Sandra Helinski über Rockstar Love

DSC_3888-2Worum geht es in deinem Buch Kein Rockstar ist auch keine Lösung?

In der Schule war Jan Kiras erster Freund und ihre große Liebe. Doch sie glaubt nicht, dass er der Richtige für sie ist, denn im Gegensatz zu ihren ehrgeizigen Zukunftsplänen will er lediglich Musik machen. Als er ihr öffentlich einen Heiratsantrag macht, zieht sie die Notbremse und trennt sich von ihm.

Fünf Jahre später treffen sie erneut aufeinander und stellen fest, dass das Blatt sich gewendet hat. Während er mit seiner Band schon viel Erfolg hatte, steht sie vor den Scherben ihrer Existenz. Sie hat nur eine Möglichkeit, wieder auf die Beine zu kommen: sie muss für Jans Band arbeiten.

Ob er die Situation ausnutzt, um sich zu rächen und wie Kira schließlich auch Jan helfen kann, erzähle ich euch jetzt aber nicht. Dafür müsst ihr schon selbst lesen.

 

Wie kamst du auf die Idee für dein Buch? Gab es eine Art Initialerlebnis?

Die initiale Idee zu der Geschichte war eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Früher haben meine Eltern mir quasi eingeimpft, dass der erste Freund noch nicht der Richtige sein kann. Man muss erst ein paar Frösche küssen, bevor man beurteilen kann, ob man einen Prinzen vor sich hat. Schon damals habe ich mich immer gefragt: Was, wenn der Erste doch der Richtige war? Wenn man bei ihm bleibt, wird man es nie wissen. Und wenn man sich von ihm getrennt hat und die Erkenntnis kommt, ist es zu spät. Dieses Dilemma wollte ich unbedingt einmal in einer Geschichte durchspielen.

 

Wie kamst du dazu, die Geschichte in Mannheim spielen zu lassen?

Ich arbeite selbst in Mannheim und wohne in der Pfalz, in Weisenheim am Sand. Wir sind erst vor drei Jahren hierhergezogen. Wahrscheinlich bin ich jetzt endgültig angekommen. Ich fühle mich selbst sehr wohl hier, da erschien es mir einfach richtig, meine Romanfiguren hier anzusiedeln. Außerdem interessieren sich so viele Leute hier für meine Geschichten und sind stolz darauf, eine Autorin in ihrer Mitte zu haben. Ich wollte mich einfach dafür bedanken.

Das barg natürlich auch Herausforderungen. Der Pfälzer Dialekt ist mir zum Beispiel immer noch sehr fremd. Aber ich wollte wenigstens eine Figur haben, die so stark hier verwurzelt ist, dass sie einen leichten Pfälzer Einschlag in der Sprache hat. Schließlich habe ich mich mit meiner Nachbarin hingesetzt und die wörtliche Rede von Max schließlich Satz für Satz mit ihr zusammen „übersetzt“.

 

Du hast schon einige Bände in der Rockstar Sommer– und Rockstar-Romance-Reihe veröffentlicht. Inwiefern unterscheiden sie sich von Rockstar Love?

Hm, wenn man das so liest, könnte man denken, die hängen alle zusammen ;). Dabei ist die einzige Gemeinsamkeit, dass ein männlicher Rockstar die Hauptrolle spielt.

Die neue Geschichte spielt in einer anderen Gegend und wird aus den Perspektiven der beiden Hauptpersonen, Jan und Kira, erzählt. Neu ist wahrscheinlich auch, dass die Band diesmal eine sehr vordergründige Rolle spielt, bei meinen anderen Romanen ist diese ja eher in den Hintergrund gerückt. Für mich selbst war eine wichtige Neuerung, dass ich zum ersten Mal mit Charakterbögen gearbeitet habe, für jede Person also quasi eine Hintergrundgeschichte entworfen habe. Außerdem habe ich mir zum ersten Mal den kompletten Verlauf der Geschichte überlegt noch bevor ich ein einziges Wort geschrieben habe. Das hat mir sehr geholfen, denn ich wollte letztes Jahr unbedingt beim National Novel Writing Month mitmachen (Autoren aus der ganzen Welt versuchen, im Monat November neue Geschichten mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben). Bei so viel Schreibarbeit (man muss täglich etwa 2.000 Wörter schreiben) bleibt nicht mehr viel Zeit zum Überlegen. Dafür bin ich im letzten November sehr gut vorangekommen mit der Geschichte.

 

Was reizt dich daran, über Rockstars zu schreiben?

Gute Frage, darüber habe ich noch nie so genau nachgedacht. Tatsache ist, dass mich diese Welt schon seit meinen Teenagerzeiten fasziniert. Fast alle meine Freunde waren in der Musikerszene unterwegs, ich hatte damit in kleinem Maße viel Einblick. Leider bin ich selbst eher unmusikalisch. Ich betrete also eine Welt, die mir normalerweise verschlossen bleiben würde.

Am meisten beschäftigen mich die verschiedenen Aspekte des „Reich und Berühmt“-Seins. Wie muss es sein, wenn man Geld hat, um sich alles kaufen zu können, aber dann feststellt, dass man deswegen nicht glücklicher ist? Wie muss es sein, wenn man alle seine Ziele erreicht hat? Ab wann hat man es eigentlich „geschafft“? Wie ist es, wenn sich fremde Leute für jeden Aspekt deines Lebens interessieren? Wie geht man mit dem Druck um, immer größere Erfolge liefern zu müssen, um überhaupt im Geschäft bleiben zu können?

All diese Fragen beschäftigen mich seit vielen Jahren. In meinen Geschichten habe ich die Möglichkeit, völlig ungefährlich ein paar Szenarien durchzuspielen, immer mit dem Hintergedanken: „Wie würde ich in so einer Situation agieren/reagieren?“.

 

Haben deine Figuren reale Vorbilder?

Das kann ich mit einem ganz klaren Jein beantworten. Wenn ich mir eine Figur ausdenke, orientiere ich mich immer an einer realen Person, die ich entweder persönlich kenne oder die allgemein bekannt ist. Doch im Laufe der Zeit bekommen diese Figuren dann mehr und mehr Eigenleben, so dass sie mit der ursprünglichen Vorlage am Ende fast gar nichts mehr zu tun haben.

Ich kann aber verraten, dass einer meiner Exfreunde Jan heißt.

 

Welche Projekte planst du für die Zukunft?

Das ist eine sehr interessante Frage. Im Moment trage ich drei konkrete Ideen mit mir herum. Leider kann ich mich noch nicht so recht entscheiden, welche davon mein nächstes Projekt wird, denn ich befürchte, dass ich nicht gleichzeitig an mehreren Projekten arbeiten kann.

Zum einen habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung von Teil 2 der Rockstar-Love-Reihe, ich würde nämlich gern die Geschichte von Max erzählen. Zum anderen habe ich meiner Tochter schon ewig versprochen, endlich mal einen Mädchen-Pferde-Roman zu schreiben. Wir lesen solche Romane immer zum Einschlafen und vor kurzem hatte ich eine schöne Idee für eine eigene Geschichte. Ich befürchte jedoch, dieses Projekt muss ich doch wieder auf Eis legen (Entschuldige, Schatz!). Dummerweise hat es mich nämlich vor etwa einem Monat gepackt und plötzlich war da diese völlig neue Idee. Wieder ein Rockstar-Roman, aber wieder etwas vollkommen Neues. Diese Idee lässt mich seitdem nicht mehr los und schreit förmlich danach, zu Papier gebracht zu werden.

Im Moment sind alle drei Projekte in etwa gleich weit (ganz am Anfang). Ich habe aber noch etwas Zeit, bis ich mich endgültig entscheiden muss, denn jetzt wird ja erst einmal Kein Rockstar ist auch keine Lösung veröffentlicht.

Ihr könnt aber gespannt sein.

 

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Schon als kleines Kind war ich manchmal nicht zufrieden mit dem Ende einer Geschichte. Oder ich wollte mehr davon lesen, aber es gab nicht mehr. Dann habe ich angefangen, mir selbst etwas auszudenken und dies auch aufzuschreiben. Später dann war das Schreiben mein Ventil, etwas zu verarbeiten, was mich bewegt, worüber ich aber nicht gern sprechen wollte oder niemanden gefunden habe, den es interessiert. Und mittlerweile schreibe ich, weil ich dieses Gefühl liebe, wenn aus meinen Gedanken etwas Greifbares entsteht.

 

Gibt es eine Art Soundtrack zur Rockstar-Love-Reihe oder speziell zu Kein Rockstar ist auch keine Lösung?

Als Sunrise Avenue Fan habe ich während dem Schreiben viel von denen gehört. Da gab es aber diesmal keinen bestimmten Song.

Ich habe jedoch in der Zeit, in der ich die Geschichte geschrieben habe, einen Film gesehen, der einen Teil der Story maßgeblich beeinflusst hat. Der Film heißt Systemfehler – Wenn Inge tanzt und es geht dabei um eine Punkrockband und deren Song. Plötzlich wusste ich genau, welche Musikrichtung für Alternativlos, die Schülerband von Jan, die Richtige ist: deutscher Punkrock. Und weil mir das so gut gefallen hat, musste Jan sich im Laufe der Geschichte von seiner Hardrock-Stilrichtung wieder verabschieden und zurück zum guten alten deutschen Punkrock gehen. Dafür waren zwar einige Änderungen in der Geschichte notwendig, aber es hat sich, wie ich finde, gelohnt. Der Name Alternativlos ist zum Beispiel auch erst nach dem Film entstanden. Ich habe nach Unwörtern des Jahres im relevanten Zeitraum (als Jan die Band gegründet hat) gegoogelt, weil mir der Bandname im Film so gut gefallen hat. Vorher hieß Jans Schülerband nämlich Five Chords.

 

Was tust du, wenn du nicht am Schreiben bist?

Also außer den üblichen Dingen wie Arbeiten, Schlafen, mich um Haushalt, Garten und um die Kinder kümmern, verbringe ich neuerdings gemeinsam mit meiner großen Tochter viel Zeit bei Pferden. Wir nehmen Reitunterricht und sie hat eine Reitbeteiligung, bei der ich ihr viel helfe. Da Pferde schon seit meiner Kindheit ein großer Traum von mir sind (gleich nach dem Traum, mein eigenes Buch zu veröffentlichen), bin ich unheimlich glücklich mit dieser Entwicklung.

Weniger glücklich bin ich damit, wie viel meiner kostbaren Zeit das Internet verschlingt, zumal ich daran selbst schuld bin. Aber es ist einfach zu verlockend, mal eben schnell im Mailprogramm oder bei Facebook zu schauen, was los ist, oder einfach auf Youtube ein paar Musikvideos anzusehen. Eine Zeitlang habe ich außerdem ziemlich viel Siedler gespielt, aber das hat so viel Zeit gekostet, dass ich wieder aufgehört habe.

 

Hast du eine Buchempfehlung für uns?

In letzter Zeit habe ich tatsächlich einige sehr gute Bücher gelesen. Besonders erwähnenswert finde ich Rock my Heart von Jamie Shaw. Das ist der erste Band einer Rockstar-Reihe, die ich mir sozusagen aus Recherchegründen mal angesehen habe. Diesen ersten Teil fand ich jedenfalls ganz klasse.

Außerdem habe ich Alles, bloß keine Liebe von Emma Peony gelesen. Die Protagonistin war so herrlich erfrischend anders, dass ich das Buch nur so verschlingen konnte.

Generell kann ich euch aber die Bücher meiner lieben Kollegin Saskia Louis ans Herz legen. Ich liebe ihren Humor.

 

Was ist das Wichtigste, das man über dich wissen sollte?

Dass man mir solche Fragen nicht stellen sollte ;).

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Sandra Helinski ist hauptberuflich Projektmanagerin in der Suchtforschung und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Weindorf in der Pfalz. Weil sie sich mit 37 schon ein wenig zu alt findet, um für Rockstars zu schwärmen, schreibt sie lieber einen Romane darüber, wie es wäre, sich in einen Rockstar zu verlieben.