Traue niemals Mr. Right?

1. Kapitel

Sommer 2015

Diese Reise würde mein Leben verändern. Dessen war ich mir hundertprozentig sicher. Wenn wir nach diesem Wochenende zurück nach Wien kämen, würde sich mein Schicksal zum Positiven wenden. Ich würde endlich meiner großen Liebe begegnen. Ich wusste es tief in meinem Herzen.

Nun saß ich im Flieger nach Frankfurt und hatte den schlechtesten Sitzplatz in diesem Flugzeug erwischt. Es waren nur mittlere Sitzplätze zwischen Fensterplatz und Gangsitz frei gewesen. Meine Freundin und Kollegin Barbara saß eine Reihe vor mir, Emma zwei Reihen weiter hinten. Und ich hatte das sagenhafte Glück, auch noch bei den Sitznachbarn den Joker gezogen zu haben.

Links von mir machte sich eine Frau breiter, als sie eigentlich war. Von der ersten Sekunde an hatte ich ihren Ellenbogen in den Rippen. Sie rutschte ständig auf ihrem Po hin und her, sodass ich das Gefühl hatte, ein Duracell-Häschen säße neben mir. Ich kam gar nicht richtig zur Ruhe, weil die Frau das Tischchen vor sich herunterklappte und irgendwelches Zeug aus ihrer Tasche kramte. Da wurden ein Stift und ein Block hervorgeholt, der auf den Boden fiel, als sie Unterlagen danebenschob. Anscheinend wollte sie sich auf einen geschäftlichen Termin vorbereiten. Für Mäppchen und Block war der Klapptisch aber einfach zu klein. Fast sehnsüchtig linste sie auf meinen. Überlegte sie, den auch in Beschlag zu nehmen? Das konnte sie sich abschminken!

Ich wandte mich rasch zur anderen Seite. Wenn ich aus dem Fenster sah, würde sie es hoffentlich nicht wagen, mich danach zu fragen. Um nach draußen sehen zu können, musste ich direkt an der Nase des Mannes rechts von mir vorbeiblicken. Ärgerlicherweise empfand er das als Aufforderung, mir seine Aufmerksamkeit zu schenken.

„Ein wunderschöner Tag zum Fliegen“, bemerkte er.

Ich lächelte ihn nur unverbindlich an, antwortete aber nicht.

„Gleich durchbrechen wir die Wolkendecke“, fuhr er ungerührt fort, „dann ist der tolle Ausblick leider verschwunden.“

Na, den Smalltalk hatte er ja super drauf. Solange er mir keine konkrete Frage stellte, musste ich ihm wenigstens nicht antworten.

Eigentlich wirkte er ganz schnuckelig. Er hatte dunkelbraune, kurze Haare, ein kantiges Gesicht und braune, tiefliegende Augen, weshalb man ihm den gefährlichen Bad Boy abgenommen hätte, wäre dieses übertrieben gutgelaunte Lächeln nicht gewesen. Er trug einen schwarzen Anzug und ein hellgraues Hemd. Elegant, aber gleichzeitig modisch. Das stand ihm gut. Dieser nette, gutaussehende Geschäftsmann würde eine Frau bestimmt sehr glücklich machen können. Mich allerdings nicht. Er war mir viel zu gesetzt. Er hätte mir nicht einmal gefallen, wäre er nicht zur falschen Zeit in meinem Leben aufgetaucht.

Nach diesem Wochenende würde ich mich auf die Suche nach Mr. Right begeben. Schließlich wartete ich schon lange genug sehnsüchtig darauf, dass mein Ritter in strahlender Rüstung mich endlich fand. Ich würde die Sache selbst in die Hand nehmen, sobald ich ES besorgt hatte.

Das perfekte Kleid. Das Kleidungsstück, das meine Fantasie seit Jahren beflügelte und das mir endlich den Royal Flash im Liebespoker bescheren würde. Meine Freundinnen erklärten mich jedes Mal für verrückt, wenn ich davon redete, aber für mich war es ein Zeichen, dass es uns an diesem Wochenende wieder nach Frankfurt verschlug.

Ich musste nur noch den richtigen Laden finden. Mit etwas Glück hatten sie das Kleid noch vorrätig und es würde mir passen. In meinem Traumkleid würde mich niemand übersehen. Und dann konnte er kommen. Mein Traummann.

„Fliegen Sie öfter?“, fragte der Fremde vom Nebensitz.

Ganz schön hartnäckig. Ich zuckte lächelnd mit den Schultern. Wenn er dachte, ich würde ihn nicht verstehen, gab er vielleicht auf.

„Sind Sie geschäftlich nach Frankfurt unterwegs?“, bohrte er weiter nach.

Noch einmal lächelte ich höflich und deutete auf mein Ohr. Fiel der Groschen jetzt?

Barbara drehte sich zu mir um. „Alles klar hier hinten? Hast du die Zunge verschluckt, Maxime?“

Damit war meine Muttersprache kein Rätsel mehr. Ich räusperte mich. „Frosch im Hals.“

Ich ignorierte dabei ihr freches Grinsen. Innerlich seufzend wandte ich mich meinem Sitznachbarn zu. „Meine Freundinnen und ich machen einen Lehrgang in Frankfurt.“

„Maxime. Ein außergewöhnlicher Name.“

Wenn er mit einem „für eine außergewöhnliche Frau“ oder ähnlichem Schwachsinn fortfuhr, würde ich ihm eine Szene machen.

„Stammen Ihre Eltern aus Frankreich?“

Die Frage ließ ich ihm durchgehen.

„Nein. Mein Vater hatte bloß ein Faible für das Theatralische.“

Und für die Tänzerin aus dem Stripklub nicht weit von der elterlichen Wohnung entfernt. Für seine Inspiration bei der Namensgebung hatte er meine Mutter kurz darauf verlassen.

Trotzdem glaubte ich immer noch an die große Liebe. Mein Vater hatte sie schließlich auch gefunden. Bloß nicht bei meiner Mutter.

„Ging er gerne ins Theater?“

Neugierig beugte sich meine andere Sitznachbarin näher heran und rammte mir dabei den Ellenbogen in die Rippen. „‘Tschuldigung“, nuschelte die Frau, ohne ihr Starren zu unterbrechen.

Gab es nichts Spannenderes in diesem Flugzeug?

Ich rollte mit den Augen. „Die Aufführungen, die er sich angesehen hat, waren künstlerisch nicht sonderlich wertvoll.“

Vielleicht sollte ich die Kopfhörer aus der Tasche vor meinem Sitz fischen. Filme wurden auf diesem Kurzflug natürlich nicht gezeigt. Möglicherweise fand ich einen Radiosender, der brauchbare Musik spielte.

Gerade als ich feststellte, dass keine Kopfhörer vorhanden waren, erschien die Flugbegleiterin neben uns.

„Was darf ich Ihnen anbieten?“, fragte sie meine ellenbogenrammende Nachbarin.

„Darf ich Sie zu einem Drink einladen?“, erkundigte der Fremde sich bei mir. „Mein Name ist übrigens Tim.“

„Das Getränk ist gratis, Tim.“ Ich hob eine Augenbraue.

„Es dürfen ruhig auch mehrere sein. Heute habe ich meine Spendierhosen an“, fuhr er ungeniert fort.

Gegen meinen Willen bemerkte ich, wie sich meine Mundwinkel nach oben zogen. Schnell zwang ich mich wieder zu einem ernsten Gesichtsausdruck.

„Ich trinke nicht.“

„Nichts für Sie?“, wollte die Stewardess wissen.

„Doch, ein Wasser. Danke.“

Aus der Reihe vor uns war Gelächter zu hören. Ich wusste genau, dass es sich um Barbara handelte. Die hätte sich längst an Tim herangemacht. Naja, vielleicht wäre er ihr auch zu langweilig.

Tim bestellte einen Kaffee. „Vielleicht möchten Sie heute Abend ein Glas Wasser mit mir trinken? Ich habe auch morgen Mittag Zeit, wenn Ihnen das besser passt, oder …“

„Stopp“, unterbrach ich ihn. „Sie sind ein netter Kerl, Tim. Ihr Humor spricht für Sie. Aber leider haben Sie ein furchtbar schlechtes Timing. Ich bin nur ein Wochenende lang in Frankfurt und im Augenblick nicht auf der Suche nach einem Date. Noch nicht.“

„Wann ändert sich das denn?“, fragte er geradezu penetrant.

„Sobald der magische Fummel, auf den sie fixiert ist, ihren Traummann herbeigezaubert hat“, feixte Barbara von vorne.

„Halt dich da raus!“, zischte ich.

Kichernd setzte Barbara sich wieder vernünftig hin. Ich konnte hören, wie sie ein Glas Sekt bestellte und verdrehte die Augen. Sie hatte bislang noch kein Verständnis für meine Pläne gezeigt und würde es auch in Zukunft nicht tun. Am liebsten hätte sie mich mit irgendeinem Kerl gesehen, weil sie glaubte, ich hätte zu wenig Spaß im Leben. Dabei ging es mir um viel mehr. Ich war endlich bereit für den großen Paukenschlag, das weltverändernde Erdbeben, die absolute Erschütterung meines Herzens, die große Liebe. Warum sollte ich mich noch länger mit weniger zufriedengeben?

„Ich verstehe nur Bahnhof“, gestand Tim.

„Das muss sich auch nicht ändern. Ich lasse Sie jetzt einfach Ihren Kaffee genießen, lehne mich zurück und schließe die Augen.“

Die Frau auf meiner anderen Seite gab ein missbilligendes Geräusch von sich. Anscheinend hatte sie auf eine gute Geschichte auf diesem Flug gehofft, die sie daheim weitererzählen konnte. Bei mir würde sie nicht fündig werden.

„Das ist wirklich schade.“ Tims Stimme klang immer noch höflich. „Sie haben wunderschöne Augen.“

War das denn zu fassen?

„Danke für dieses Kompliment. Meine Antwort lautet trotzdem Nein.“

„Wenn sie nicht will, können Sie gerne mich einladen“, schlug meine Sitznachbarin vor. „Ich verspreche, nicht nur Wasser zu trinken.“

Tim räusperte sich. „Sehr freundlich, dass Sie einspringen möchten. Aber das wird hoffentlich nicht notwendig sein. Wohnen Sie in Wien, Maxime?“

Mein Brummen sollte er auffassen, wie er wollte.

„Sie haben angedeutet, Sie könnten Ihre Meinung zu Dates nach diesem Wochenende ändern. Ich fliege morgen Abend zurück. Warum geben Sie mir nicht Ihre Nummer …“

„So klappt das nicht, Tim. Vergessen Sie, was immer Sie sich erhoffen. Bei mir können Sie nicht landen.“

„Warum sind Sie davon so überzeugt?“

Dieser Typ wusste nicht, wann es genug war. Vielleicht wurde ich ihn los, wenn ich ihm mein Geheimnis erzählte. „Ich hatte da diesen Traum. Darin habe ich Mr. Right kennengelernt. Aber die Umstände waren ganz anders. Darum wird das nichts mit uns beiden.“

Er hob eine Augenbraue. „Weil du es geträumt hast?“ Wie nebenbei wechselte er in eine vertraulichere Anrede.

Ich nickte und runzelte die Stirn. „Waren wir nicht gerade noch beim Sie?“

„Wir erfahren gerade so viel Interessantes übereinander. Da dachte ich, das wäre für dich in Ordnung. Aber wenn es dich stört, kehre ich wieder zum Sie zurück.“

„Mit deiner Aufdringlichkeit hast du mir deine schlechten Manieren ohnehin schon bewiesen. Also setzen wir das auf die Liste der Dinge, die gegen dich sprechen, und belassen es dabei.“

„Schön. Zurück zu unserer Diskussion. Bevor die Umstände nicht diesem Traum entsprechen, verabredest du dich nicht?“

Neuerlich bestätigte ich das mit einem Nicken.

„Und wenn das nicht funktioniert?“

Blinzelnd runzelte ich die Stirn. „Wieso sollte es nicht funktionieren?“

„Wenn dieses Kleidungsstück die Welt nicht in ein rosa Regenbogenland verwandelt? Was machst du dann? Könnte es nicht passieren, dass du dich ärgerst, das Date mit mir abgelehnt zu haben?“

„Definitiv“, mischte sich meine linke Sitznachbarin ein und rammte mir schon wieder den Ellenbogen in die Rippen.

„Nö. Ich stelle mir meinen Traummann etwas anders vor als dich“, sagte ich ungeniert.

„Nicht so interessiert?“, erkundigte er sich mit einem Lachen in der Stimme.

„Nicht so glattgebügelt“, antwortete ich wenig nett. Sollte er doch versuchen, mich zu provozieren.

„Kann es sein, dass du ziemlich überzogene Ansprüche an den Mann stellst, der dich dann auch ertragen muss?“

Ich riss die Augen auf. „Jeder Mann, dem ich einmal mein Herz schenke, kann sich glücklich schätzen! Schließlich bin ich klug, witzig und charmant.“

„Und du hast viel zu hohe Erwartungen. Vergiss nicht, Mr. Right das auch gleich zu sagen. Er muss es mit einer Traumvorstellung aufnehmen können. Dessen sollte er sich besser von Anfang an bewusst sein.“

Ach, sollte Tim mich ruhig aufziehen. Er hatte ja keine Ahnung! Beim Richtigen würden keine langen Erklärungen notwendig sein. Es ergäbe sich alles von selbst. Ich müsste ihn nur ansehen, ein Lächeln – und plötzlich wäre alles zwischen uns klar.

Nicht so wie bei Tim. Ich warf ihm einen finsteren Blick zu. Seine Augen blitzten amüsiert. Auf einmal wirkte er gar nicht mehr so brav wie noch zuvor. Er genoss es tatsächlich, sich über mich lustig zu machen!

„Du verstehst Frauen offensichtlich überhaupt nicht“, blaffte ich. „Kein Wunder, dass du keine Freundin hast. Du hältst uns für hoffnungslose Romantikerinnen? Genau das sind wir tief in unserem Herzen! Ich bin stolz darauf, mir das noch immer bewahrt zu haben. Also verschwende deine flachen Sprüche nicht an mich. Bestimmt wartet irgendwo da draußen eine ebenso desillusionierte Seele auf dich, wie du eine bist.“

„Oder hier drinnen“, flötete meine Sitznachbarin.

Diesmal landete mein Ellenbogen in ihrer Seite. Jetzt verging ihr hoffentlich endlich ihr dämliches Grinsen. Was sollte überhaupt diese sinnlose Flirterei? Sie war viel älter als Tim.

„Eigentlich finde ich es ziemlich romantisch, hier über den Wolken eine wildfremde Frau um ein Date zu bitten. Möglicherweise bin ich beim Flirten nicht allzu geschickt. Aber wenn du mir eine Chance gegeben hättest, wäre das der perfekte Anfang einer Liebesgeschichte gewesen. Sowas erzählt man Freunden doch gerne über das erste Kennenlernen.“

„Kann man sehen, wie man will.“ Es ärgerte mich, dass er irgendwie recht hatte. Unsere Begegnung gäbe eine gute Kennenlerngeschichte ab. Deswegen sollte er trotzdem nicht hoffen, ich würde doch noch mit ihm ausgehen.

„Es passt einfach nicht zu meinen Vorstellungen“, erklärte ich. „Tut mir leid.“

„Zu schade. Mit dir wäre mir bestimmt nicht langweilig geworden.“ Er lachte. „Möglicherweise hatte ich aber auch Glück. Bei den Anstrengungen, deinen übertriebenen Erwartungen gerecht zu werden, hätte ich mir vermutlich das Rückgrat verrenkt. Und ich bin eigentlich sehr stolz darauf, eines zu besitzen.“

Ich hatte es ja gewusst. Er knickte ein, tat so, als wäre es ihm egal, eine Abfuhr kassiert zu haben. Er legte sich gar nicht richtig ins Zeug.

„Wie schon erwähnt, ich habe heute Abend noch nichts vor“, erinnerte uns die Frau neben mir.

„Tut mir leid. Mein Herz ist gerade gebrochen worden. Für eine andere Frau bin ich noch nicht bereit.“ Tim seufzte theatralisch.

„Soll ich Ihnen meine Nummer geben, falls der Herzschmerz doch schneller verfliegen sollte als gedacht?“

„Er hat es jetzt wirklich kapiert, glauben Sie mir!“, fauchte ich ungehalten. „Sie sind noch zu haben und dringend auf der Suche nach einem Date. Wenn ich bedenke, wie still es in den Reihen um uns geworden ist, haben das auch die übrigen Fluggäste gehört. Hat zufällig einer von Ihnen Lust, diese interessante Dame näher kennenzulernen?“

Bestimmt hätte man in der folgenden Stille eine Stecknadel fallen hören können.

Die Frau neben mir wurde puterrot, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte reglos geradeaus. Tim schnalzte missbilligend mit der Zunge. Und mir wurde klar, übers Ziel hinausgeschossen zu sein.

„Tut mir leid.“ Ich versuchte die Aufmerksamkeit meiner Sitznachbarin zurückzuerhalten. „Das war nicht nett von mir. Vielleicht finden Sie ja auch bald Ihren Traummann, so wie ich es werde.“

Neben mir schnaubte Tim.

„Aber der ist es ohnehin nicht“, fuhr ich mit einem Blick auf ihn fort. „Der wüsste Sie gar nicht zu schätzen.“

Der Mann auf dem Sitz schräg gegenüber beugte sich über den Gang.

„Entschuldigung. Ich habe mitbekommen, worüber Sie sich unterhalten haben. Also ich würde mich freuen, wenn ich heute beim Abendessen Gesellschaft hätte. Vielleicht könnten Sie sich ja vorstellen, mich zu begleiten.“

Das Gesicht meiner Sitznachbarin wurde noch dunkler, doch der Ausdruck in ihren Augen änderte sich sofort. Sie schien den Mann zu mustern. Ich tat es ihr nach. Nicht unbedingt schlecht aussehend. Ungefähr in ihrem Alter, gepflegt, ein nettes Lächeln. Hoffentlich nahm sie die Einladung an. Sie könnte es schlimmer treffen. Und ich müsste kein schlechtes Gewissen mehr haben.

„Sehr gerne.“ Sie schaffte es, eine freundliche Miene aufzusetzen. Da sie sich ihrem neuen Bekannten zuwandte, hatte ich endlich mehr Platz auf meinem Sitz. „Erzählen Sie mir ein bisschen was über sich?“

Zufrieden lächelnd lehnte ich mich zurück. „Siehst du? So leicht kann es sein.“

„Du erwartest aber hoffentlich nicht, dass das bei deinem Traummann genauso funktioniert? Dann müsste dich jemand zuerst ähnlich tief demütigen.“

Mit seiner Stichelei erreichte er bei mir gar nichts.

„Es tut mir leid, dein Ego angekratzt zu haben. Leider kommt dein Charme so gar nicht bei mir an. Aber ich frage gerne rum, ob jemand anderes hier darauf anspringt. Ich scheine Talent auf diesem Gebiet zu haben.“

Er lachte. „Eine tolle Rolle hast du dir ausgesucht. Du tust so tough und von oben herab, damit niemand dir zu nahe kommt. Wie gut, dass ich nach deinen Kommentaren vorher von deinem weichen Kern weiß. Ich suche mir meine Traumfrau schon alleine. Sie hat bestimmt viel weniger Schichten als du.“

„Selbstbewusst und überheblich und auch noch eine Zwiebel. Ich hatte ein völlig falsches Selbstbild von mir. Danke, dass du mich aufgeklärt hast. Ich werde den Rest des Fluges lieber genießen, ohne noch weiter von dir zurechtgewiesen zu werden.“

Dass Männer es auch immer in den falschen Hals bekamen, wenn man von ihren Sprüchen nicht sofort angetan war.

„Kein Problem. Hauptsache du weißt, was du willst.“

Ja, das tat ich. Sehr genau sogar. Er war es ganz bestimmt nicht. Deshalb legte ich den Kopf zurück und schloss die Augen.

Meine Sitznachbarin unterhielt sich noch immer angeregt mit ihrem Date. Die beiden gaben eigentlich ein ganz süßes Paar ab. Wie ich in ihrer Kennenlerngeschichte wohl abschneiden würde?

Barbara lachte auf dem Sitz vor mir leise vor sich hin. Keine Ahnung, ob sie lediglich mein Gespräch mit Tim so erheiterte oder ob sie bereits angeschäkert war.

Und Tim? Der blieb ruhig. Ich meinte zu spüren, wie die Verärgerung in Wellen in ihm hochstieg. Erst langsam wurde mir bewusst, was gerade passiert war und was ich alles von mir gegeben hatte.

So aggressiv war ich sonst nie. Unter Umständen hatte ich überreagiert. Möglicherweise hatte ich seine Unhöflichkeit sogar provoziert. Aber ich durfte dennoch nicht einknicken und mich entschuldigen, ihm vielleicht sogar zustimmen. Er hatte sich über meinen Traum lustig gemacht. Den Rest hatte er sich selbst zuzuschreiben. Mit ihm hatte ich definitiv nichts verpasst.

Ich würde Mr. Right schon noch kennenlernen. Bald. Ich brauchte nur das richtige Kleid dafür.


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Bettina Kiraly – Traue niemals Mr. Right?

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Die Liebe zum Wort hat bei Bettina Kiraly wie bei vielen mit der Begeisterung für das Lesen begonnen. Doch irgendwann erwachten die Geschichten in ihrem Kopf zu eigenen Leben und wollten anders enden, als in den Romanen vorgesehen. Es hat dennoch lange gedauert, bis sie sich an ihren ersten Roman getraut hat. Zehn Jahre lang arbeitete sie an ihrem ersten historischen Liebesroman. Doch sobald sie das Wort „Ende“ das erste Mal unter ein Manuskript geschrieben hatte, war sie infiziert. Ende 2007 hat sich Bettina Kiraly dazu entschieden, ihre erste Geschichte im Selfpublishing zu veröffentlichen. Mittlerweile arbeitet sie hauptberuflich als Autorin.