Gitarre. Ein bisschen erinnert er an Freddy Quinn. Kennt von den Jungen ja kein Aas mehr.“

„Wie, lebt der noch?“

„Keine Ahnung“, sagte Rudi.

„Außerdem vertut euer Freddy sich. Der Richtige hieß anders und ist auch kein Hamburger, der wurde in Wien geboren. Wer weiß, was bei eurem Freddy nun wirklich stimmt.“

„Hermann, das alles kannst du höchstpersönlich mit ihm klären. Mach nicht den Schlaumeier.“

„Ich kenne den doch nicht“, maulte Hermann. Eigentlich war er nörgelig, weil er Veränderungen hasste.

„Du vereinsamst, wenn du so weitermachst. Meinst du, dass hätte deine Paula gut gefunden, wenn du nur meckerst und dich zurückziehst? Was macht eigentlich deine Tochter, die Sonja? Ruft die dich wenigstens jetzt öfter als sonst an?“

Hermann trat wieder auf die Krümel. Verbissen guckte er zu Boden.

Rudi fischte den restlichen Salat aus der Schüssel. Ihn quälte Bratwursthunger. „Hast du noch Wein?“

„Komm mit in den Keller, da finden wir bestimmt eine Flasche.“

So wollte Hermann seine Sauerbratengier überlisten.

Als Rudi beim Runtergehen bemerkte, ob das jetzt neue Mode sei, Pullover andersrum anzuziehen, verstand Hermann was von „andersherum“, wollte darauf antworten, entdeckte zwei Flaschen und beschloss, Rudi die Frechheit ein andermal heimzuzahlen.

Es wurde ein langer Abend.


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Monika Detering arbeitete als Puppenkünstlerin mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, war als freie Journalistin tätig und entschied sich später für das belletristische Schreiben. Sie veröffentlicht Romane, Krimis und Kurzgeschichten, schreibt solo, aber auch im Team mit dem Autor Horst-Dieter Radke. Sie ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern“ und den „42erAutoren“.

Mord gut abgeschmeckt

Die Kochvorführung geriet allmählich außer Kontrolle. Als Darina den Custard-Pudding aus der Mikrowelle nahm, sah sie, dass sich auf seiner Oberfläche eine blasige Haut gebildet hatte. Noch bevor sie den Löffel durch die Masse zog, wusste sie, dass sich das Wasserbad zu sehr erhitzt hatte und der Pudding deshalb käsig geworden war.

»Das ist ein gestockter Custard«, erklärte sie ihrem Publikum mit ernster Miene und hielt die Form so, dass man die Nachspeise in dem Spiegel, der über ihr angebracht war, sehen konnte.

Ein erschrecktes Raunen ging durch die Reihen der ungefähr dreißig Frauen, die vor der Demonstrationsfläche Platz genommen hatten.

»Ich habe diesen Mikrowellenherden noch nie getraut«, schnaubte eine dickliche ältere Frau, wobei die vergoldeten Knöpfe auf ihrem Chanel-Kostüm und die zahlreichen Goldketten um ihren Hals im hellen Licht der Scheinwerfer blitzten und funkelten.

»Ich fürchte, das war mein Fehler und nicht der des Geräts.« Darina musste sich zwingen, ruhig zu bleiben. Was man ihr allerdings nicht ansah, denn so, wie sie dort stand, groß, in einen blütenweißen Overall gekleidet, ihr blondes Haar mit einer weißen Schleife zu einem Zopf gebunden, wirkte sie wie die Verkörperung von Effizienz und Souveränität. Nichts an ihrem makellosen Äußeren verriet, dass ihr Magen vor Aufregung Purzelbäume schlug. Sie hob ihr Kinn noch ein klein wenig höher und sagte ganz ruhig: »Ich habe den Pudding zu heiß werden lassen, das ist alles. Wahrscheinlich ist dieser Herd leistungsstärker als meiner.«

»Und Sie haben während der letzten Backphase auch noch auf die höchste Stufe geschaltet.« In der Stimme dieser Zuschauerin lag ein leicht vorwurfsvoller Ton, und nachdem sie ihren Kommentar abgegeben hatte, wandte sie sich mit einem selbstzufriedenen Lächeln an ihre Nachbarin.

Darina bezwang den Impuls, sie zu fragen, warum sie das nicht gefälligst hätte sagen können, als sie den Herd programmierte. »Zum Glück ist nicht alles verdorben«, meinte sie stattdessen, gab den Pudding in eine Schüssel und rührte ihn kräftig durch. »Sehen Sie, ist das nicht die reinste Zauberei?«

Ein paar Frauen aus dem Publikum stießen kleine Schreie des Entzückens aus, als Darina langsam die nun wieder sämig glatte, blassgelbe Masse in eine zweite Schüssel goss.

»Und was bedeuten diese kleinen schwarzen Flocken?«

Bei der Frage dieser jungen Frau entspannte sich Darina etwas, denn alles, was diese bisher wissen wollte, hatte von ehrlichem Interesse gezeugt.

»Das ist die Vanille.« Mit diesen Worten hob sie eine dünne, fast schwarze Schicht aus der Backform. »Erinnern Sie sich daran, wie sie sich abgesetzt hat, nachdem wir die Milch eingerührt und alles anschließend passiert haben? Daraus entsteht dann im Ofen diese Hülle, die dem Ganzen ein wundervolles Aroma gibt. Man kann sie zwar nicht mehr für einen Custard verwenden, aber sie eignet sich noch gut, um den Feinkristallzucker für Kuchen oder Biskuits zu aromatisieren. Sie brauchen sie nur abzuspülen und können sie dann in einer Dose aufbewahren.« Darina kam wieder in Schwung, und die Verspannung in ihrem Nacken ließ nach.

Plötzlich rief eine Frau aus dem Publikum: »Passen Sie auf, der Savarinkuchen!« Am anderen Ende der Kochinsel floss ein Hefeteig über den Rand seines Backblechs und tropfte langsam auf die Arbeitsplatte. Er sah aus wie Urschleim aus einem Science-Fiction-Roman.

»Aha«, rief Darina, griff in die Ablage unter der Platte und holte eine neue Schüssel hervor. »Ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit einer präzisen Zeitplanung.« Dabei ermahnte sie sich innerlich: Ruhig bleiben, nur keine Panik! »Man muss den Teig in den Ofen geben, bevor er diesen Zustand erreicht. Jetzt müssen wir die Masse erst eine Weile stehenlassen, bevor wir sie wieder aufgehen lassen können.« Sie schaufelte den Teig vom Blech in die Schüssel und rührte ihn ein paarmal durch, um den Vorgang zu beschleunigen. Dann, nachdem er wieder die richtige Konsistenz hatte, wurde der Hefeteig zurück auf das Blech gegeben, das ihre Assistentin in der Zwischenzeit kurz abgespült und mit Butter eingefettet hatte. Darina stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als sie sah, dass die Äpfel für das Früchtekompott in der Mitte bereits in Apfelwein gekocht und die kandierten Orangenschalen ebenfalls fertig vorbereitet waren. Es hätte ihr den Rest gegeben, wenn jetzt auch noch die Apfel zerkocht wären oder wenn sie sich beim Schneiden der Orangenschalen verletzt hätte.

Sie goss die Apfelsoße ab, ließ sie zusammen mit Zucker zu einem Sirup kochen und nahm dann aus dem kleinen Kühlschrank ein Biskuitblatt, das mit geschmolzener Schokolade und Kastanieneiscreme bestrichen war: Darina hatte es in den Kühlschrank gelegt, weil das Eis zu weich war, um es einzurollen. Jetzt sank ihr Herz vor Schreck, als sie sah, dass die Schokolade in der Kälte so hart wie Zement geworden war. Es war nicht mehr daran zu denken, daraus eine Rolle zu formen. So ein idiotischer Fehler!

Warum hatte sie sich bloß zu dieser Vorführung überreden lassen? Schließlich hatte sie Eve gewarnt, dass sie in so etwas kaum Erfahrung hatte und es wahrscheinlich nicht schaffen würde.

»Natürlich schaffst du das«, hatte ihre Freundin geantwortet und dabei absolut überzeugt geklungen. »Hör mal, es geht bloß um ein paar nette Kleinigkeiten zum Dessert, nichts Kompliziertes, und die Frauen sind alles andere als anspruchsvoll. Die Hälfte von ihnen schläft nach dem Mittagessen ein, und die übrigen wollen lediglich ein paar Anregungen für ihre nächste Dinnerparty und kein Diplom in Kochkunst. Wir können es jedenfalls nicht mehr absagen. Ich bin im Fernsehstudio, und da Claire krank ist und Jo nun auch ausfällt, bist du unsere einzige Rettung.«

Darina war ziellos durch die South Audley Street in Mayfair geschlendert, als sie mit Eve Tarrant zusammenstieß, die gerade aus der Delikatessen- und Weinhandlung Hobbs & Co. trat. Eve war mit mehreren Einkaufstüten bepackt und hatte sie zunächst ärgerlich angefahren: »Passen Sie doch auf!« Darin erkannte sie ihr Gegenüber und stieß einen Schrei des Entzückens aus. »Na sowas, Darina Lisle! Wo hast du denn die ganze Zeit gesteckt? Komm, lass uns zusammen zu Mittag essen.«

Sie waren in die italienische Trattoria an der nächsten Ecke gegangen, und Darina konnte nicht umhin, Eve für ihre ungezwungene Selbstsicherheit zu bewundern, mit der sie den besten Tisch auswählte und die Kellner freundlich, aber bestimmt kommandierte.

Dabei lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück und betrachtete eingehend die Freundin, die sie seit fast acht Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Eve war klein und so zierlich, dass sich Darina mit ihren fast ein Meter achtzig vorkam wie eine Riesin neben einer Elfe. Das einzig Große an Eve waren ihre strahlendblauen Augen, die wie Saphire aus ihrem schmalen Gesicht leuchteten.

Ihre Züge waren fein und leicht asymmetrisch, die Nase saß nicht ganz in der Mitte, und der Mund war etwas schief, was ihrem Gesicht eine überaus aparte Note gab. Eingerahmt wurde es von einer wilden Pracht dunkelblonder Korkenzieherlocken mit goldenen Strähnchen. Ihre Kleidung sah aus, als habe sich ein avantgardistischer und sündhaft teurer Designer eine neue Variante eines Reitanzuges einfallen lassen, den nur eine Frau ohne Hüften tragen konnte.

Eve blätterte durch die Speisekarte, überflog das Angebot und gab sie dem höflich wartenden Kellner mit ihrer Bestellung für beide zurück. Dann spielte sie nervös mit dem Besteck, ordnete Messer und Gabel neu, drehte den Porzellanteller um und studierte den Stempel des Herstellers auf der Rückseite. Als sie damit fertig war, hob sie den Kopf und sah Darina in die Augen. »Ich habe dich seit unseren gemeinsamen Kochkursen nicht mehr gesehen. Du bist doch damals weggegangen, um dich aufs Land zurückzuziehen. Bist du da immer noch? «

»Nein, die letzten Jahre war ich in London. Ich habe einen Catering-Service betrieben, das Geschäft aber vor kurzem an eine Freundin verkauft.«

Darina verspürte keine große Lust, näher auf dieses Thema einzugehen, schließlich ließ sich die Geschichte von dem wertvollen Haus in Chelsea, das ihr ermordeter Cousin ihr vererbt hatte, nicht so nebenher erzählen. »Aber ich habe ein paarmal von dir in der Zeitung gelesen. Gehört dir nicht dieser todschicke Catering-Service, der für die elegantesten und teuersten Cocktailpartys und Festessen verantwortlich ist?«

Eve lachte. »Naja, du weißt doch, dass man viel verlangen muss, damit die Leute glauben, es sei ihr Geld wert. Aber wir bieten jetzt auch noch etwas Neues an, nämlich Schnellkochkurse. Und das läuft wirklich gut, die Interessenten stehen förmlich Schlange bei uns. Natürlich betreiben wir nach wie vor den Catering-Service, das bringt uns schließlich den größten Teil unseres Umsatzes. Jo Parkins kümmert sich hauptsächlich darum, während Claire Montague und ich die Kurse leiten und uns um eine stärkere Präsenz in den Medien bemühen. Allerdings ist das im Moment ziemlich schwierig.« Eve hielt einen Moment lang inne und sah ihre Freundin an. Dann fragte sie: »Hast du nicht gesagt, du hättest dein Geschäft verkauft? Und was machst du jetzt?«

»Ach, ich warte erst mal ab und sehe mich ein bisschen um.« Darina blieb absichtlich vage. »Aber wie kommt’s, dass du heute Mittag Zeit hast? Ich meine, ist da nicht auch ein Kochkurs?«

»Nein, sie finden nicht jeden Tag statt. Unser letzter hat gestern aufgehört, und der nächste beginnt erst am Montag. Ein Photograph benutzt heute unsere Vorführküche als Kulisse, und ausnahmsweise haben wir am Abend auch keine Veranstaltung. Claire bereitet alles für morgen vor, und ich bin kurz weggegangen, um noch ein paar spezielle Zutaten einzukaufen.«

Nachdem der Kellner das Essen gebracht hatte, meinte Eve beiläufig: »Und du hast also nichts Besonderes vor im Moment. Sag‘ mal, könntest du da nicht für ein paar Tage bei uns aushelfen?«

»Kochkurse leiten?« Darina erschrak. »Die einzige Kochvorführung, zu der ich mich bisher habe überreden lassen, war für eine Wohltätigkeitsveranstaltung unserer Gemeinde.« Sie verschwieg, dass sie sich dabei entsetzlich gefühlt hatte. Das Kochen war ihr Leben, sie bereitete mit Leichtigkeit ein Abendessen für zwölf, ein Büffet für fünfzig und Cocktails für hundert Personen zu, aber sie zu bitten, die Zubereitung einiger einfacher Gerichte vor einem Publikum zu demonstrieren, war, als würde man von ihr verlangen, den Sterbenden Schwan in der Oper von Covent Garden zu tanzen.

»Nein, nicht die Vorführungen«, beruhigte sie Eve, während sie mit ihrer Gabel die Spaghetti auf dem Teller hin und her schob. »Ich dachte an den Catering-Service. Jo hat heute Morgen angerufen. Ihr Vater liegt im Sterben, und sie muss deshalb zu ihrer Familie nach Leeds fahren. Morgen steht auf dem Programm ein Brunch für zweihundert, eine kleine Dinnerparty, ein Picknick, das wir für die Pilzwanderung am Samstag vorbereiten müssen, und nicht zu vergessen Lady Waldens Cocktailparty morgen Abend. Am Sonntag geben wir selbst ein Festessen für vierzig geladene Gäste, es ist der erste Geburtstag des Wooden Spoon, so nennen wir unsere Kurse, und am Montag … Aber ich brauche wohl nichtweiterzureden, du kannst dir sicher vorstellen, dass wir unbedingt eine zuverlässige Hilfskraft brauchen, bis Jo wieder zurück ist. Es handelt sich wirklich nur um ein paar Tage, und es gibt niemanden, den ich lieber bei uns hätte als dich.« Sie sah ihr Gegenüber flehend an.

Darina dachte eine Weile nach. Sie hatte das Haus in Chelsea zum Verkauf angeboten, und es hatten sich mehrere Interessenten gemeldet. Außerdem hatte sie geplant, zwei Landhäuser zu besichtigen, die ebenfalls zum Verkauf standen, um zu sehen, ob sie sich möglicherweise zu einem kleinen Hotel umbauen ließen. Aber es sprach nichts dagegen, den Interessenten ihr Haus vom Immobilienmakler vorführen zu lassen, und ihre Reise aufs Land konnte sie ebenso für ein paar Tage verschieben. Eve hatte geklungen, als ob sie wirklich Hilfe brauchte, und Darina hatte auf der Kochschule immer gern mit ihr zusammengearbeitet. Warum zögerte sie also jetzt? Ihr wurde bewusst, dass sie ein wenig mehr Zeit für sich selbst haben und ihre neugewonnene Unabhängigkeit genießen wollte. Sie hatte sich gerade den Luxus eines außergewöhnlich teuren Friseurbesuchs gegönnt. Und sie hatte sich auf einen langen Einkaufsbummel gefreut, mit der Aussicht auf einige weitere erholsame Tage, bis der Alltag sie wieder einholen würde. Aber für Egoismus war jetzt keine Zeit, denn Eve war in Schwierigkeiten – und schließlich ging es nicht darum, vor Publikum zu arbeiten.

Und nun war genau das eingetreten, was sie am meisten gefürchtet hatte: Sie stand vor einer Gruppe von dreißig überkritischen Frauen der gehobenen Mittelklasse – und alles ging schief. Es war ja nicht Claires Schuld, dass sie plötzlich an einer Magen-Darm-Grippe erkrankte, aber sie hätte sich auch kaum eine schlechtere Zeit dafür aussuchen können. Und nun dieses kulinarische Desaster. Was sollte sie bloß tun?

Darina holte tief Luft und legte den mit Schokolade und Eiscreme beschichteten Teig auf die Arbeitsfläche unter dem Spiegel. »Und jetzt habe ich eine kleine Überraschung für Sie«, teilte sie ihren Zuhörerinnen mit. »Wir werden diesen Nachtisch anders zubereiten, als es in Ihren Rezepten steht.«

Darina nahm ein großes Messer und begann, den Kuchen in gleichgroße, rechteckige Scheiben zu zerteilen, die sie anschließend übereinanderschichtete. Dann zerschnitt sie diesen Block in drei schmale Streifen und presste sie wieder aneinander, wobei sie den mittleren Streifen umdrehte.

»Sehen Sie sich bitte dieses Schachbrettmuster an«, sagte sie, indem sie das Endstück von dem Kuchen abschnitt. »Wir geben den Rest wieder zurück in den Kühlschrank, während ich diese Scheibe hier herumgehen lasse.« Sie wickelte den Kuchen in Alufolie, und ihre Assistentin stellte ihn in das Kühlfach.

Darina stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als sie hörte, wie eine Welle anerkennender Kommentare durch die Reihen der Zuschauerinnen ging. Durch diesen Erfolg ermutigt, zeigte sie den Frauen noch, wie man einen gefrorenen Savarinkuchen auftaute, ihn in warmem Sirup einweichte, die pochierten Apfel zusammen mit Orangenscheiben in die Mitte gab und schließlich das Ganze mit kandierten Orangenschalen dekorierte. Dann hatte sie es fast geschafft. Jetzt musste nur noch die Eisbombe zusammengestellt werden.

Die Eismaschine hinter ihr kam zum Stillstand. Darina drehte sich um, um eine Form und die Schüssel mit Schokoraspeln zu holen, deren winzige Kringel sie zuvor so sorgfältig mit einem Kartoffelschäler aus einem Block Schokolade gehobelt hatte. Sie geriet erneut in Panik, als sie bemerkte, dass sie die Schüssel zu nah am Herd hatte stehenlassen und die Schokoraspel schon fast zerschmolzen waren. Es war sicher das Beste, wenn sie diesen Fehler ehrlich zugab.

»Das ist nicht mein Tag heute«, wandte sie sich wieder an ihr Publikum, während sie die kleine Schüssel in die Mikrowelle gab und sie auf die niedrigste Stufe stellte. »Ich hätte die Schokoraspel im Kühlschrank aufbewahren sollen.« Dann bestrich sie das Innere der Form mit etwas Eiscreme, teilte den Rest in zwei Teile, gab die geschmolzene Schokolade dazwischen und zog schwungvoll eine Gabel durch die Masse. »Wenn wir die Torte jetzt aufschneiden, haben wir ein Marmormuster in der Mitte, statt der etwas spektakuläreren Variante, bei der beim Anschneiden die Schokoraspel hervorquellen.«

»Und Sie haben damit zwei Dessertideen in einem«, kommentierte Eve Tarrant, während sie auf die Demonstrationsfläche zuging.

»Ein perfektes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, nicht in Panik zu geraten«, fuhr sie fort, während sie sich dem Publikum zuwandte. »Wenn etwas schiefgeht, gibt es fast immer eine Möglichkeit, die Situation zu retten. Allerdings nur, wenn Sie nicht in Panik geraten. Denn falls es wirklich keine Alternativen gibt, hilft Ihnen Panik auch nicht weiter.« Sie lächelte aufmunternd.

»Und jetzt möchte ich Ihnen noch zeigen, was wir heute im Fernsehen präsentiert haben.« Sie setzte die große Platte, die sie getragen hatte, nieder, und als sie das Tuch abhob, kam darunter eine bunte Auswahl belegter Sandwiches zum Vorschein. Die Frauen erhoben sich von ihren Stühlen und kamen nach vorne, um die Köstlichkeiten in Augenschein zu nehmen. Da waren Garnelen auf grünen Salatblättern aufgereiht und mit zwei Ringen aus Zitronenschale garniert – eine Kreation, die man ‚Rush Hour‘ nennt, wie Eve erläuterte –, hauchdünne Scheiben aus zartrosa Roastbeef, die wellenförmig auf einer Lage Kartoffelsalat mit Schnittlauch verteilt waren und in einen Fächer aus aufgeschnittenen Gewürzgurken mündeten, Törtchen aus geräuchertem Lachs, gefüllt mit Kräuterrahmkäse und mit Dill bestreut, sowie ein kunstvolles Arrangement aus Hühnerbrust und gekochtem Ei auf Lollo Rosso, dessen bronzefarbene Blattränder den perfekten Hintergrund für das helle Fleisch abgaben.

»Sie werden nicht glauben, wie schwierig es für mich war, das hier für Sie aufzuheben. Die Fernsehleute wollten nämlich sofort alles aufessen. Morgen Vormittag werden wir lernen, wie man solche garnierten Sandwiches zubereitet, und nachmittags befassen wir uns dann mit Cocktailparties. Abschließend möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass sie alle Küchenmesser, Kasserollen und sonstigen Kochutensilien, die Darina während ihrer Vorführung benutzt hat, in unserem Verkaufsraum erwerben können.« Nach diesen Worten verließen die Frauen fröhlich plaudernd den Vorführraum.

Nachdem Eve sich vergewissert hatte, dass auch die letzte der Zuschauerinnen gegangen war, ließ sie sich auf einen Stuhl fallen. »Gut gemacht, Darina. Ich merke schon, du hast den Bogen in Nullkommanichts heraus.« Ihr Blick fiel auf den Schachbrettkuchen. »Eine neue Erfindung, wie ich sehe.«

Darina berichtete kurz, was passiert war, und fragte dann, wie es im Fernsehen gelaufen sei.

»Gar nicht so schlecht.« Eve konnte ein wenig Selbstzufriedenheit nicht verbergen. »Es war allerdings auch nicht sehr schwierig. Gute Sandwiches sind eine Frage der Zusammenstellung, und ich habe sie mit Absicht ganz einfach belassen, damit es keine Probleme geben konnte.« Darina warf einen Blick auf die Platte mit Eves raffinierten‘ Kreationen. Wenn das einfach war, was würde Eve dann kompliziert nennen? Aber die Arbeit schien sie tatsächlich nicht im mindesten erschöpft zu haben. Sie trug eine smaragdgrüne Taftbluse mit hohem Kragen und weiten Ärmeln zu einem grün und blau karierten Rock, in dem ihre Wespentaille hervorragend zur Geltung kam und sie ungemein schick aussah.

»Der Produzent hat was von ein paar Ideen für weitere Sendungen gemurmelt, deshalb glaube ich, dass wir da jetzt sozusagen einen Fuß in der Tür haben.«

»Wie ist es dir überhaupt gelungen, die erste Sendung zu bekommen?«, fragte Darina neugierig.

»Ich wusste, dass der Produzent auf einer Party sein würde, die wir ausrichten sollten, und habe mich auf die Gästeliste setzen lassen. Dann habe ich ihn einfach angesprochen und ihm von meinen Ideen für eine Kochsendung erzählt. Er hat mich sofort zu einer Vorführung eingeladen.« Eve stand auf und streckte sich. »Jetzt muss ich noch Claire anrufen, um zu fragen, wie es ihr geht. Du hast auch nichts von ihr gehört, nehme ich an? Na ja, wahrscheinlich hat sie sich irgendwo einen Virus eingefangen; es dauert eine Weile, bis das ausgestanden ist. Ich bin gleich wieder zurück und helfe dir bei den Vorbereitungen für die Dinnerparty heute Abend. Du weißt noch, was sie bestellt haben?«

»Einzelne Souffles aus Spinat mit Sardellenwürze, Fasan an Brombeercoulis, Pistazienpüree, Vichy-Karotten, Kartoffeln mit Wellenschliff, Kiwis in glasierter Sauce Sabayon und Savarinkuchen mit Apfeldekoration.« An dieser Stelle wies Darina zu dem Backblech mit dem nun beinahe vollständig aufgegangenen Teig. »Das war auch eine der Katastrophen heute Nachmittag. Ich hoffe nur, dass es Claire bis morgen besser geht, denn diese Vorführungen sind wirklich nicht meine Stärke.«

»Du brauchst nur ein bisschen Übung, Darina. Und solche kleinen Probleme gibt es doch immer mal wieder. Was zählt, ist, dass du offensichtlich imstande bist, mit ihnen fertig zu werden. Und jetzt deck diese Platte bitte wieder zu und bring sie nach unten. Das wird wohl reichen für unser Mittagessen.« Mit diesen Worten spazierte sie aus der Vorführküche.

Darina sah sich um. Das schmutzige Kochgeschirr war bereits in der Spülmaschine gesäubert und wieder eingeräumt worden. An jedem Ende der Demonstrationsfläche befanden sich vier in die Wand eingelassene Öfen. Dazwischen erstreckte sich eine große Arbeitsfläche mit einer Herdplatte. Die Regalbretter darunter waren mit Geschirr, Pfannen und anderem Kochgerät gefüllt. Vier große und zwei kleine Spülbecken sowie vier Kühlschränke vervollständigten die Einrichtung. In der Mitte des Vorführraumes konnten zwei große Koch- und Arbeitsplatten für Kochkurse installiert werden, die mehreren Stuhlreihen weichen mussten, wenn, wie heute, Kochvorführungen auf dem Programm standen.

An den Wänden hingen Plakate mit den Abbildungen von Kräutern, Pilzen, Weinanbaugegenden in Frankreich und Italien, einige gemalte Stillleben mit Früchten sowie Sträuße aus getrockneten Kräutern und Knoblauch- und Zwiebelzöpfe. In einer Ecke stand ein Gitter aus hellrotem Metall, in dem Löffel, Scheren, Spachtel, kleine Siebe, Schöpfkellen und andere Küchenutensilien aufbewahrt wurden. Es war nicht nur eine funktionelle, sondern auch eine ausgesprochen attraktive Einrichtung, um in die Kochkunst eingeführt zu werden.

Darina nahm das Blech mit dem Savarinteig, balancierte es zusammen mit der Platte, auf der die Sandwiches lagen, die Treppe hinunter, ging an dem kleinen Verkaufsraum vorbei, wo die Frauen gerade Küchenmesser ausprobierten und Eismaschinen kauften, und betrat die Catering-Küche. Es wurde langsam Zeit, die Schrecken der Kochvorführung zu vergessen und mit den Vorbereitungen für die heutige Abendgesellschaft zu beginnen.

Eve schloss die Tür zu ihrem Büro und ließ sich auf ihren Schreibtischstuhl sinken. Sie überflog den Stoß von Rechnungen und Briefen, der auf ihrem Schreibtisch lag, und warf dann alles mit einer ungeduldigen Geste in einen bereits überquellenden Ablagekorb. Dann drehte sie sich schwungvoll auf ihrem Stuhl herum. Durch die weißen Jalousien vor dem Fenster konnte sie die Rückseiten der eleganten Stadthäuser sehen, die einen kleinen Hof begrenzten.

Ein fahles Sonnenlicht fiel in den Hof. Die Häuser auf der gegenüberliegenden Hofseite traten in den Hintergrund, als ihr Blick an der langen Reihe Mülltonnen entlangwanderte und an dem Anbau haften blieb, in dem die Catering-Küche lag. Eve dachte mit Befriedigung an die gleichermaßen professionelle und attraktive Einrichtung, an die Öfen, Herde und Spülen aus Edelstahl, an die großzügige Arbeitsfläche und die blendend weiß getünchten Wände. Gleich würde sie wieder hinübergehen und Daisy Delameres Dinnerparty vorbereiten, ein Essen, das mit Sicherheit zum bereits nicht unbeträchtlichen Ruf des Wooden Spoon beitragen würde.

Eve überlegte, wie sie diesen Abend am sinnvollsten organisierte. Sollte sie das Essen servieren und Darina bitten, den Speisen in der Küche den letzten Schliff zu geben, oder sollte sie besser selbst in der Küche bleiben, um sicherzugehen, dass jeder einzelne Menügang so präsentiert wurde, wie sie es wollte?

Sie sah auf ihre Armbanduhr und stellte fest, dass es Zeit war, sich umzuziehen. Aber zunächst musste sie Claire anrufen.

Das Telefon läutete mehrere Male, bevor sich eine schwache Stimme meldete: »Eve, wie nett von dir, dass du anrufst. Ja, es geht mir schon etwas besser. Aber es war wirklich furchtbar. Ich hätte nie gedacht, dass eine simple Magen-Darm-Grippe einen so fertig macht.«

Eve wickelte sich eine Locke um den Finger. »Eine Freundin von mir hatte vor einigen Wochen das gleiche. Ihr ging es genauso furchtbar wie Dir jetzt – aber sie ist jetzt wieder völlig in Ordnung.«

»Du weißt nicht zufällig, ob noch einer der anderen Gäste am Sonntag krank geworden ist?« Claires Stimme klang zögernd.

Eve runzelte die Stirn und antwortete: »Nein, Monica hat angerufen, um zu sagen, wie sehr es Ralph und ihr gefallen hat – kein Wort davon, dass einem von ihnen das Essen nicht bekommen wäre. Kenneth war heute Vormittag hier, um seine Vorbereitungen für den Fototermin am Donnerstag zu treffen, und hat völlig gesund ausgesehen. Von Elizabeth und den anderen habe ich noch nichts gehört, aber auch Joshua und ich fühlen uns pudelwohl.« Sie hielt einen Moment lang inne und fragte dann entsetzt: »Du glaubst doch nicht etwa, du hast eine Lebensmittelvergiftung, oder?«

»Ich habe mich nur gefragt, ob mit den Pilzen alles in Ordnung war.« Claire äußerte diese Vermutung so vorsichtig, dass ihre Worte kaum hörbar waren.

Eve runzelte erneut die Stirn. »Du meinst, du hättest vielleicht einen giftigen erwischt? Das glaube ich nicht.«

»Na ja, da war schließlich dieser eine, vor dem uns Ralph so besonders gewarnt hat.«

»Aber den hat er doch sofort beseitigt, und außerdem alle anderen, bei denen er auch nur den geringsten Zweifel hatte. Nein«, fuhr sie bestimmt fort, »Ralph Cox ist ein absolut zuverlässiger Pilzkenner. Ich bin ganz sicher, es ist nur eine Magengrippe. Du musst dich warmhalten, reichlich Wasser trinken und erst wieder zur Arbeit kommen, wenn es dir wirklich besser geht. Darina kommt schon zurecht.«

»Wie macht sie sich denn?«

Eve kicherte. »Erstaunlich gut. Während ihrer Kochvorführung ist zwar so ziemlich alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen kann – es war beinahe klassisch –, aber sie war absolut souverän und hat sich sozusagen mit einer neuen Nachtischkreation gerettet. Jetzt muss ich aber Schluss machen, Claire, heute Abend ist Daisys Dinnerparty.«

Sie legte das schnurlose Telefon auf die Ladestation zurück, blieb noch einen Moment lang still sitzen, sprang dann plötzlich voller Energie auf und öffnete eine Tür in der Ecke des Raumes, hinter der eine kleine Duschkabine zum Vorschein kam. Während sie die Kleider ablegte, drehten sich ihre Gedanken um die Pilzwanderung am letzten Samstag.

Es war ein fantastisch schöner, sonniger Herbsttag gewesen und so warm, dass sie ihre Leinenhose und ein Leinenoberteil in einem warmen Goldton tragen konnte, von dem sie wusste, dass er wunderbar zu ihren Haaren passte. Joshua hatte sie auf eine Art und Weise angesehen, die sie an die Zeit erinnerte, als sie frisch verliebt waren. Ein Schauer lief über ihren Rücken, und der kam keineswegs von dem eiskalten Wasser, das auf sie niederprasselte.

Ralph hatte die Gruppe tief in einen Wald in Sussex geführt und sie dabei auf ungenießbare, schwammförmige Pilze aufmerksam gemacht, die an Baumstämmen wuchsen, und auf den grässlichen Tintenpilz mit seinem spitzen Hut, den nur ein Idiot für essbar halten konnte, wie Eve gedacht hatte, der aber anscheinend ganz harmlos war, jedenfalls, solange es sich um ein junges Exemplar handelte.

Ralph liebte es, die Führung zu übernehmen, die Regeln zu bestimmen und die Leute mit seinem Wissen zu beeindrucken. Er war ein unglaublicher Macho; seine Instinkte waren jederzeit unter der dünnen Decke aus Kultiviertheit spürbar. Als sie ihre Pilzwanderung zum Mittagessen unterbrachen, hatte sie einen Blick von ihm aufgefangen, der ihr Blut in Wallung brachte. Hatte Joshua es bemerkt?

Nein, er war vollauf damit beschäftigt, Claire beim Auspacken der Picknickkörbe zu helfen und die verschiedenen Salate anzurichten, die Darina zubereitet hatte. Er hatte lautstark seine Bewunderung geäußert, und das zu Recht, denn Darina war wirklich eine außerordentlich gute Köchin geworden. Eve hatte ihr nur gesagt, wie viele Personen teilnehmen würden und welche Zutaten eingekauft worden waren, und im Handumdrehen hatte sie die Salate gezaubert. Das Arrangement war nicht so spektakulär wie eines der ihren, aber es sah sehr hübsch aus und schmeckte vorzüglich. Schade, dass sie Darina nicht früher getroffen hatte. Sie wäre die ideale Partnerin. Ausgesprochen einfallsreich – vielleicht sogar zu einfallsreich? Einer von Claires großen Vorzügen war, dass sie nie versucht hatte, die erste Geige zu spielen.

Eve rieb sich kräftig mit einem Badehandtuch ab, bis sich ihre Haut rötete. Wann hatte Ralph noch einmal diesen giftigen Pilz gefunden? War es nach dem Mittagessen? Nein, vorher. Der Pilz hatte so harmlos ausgesehen, aber Ralph hatte ein furchtbares Getue gemacht und darauf bestanden, sich gründlich die Hände zu waschen, nachdem er ihn weggeworfen hatte. Er hatte sogar eine kleine Flasche mit Seifenwasser aus einer geräumigen Tasche in seiner Lederjacke gezogen. Er hatte erklärt, dass der Verzehr sogar dieses kleinen Exemplars absolut tödlich sei, und sie bekam noch jetzt, beim Gedanken an seine Worte, eine Gänsehaut … Sich vorzustellen, dass dieses kleine Ding ein Leben auslöschen könnte!

Aber der Pilz war zerstört worden, und damit war es absolut unmöglich, dass er zusammen mit den anderen Pilzen, die bei ihrer Feier zum einjährigen Bestehen des Wooden Spoon als Vorspeise gereicht wurden, gegessen worden war.

Und was für ein erfolgreiches Festessen war das gewesen. Eve schob den Gedanken an giftige Pilze beiseite und dachte zufrieden an den Beifall, den sie dafür bekommen hatte. Dann schlüpfte sie in eine blau-weiß gestreifte Kochhose, knöpfte die kurze weiße Husarenjacke zu, kämmte sich die wilden Locken aus dem Gesicht und bedeckte sie mit einem weißen Kopftuch. Dann warf sie das feuchte Badetuch in den Wäschekorb, prüfte, ob der Schreibtisch aufgeräumt war, und ging in die Küche.

Spät am Abend brachte Darina die letzte der dreißig Servierplatten aus Lady Delameres elegantem Speisesalon in die Küche. Eve stellte eine altmodische Geschirrspülmaschine an und meinte: »Ich fürchte, den Rest müssen wir mit der Hand spülen, es dauert sonst zu lange.« Sie nahm sich einen Apfelschnitz von der Platte mit den Resten des Savarinkuchens, steckte ihn in den Mund und lächelte glückselig. »Himmlisch, meine Liebe, einfach himmlisch.«

Während Darina die schmutzigen Teller neben dem Spülbecken stapelte, sagte sie: »Die Leute waren ganz begeistert von dem Essen.«

»Oh, das ist Musik in meinen Ohren. Was haben sie gesagt? Erzähl schon!« Eve ließ heißes Wasser in das Becken laufen, gab reichlich Spülmittel dazu und begann, das Geschirr abzuwaschen.

Darina lächelte. Eve war wie ein kleines Kind, das genau wusste, dass es seine Sache sehr gut gemacht hatte und trotzdem das Lob der Erwachsenen als Bestätigung brauchte. Also wiederholte sie die Kommentare, die sie gehört hatte, während sie sorgfältig das Silberbesteck abtrocknete. »Und dann hat noch jemand gesagt, er habe Hemmungen, etwas zu essen, weil sein Teller ein wahres Kunstwerk sei«, beendete sie ihren Bericht. »Er hat recht, es ist einmalig, wie du die Speisen komponierst.«

»Es macht mir einfach Spaß«, antwortete Eve schlicht. »Wenn ich ein Essen anrichte, ist das wie eine Meditation für mich. Ich werde absolut ruhig und entspannt dabei, und es ist, als ob das Leben plötzlich perfekt wäre.«

»Und – probierst Du Deine Köstlichkeiten auch?«, fragte Darina neugierig, wobei sie an ihren ständigen Kampf mit den Pfunden dachte und Eve anschaute, die so aussah, als wisse sie gar nicht, was eine richtige Mahlzeit bedeutete.

»Naja, natürlich liebe ich gutes Essen, aber für mich ist der Geschmack eins mit der Optik. Es muss fantastisch aussehen, dann schmeckt es auch fantastisch.«

»Ich glaube, ich werde noch viel von dir lernen.«

»Aber Darina, du bist eine wunderbare Köchin.« Eve klang aufrichtig, und Darina merkte, dass sie sich geschmeichelt fühlte. »Das Essen, das du für das Picknick am Samstag zubereitet hast, war großartig.«

Und du hast kaum etwas davon gegessen, dachte Darina und erinnerte sich, wie Eve herumgestochert und jeden Bissen mit einem Schrei des Entzückens bedacht hatte, was etwas übertrieben wirkte in Anbetracht der winzigen Mengen, die sie tatsächlich zu sich genommen hatte. Aber vielleicht war das eben die Art, wie sie sich ernährte, hier ein wenig, da ein wenig.

»Ich wünschte nur, du hättest an unserem Festessen am Sonntag teilnehmen können, das war wirklich etwas Besonderes. Allein die Pilze waren absolut göttlich.«

Darina musste wieder lächeln. Die Begeisterung ihrer Freundin war einfach entwaffnend, obwohl man sich kaum vorstellen konnte, wie es diese zerbrechliche Gestalt fertigbrachte, ein viergängiges Mittagsmenü für vierzig Personen zu kochen und dabei noch die Gastgeberin zu spielen. Allerdings war Claire ja noch da gewesen, um zu helfen.

»Mit wem hattest du dieses Rendezvous, weswegen du nicht kommen konntest?«, fragte Eve jetzt mit leicht anzüglichem Unterton, und Darina spürte, wie sie errötete.

»Es war nur eine Verabredung mit einem Freund, aber ich konnte ihm unmöglich absagen, denn wir hatten dieses Treffen schon seit Urzeiten geplant.«

»Mir kannst du nichts vormachen, es war doch sicher jemand ganz Spezielles.«

Darina protestierte zwar, aber Eve lächelte nur wissend, während sie frisches Spülwasser in das Becken laufen ließ.

War William Pigram etwa jemand Spezielles, fragte sich Darina, während sie sorgfältig eine Gabel abtrocknete. Sie musste zugeben, dass er Charme hatte. Er war größer als die meisten Männer, die sie kannte, und überragte sie sogar, wenn sie Schuhe mit hohen Absätzen trug. Außerdem hatte er einen scharfen Verstand und war auf erfrischende Weise humorvoll. Aber er war Polizist, ein Kriminalbeamter, der sie einmal beinahe wegen Mordes verhaftet hätte, und wenn sich dieser schreckliche Verdacht schließlich als falsch herausgestellt hatte, dann hatte sie das nicht ihm zu verdanken.

Als er sie angerufen und zum Mittagessen eingeladen hatte, war es ihr erster Impuls gewesen, abzulehnen. Dann hatte er ihr erklärt, dass er für ein paar Urlaubstage aus Somerset nach London komme, und wenn ihr Sonntagmittag nicht passe, dann könnten sie sich doch zu einem Abendessen in der folgenden Woche verabreden. Daraufhin war ihr das Mittagessen am Sonntag als die weniger verfängliche Alternative erschienen, und sie hatte zugesagt. Als sie dann Eve getroffen hatte und zu dem Festessen eingeladen wurde, hätte sie eine perfekte Ausrede gehabt, um William anzurufen und das Treffen abzusagen. Aber sie hatte es nicht getan.

Stattdessen hatte sie ihn am Sonntag in ihrer Wohnung mit dem Gefühl erwartet, dass sie das Ganze nur schnell hinter sich bringen wollte. Und auch als sie ihm die Tür öffnete, tat sie es eher widerstrebend. Als er sie jedoch mit so offensichtlicher Wiedersehensfreude anstrahlte, hatte sie plötzlich gemerkt, wie sich ihre Stimmung hob.

Sie hatte ihn auf einen Drink hereingebeten. Er nahm ein Glas Weißwein und sah sich interessiert in ihrem Wohnzimmer um.

»Das ist also ihr Chelsea-Domizil. Sehr schön. Das hier gefällt mir besonders«, mit diesen Worten legte er eine Hand auf eine der Säulen, auf denen eine Bogenkonstruktion ruhte, die den Raum in zwei Hälften teilte. Dann ging er weiter herum, betrachtete sich die Bilder an den Wänden, nahm eine oder zwei der vielen kleinen Kostbarkeiten in die Hand, die auf den antiken Möbeln verteilt waren, und blieb dann vor den Glastüren stehen, die in den Garten mit einem steinernen Pfad, einigen Blumenbeeten und zwei antiken Statuen führten.

Ein wenig scheu beobachtete sie ihn, während er durch den Raum ging und die Einrichtung studierte, von der sie noch immer nicht ganz glauben konnte, dass sie tatsächlich ihr gehörte. Er bewegte sich absolut frei und sicher und wirkte dabei keineswegs aufdringlich, sondern so, als würde er sich problemlos in diese Umgebung einfügen. Offensichtlich hatte er die erstaunliche Gabe, die Atmosphäre des Hauses in sich aufzunehmen und gleichzeitig widerzuspiegeln.

»Es ist ein besonders schöner Raum, und er passt zu Ihnen. Ich sehe Sie vor mir, wie Sie hier sitzen und ein Buch lesen oder fernsehen.«

»Das stimmt. Ich wohne wirklich gern hier, aber ich fürchte, nicht mehr lange. Ich verkaufe das Haus.«

»Tatsächlich?« Es klang schockiert.

»Ich kann es mir einfach nicht leisten. Haben Sie eine Ahnung, wie hoch die Betriebskosten für so ein Haus sind? Und außerdem war es doch schließlich Ihr Vorschlag, dass ich mit dem Verkauf mein ‚Traumhotel‘ finanzieren sollte.«

Er lächelte verschmitzt und sah dabei aus wie ein frecher Schuljunge. »Aha, also alles meine Schuld, ja? Na gut, dann lassen Sie uns jetzt gehen. Ich habe einen Tisch im Connaught reserviert. Sie wollten mir ja nicht sagen, wo man sonntags am besten zu Mittag essen kann, deshalb habe ich meinen Onkel um Rat gebeten.«

Voller Vorfreude – Darina hatte selten die Gelegenheit, Michel Bourdins Kochkünste zu genießen – holte sie ihren Mantel und ließ ihn ein Taxi herbeiwinken.

Es war ein sonniger Tag, beinahe so warm wie der vorangegangene, und während der Fahrt erzählte sie William von der Pilzwanderung. »Ich habe nie gewusst, wie viele Sorten essbarer Pilze in Sussex wachsen. Sie hätten sehen sollen, welche Mengen die Leute gesammelt haben, und das schon vor dem Mittagessen. Ich glaube, hinterher ist es sogar noch viel mehr geworden.«

»Sie haben sich nicht an der Suche beteiligt?« Inzwischen hatten sie das Restaurant betreten, und William hatte sie an ihren Tisch geführt und ihr einen Platz angeboten, von dem aus sie den holzgetäfelten Raum bestens überblicken konnte.

»Nein, ich habe nur die Speisen für das Picknick hingefahren und später die Reste und das Geschirr wieder mitgenommen. So mussten die Gäste am Ende der Wanderung nicht zurücklaufen, und Eve und Claire haben bei ihrer Rückkehr eine saubere Küche vorgefunden.«

»Was ist aus all den Pilzen geworden?«

»Eve hat sie für die Vorspeise des Essens benutzt, das sie heute gibt.« Darina erzählte ihm kurz von dem einjährigen Jubiläum.

William sah sie amüsiert an. »Sie waren doch sicher ebenfalls eingeladen. Ich fühle mich geschmeichelt.« Sie lachte, und er fuhr etwas wehmütig fort: »Naja, ich kann mir denken, dass sie gedacht haben, wenn Sie heute absagen, würde ich Sie mit meiner Einladung zum Abendessen nerven. Nein, sagen Sie nichts, es tut mir leid, dass Sie diesen Eindruck hatten. Aber jetzt erklären Sie mir lieber, wie Sie beim Wooden Spoon gelandet sind. Ich dachte, Sie hätten Ihren eigenen Catering-Service?«

Darina erzählte, wie sie das Unternehmen an ihre Mitarbeiterin übergeben hatte, um sich den Traum von einem eigenen Hotel zu erfüllen, von ihrem zufälligen Zusammentreffen mit Eve, sprach kurz über deren Firma und beschrieb einige der Speisen, bei deren Zubereitung sie am Freitag geholfen hatte.

William zog eine Grimasse. »Das klingt wie die Art von Essen, die ich nicht ausstehen kann. Ein Maximum an Form mit einem Minimum an Substanz. Während dieses hier nicht nur toll aussieht, sondern auch noch ein richtiges Essen ist.« Damit hob er die Gabel mit einem Bissen der Spezialität des Hauses, Beef Wellington, zum Mund und kaute es genüsslich.

»Ja, ich habe Sie bereits als den Rindsbraten-Typ klassifiziert.«

»Und was soll das heißen?«

»Dass Sie etwas kultivierter sind als der Steak-Typ.«

»Aber genauso ein Macho wie der, stimmt’s? Nur keine Ausflüchte, das ist doch das, was Sie von mir denken. Aber das Spiel gefällt mir. Mal sehn, wie ich Sie klassifizieren würde.«

Darina wartete geduldig, während seine grauen Augen sie forschend betrachteten.

»Ich hab’s: Creme brûlée. Man muss sich zuerst durch die verbrannte Kruste beißen, aber dann wird man durch die köstliche Creme darunter reichlich belohnt.«

»Ich gehe mal davon aus, dass das als Kompliment gemeint war.«

»Es ist eine meiner Lieblingsnachspeisen«, sagte er und erhob sein Weinglas. »Und wie ist es mit Ihrer Freundin Eve – mit welcher Speise würden Sie sie vergleichen? Nach allem, was Sie mir über sie erzählt haben, sehe ich sie als eine von diesen komplizierten Vorspeisen mit einem langen französischen Namen, die ungemein schick aussehen und nach nichts schmecken.«

»Offensichtlich habe ich da einen falschen Eindruck von ihr vermittelt. Ihre Art der Kochkunst ist einfach nicht mein Stil, aber ich lerne eine Menge von ihr. Durch Eve wird mir bewusst, wie wenig Fantasie ich beim Kochen habe. Sie wäre niemals damit zufrieden, ein Kotelett lediglich als Kotelett zuzubereiten. Es muss mindestens gefüllt oder in Teig gewickelt oder in einer speziellen Soße gekocht sein. Daneben sieht meine Art, die Speisen auszurichten, wie das Mittagessen in einem Kindergarten aus.«

»Ich erinnere mich daran, dass Sie ganz fabelhaft kochen.«

Darina dachte an die historischen Rezepte, die sie während des traumatischen Wochenendes zubereitet hatte, an dem sie William zum ersten Mal begegnet war. William hatte offensichtlich den gleichen Gedanken, denn er fuhr fort: »Aah, das war ein Essen nach meinem Geschmack. Und ich glaube, das kommt auch wieder in Mode. Die Franzosen nennen es cuisine gran’mère, dabei schmeckt es ganz und gar nicht so wie »bei Muttern«.

Meine Mutter ist nämlich eine grauenhafte Köchin. Glücklicherweise macht sie sich meistens nicht einmal die Mühe zu kochen – sie ernährt sich und meinen Vater von Tiefkühlkost und sagt, als Politikerin sei sie viel zu beschäftigt, um ihre Zeit in der Küche zu verplempern. Wenn sie Gäste zum Essen hat, engagiert sie jemanden, der kocht. Wahrscheinlich sind es Leute wie meine Mutter, denen Sie und Ihre Freundin ihr Geschäft zu verdanken haben.«

»Auf Ihre Mutter«, sagte Darina und erhob ihr Glas mit dem ausgezeichneten Wein, den William ausgewählt hatte. Sie fühlte sich ungemein wohl. Das Essen war hervorragend, und das Ambiente in seiner Mischung aus Herrenclub und Landhaus ebenso gepflegt wie entspannend. Das Restaurant war angenehm gefüllt mit interessant aussehenden Gästen, und am interessantesten fand sie den, der ihr gegenübersaß. Alle Vorbehalte waren wie weggeblasen. Vielleicht hatte sie sich in letzter Zeit zu sehr auf ihre berufliche Karriere konzentriert und dabei vergessen, wie angenehm es sein konnte, mit einem attraktiven Mann auszugehen.

»Wir sollten das wiederholen«, meinte William, während er sich den Brot-und-Butter-Pudding, eine weitere Spezialität des Hauses, schmecken ließ. »Wie wär’s mit einem Abendessen in der nächsten Woche?«

»Wo wohnen Sie?«

»Bei meinem Onkel und meiner Tante in der Nähe vom Sloane Square – gar nicht weit von Ihnen, übrigens.«

Darina überlegte. Das war offensichtlich der Onkel, der das Connaught vorgeschlagen hatte. Obwohl William behauptete, nicht zu wissen, wohin man in London am Sonntag zum Essen ausging, hatte er keine Hemmungen gezeigt, in einem der exklusivsten Restaurants der Stadt zu speisen und auch angesichts der Preise nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Er entsprach ganz und gar nicht ihren Vorstellungen von einem Polizisten. Hatte er ihr damals nicht erzählt, er habe seine berufliche Laufbahn im Außenministerium begonnen und sei dann in der Londoner Geschäftswelt tätig gewesen, bevor er Polizist wurde? Das erklärte wohl seine unaufdringliche Weltgewandtheit.

»Also, wie sieht’s aus mit einem Abendessen?«, drängte er sanft.

Darina zögerte nicht. »Das wäre schön. Ich weiß nicht, wie lange Eve mich noch braucht, aber ich bin sicher, ich kann mir einen der nächsten Abende freihalten.«

»Wunderbar. Dann rufe ich Sie morgen an.«

»Es ist besser, wenn ich Sie anrufe, denn ich arbeite morgen den ganzen Tag und wahrscheinlich auch am Abend.«

Er gab ihr die Nummer seines Onkels und schlug dann einen kleinen Spaziergang über den Grosvenor Square zum Hide Park vor.

»Ach, das ist schön«, rief Darina aus, während sie mit den Füssen die vielen Blätter aufwirbelte, die sich unter den Bäumen angesammelt hatten. »Ich vermisse das Landleben. Was gibt’s Neues in Somerset?«

»Nicht viel«, meinte er lakonisch.

»Wie steht’s mit der Verbrechensbekämpfung? Irgendwelche Morde oder dergleichen?«

»Nein, es gab in letzter Zeit keine besonders dramatischen Vorkommnisse, nur die üblichen Fälle – Diebstahl und jugendlicher Vandalismus.«

»Und damit kommen Ihre Kollegen diese Woche auch ohne Sie zurecht?«

»Naja, gerade so.«

Sie schlenderten angeregt plaudernd von Knightsbridge in die Sloane Street und die King’s Road entlang, bis sie vor Darinas Haus ankamen. Seine Gesellschaft war so angenehm, dass sie es ein wenig bedauerte, als er ihre Einladung zum Tee dankend ablehnte.

»Ich würde schrecklich gern, aber ich habe meinem Onkel und meiner Tante versprochen, dass ich sie zu einem Wohltätigkeitskonzert begleite. Ich freue mich aber schon sehr auf unser nächstes Essen.« Er winkte ihr zum Abschied kurz zu und ging dann die Straße zurück.

»Ich wette, es war der, mit dem du auch am Mittwochabend ausgehst«, nahm Eve jetzt ihre Spekulationen wieder auf, nachdem sie den letzten Topf geschrubbt und das Spülwasser abgelassen hatte.

»Bist du auch sicher, dass du mich da nicht brauchst?«

»Das dürfte kein Problem sein, obwohl wir am Mittwoch die Dinnerparty für Monica Cox ausrichten. Sie ist die Frau von Ralph, dem Pilzexperten. Er hat einen Großhandel für Früchte und Gemüse und beliefert die besten Restaurants und Hotels in London. Monica ist äußerst anspruchsvoll, und deshalb bestellt sie das Essen immer bei uns. Aber solange du uns bei den Vorbereitungen helfen kannst, müssten wir am Abend schon klarkommen. Claire sollte dann wieder gesund sein, und vielleicht ist Jo bis dahin auch wieder zurück. Also geh ruhig aus und mach dir einen schönen Abend.«


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Mord2_klein

Janet Laurence begann ihre berufliche Laufbahn in der Öffentlichkeitsarbeit. Später zog sie mit ihrem Mann nach Somerset und leitete dort Kochkurse. Nebenbei schrieb sie regelmäßig für den Daily Telegraph und verfasste eine wöchentliche Kolumne zum Thema Kochen. Heute schreibt sie sowohl Kochbücher als auch Kriminalromane und lebt mit ihrem Mann in England und in der Bretagne.

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