Pommes! Porno! Popstar!

Mit Kommentaren von Christian Purwien und Gott

Ich würde auch fünf Kilogramm Hackfleisch in die Charts kriegen.

Dieter Bohlen

1. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:01

Als Christian mich anrief, befand ich mich im Zustand fortgeschrittener Verwesung. Pardon, ich meine natürlich Verwirrung. Denn ich lag jenseits der zivilisierten Welt auf ein paar löchrigen Holzbrettern und träumte von endlosen Stränden, romantischen Sonnenuntergängen und explodierenden Atomkraftwerken.

»Lange nichts mehr von dir gehört«, sagte Cristian. »Wie geht’s dir so?«

»Hrmpf«, war alles, was ich von mir geben konnte, denn ich befand mich am anderen Ende der Welt, es war mitten in der Nacht und ich hatte schon seit Tagen nicht mehr mit einem Menschen gesprochen.

»Erinnerst du dich noch an die Bürgschaft für die Pommesbude, die du mir gegeben hast?« Christian klang so unschuldig wie ein Dreijähriger, der den Weihnachtsbaum abgefackelt hat, samt elterlichem Haus und dem als Weihnachtsgeschenk verpackten Hamster.

Schlagartig war ich hellwach. »Ja klar«, antwortete ich und richtete mich auf. »Toplage, fast keine Miete, super Kunden, die besten Pommes des Ruhrgebiets. Ein idiotensicheres Geschäft, bei dem nichts schiefgehen kann, selbst dann nicht, wenn die Welt untergeht.«

»Tja.« Christian räusperte sich umständlich. »Es ist schiefgegangen.«

»Was?!«

»Ich bin pleite und muss die Kredite zurückzahlen – in einer Woche.«

Ich zwickte mich in den Arm, ins Bein und dort, wo es besonders wehtut, doch ich war tatsächlich wach. »Was denn für Kredite? Ich hab doch nur für einen gebürgt.«

Wieder räusperte Christian sich umständlich. »Das ist ja das Problem«, sagte er. »Deinen Kredit kann ich nicht zahlen und den von den Hells Angels auch nicht.«

»Du hast dir Geld von den Hells Angels geliehen?« Ich war versucht, mich schon wieder zu zwicken. »Warum das denn?«

»Ich hatte mich an geldgeile Betrüger ohne Moral und Ethik ausgeliefert …«

»Ich kenne die Hells Angels«, unterbrach ich ihn.

»Aber offensichtlich nicht die Deutsche Bank«, widersprach Christian. »Die haben nämlich meine ganzen Einkünfte mit der Pommesbude an der Börse verzockt, und als ich am Jahresende von der Steuer überrascht wurde, haben sie mir, weil der DAX doch gerade so viele Chancen biete, doppelt so viel wie nötig geliehen. Und das haben sie dann auch verzockt. Anschließend bin ich zu den Hells Angels, weil ich dachte, schlimmer kann es nicht kommen.«

Ein erneutes umständliches Räuspern von Christian verriet mir, dass es sehr wohl schlimmer gekommen war. »Was passiert, wenn du den Kredit nicht zurückzahlst?«, fragte ich. »Pfänden sie dir dann die Pommesbude?«

»Das haben sie schon lange.« Er seufzte. »Am Ende hab ich noch alles versucht, sogar siebzehn Sorten Currywurst angeboten, aber es hat nichts genutzt. Die letzten sechs Monate hab ich gleichzeitig als Chauffeur, Bäcker und Musikjournalist gearbeitet, aber die drei Jobs haben gerade mal ausgereicht, um die Zinsen zu zahlen. Jetzt hat das Musikmagazin dicht gemacht und ich kann mich nicht arbeitslos melden, weil ich ja noch zwei Jobs hab. Und von meinem schlimmsten Nebenjob hab ich noch gar nichts erzählt.«

»Und jetzt?«

»Muss ich innerhalb einer Woche einhunderttausend Euro für die Hells Angels auftreiben.« Christian war eigentlich ein unkaputtbares Stehaufmännchen, doch jetzt gerade flatterte seine Stimme bedenklich, trotz der ganzen Räusperei. »Sonst bin ich erledigt. Und du auch.«

»Wieso ich?«

»Die Deutsche Bank will noch mal so viel Geld. Aber da die einen im Gegensatz zu den Hells Angels nicht umbringen, muss ich erst mal die Rocker zufriedenstellen. Und du als Bürge die Deutsche Bank. Das Geld bekommst du natürlich von mir wieder, sobald ich es irgendwann hab.«

»Und das sagst du mir jetzt? Mitten in der Nacht, eine Woche vor Ablauf der Frist?«

»Sorry, ich dachte, ich kann das Problem selbst lösen. Ich wollte dich da nicht mit reinziehen. Aber …« Christians Stimme hellte sich auf. »Ich hab mir seit Tagen den Kopf zerbrochen und einen Ausweg gefunden.«

»Was für einen Ausweg?«, fragte ich. »Banküberfall? Räuberische Erpressung? Drogenschmuggel?«

»Wir haben es schon mal gemacht«, sagte Christian. »Aber dieses Mal machen wir es richtig. Und kassieren ordentlich ab.«

 

Es gibt nicht Schlimmeres als einen brillanten Anfang.

Pablo Picasso

2. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:03 

Offensichtlich streben Mobilfunkbetreiber eine höhere Rendite an als Drogendealer. Jedenfalls kostet ein Telefonat ins Ausland mit dem Handy mehr als eine gepflegte Überdosis.

Besonders absurd ist allerdings, dass man selbst dann zahlen muss, wenn man angerufen wird. Und doppelt zu kassieren, das haben nicht einmal die Herren Energieversorger hinbekommen, die ja sonst keine Gelegenheit auslassen, ihre Kunden abzuzocken.

Und so war das Guthaben meines Prepaidhandys genau in dem Moment aufgebraucht, in dem Christian mir seinen Plan offenbaren wollte.

Wie sollte ich mein Guthaben an diesem Ort, mitten in der Wildnis, wieder aufladen?

Die lokale Bevölkerung, die man mit viel gutem Willen gerade noch so als Menschen bezeichnen konnte, sprach ein Idiom, welches sich auf eine abstruse Art nach Deutsch anhörte, aber damit in etwa so verwandt war, wie Mini-Me mit Arnold Schwarzenegger.

So konnte ich mich mit den Ureinwohnern ausschließlich per Handzeichen verständigen.

Davon abgesehen war dieses Volk so verschlagen, dass es einer von ihnen fertiggebracht hatte, sich eines fremden Landes zu bemächtigen, dieses Land flugs mit dem eigenen zu vereinen und dann einen Krieg mit der halben Welt anzuzetteln. Als der Krieg verloren ging, wusch unser kleines Volk seine Hände in Unschuld, denn sie hätten das Morden ja nicht angefangen, wären selbst auch überfallen worden und im Übrigen schon immer neutral gewesen.

Ich hatte meine Heimat nur deshalb verlassen, weil man mir ein Stipendium als Stadtschreiber von Dalaas in eben jenem Land angeboten hatte. Das war zwar schlechter bezahlt als ein Praktikum bei der Müllabfuhr, aber als Schriftsteller ist man dergleichen ja gewohnt.

Nur meiner Erbtante Walburga war es zu verdanken, dass ich bisher nicht verhungert war. Ihre Milz hatte sich vor zwei Jahren nämlich entschieden, die Radieschen lieber von unten zu betrachten. Und den Rest des Körpers mitgenommen.

Dank der Milz hatte ich bei sparsamstem Lebenswandel für die nächsten 5 Jahre, 3 Monate, 27 Tage, 8 Stunden, 14 Minuten und 23 Sekunden ausgesorgt. So verkündete es jedenfalls der Countdown auf meinem Laptop, der angab, wann meine Geldbestände das Zeitliche segnen würden. Ursprünglich hatte ich den Countdown als Motivationshilfe installiert, aber in letzter Zeit war mir der Verdacht gekommen, dass er der wahre Grund für meine seit zwei Jahren andauernde Schreibblockade war.

Ich tippte den neuen Stand meines durch die Bürgschaft erdrosselten Vermögens in meinen Laptop. Sofort sprang der Countdown auf eine neue Anzeige.

Und mir wurde schwarz vor Augen.

In nicht mal einer Woche war ich pleite!

Und wem hatte ich das zu verdanken?

Christian Purwien*, dem Mann, der sich nur von Pommes ernährte. Und auch wie eine aussah.

—–

*Das bin übrigens ich. Und weil Schriftsteller die Realität immer ein wenig zurechtbiegen, biege ich sie mit meinen Kommentaren wieder zurück.

       Die Bemerkung zu meiner Pommesvorliebe stimmt allerdings, jedenfalls, wenn es die eigenen sind. Es ist nämlich ein Einfaches, ein Neun-Gänge-Menü für irgendwelche dahergelaufenen Gourmets zusammenzukloppen, jedoch eine große Kunst, die perfekten Pommes zu kredenzen.

       Das fängt mit der idealen Kartoffelsorte an, geht weiter mit dem eigens dafür komponierten Fett, das natürlich exakt auf die Edelstahl-Fritteuse abgestimmt sein muss und endet noch lange nicht beim handgeschöpften Meersalz. Und von der obligatorischen Rot-Weiß-Soße will ich gar nicht erst reden. Und wenn dann noch ein ordentlicher Apachenpimmel* dazukommt, ist der kulinarische Hochgenuss perfekt.

       *Für alle, die nicht im Ruhrpott sozialisiert wurden, ein Apachenpimmel ist eine Currywurst, natürlich mit roter Haut. Und ja, der Begriff ist nicht politisch korrekt. Aber wenn ich mir in meiner Pommesbude vor jeder Bestellung erst das Parteibuch hätte zeigen lassen, wäre ich schon vor drei Jahren Pleite gegangen.

—–

Christian und ich hatten uns vor Jahren aus den Augen verloren. Jetzt rief er mich an, und stürzte mich in eine Finanzkrise, die ich nicht wie ein Politiker bis zur nächsten Wahl aussitzen konnte.

Doch als Erstes musste ich den Kontakt wiederherstellen. Ich nahm mein Mobiltelefon, ein Prepaidhandy. Damit steht man in der Mobilfunkhierarchie auf der Stufe, bei der nicht mehr von Kunden gesprochen wird, sondern von Umsatzverhinderern. Diese bedrängt man so lange mit Vertragsangeboten, bis sie entweder entnervt eines unterschreiben oder zum nächsten Anbieter wechseln, um dort exakt das Gleiche zu erleben.

Im Menü meines Handys stand, um im Ausland mein Konto wieder aufzuladen, müsse ich nur meinen Provider anrufen oder ihm eine SMS schicken.

Nur wie sollte ich das ohne Guthaben machen?

Also blieb mir nichts anderes übrig, als das zu tun, was in den letzten fünf Jahren wahrscheinlich kein einziger Hotelgast weltweit mehr getan hatte: Ich schnappte mir das Zimmertelefon und wählte eine Nummer außerhalb des Hotels.

Zu meiner Überraschung tutete es und Christian nahm ab.

 

Ich schreibe gerade ein Buch.

Die Seitennummerierung habe ich schon fertig.

Steven Wright, amerikanischer Comedian

3. Dalaas, Dienstag, 21.06., 03:06

Leider kann ich mich an den Inhalt des Telefonats nur noch bruchstückhaft erinnern, da es

  1. a) mitten in der Nacht war,
  2. b) eine Kakerlakenfamilie auf mein Bett stieg, und ich
  3. c) sofort nach dem Telefonat zwischen der Panik vor einer Privatpleite und diesem Millionen-Dollar-Traum schwankte, der einem Geld, Gold und ein sorgenfreies Leben verspricht. Ein toller Traum! Nur leider führt er nach dem Aufwachen wegen dieser blöden Sache namens Realität zu einer schockbedingten partiellen Amnesie.

Dennoch versuche ich hier, das Telefonat zu rekonstruieren*:

—–

*Auf Anfrage kann eine Abschrift beim deutschen Innenminister angefordert werden, der den ganzen Scheiß, den die Leute so von sich geben, aus unerfindlichen Gründen auch noch speichert.

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»Du hast einen Plan?«, fragte ich. Wahrscheinlich war das Telefonat mit dem Hoteltelefon noch teurer als mit dem Handy und so versuchte ich, mich kurzzufassen.

»Wo bist du eigentlich?«, gegenfragte Christian.

»Am anderen Ende der Welt«, antwortete ich.

»Wo denn? Australien, Neuseeland, Hawaii?«

»Nicht mal in der Nähe davon«, seufzte ich. »Kennst du Dalaas?«

»Dallas? Was machst du denn in Texas?«

»Nicht Dallas, sondern Dalaas. Das liegt bei Bludenz.«

»Hä? Wo ist das? Irgendwo in Indien? Bangladesch? Burma?«

»Viel schlimmer«, stöhnte ich auf. »Österreich.«

Christian lachte. »Und was machst du da?«

»Ich bin momentan der Stadtschreiber von Dalaas.« Ich seufzte erneut. »Auch wenn es hier absolut nichts aufzuschreiben gibt.«

»Na umso besser.«

»Umso besser? Ich dachte, ich könnte mit dem Job meiner Schreibblockade entkommen. Aber die war schneller als ich und ist schon hier.« Ich stöhnte wieder auf und seufzte gleich noch mal. »Meine Schreibblockade ist inzwischen höher als der Hoover-Staudamm. Ich bin jetzt drei Wochen in Dalaas und hab nur einen einzigen Satz aufs Papier gebracht.«

»Und wie heißt der?«

»Mir fällt nichts ein.«

Christian schluckte. »Österreich ist ja auch viel zu langweilig. Und nicht weit genug weg.«

»Nicht weit genug weg?«, wiederholte ich. »Das sind dreihundertvierundneunzig Kilometer und achthundertdreiundachtzig Meter von daheim. Und die Zentimeter nicht mal mitgerechnet!«

In diesem Moment überlegte sich Christian wahrscheinlich aufzulegen, doch die Drohungen der Hells Angels hielten ihn davon ab. Oder war es dieser Traum von Geld, Gold und dem faltenfreien Leben? »Also, ich hab da eine geile Idee, die kann gar nicht schiefgehen«, sagte er stattdessen.

Er wusste eben noch immer, wie ich zu überreden war.

Christian sagte nur ein einziges Wort, doch ich konnte seine Begeisterung durch das Telefon spüren. »Rehberg.«

In dem Moment wusste ich, was er wollte.

Denn ich wollte es auch.

Nein, das ist keine Geschichte über ein frühes, spätes oder verspätetes Coming-out. Zumal ich ebenfalls Purwien heißen würde, wenn meine Urgroßmutter nach der Geburt meines Großvaters nicht den Namen ihres zweiten Mannes angenommen hätte, weil der erste keinen Job und nur ein Hobby hatte: Saufen*.

—–

*In meiner Familie wird die Geschichte übrigens genau umgekehrt erzählt. Wahrscheinlich kippten sich beide Familienteile damals gerne einen hinter die Binde, natürlich nur aus Trost, weil es damals keine Demokratie gab, keine Gewaltenteilung und keine selbstklebenden Briefmarken.

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Christian und ich sind also quasi miteinander verwandt. Doch das hier ist kein monumentales Familienepos, sondern eine Geschichte über Jungs, die durch Vortäuschung von Kunst Plattenfirmen dazu bringen wollen, ihnen Geld für das zu bezahlen, was man so Leben nennt.

Bisher waren wir damit nur mittelmäßig erfolgreich gewesen. Wobei man das Wörtchen mittelmäßig auch durch mäßigwenig oder gar nicht ersetzen könnte. Wie auch immer man das Debakel nennen wollte, wir konnten uns dadurch immerhin als verkannte Künstler fühlen.

Leider wurde mir die Gnade der frühen Geburt nicht zuteil, stattdessen bin ich ein Kind der Computergeneration. Meine größte Leistung auf der Bühne ist es daher, mich an einem Keyboard festzuhalten und ein paar Knöpfe zu drehen, ohne umzufallen.

Christian hingegen ist der geborene Performer und reißt jedes Publikum mit. Wenn es sein muss, auch in den Abgrund. Doch auch seine Fähigkeiten am Keyboard sind denen einer Bisamratte, die sich aus Versehen auf eine Bühne verlaufen hat, nur marginal überlegen.

Wir waren also Musiker, ohne Musiker zu sein.

Irgendwie hatten wir es in den 90ern trotzdem geschafft, ein paar Songs zu schreiben und eine Plattenfirma zu finden, die das alles auch noch bezahlte.

Oder zumindest anfangs so tat.

Um das Album aufzunehmen, fuhren wir damals fünfundzwanzig Stunden nonstop nach Südfrankreich und zwar in ein Kaff, das so abgelegen war, dass der nächste Supermarkt eine Dreiviertelstunde entfernt lag.

Wie wir schnell feststellten, unterscheidet sich das Supermarktsortiment in Frankreich grundsätzlich von dem in Deutschland. So ist die Käseauswahl in Frankreich ungefähr vierzigmal so groß, stinkt aber achttausendmal schlimmer. Gesundes, nahrhaftes Roggenbrot sucht man dort vergebens, aber Baguettes gibt es dort in so vielen Varianten, dass man glatt glauben könnte, die Franzosen hätten das Zeug erfunden.

Außerdem gab es einen ganzen Trakt, in dem als Wein getarnter Essig rumstand, doch vernünftiges Bier suchte man vergebens. Es gab nur alkoholfreies, aber dazu später* mehr.

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*Ich finde, das kann man sofort erzählen: Thomas hat damals nämlich in völliger Unkenntnis der französischen Sprache alkoholfreies Bier gekauft, weil er dachte, ’sans alcohol‘ hieße, das Bier enthalte ‚heiligen‘ Alkohol. Er behauptete, es würde so genannt, weil es in einem Kloster gebraut würde, aber nicht von faltigen Mönchen, sondern von unbefleckten Nonnen. Als ich ihn über den Fehler aufklärte, beteuerte er, das Zeug habe ihn besoffen gemacht. Aber man muss im Leben auch verzeihen können und so wärme ich die Geschichte nur noch jedes zweite Mal auf, wenn wir uns sehen.

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Abgesehen davon, dass Christian damals beinahe verhaftet worden wäre, als er in dem Supermarkt nach Kippen fragte, verlief der Einkauf erfolgreich. Doch wir waren ja keine Frauen, ergo nicht zum Shoppen nach Frankreich gekommen, sondern um mit unserer musikalischen Karriere durchzustarten.

Okay, vielleicht wäre es zielführender gewesen zu shoppen, doch das konnten wir damals ja nicht wissen, jung und unbedarft wie wir waren. Und so nahmen wir aus völliger Selbstüberschätzung unserer beschränkten Möglichkeiten innerhalb nur einer Woche ein ganzes Album auf.

Das auch noch geil klang.

Jedenfalls für unsere Verhältnisse.

Christian steuerte die Texte bei*, ich die Songs und unser gemeinsamer Freund René die gute Laune.

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*Außerdem ging eine Ameisenstraße mitten über mein Bett, weswegen ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, Verkehrspolizist für die Kerle zu spielen, beziehungsweise, sie zu überreden, einen anderen Weg einzuschlagen.

Wenn andere Leute Flöhe dressieren, wäre es ja wohl ein Witz, wenn das nicht auch mit Ameisen funktioniert, dachte ich mir, und irrte mich.

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Andy, der vierte Mann im Bunde, der Einzige von uns, der wirklich Keyboard spielen konnte, hatte überraschend daheim bleiben müssen, weil er Menstruationsbeschwerden hatte, oder einer seiner Synthesizer, so genau weiß ich das nach all den Jahren nicht mehr.

Deshalb frag ich mich auch heute immer noch, wie ich die Songs komponiert habe, denn unser damaliger Computer, ein Atari ST, hatte weniger Rechenpower, als eine dieser Glückwunschkarten, die beim Öffnen ‚Happy Birthday‘ tröten. Ein Megabyte Arbeitsspeicher, damals unvorstellbar und heute nur noch drei Stellen hinter dem Komma. Trotzdem half mir der Computer, all die Töne in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Damals, nach dem ersten Anhören wussten wir sofort, es war ein Geniestreich! Die Krönung unseres Werkes! Die Songs lagen vor uns wie pures Gold. Uns war sofort klar, es würde eines der am meist unterschätzten Alben der Popgeschichte werden.

So kam es auch.

Oder hat hier jemand schon mal von Rehberg* gehört?

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*Damit sich das ändert, haben wir einen Track von Rehberg neu aufgenommen, mit dem unschuldigen Titel ‚Blut‘. Tja, damals waren wir eben noch ein wenig düsterer drauf.

Neugierig geworden? Dann wirf einen Blick auf weitere Titel aus unserem Programm.

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Thomas Kowa ist Autor, Poetry-Slammer und Musikproduzent. Während in seinen Thrillern fleißig gestorben werden darf, ist Pommes! Porno! Popstar! der zweite Roman, für den er niemanden umgebracht hat.

Christian Purwien veröffentlichte unzählige Alben und Beitrage auf mehr als hundert CDs, seine Coverversion des 80er Klassikers „Send me an angel“ enterte die deutschen Single-Charts. Für seine letzte CD arbeitete er mit Joachim Witt und Andreas Fröhlich zusammen, letzterer besser bekannt als Bob Andrews von den Drei Fragezeichen.