Dorothea Stiller über ihren neuen Liebesroman

Dorothea Stiller AutorinWorum geht es in deinem Buch Lehrstunden des Herzens?

Es geht um eine junge Frau, die in einer Welt voll rigider sozialer Regeln und Zwänge ihren Weg geht und um ihr persönliches Glück und ihre Liebe kämpft.
Durch einen schweren Schicksalsschlag sehen Clara und ihre Schwester sich von der Mittellosigkeit bedroht und sollen möglichst schnell unter die Haube gebracht werden. Als eine Verwandte die beiden Mädchen den Brüdern Sir Nicholas und Captain Laurence Harding vorstellt, geraten die beiden Schwestern zwischen die Fronten in einem intriganten Spiel.

So kommt es, dass Clara zum wiederholten Male einen Heiratsantrag ablehnt und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen muss, indem sie auf Lynham Hall als Gouvernante für die Töchter des Earls of Wiltmore arbeitet. Doch ihr Leben verkompliziert sich noch weiter, als sie im Garten des Anwesens wortwörtlich über einen attraktiven Fremden stolpert.

Was hat dich zu dieser Liebesgeschichte bewegt?

Ich habe Anglistik und Germanistik studiert und schon im Studium haben die Romane von Jane Austen und die Zeit der Regentschaft im England des beginnenden neunzehnten Jahrhunderts einen großen Reiz auf mich ausgeübt. Sense and Sensibility (Sinn und Sinnlichkeit) habe ich gelesen, als ich ein Jahr als Assistant Teacher in England verbracht habe. Es war eines von vielen Büchern, das im Bücherschrank in meinem Zimmer im Haus der Gastfamilie stand. Die habe ich nach und nach alle verschlungen. Und dann noch der unvergessene Alan Rickman als Colonel Brandon in der Verfilmung von Ang Lee mit Emma Thompson, Kate Winslet und Hugh Grant … da war es um mich geschehen.
Mich fasziniert diese Zeit, da sie eine Zeit der schnellen Wandlung und Entwicklungen ist. Zwar geprägt durch strenge gesellschaftliche Normen und Zwänge, doch begriffen im Aufbruch in die Moderne. Eine Zeit, in der Frauen nicht viel zu lachen hatten, doch in der sich auch langsam die Frauenbewegung entwickelte. Und natürlich auf der anderen Seite auch eine Zeit der Galanterie, ohne moderne Technik und die Hektik, die wir heute kennen. Für mich – ebenso wie die viktorianische Ära – eine faszinierende geschichtliche Epoche. Schon lange wollte ich einen Roman schreiben, der in dieser Zeit spielt, und habe mich dann einfach mal getraut und mir etwas überlegt, wobei ich mich an klassischen Vorbildern orientiert habe.

Wie lange hat die Arbeit an dem Roman gedauert?

So etwa drei Monate. So genau kann ich das immer gar nicht sagen, weil ich oft an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite.

AutorenkatzeHast du ein besonderes Schreib-Ritual?

Wenn ich diszipliniert bin, stehe ich morgens früh auf, mache Frühstück für die Kids, schmiere das Schulbrot für den Großen und schreibe dann ein wenig. Dann gehe ich laufen und wenn die Kinder aus dem Haus sind, setze ich mich mit dem Laptop an den Esstisch und schreibe.
Jetzt durfte ich längere Zeit keinen Sport machen und bin erstmal aus dem Tritt. Da muss ich mich mal wieder am Riemen reißen, um wieder in die Routine zu kommen. Da bekommt man nämlich mehr geschafft.
Was für mich dazugehört, ist immer ein schönes heißes Getränk, meistens Kaffee, aber auch gerne Tee aus einer meiner zahlreichen Tassen.

 Wie sieht dein Schreibtisch aus, wenn du gerade mitten in der Arbeit an einem Manuskript steckst?

 Ich schreibe am Laptop und sitze dann im Wohnzimmer an unserem Esstisch. Da ist es dann meistens eher chaotisch. Ich versuche, mich öfter dazu zu bringen, im eigentlichen Arbeitszimmer zu schreiben und dann auch auf den großen Bildschirm umzustellen, aber da ist der innere Schweinehund meistens stärker. Oft sitze ich auch auf dem Sofa mit dem Laptop auf den Knien.

 Gibt es reale Vorbilder für deine Figuren?

In diesem Falle nicht. Allerdings suche ich mir zu den Hauptfiguren meistens Fotos heraus, damit ich eine genauere Vorstellung von ihrem Aussehen habe.

Was ist die größte Stärke von Clara, deiner Hauptfigur?

 Ich denke, ihre Intelligenz und ihre Integrität. Sie ist gebildet und literarisch interessiert. Sie lässt sich nicht so schnell zu etwas bewegen, das gegen ihre Überzeugungen spricht. Lieber nimmt sie Schwierigkeiten und Umwege in Kauf.

Und was ist ihre größte Schwäche?

 Sie versucht, es allen recht zu machen und gerät dabei zwischen die Fronten. Und natürlich funkt ihr auch das dumme Herz immer wieder dazwischen und sie tut der Liebe willen Dinge, die vielleicht nicht gerade opportun oder vernünftig sind.

 Der Roman spielt im England des frühen 19. Jahrhunderts. Wie hast du dich beim Schreiben in diese Zeit versetzt?

Dorothea Stiller im InterviewIch habe viel aus der Zeit und über die Zeit gelesen und recherchiert. Und wie gesagt habe ich mich mit Regency und viktorianischer Zeit auch schon im Studium auseinandergesetzt. Ich muss immer aufpassen, dass ich mich bei der Recherche nicht verzettle, denn man kann so viel Interessantes lesen – zum Beispiel über die spannende Frage: „Was haben die gemacht, wenn sie bei einer Abendgesellschaft mal aufs Klo mussten?“ oder „Welche Spiele haben Kinder zu der Zeit gespielt?“ und so weiter.

Würdest du selbst gern einmal ins 19. Jahrhundert zurückreisen?

 Ja. Aber nur, wenn ich wieder in meine eigene Zeit zurückreisen könnte. Unter den gesellschaftlichen Bedingungen als Frau zu leben würde mich frustrieren.

Wie sehr haben die Klassiker von Jane Austen dich beim Schreiben geprägt?

 Ich habe alle gelesen und/oder als Verfilmung gesehen. Beim Schreiben habe ich mich daran orientiert, aber versucht, eine modernere Erzählweise zu verwenden. Jane Austens auktoriale Erzählweise, bei der sie die gesellschaftlichen Gepflogenheiten so herrlich ironisch kommentiert, kann ich natürlich nicht imitieren, also versuche ich es gar nicht erst. Beim Erzählen bin ich also näher an den Personen geblieben und habe alles aus Claras Perspektive betrachtet.

Ist eine Fortsetzung geplant?

 Jain. Derzeit arbeite ich an einem zweiten Regency-Roman (und ein dritter ist geplant), allerdings ist es nicht direkt eine Fortsetzung. Die neue Geschichte spielt drei Jahre nach Lehrstunden des Herzens. Die Leser werden Lady Beresford wiederbegegnen. Doch die muss in dieser Geschichte nicht nur ein junges Mädchen möglichst erfolgreich unter die Haube bringen, sondern wird dabei noch zur unfreiwilligen Ermittlerin in einem verzwickten Mordfall. Es ist also keine direkte Fortsetzung, sondern eher ein Spin-Off.

 Was hast du bisher veröffentlicht?

Ich habe bisher drei zeitgenössische Liebesromane veröffentlicht, die wohl am ehesten unter den Begriff „Chicklit“ passen – also humorvolle und romatische Geschichten aus dem Alltagswahnsinn einer Frau.
(Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno, Einmal, keinmal, immer wieder und Love on Air – Verliebt in London – alle erschienen bei Forever by Ullstein). Außerdem habe ich einen Kurzroman geschrieben, der auf der Isle of Mull spielt und eine Mischung aus Mystery und Liebesgeschichte ist (Das Geheimnis der schottischen Insel – Kindle Singles).
Unter meinem offenen Pseudonym Katharina Stiller schreibe ich für Kinder und Jugendliche. Mein Roman Schicksal, Traumprinz und das große Glück ist im Frühjahr 2017 bei Kosmos erschienen. Meine England-Geschichte Herzschmerz und Pommes Frites mit Essig habe ich 2016 im Selfpublishing veröffentlicht und weitere Projekte sind in der Pipeline.

Was und wo ich unter meinem geschlossenen Pseudonym schreibe, das verrate ich natürlich nicht. 😉

 

Dorothea Stiller – Lehrstunden des Herzens

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Dorothea Stiller machte ihre ersten schriftstellerischen Gehversuche mit Kurzgeschichten und Fan-Fiction. Ihr Debütroman Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno, eine romantische Komödie erschien 2014 bei Forever by Ullstein. Es folgten weitere romantische Komödien sowie ein Jugendbuch für Mädchen im Kosmos-Verlag. Ihre große Liebe gilt der englischen Sprache und Literatur. Seit über 25 Jahren beschäftigt sich die Autorin auch mit Tarot und seinen vielfältigen Anwendungen, speziell für kreative Prozesse. Am liebsten schreibt die Westfälin bei einer schönen Tasse Kaffee. Deswegen hat sie einen kleinen Tassen-Tick und hat einige hübsche oder originelle Exemplare angesammelt.