Thomas Kowa im Interview

Thomas KowaWorum geht es in deinem neuen Thriller Remexan – Der Mann ohne Schlaf?

Es geht um das Medikament Remexan mit dessen Hilfe man nur noch eine Stunde pro Tag schlafen muss. Kurz nach der Markteinführung des Medikaments geschehen mehrere Morde an Pharmamanagern, die in Verbindung zum Remexan stehen. Dann wird der ermittelnde Kommissar Lindberg selbst vor die Entscheidung gestellt, das Remexan einzunehmen …

 

Wie bist du auf die Idee für Remexan gekommen?

Die Idee zu dem Medikament Remexan – mit dem man nur noch eine Stunde Schlafen muss – habe ich tatsächlich geträumt. Wahrscheinlich war ich ziemlich übernächtigt und mein Körper fand das eine tolle Idee :-). Am nächsten Morgen stand für mich schnell fest: Daraus muss jemand ein Buch machen. Damals habe ich noch gar nicht geschrieben und habe dann nur mit dieser Idee bewaffnet damit angefangen.
Den ersten Entwurf fand ich toll, aber da war ich leider der einzige. In langen Jahren und vielen Kursen habe ich dann das notwendige Handwerkszeug erlernt, habe die Story immer wieder überarbeitet und dazwischen andere Bücher und Geschichten veröffentlicht, aber dieser eine Traum, der hat mich nicht losgelassen. Und jetzt ist es endlich soweit.

 

Was fasziniert dich an Thrillern?

Thriller erlauben es in eine Parallelwelt abzutauchen, die fast genauso wie unsere ist. Nur ein paar Stellschrauben werden verändert – wie beispielsweise das Medikament mit dem man nur eine Stunde Schlafen muss in Remexan – und schon habe ich eine Spannung. Wie wird sich die Welt ändern? Wer profitiert, wer verliert? Und wer wehrt sich dagegen?

 

Wie realistisch ist das Szenario von Remexan?

Ich habe über zwanzig Jahre in der Pharmaindustrie gearbeitet und ich halte es durchaus für möglich, das es eines Tages ein solches Medikament gibt. Beispielsweise gab es schon in den 30er Jahren das Medikament Pervetin (im Grunde war das Speed) mit dem die Wehrmachtsoldaten tage-und nächtelang durchkämpfen konnten – bis dann die ebenso lange Erschöpfung kam und die Sucht. Wenn man an all die Fortschritte in der Medikamentenentwicklung in den letzten hundert Jahren denkt, kann ich mir gut vorstellen, dass in den nächsten Jahrzehnten ein solches Mittel auf den Markt kommt. Zumal das ganze ein Milliardengeschäft wäre und damit manche in der Pharmaindustrie bereit wären, über die eine oder andere Nebenwirkung hinwegzusehen.

 

Du hast selbst über zwei Jahrzehnte in der Pharmaindustrie gearbeitet, meinst du nicht, dass dir dein Buch dort Probleme bereiten wird?

Die Pharmaindustrie hat mit sehr vielen lebensrettenden Medikamenten dafür gesorgt, dass unsere Lebenserwartung immer länger wird, das Kinder mit Diabetes nicht mehr sterben müssen, oder das verheerende Epidemien wie die Pest oder Cholera nicht mehr auftreten können.
Das ist die gute Seite und es gibt unzählige Mitarbeiter in den Pharmafirmen die dafür jeden Tag ihr bestes geben. Und dann gibt es eine dunkle Seite, auf der Studienergebnisse gefälscht werden, Nebenwirkungen verschwiegen und Arzneimittelpreise mal eben um das hundertfache erhöht werden. Das ist die Seite, gegen die ich mit dem Buch anschreibe, denn im Grunde sind das kriminelle Handlungen, die niemand dulden sollte, sei der Gewinn noch so hoch. Natürlich wird mir da jeder CEO eines Pharmaunternehmens selbstredend zustimmen – nur ob er auch danach handelt, das ist die andere Frage.
Genau darum geht es auch in dem Buch: Wer setzt sich durch? Die aufrichtigen, ethisch korrekten, die in der Industrie arbeiten, oder die, denen es nur um den nächsten Bonus geht?

 

Wer ist „der Mann ohne Schlaf“, der im Untertitel des Buchs genannt wird?

Für mich ist das die Hauptperson des Romans, Kommissar Erik Lindberg. Von Alpträume geplagt versucht er für seine im Koma liegende Freundin da zu sein, er hat bei jedem Besuch eine andere Idee, wie er sie wieder ins Leben zurückbringen will – doch alle Versuche scheitern. Dann ereignen sich Mordfälle an Pharmamanagern und er erkennt, dass das Medikament Remexan damit in Verbindung steht. Gleichzeitig wird er vom Polizeichef unter Druck gesetzt, das Medikament zu nehmen. Es würde eine Menge Probleme lösen – keine Alpträume mehr, viel mehr Zeit für die Freundin und für die Ermittlungen – und trotzdem traut er dem Medikament nicht. Bis er es selbst nimmt…

 

Hast du eine Fortsetzung von Remexan geplant?

Ja, schon einen Monat später wird der Thriller Redux erscheinen – der zweite Fall von Kommissar Erik Lindberg. Es geht um einen alten Ritus, mit dem man im Mittelalter glaubte, Totgeborene wieder zum Leben erwecken zu können, der plötzlich wieder an ermordeten jungen Frauen angewendet wird. Dieses Ritus, den ich im Buch schildere gab es im Mittelalter tatsächlich und er ist auch heute noch verblüffend und faszinierend. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten, das steht dann im Buch … 🙂

Thomas Kowa – Remexan

Thomas Kowa, geboren 1969, wohnt in Bern und Mannheim. Er hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitete über zwanzig Jahre in der Pharmaindustrie. Nebenbei ist er Musikproduzent, manchmal Weltreisender und Mitglied der Schweizer Fußballnationalmannschaft der Autoren. In seinem Thriller Remexan erlebt der Ermittler Erik Lindberg seinen ersten Fall – und das ausgerechnet in der Pharmaindustrie …

Hier geht’s zum Trailer von Remexan und hier zu ersten Fall und hier zum zweiten Fall von Kommissar Erik Lindberg.