Nacktgebiete 2.0

1.

Als wir nach drei herrlichen Wochen mit unserem Wohnwagen in die Einfahrt vor unserem Haus rollten, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen. Martina ging es genauso. Das spürte ich, glaubte, es am leicht veränderten Geruch ihres Schweißes zu erkennen, in dem die aphrodisierenden Pheromone der vergangenen Nacht, in der wir nicht nur geschlafen hatten, langsam verblassten. Die nüchterne Realität des Textilo-Alltags griff mit gierigen Fingern nach uns.

Friederike schnarchte, unbehelligt von unangenehmen Gedanken an den jähen Interruptus unserer paradiesisch nackten Ferien, in ihrem Kindersitz. Ich drehte den Zündschlüssel, entspannte die von der langen Fahrt verkrampften Arme, ließ aber die Hände auf dem Steuer liegen, als könnte ich damit das Verglimmen des letzten köstlichen Urlaubsfünkchens in meinem Kopf hinauszögern. Ich seufzte und drehte mich mit einem wehmütigen Lächeln zu Martina.

Sie flüsterte: „Waren das nicht die unglaublichsten Ferien, die wir je zusammen erlebt haben?“

Ich nickte und flüsterte zurück: „Und mit Abstand die schönsten. Ich will gar nicht aussteigen. Irgendwie habe ich Angst, dass der Zauber bricht.“

„Ach Quatsch“, erwiderte Martina lachend, nahm mein Gesicht in ihre Hände und küsste mich leidenschaftlich. Dann flüsterte sie, um Fritzi nicht zu wecken: „Wir werden auch hier Plätzchen für wilden Sex finden. Mir fallen da schon ein paar ein, die ich unter diesem Aspekt noch gar nicht geprüft habe.“

Ich stöhnte gekünstelt und lächelte, ohne zu wissen, was genau Martina sich darunter vorstellte.

„Was denn?“, fragte die beste Ehefrau von allen. „Braucht es denn Sand, Meer und einen FKK-Campingplatz, um einen ganzen Mann aus meinem Mann zu machen?“

„Sinwirschonda?“, nuschelte es gähnend von der Rückbank. Friederike war aufgewacht, nachdem sie die vergangenen vier Stunden auf dem Weg von Taizé nach Hause verschlafen hatte.

Wir hatten noch einmal gestoppt und die letzte Nacht auf einer grünen Wiese unweit von Chalon-sur-Saône im Burgund verbracht. Taizé war jenes weltbekannte Taizé, in dem Roger Schutz, ein evangelischer Pfarrer aus Genf, in den letzten blutigen Tagen des Zweiten Weltkriegs politische Flüchtlinge und Juden vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt hatte.

In diesem unscheinbaren Ort mit seinen alten Steinhäusern, eingebettet in Felder, Weinberge und sanfte Hügel, auf denen gewaltige Burgruinen thronten, hatte sich seit jenen frühen Tagen eine konfessionslose, christliche Brüdergemeinschaft etabliert. Sie hatte keine Nachwuchssorgen und war Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt geworden, die rund um den Ort auf den Grünflächen ihre Zelte aufschlugen oder in Wohnwagen und Wohnmobilen übernachteten. Hier fanden die Pilger wieder, was den großen Kirchen verloren gegangen war. Eine urchristliche Gemeinschaft, die sich radikal der Armut und dem Dienst am Nächsten verschrieb. Eine Art spiritueller FKK-Campingplatz, wie ich scherzhaft bemerkte.

Tatsächlich war ich an diesem frühen Sonntagmorgen gedankenlos und aus purer Gewohnheit nackt aus dem Wohnwagen gesprungen, um mich auf der Wiese zu räkeln und herzhaft zu gähnen, bis Martina von hinten zischte: „Wir sind in Taizé.“

Mist. Mein Herz stolperte in einen kurzen Aussetzer, nahm seine Arbeit aber mit doppelter Frequenz sofort wieder auf. Ich nahm hektisch meine weit ausgebreiteten Arme herunter und faltete sie vor meiner Körpermitte – etwas tiefer als üblicherweise zum Gebet. Dann schaute ich mich verstohlen um.

Ich stand in der aufgehenden Morgensonne. Es war bereits glockenhell, und offensichtlich waren auch meine Glocken ausgesprochen hell gewesen, so dass sich eine ältere Dame, die ebenfalls gerade aus einem Wohnwagen gestiegen war, die Augen mit der rechten Hand bedeckte, um nicht geblendet zu werden. Wobei … nein. Tatsächlich schirmte sie, wie ich nun sah, ihre Augen ab, um besser sehen zu können, was sie nicht sehen sollte.

Ist es nicht erstaunlich, dass unser Gehirn wie von selbst Alltägliches ausblenden und das Neue, Unbekannte, Verbotene sofort aus einem detailreichen Gesamtbild herausfiltern kann, um es gierig aufzusaugen? Vielleicht sah sie auch an mir vorbei und hatte meine ungewöhnliche Gebetshaltung noch nicht als das identifiziert, was sie war. Oder hinter meinem Rücken stand am Waldrand ein ganzes Rudel Nackter, das interessanter war als ich. Diese Hoffnung schien mir unsinnig.

Ich lächelte verkrampft und widerstand dem panischen Verlangen, mich umzudrehen und zurück in den Wohnwagen zu stürzen, da ich dann der Frühaufsteherin meinen nackten Hintern obszön entgegengestreckt hätte. Die Sonne blendete mich. Ich konnte nicht wirklich entscheiden, ob sie mich überhaupt wahrnahm.

Martina zischte erneut von hinten: „Jo, komm rein!“

„Schschsch“, zischte ich vorsichtig zurück. Wenn ich die Luft anhielt und mich nicht rührte, würde die unfreiwillige Voyeurin mich nicht bemerken, hoffte ich schwach. Die Frühaufsteherin stand mindestens fünfzig Meter entfernt. Mir fiel ein, dass Hühner nur im Nahbereich scharf sehen konnten und auf größere Distanzen lediglich sich bewegende Objekte wahrnahmen. Bei Dinosauriern, den direkten Vorfahren der Hühner, war das ähnlich. In Jurassic Park wurde behauptet, die großen Fleischfresser seien komplett auf Bewegungserkennung getrimmt gewesen, doch das stimmte tatsächlich nur für Amphibien wie Frösche und Molche, deren DNA im Film in das Dino-Genom eingefügt wurde. Es war außerordentlich hilfreich, als Mathe- und Physiklehrer mit einer guten Portion Allgemeinbildung durchs Leben zu gehen. Mein Freund und Lehrerkollege Klaus Birner hatte zudem unlängst behauptet, die Mädels in seiner achten Klasse seien alle Hühner. Das war klassische deduktive Beweisführung.

Die Sekunden dehnten sich wie Stunden, und ich hatte nicht die Bohne Ahnung, wie ich dem schwarzen Loch dieses relativistischen Kosmos entrinnen sollte, in den ich direkt aus der Tür unseres Eribas splitterfasernackt hineingestolpert war. Ich kniff die Augen zusammen. Täuschte ich mich? Die ältere Dame winkte aufgeregt in meine Richtung. Näherten sich von hinter mir nun doch ein paar betende, nackte Mönche oder galt das frenetische Händegefuchtel mir? Eine flüchtige Ahnung des Wiedererkennens.

Meine linke Hand genügte an diesem kühlen Spätsommermorgen, um zu verbergen, was beide Hände nach den spritzigen Abenteuern auf Angape kaum vermocht hätten. Da hatte uns die Bettdecke gute Dienste geleistet. Ich schirmte jetzt ebenfalls meine Augen mit der rechten Hand ab, um den Wohnwagen der winkenden Dame in Augenschein zu nehmen, der unserem auf bemerkenswerte Weise glich.

Kein Zweifel. Außer uns beiden war niemand im Freien. In den wenigen Wohnmobilen und Zelten war es noch still. Die ältere Dame, die mir mit einem Mal vage vertraut erschien, ohne dass ich sofort wusste woher, meinte mich!

Ich winkte zögernd mit der rechten Hand, da meine Linke noch nicht zu einem untadeligen, naturistischen Hallo bereit war. Irgendwie entspannte sich mein Körper, allerdings ohne mein bewusstes Zutun, als bestünde mit einem mal nicht mehr die Gefahr, im hohen Bogen aus dem Paradies zu fliegen, weil ich das Feigenblatt vergessen hatte.

Der Kopf über der winkenden Hand drehte sich strahlend um und brabbelte etwas in den Wohnwagen dahinter, das ich aufgrund der Distanz und der fremden Sprache nicht verstand – bis auf den Namen, mit dem der auffällig rot lackierte Mund seinen Monolog beendete. „… Rudi.“

Es gibt keine Zufälle. Sie erinnern sich – wenn Sie Nacktgebiete gelesen haben. Spätestens jetzt ein gewichtiger Grund mehr, diesen Roman zu erwerben.

 

5.

„Ich muss in zehn Minuten zur Gemeinderatssitzung“, erklärte die beste Ehefrau von allen. „Kannst du Fritzis Hausaufgaben kontrollieren und sie ins Bett bringen?“

Klar konnte ich. Meine Frau hatte nur für den Gemeinderat kandidiert, weil die freien Wähler irgendeine Frauenquote erfüllen mussten.

„Keine Angst, das ist pro forma. Dich kennt keiner, da bekommst du ohnehin keine Stimmen“, hatte sie der Vorsitzende und Lehrerkollege Hans Fröhlich umgarnt.

Pustekuchen. Wir waren beide offensichtlich bekannt wie die bunten Hunde, weil in so einem kleinen Dorf fast jeder mal zur Schule gegangen war oder eigene Kinder in die Schule schickte und in Martina als Lehrergattin besondere Fähigkeiten im Umgang mit quengelnden Gemeinderäten in endlosen Sitzungen vermutet wurden.

Letztlich war Martina eine von zwei Frauen, die sich überhaupt aufstellen ließen, und erwartungsgemäß fanden Stimmzettel der Protestwählerinnen – das Frauenwahlrecht war bereits im Dorf angekommen – gegen die Diktatur der Dorfmachos ihren Weg auf Martinas Häufchen. Sie zog mit Pauken und Trompeten in den Gemeinderat ein, und ein gewisser Stolz erfüllte mich, dass meine Frau sich zu einer Streiterin für soziale Gerechtigkeit, einem Don Quijote im Kampf gegen die trägen Windmühlen der Verwaltung, entwickelte und der ebenso trägen Männerdominanz ordentlich Dampf machte. Es war insgeheim auch ihr Wunsch gewesen, nicht Vollzeit-Hausfrau zu bleiben, sobald Fritzi selbstständiger würde, und das war nun der Fall.

„Ich geh jetzt“, hörte ich sie flöten. Dann fiel die Tür ins Schloss. Fritzi war müde und wollte früh ins Bett, ungewöhnlich für sie, aber entspannend für mich, und so konnte ich mich gegen acht auf die Couch lümmeln und durch die Glotze zappen.

Um 21.00 Uhr ging die Tür. Martina war zurück. Sie stürmte direkt zu mir und stellte sich zwischen mich und meine Seifenoper, so dass ich den Hals reckte, um an ihr vorbeizusehen.

„Jo, hör mir mal zu.“

Ich hörte zu, zumindest tat ich so als ob.

„Blablabla … Campingplatz … blablabla … ein Franzose … blablabla.“

Nicht jetzt! Das Gesicht von Dr. House spiegelte blankes Entsetzen wider. Es ging um Leben und Tod einer nahezu nackten jungen Frau. Ich musste dem Arzt in dieser Krise wenigstens mit meiner ungeteilten Aufmerksamkeit beistehen.

„Verstehst du?!“, fragte Martina nach einer Pause eindringlich und hielt ihr Gesicht dicht vor meines, so dass ich keine Chance hatte, Dr. House länger dabei zuzusehen, wie er mit seinen blutigen Fingern in einer pulsierenden Wunde unterhalb zweier riesiger Brüste herumwühlte. Schade.

„Ja, schon klar“, antwortete ich mit einem sinnlosen Allgemeinsatz.

„Hast du nicht auch so eine Ahnung, wer das sein könnte?“, fragte Martina, als wüsste sie mehr als ich.

„Wer?“, fragte ich jetzt.

„Na, der Franzose.“

„Es gibt viele Franzosen“, erwiderte ich ausweichend.

„Ach. Tatsächlich? Gut, dass du mich darauf hinweist“, sagte Martina jetzt leicht gereizt, weil ihr offensichtlich klar wurde, dass ich nicht sämtliche Energie aus dem Maschinenraum in die ihr zugewandten grauen Zellen umgeleitet hatte.

„Du hast mir überhaupt nicht zugehört!“, behauptete sie – nur zum Teil berechtigt – was mich – nur zum Teil berechtigt – empörte.

„Da ist ein Franzose auf dem Campingplatz. Na und? Hat da einer von den Rassisten im Gemeinderat was gegen Franzosen? Vielleicht weil die unser alter Erbfeind aus wenigstens drei Kriegen der letzten zweihundert Jahre sind? Typisch. Bestimmt so ein paar gehirnamputierte Mitläufer aus dem Zweiten Weltkrieg, die ihre HJ-Medaillen unter den braunen Hemden tragen. Schweinerei. Eine Schande für das ganze Dorf.“ Ich hatte mich in Rage geredet und erinnerte mich an eine lustige Geschichte meines Lieblingssatirikers Ephraim Kishon: Wie man ein Buch bespricht, ohne es zu lesen. Ich holte gerade Luft zu einer weiteren Schimpftirade auf das braune Gesocks, da fiel mir die beste Ehefrau von allen ins Wort.

„Mann, Jo. Es geht darum, dass der Campingplatz Obere Mühle seit gut einem halben Jahr zum Verkauf steht. Die alten Däumels wollen in Rente. Sie sind beide über siebzig und schaffen das nicht mehr. Jetzt hat sich ein reicher Franzose gemeldet, der die geforderte Summe zahlen will.“

„Und die europafeindlichen Plattköpfe im Gemeinderat sprechen schon von einer französischen Invasion und dem Ausverkauf des Schwarzwaldes?“, versuchte ich zu retten, was zu retten war.

Martina runzelte skeptisch die Stirn. „Ja. Es gibt ein paar Stimmen, die aus diesem Grund gegen den Verkauf sind. Das ist aber eine Sache, die nur die Däumels und den Käufer etwas angeht. Das wollte ich aber nicht mit dir besprechen. Der Käufer kommt aus dem Elsass und hat anscheinend schon Erfahrung mit Campingplätzen. Klingeltʼs da bei dir?“

Es klingelte tatsächlich. Eine schrille Alarmglocke. Red Alert! Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich. Hatte etwa Luc vor, den Campingplatz zu kaufen? War das sein geheimnisvolles Projekt? Wäre der zweite Schritt nicht zwangsläufig, ihn ein bisschen naturistisch umzugestalten?

Gute Güte. Mein Gehirn war zu klein, um die Konflikte zu ermessen, die sich in unserem Spießerdorf daraus ergeben würden und gegen die alle deutsch-französischen Kriege eine Schulhofprügelei gewesen wären. Was mich aber am meisten beunruhigte war, dass wir selbst mitten in das Gemetzel und zwischen die Fronten geraten würden. Wir wären keine unbeteiligten Zaungäste. Martina war vermutlich die Tochter Lucs. Er war mein Schwiegervater. Claudia seine Geliebte. Oh Gott. „Meinst du wirklich, dass …? Kennt man denn schon den Namen des Käufers?“, fragte ich.

„Ein Philipp Busset aus Colmar. Soll so Mitte dreißig sein.“

„So jung ist unser Luc aber nicht mehr.“

„Nein, ich weiß. Außerdem gibt es sicher viele Franzosen aus dem Elsass, die irgendwelche Campingplätze betreiben. Einen Camping Municipal gibt es ja nahezu in jedem Dorf in Frankreich. Ich dachte nur …“, meinte Martina nachdenklich. „Irgendwie schon komisch …“

Fand ich auch, und der Gedanke, dass Luc damit etwas zu tun hatte, ließ mich nicht mehr los. Künstlernamen waren ja eine seiner Maschen, doch weshalb sollte er in diesem Fall seinen wahren Namen verschweigen? Ein notarieller Kauf in Deutschland mit falschem Namen und fragwürdigen Ausweispapieren war faktisch unmöglich.

Nachdem Dr. House die schöne Verwundete in die ewigen Jagdgründe befördert hatte und darüber äußerst zerknirscht wirkte, verlor ich das Interesse an den nun nicht mehr bebenden Brüsten der adretten Leiche und schaltete aus.

„Vielleicht finden wir etwas über diesen Philipp Busset im Internet“, schlug ich vor und nahm mein Notebook auf den Schoß. Martina setzte sich neben mich und schaute gebannt auf den Bildschirm. Eine äußerst wohlhabende Familie Busset hieß eigentlich de Bourbon-Busset und war über die Bourbonen aus der Linie Anjou hervorgegangen. „Na, wenn das nicht auch schon wieder ein seltsamer Zufall ist“, sagte ich. „Unser Luc ist schließlich ein Anjou.“

„Das wissen wir nicht sicher. Nur weil aus Lucas de Jouan umgedreht ein Lucas de Anjou wird, ist das noch kein Beweis. Das hast du mir auf Angape selbst gesagt. Wir haben es einfach angenommen, weil es so schön passte.“

„Hmm“, sagte ich. „Du hast natürlich recht. Lass uns warten, bis er da ist. Dann fragen wir ihn selbst.“

 

Ich schlief ein wenig unruhig in dieser Nacht, doch dann hatte mich der Alltag wieder. Ich erinnerte mich an die naturistische Weisheit, die mir Claudia ins Gedächtnis zurückgerufen hatte. Ich pflückte die Tage bis zu Lucs Ankunft und genoss die spätsommerliche Wärme zusammen mit oder in Martina an Orten, die wir in dieser Hinsicht tatsächlich noch nie auf ihre Eignung geprüft hatten. Es gab uneinsehbare Ecken im Garten. Wir fanden einen Jägerhochsitz im Wald mit herrlicher Fernsicht, an dem Rehe und Hirsche vorbeistolzierten, während Martina umgekehrt auf mir saß und mein Schuss mit lautem Stöhnen von hinten losging.

Der L-Day brach an. Wir standen gegen acht auf. Claudia kam zum Frühstück zu uns und gegen neun waren wir bereit zur Abfahrt zum Flughafen, auf dem Luc pünktlich um neun Uhr fünfzig mit seinem Hausstand landen würde. Wir wollten ihn alle gemeinsam abholen, auch Fritzi, die Flugplätze ohnehin aufregend fand. Ich hoffte, dass das Gepäck eines naturistischen Umzugs neben fünf Personen noch in unserem Sharan unterzubringen war. Ich hatte etwas Bauchschmerzen und erinnerte mich in einem Anfall leichter Übelkeit an die Fahrt in Pierres Sardinenbüchse zum Flughafen Bordeaux.

„Ex okzidente Luc“, sagte ich in Anlehnung an den päpstlichen Wappenspruch aus dem Weltbestseller In den Schuhen des Fischers von Morris West und tippte auf meine Armbanduhr. Claudia und Martina schienen nervös, so dass sie meinen feinsinnigen Humor nicht angemessen würdigen konnten, obwohl sie wie ich in der Schule mit dem kleinen Latinum auf die schlauen Sprüche lateinischer Sprücheklopfer vorbereitet worden waren.

Schade.

Ich nahm es ihnen nicht übel. Ich selbst war die Ruhe in Person. Es war sicher eine gütige Fügung des Schicksals, dass ich diese letzten köstlichen Augenblicke vor Lucs Ankunft unbeschwert genießen konnte, nicht ahnend, in welchem Maße er unser Leben mal wieder total auf den Kopf stellen sollte.


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Andreas Geist ist hauptberuflich Zahnarzt, aber seine Leidenschaft gehört dem Schreiben. In der Nacktgebiete-Reihe mischt er Autobiografisches mit Fantastischem, Philosophischem und Nicht-Zufälligem zu einer humorvoll-quirligen und ungewöhnlichen Sommergeschichte um eine der zentralen Fragen, die nicht nur Männer seit der Vertreibung aus dem Paradies beschäftigt: Warum fühlst du dich nackt, Adam?

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